Sanierung und Nutzung der Philippstraße 20 in Chemnitz – Zwischen historischem Erbe und zukunftsorientierter Schulentwicklung

Die Philippstraße 20 in Chemnitz hat sich im Laufe der Jahre als zentraler Standort für Bildungseinrichtungen etabliert und ist gleichzeitig ein Beispiel für die Herausforderungen und Chancen, die mit der Sanierung historischer Gebäude einhergehen. Das ehemalige Schulgebäude, erbaut im Jahr 1906/07, ist ein Zeugnis der industriellen Entwicklung der Stadt und wird derzeit in mehrfacher Hinsicht genutzt: als Ausweichstandort für andere in Sanierung befindliche Schulen, als zukünftige Bildungsstätte und als historisches Objekt, das unter besonderen Aspekten aufgegriffen wird. Die Sanierung und Nutzung dieses Gebäudes spiegelt die Entwicklungen in der städtebaulichen, schulischen und baulichen Praxis wider und bietet wertvolle Einblicke in die aktuelle Realitätslage und Planungsvorgänge in Chemnitz.

Historischer Kontext und bauliche Grundlagen

Die Gebäudestruktur an der Philippstraße 20 ist ein architektonisches Denkmal aus der Zeit der sogenannten Reformarchitektur und zählt zu den ältesten Schulgebäuden in Chemnitz. Das Gebäude wurde 1906/07 errichtet und ist Teil der industriellen Geschichte der Stadt. Es handelt sich um einen Massivbau mit Erdgeschoss, drei Obergeschossen und einem nicht ausgebauten Dachgeschoß. Die Erdgeschossfassade ist verklinkert, während die übrigen Fassaden Putz mit Naturstein- und Werksteinfenstergewänden aufweisen. Das Gebäude ist baulich mit einer Sporthalle verbunden, die ebenfalls unter Schutz steht, und weiterhin mit dem Gebäude der Lessing-Grundschule verbunden ist. Ein weiterer Aspekt ist, dass das Gebäude vollständig unterkellert ist, was bei Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden muss.

Bis in die jüngste Vergangenheit war das Gebäude nicht in seiner vollen Funktion als Schule genutzt. In den letzten Jahren diente es als Ausweichstandort für andere Schulen, die aufgrund dringender Sanierungsbedarfe temporär umgezogen waren. In dieser Funktion hat sich das Gebäude als wichtige Übergangsstation erwiesen, um den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten, während die eigentlichen Standorte saniert wurden.

Sanierungsbedarf und Sanierungspläne

Die Sanierung des Gebäudes an der Philippstraße 20 ist Teil einer umfassenden Schulentwicklungsplanung der Stadt Chemnitz. Der aktuelle Sanierungsbedarf ist auf mehreren Ebenen festzustellen. Die baulichen Zustände des Gebäudes sind in mehreren Bereichen als problematisch einzustufen. So ist die Fassade in Teilen stark bröckelig und bedarf einer grundlegenden Renovierung. Das Dach der Sporthalle, die mit dem Hauptgebäude verbunden ist, war ebenfalls dringend zu sanieren. In der Vergangenheit gab es bereits kleinere Sanierungsmaßnahmen, etwa in den Jahren 2014/15, bei denen das Dach, die Fassade und die Sanitäranlagen erneuert wurden. Allerdings handelte es sich bei diesen Maßnahmen um Teilprojekte, nicht um eine umfassende Grundsanierung.

Die aktuelle Sanierungsplanung für das Gebäude an der Philippstraße 20 ist in mehrere Phasen unterteilt. Zunächst erfolgte eine Innen- und Außensanierung mit einem Kostenrahmen von 7,7 Millionen Euro, gefolgt von einer Fassadensanierung mit einem Kostenrahmen von 2,5 Millionen Euro. Die Sanierungsarbeiten begannen im Juli 2021 und sollen sich über mehrere Jahre erstrecken, mit Abschluss voraussichtlich im Jahr 2025. Die Sanierungsmaßnahmen beinhalten neben der baulichen Renovierung auch eine Erweiterung des Gebäudes um zusätzliche Flächen in Höhe von 260 bis 290 Quadratmetern. Diese Erweiterungen sind insbesondere für die Anpassung an moderne pädagogische Anforderungen und die Schaffung zusätzlicher Funktionsbereiche wie Werkstätten, digitale Lernumgebungen und neue Sanitärräume vorgesehen.

