Der Umbau des Bahnhofs Borghorst: Von der "unendlichen Geschichte" zur Sanierung mit Zukunft

Der Bahnhof Borghorst, ein historisches Gebäude aus dem über 100 Jahre zurückliegenden Industriezeitalter, hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Zahlreiche Investoren, Planungsänderungen und externe Herausforderungen wie die Pandemie und steigende Baukosten haben den Weg zur Sanierung erschwert. Doch mittlerweile ist ein neuer Investor angetreten, der nun nach langer Wartezeit den entscheidenden Schritt in die Umsetzung gegeben hat: Thomas Knips, Eigentümer des Bahnhofs, hat die Baugenehmigung für die Sanierung erhalten. In diesem Artikel wird der aktuelle Stand des Projekts vorgestellt, die geplanten Veränderungen beschrieben und der Weg von der Planung bis zur Fertigstellung beleuchtet.

Der historische Hintergrund des Bahnhofs Borghorst

Der Bahnhof Borghorst ist Teil der Bahnstrecke zwischen Münster und Enschede und wird von der DB Regio betrieben. Die Immobilie selbst stammt aus der Zeit des Industrialisierungsbooms und spiegelt damit die architektonischen Merkmale des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wider. Obwohl das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, besitzt es dennoch eine historische Ausstrahlung, was im Zuge der Sanierung berücksichtigt werden soll. Die ehemalige Bahnhofsgaststätte, ein Güterschuppen und weitere Gebäudekomplexe sind Teil der Gesamtfläche und werden in das Projekt integriert.

Vom "Investor-Desaster" zum Durchbruch

Die Geschichte der Sanierung des Bahnhofs Borghorst war geprägt von mehreren Investorenwechseln. Zunächst stellte Pero Vrdoljak ein Konzept vor, das aber nicht umgesetzt wurde. Anschließend folgten zwei weitere Investoren, die sich nicht durchsetzen konnten oder ausstiegen. Der lang ersehnte Durchbruch kam mit Thomas Knips, der aus Mettingen stammt und bereits Erfahrung in der Sanierung historischer Gebäude hat. Er hat nicht nur den Bahnhof Borghorst übernommen, sondern auch den Bahnhof in Kattenvenne, der unter strengen Denkmalschutz steht und nach ähnlichen Prinzipien saniert werden soll.

Thomas Knips ist ein erfahrener Unternehmer, der sich nicht nur auf Immobilien spezialisiert hat, sondern auch die Herausforderungen des Bau- und Sanierungsmarkts kennt. Sein Ziel ist es, den Bahnhof Borghorst in ein modernes Wohn- und Geschäftszentrum zu verwandeln, das gleichzeitig historische Elemente bewahrt. Der Erfolg dieses Projekts ist für ihn nicht nur eine wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch ein persönliches Vorhaben mit langfristigem Fokus.

Die Baugenehmigung und der Start der Sanierung

Die Baugenehmigung für die Sanierung des Bahnhofs Borghorst wurde am Montag, 11. Dezember 2023, von Technischer Beigeordneter Hans Schröder an Thomas Knips übergeben. Die Genehmigung war das Ergebnis einer intensiven Planungsphase, in der sowohl das Architekturbüro Markus Silder als auch die Kommune Borghorst engagiert waren. Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer betonte, dass die Übergabe der Baugenehmigung ein "historischer Augenblick" sei, der das Projekt in die konkrete Umsetzung katapultiert.

Die Baugenehmigung ist ein entscheidender Meilenstein, da sie die rechtliche Grundlage für den Bau bietet. Sie signalisiert zudem, dass das Projekt den kommunalen Vorgaben entspricht und dass die Sanierung nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus ökologischen und sozialen Sicht sinnvoll ist. Mit der Baugenehmigung im Rücken kann der Investor nun die Planung abschließen und mit den Bauarbeiten beginnen.

