Charité: Sanierungsstrategie, Planungsbüros und Bauherrenorganisation im Spannungsfeld von Tradition und Moderne

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin steht im Herzen Berlins nicht nur als eine der größten medizinischen Einrichtungen Europas, sondern auch als herausforderndes und komplexes Objekt im Bereich der Sanierung und Bauplanung. Mit einem stetig wachsenden Bedarf an moderner Infrastruktur, der Erhaltung historischer Gebäude und der Realisierung neuer Projekte, die sich an den Anforderungen der Zukunft orientieren, ist die Charité ein Paradebeispiel für die Planung, Durchführung und Organisation großer Sanierungs- und Neubauprojekte im Gesundheitssektor.

Dieser Artikel beleuchtet die Planungsbüros, die Bauherrenorganisation sowie die strategischen Vorgaben, die hinter der Sanierungsplanung der Charité stehen. Dabei werden die Strukturen des Geschäftsbereichs Bau, die Rolle des Projekt Management Office (PMO), die Zusammenarbeit mit externen Planungsteams, die besondere Herausforderung des Denkmalschutzes und die zukunftsorientierten Projekte wie das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) im Detail beschrieben.


Einführung: Die Charité als Baupartner der Zukunft

Die Charité unterliegt einem ständigen Wandel. Mit vier Campusstandorten, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben, ist die Charité ein Gebäudeensemble mit einer Mischung aus historischem Erbe und moderner Architektur. Diese Komplexität spiegelt sich in den Sanierungs- und Neubauprojekten wider, die oft unter den Vorgaben des Denkmalschutzes, moderner medizinischer Anforderungen und der Nachhaltigkeit realisiert werden.

Die Sanierungsstrategie der Charité wird durch die Vision „Charité 2030“ geprägt, die die Entwicklung der Campusstandorte in Richtung eines modernen, funktionalen und nachhaltigen Gesundheitscampus vorsieht. Der Geschäftsbereich Bau ist zentraler Akteur dieser Entwicklung. In enger Zusammenarbeit mit Planungsbüros, Ingenieuren und Architekten wird die Transformation der Charité in die Medizin der Zukunft betrieben.


Der Geschäftsbereich Bau: Zentrale Steuerung und Koordination

Die Bauplanung und -umsetzung bei der Charité ist in verschiedene Abteilungen unterteilt, die jeweils spezifische Aufgabenbereiche übernehmen. Die wichtigsten davon sind die Strategische Zielplanung, das Baumanagement und das Projekt Management Office (PMO). Diese Abteilungen arbeiten eng mit externen Planungsbüros zusammen und sind für die Koordination, Planung, Budgetierung und Realisierung der Bauprojekte verantwortlich.

Strategische Zielplanung: Von der Vision bis zur Bauplanung

Die Strategische Zielplanung ist für die langfristige Planung der städtebaulichen Entwicklung der Charité zuständig. Die Abteilung, geleitet von Nadine Mauritz, entwickelt konzeptionelle Entwürfe, die die städtebaulichen, architektonischen, ökologischen und funktionellen Aspekte berücksichtigen. Diese Entwürfe dienen als Grundlage für die spätere Planung und Finanzierung von Einzelentwicklungsmaßnahmen.

Ein zentrales Ziel ist es, die historischen Gebäude und Strukturen der Charité in Einklang mit den Anforderungen moderner Medizin zu bringen. Dies erfordert innovative Lösungen, die sowohl den Denkmalschutz als auch die medizinischen Anforderungen berücksichtigen.

Baumanagement: Koordination und Realisierung

Das Baumanagement, geleitet von Robert Tholl, koordiniert alle Baumaßnahmen der Charité, insbesondere solche, die in Zusammenarbeit mit dem Land Berlin realisiert werden. Das Team betreut die gesamte Planungskette – von der Erstellung des Vorentwurfs bis zur Werkplanung und zur Vergabe der Bauleistungen. Besondere Herausforderungen ergeben sich aus dem Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden und der Notwendigkeit, die medizinische Funktion auf modernem Niveau zu gewährleisten.