Der geplante Umbau: Wohnen, Gewerbe und Gastronomie im Zusammenspiel

Die Sanierung des Bahnhofs Borghorst beinhaltet mehrere Komponenten, die eng miteinander verzahnt sind:

1. Wohnungen und Lofts

Im Zuge der Sanierung entstehen insgesamt 13 Wohnungen. Davon sind sechs als Lofts in den angrenzenden Güterschuppen geplant, wobei jede Loft über ein eigenes Grundstück verfügen wird. Die Lofts sollen modern und hochwertig ausgestattet sein, mit großzügigen Räumen und einer klaren Einteilung. Ein Prototyp der Lofts wird vollständig fertiggestellt, um Interessenten einen konkreten Eindruck zu vermitteln.

Zusätzlich entstehen acht Wohnungen im Hauptgebäude, die sowohl als Mietwohnungen als auch für den Verkauf vorgesehen sind. Eine dieser Wohnungen wird rollstuhlgerecht saniert, um barrierefreies Wohnen zu ermöglichen.

2. Büroflächen

Neben den Wohnungen entstehen auch Büroflächen im Hauptgebäude. Diese Räumlichkeiten sollen gezielt für freiberufliche Tätigkeiten oder kleine Betriebe genutzt werden. Der Fokus liegt dabei auf der Verbindung von Arbeit und Lebensraum – ein Ansatz, der im Trend zur Urbanisierung und zum Home-Office-Konzept liegt.

3. Gastronomie und Café

Ein weiteres zentrales Element der Sanierung ist die Etablierung einer Gastronomieeinrichtung im Bereich der ehemaligen Bahnhofsgaststätte. Das Café wird sich direkt an der Durchgangszone zur Gleisanlage befinden, was den öffentlichen Charakter des Projekts unterstreicht. Es ist geplant, dass das Café nicht nur für die zukünftigen Mieter und Käufer, sondern auch für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich ist.

4. Der Güterschuppen und seine Nutzung

Der Güterschuppen, der historisch gesehen für den Transport von Gütern genutzt wurde, wird in das Projekt eingebunden. Er wird nicht nur für die Lofts genutzt, sondern auch als Teil der architektonischen Gestaltung. Im Gegensatz zu früheren Planungsversionen wird hier nicht nur die Funktion bewahrt, sondern auch die ästhetische Komponente gestärkt. Der Güterschuppen wird mit Klinker verkleidet und durch architektonische Elemente wie Vorsprünge und historisierende Details gestaltet, um die historische Atmosphäre zu bewahren.

Materialien und Gestaltung: Ein neuer Anstrich für das alte Gebäude

Die äußere Erscheinung des Bahnhofs Borghorst wird deutlich verändert. Bislang war das Gebäude in einer grau-weißen Putzfassade gehalten, was es eher trist erscheinen ließ. Im Zuge der Sanierung wird das Gebäude stattdessen mit Klinkersteinen verkleidet. Dieser Baustoff ist besonders robust und verleiht dem Gebäude eine warme, natürliche Optik. Zudem ermöglicht er eine bessere Integration in die historische Umgebung.

Thomas Knips betonte, dass der Klinker in Verbindung mit Vorsprüngen und weiteren architektonischen Elementen den Charakter des Gebäudes stärken werde. Die Fassade soll nicht einfach modernisiert, sondern historisch korrekt und harmonisch gestaltet werden. Zudem bleibt das Hauptgebäude als solches erhalten – es wird nicht abgerissen oder grundlegend umgestaltet, sondern lediglich erneuert und modernisiert.

Öffentliche Förderung und wirtschaftliche Hintergründe

Die Sanierung des Bahnhofs Borghorst ist nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern auch ein wirtschaftlich relevantes. Aufgrund der gestiegenen Baukosten und der allgemeinen wirtschaftlichen Situation musste Thomas Knips mehrfach die Planung anpassen. Eine der wichtigsten Entscheidungen war, dass sieben der insgesamt acht Wohnungen im Hauptgebäude öffentlich gefördert werden. Dies bedeutet, dass sie über staatliche Zuschüsse finanziert werden, was den Investorenplanungsspielraum stark einengt, aber auch die soziale Komponente des Projekts unterstreicht.