Ein Beispiel hierfür ist die Sanierung des Bettenhauses der Charité-Mitte. Dieses Projekt umfasste die Komplettsanierung des Universitäts-Klinikhochhauses mit ca. 65.000 m² BGF und den Neubau der 15 OPs inklusive Intensivstation mit ca. 25.000 m². Zudem erfolgte die Sanierung der Kältezentrale und die Aufschaltung der MSR-/GLT-Systeme auf den Gesamtcampus.

Projekt Management Office (PMO): Budgetsteuerung und Controlling

Das Projekt Management Office (PMO), geleitet von Bianca Kegler, ist für die Steuerung der Landesbudgets verantwortlich, die für die Realisierung der Baumaßnahmen erforderlich sind. Die zentralen Aufgaben des PMO umfassen das Auftrags- und Rechnungswesen, das Controlling der Baubudgets sowie die Koordination mit Architekten und Ingenieuren. Das PMO fungiert zudem als zentrale Schnittstelle zu weiteren Geschäftsbereichen der Charité und zu den Senatsverwaltungen, um einen kooperativen Informationsaustausch zu gewährleisten.


Planungsbüros und externe Partner: Kollaboration im Bauvorhaben

Die Planung und Realisierung der Baumaßnahmen der Charité erfolgt in enger Zusammenarbeit mit externen Planungsbüros, Ingenieuren und Architekten. Diese Partner übernehmen wichtige Teile der Planung, von der Erstellung des Vorentwurfs bis hin zur Werkplanung und zur Bauleistungsvergabe.

Der Umgang mit historischen Strukturen

Ein besonderes Merkmal vieler Projekte der Charité ist die Notwendigkeit, historische Gebäude unter Denkmalschutz in die Zukunft zu integrieren. Dies ist beispielsweise am Campus Benjamin Franklin der Fall, wo das Bettenhaus I seit 2013 unter Denkmalschutz steht. Die Sanierung der Patientenstationen erfolgte in drei Abschnitten, wobei der zweite Abschnitt (SPS II) den Südflügel des Bettenhauses über vier Geschosse umfasste. Die Sanierung beinhaltete die Erneuerung der gesamten Gebäudetechnik, Brandschutzertüchtigung und Optimierung der Funktionsbereiche innerhalb der Stationen.

Spezialisierte Planung im medizinischen Bereich

Ein weiterer Schwerpunkt der Planung ist die medizinische Ausstattung, die in den Gebäuden untergebracht wird. Hier ist die Zusammenarbeit mit Planungsbüros, die auf Medizintechnik spezialisiert sind, von großer Bedeutung. Beispiele hierfür sind die Sanierung der Poliklinik für Urologie am Campus Benjamin Franklin, bei der zwei urologische Röntgenarbeitsplätze eingerichtet wurden, oder die Erneuerung des Phantomsaals der Zahnklinik, bei dem 48 Simulationsarbeitsplätze eingerichtet wurden.

Diese Projekte zeigen, dass die Planung in der Medizinbranche nicht nur architektonische, sondern auch technische und funktionale Aspekte berücksichtigen muss. Die Planung muss sich an die spezifischen Anforderungen der Medizin orientieren, was die Zusammenarbeit mit Fachplanern unerlässlich macht.


Großprojekte: Der DHZC und andere Leuchttürme

Großprojekte mit einem Volumen von über 60 Millionen Euro sind zentraler Bestandteil der Sanierungsstrategie der Charité. Ein prominentes Beispiel ist das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) am Campus Virchow-Klinikum. Mit einer Fläche von 29.790 m² NUF und Kosten von rund 521 Millionen Euro ist das DHZC eines der größten Bauvorhaben der Charité.

Das DHZC wird modernste OP-Säle, Labore und Hybrid-Eingriffsräume beinhalten und europaweit Maßstäbe setzen. In dem Neubau, der im Jahr 2029 in Betrieb gehen soll, werden zudem die Rettungsstellen des Klinikums als interdisziplinäre, zentrale Notaufnahme neu strukturiert und die zentrale Sterilgutversorgungsabteilung untergebracht. Das Land Berlin stellt dafür 421 Millionen Euro bereit, der Bund beteiligt sich mit 100 Millionen Euro.

Koordination durch den Geschäftsbereich Bau

Die Koordination solcher Großprojekte liegt in den Händen des Geschäftsbereichs Bau. Matthias Schmidt und sein Team sind für die Planung und Realisierung dieser hochkomplexen Projekte verantwortlich. Sie agieren als zentrale Steuerungsebene und sorgen dafür, dass die Projekte zeitgerecht und unter Einhaltung der Budgetgrenzen realisiert werden.

Ein weiteres Beispiel ist das neue Pharmazeutische Zentrum, in dem Herstellungsbereiche der Universitätsapotheke sowie Radiopharmazie und Zelltherapie untergebracht werden. Die Planung und Realisierung dieses Projekts unterliegen den strengen Vorgaben des GMP-Standards. Um dieses Projekt zu realisieren, müssen neue Finanzierungsmodelle entwickelt und etabliert werden.


Der neue Geschäftsbereich „Bau, Infrastruktur und Nachhaltigkeit“

Zum 1. Januar 2026 bündelt die Charité ihre baulichen und infrastrukturellen Aktivitäten in einem neuen Geschäftsbereich: Bau, Infrastruktur und Nachhaltigkeit (GB BIN). Leitender Geschäftsführer ist Simon Batt-Nauerz, der bislang als Geschäftsführer der Charité Facility Management (CFM) tätig war. Neben der Leitung des neuen Geschäftsbereichs übernimmt er weiterhin die Geschäftsführung von CFM.

Die Einführung des neuen Geschäftsbereichs ist Teil der Strategie „Charité 2030“, die auf eine moderne, nachhaltige und klimafreundliche Krankenhausinfrastruktur abzielt. Ziel ist es, Neubauprojekte sowie die Sanierung und Modernisierung bestehender Gebäude systematisch und ganzheitlich umzusetzen.

Zu den zentralen Aufgaben des neuen Geschäftsbereichs gehören:

  • Energetische Maßnahmen zur Erreichung einer klimafreundlichen Gebäudestruktur
  • Ein zentrales Flächenmanagement zur Effizienzsteigerung und Optimierung von Ressourcen
  • Die Koordination von Großprojekten und der Zusammenarbeit mit externen Partnern

Herausforderungen und Chancen

Simon Batt-Nauerz betont, dass die Charité eine führende Einrichtung in Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Translation bleiben wolle. Dafür seien auch die baulichen Voraussetzungen unerlässlich. Er kündigte an, bereits vor dem offiziellen Start der neuen Einheit in verschiedene Bereiche und Teams zu gehen, um vorbereitende Maßnahmen anzustoßen.

Zugleich stehen die Bauprojekte in einer Zeit, in der die Berliner Landespolitik einen strikten Sparkurs verfolgt. Dies bedeutet, dass die Charité auch kreative Finanzierungsmodelle und effiziente Planungsschritte einsetzen muss, um ihre Ziele zu erreichen.


Fazit

Die Sanierungsplanung der Charité ist ein komplexes und herausforderndes Unterfangen, das auf einer klaren strategischen Ausrichtung beruht. Der Geschäftsbereich Bau, in enger Zusammenarbeit mit externen Planungsbüros und Ingenieuren, ist zentraler Akteur in der Transformation der Charité in ein modernes, nachhaltiges Gesundheitscampus. Die Projekte, die sich innerhalb dieses Rahmens bewegen, reichen von der Sanierung historischer Gebäude bis hin zu den Neubauten, die die Medizin der Zukunft prägen sollen.

Großprojekte wie das Deutsche Herzzentrum der Charité oder das Pharmazeutische Zentrum zeigen, dass die Charité nicht nur auf die medizinischen Anforderungen, sondern auch auf die städtebaulichen, ökologischen und infrastrukturellen Herausforderungen reagiert. Die Einführung des neuen Geschäftsbereichs „Bau, Infrastruktur und Nachhaltigkeit“ ist ein weiterer Schritt in diese Richtung und unterstreicht die strategische Bedeutung der baulichen Entwicklung für die Zukunft der Charité.


Quellen

  1. Team und Vision der Charité
  2. BPS Services – Projekte
  3. Charité: Modernisierung der Standorte
  4. KMA Online: Simon Batt-Nauerz leitet Bau, Infrastruktur und Nachhaltigkeit
  5. Liebert-Ing: Sanierung Hochhaus und Neubau
  6. Henke & Partner: Sanierung der Pflegestation
  7. Die neue Charité: Zukunftsbausteine

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