Die öffentliche Förderung ist ein entscheidender Faktor, um das Projekt wirtschaftlich tragfähig zu gestalten. Ohne staatliche Unterstützung wäre es aufgrund der hohen Baukosten und der langen Planungsphase nicht möglich, das Vorhaben umzusetzen. Thomas Knips betonte, dass die Landeszuschüsse einen entscheidenden Beitrag leisten, um das Projekt in die Realität umzusetzen.

Zeitplanung und aktueller Stand

Thomas Knips hat sich öffentlich dazu verpflichtet, das Projekt bis Ende 2024 abzuschließen. Dies ist eine klare Frist, die in Anbetracht der vergangenen Verzögerungen und Planungsänderungen besonders wichtig ist. Die Sanierung begann nach der Erteilung der Baugenehmigung, und der Investor verspricht, dass die Bauarbeiten innerhalb von vier Wochen nach der Übergabe der Genehmigung starten werden.

Der aktuelle Zeitplan sieht folgende Meilensteine vor:

  • Ende 2024: Fertigstellung des gesamten Projekts.
  • Mittleres Quartal 2024: Fertigstellung des Prototyps einer Loft, um Interessenten ein konkretes Bild zu vermitteln.
  • Ende 2023 bis Anfang 2024: Abschluss der Bauplanung und Genehmigungen.

Diese Zeitplanung berücksichtigt die Erfahrungen der vergangenen Jahre, in denen unvorhergesehene Herausforderungen wie die Pandemie und der Handwerkermangel die Sanierung behinderten. Thomas Knips betont, dass er in den vergangenen Jahren gelernt habe, mit solchen Risiken umzugehen und Flexibilität in die Planung einzubauen.

Der bauliche Aufwand und die Herausforderungen

Die Sanierung des Bahnhofs Borghorst ist ein aufwendiges Projekt, das sowohl architektonische als auch technische Herausforderungen mit sich bringt. Architekt Markus Silder hat im Gespräch betont, dass die Sanierung nicht nur die äußere Erscheinung des Gebäudes verändern wird, sondern auch die bauliche Substanz. Es wird eine umfassende Dämmung, die Installation neuer Fenster und Türen sowie die Anpassung der Elektro- und Sanitärinstallationen vorgenommen.

Ein weiterer Aspekt ist die Einführung eines Aufzugs im Hauptgebäude, der den barrierefreien Zugang ermöglicht. Dies ist insbesondere für die rollstuhlgerechte Wohnung im Erdgeschoss relevant, aber auch für die allgemeine Nutzbarkeit des Gebäudes. Zudem wird ein Teil des Gebäudes für die Gastronomie genutzt, was besondere hygienische und funktionale Voraussetzungen erfordert.

Fazit

Der Bahnhof Borghorst ist auf dem besten Weg, aus seiner "unendlichen Geschichte" herauszutreten. Mit der Erteilung der Baugenehmigung durch die Stadt Steinfurt und der klaren Planung durch Investor Thomas Knips hat sich ein Projekt in Bewegung gesetzt, das nicht nur architektonisch, sondern auch sozial und wirtschaftlich Bedeutung hat. Die Sanierung des Bahnhofs wird nicht nur das historische Erbe bewahren, sondern auch einen neuen Impuls für die Region setzen.

Die Kombination aus Wohnungen, Büroflächen und Gastronomie macht das Projekt zu einem Vorzeigebeispiel für moderne Sanierung mit historischem Anker. Zudem ist die öffentliche Förderung ein entscheidender Faktor, der den wirtschaftlichen Aspekt des Projekts tragfähig macht. Mit der Fertigstellung des Projekts bis Ende 2024 wird der Bahnhof Borghorst nicht nur eine architektonische, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Zukunft haben.

Quellen

  1. Baugenehmigung für Borghorster Bahnhof erteilt: Wohnungen, Lofts und ein Café
  2. Baugenehmigung für Borghorster Bahnhof erteilt: Wohnungen, Lofts und ein Café
  3. Wohnungen, Lofts und ein Café im alten Bahnhof Borghorst
  4. 13 öffentlich geförderte Wohnungen, Café und HNO-Praxis entstehen
  5. Investor Nummer drei in den Startlöchern
  6. Investor Nummer drei in den Startlöchern
  7. Bahnhof Borghorst: Umbau nach langer Zeit

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