Finanzierung und Förderung

Die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen für das Gebäude an der Philippstraße 20 ist ein zentraler Punkt in der Planung. Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf 9,1 Millionen Euro, von denen 5 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen als Fördermittel bereitgestellt werden. Dies entspricht einer Förderquote von knapp 55 Prozent, was in der städtischen Schulentwicklung üblich ist. Die restlichen Mittel werden aus kommunalen Haushalten bereitgestellt, wobei die Stadt Chemnitz auch auf Eigenmittel zurückgreifen muss, da keine weiteren staatlichen Zuschüsse für die Sanierung beantragt oder genehmigt wurden.

Zusätzlich zu dieser Sanierung wird ein neues Schulgebäude in der Heinrich-Schütz-Straße errichtet, das als „Schule der besonderen Art“ geplant ist. Es handelt sich um eine Kombination aus Grund- und Oberschule mit einem zweizügigen Konzept. Dieses Projekt hat eine Baukostenhöhe von etwa 34 Millionen Euro und wird vollständig durch Eigenmittel der Stadt finanziert. Für dieses Projekt ist eine Förderung beantragt worden, wodurch sich die finanzielle Situation der Stadt etwas entlasten könnte. Allerdings ist die Beantragung von Fördermitteln noch in Bearbeitung, und es ist noch nicht abschließend bekannt, ob und in welcher Höhe eine Unterstützung erfolgen wird.

Nutzung als Ausweichstandort und zukünftige Schulentwicklung

Die aktuelle Nutzung des Gebäudes an der Philippstraße 20 als Ausweichstandort ist nicht nur eine Notlösung, sondern auch eine strategische Maßnahme, um den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten, während andere Schulen saniert werden. In dieser Funktion hat sich das Gebäude als stabil und ausreichend ausgestattet erwiesen, um die pädagogischen Anforderungen der verschiedenen Schuleinrichtungen zu erfüllen. So zogen beispielsweise die Schule Altchemnitz, die Bröckelschule und andere Bildungseinrichtungen temporär in das Gebäude um.

Die Schule Altchemnitz, die sich bereits im Jahr 2021 in das Gebäude an der Philippstraße 20 eingezogen hat, nutzt die Zeit der Sanierung, um sich in den neuen Stadtteil zu integrieren und gleichzeitig pädagogische Projekte zu initiieren, die auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz fokussiert sind. So wurden beispielsweise abgenutzte Schulhofbänke renoviert und geplant ist auch eine Müllsammelaktion im Zeisigwald. Diese Projekte unterstreichen die pädagogische Wirkung, die auch aus der temporären Nutzung des Gebäudes entsteht.

Zukünftig wird das Gebäude an der Philippstraße 20 nach Abschluss der Sanierungsarbeiten in vollem Umfang als Schule genutzt. Die Stadt Chemnitz plant, das Gebäude für die Perspektive der Schulentwicklung weiterhin als zentrales Element zu nutzen. In dieser Funktion wird es vermutlich als dauerhafte Bildungsstätte dienen, in der die Kombination aus Grund- und Oberschule umgesetzt wird. Dazu wird ein Nutzungskonzept entwickelt, das nicht nur pädagogische, sondern auch infrastrukturelle Aspekte berücksichtigt. So wird beispielsweise ein zweifeldiger Sporthallenteil integriert, der für die verschiedenen Altersgruppen und Fächer genutzt werden kann.

Bauliche Besonderheiten und nachhaltige Bauweise

Die Sanierung des Gebäudes an der Philippstraße 20 folgt nicht nur der pädagogischen Entwicklung, sondern auch den Anforderungen an eine nachhaltige Bauweise. So ist beispielsweise geplant, Erdwärme als Heizungsquelle einzusetzen, was einen deutlichen CO2-Ausstoß reduziert. Eine Photovoltaikanlage wird installiert, um einen Teil des Energiebedarfs selbst zu produzieren. Zudem ist ein Retentionsdach geplant, das dazu beiträgt, den Regenabfluss zu regulieren und somit den Druck auf das Kanalsystem zu reduzieren.

Diese Maßnahmen sind in der Planung der neuen Schule in der Heinrich-Schütz-Straße bereits festgelegt und sollen auch im Gebäude an der Philippstraße 20 angewandt werden. Damit wird sichergestellt, dass die Sanierung nicht nur aus rein baulichen Aspekten erfolgt, sondern auch in Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben und den klimapolitischen Zielen der Stadt Chemnitz steht.

Integration in die städtische Entwicklung

Die Sanierung und Nutzung des Gebäudes an der Philippstraße 20 ist nicht isoliert zu betrachten, sondern ist Teil einer größeren städtischen Entwicklungsstrategie. Insbesondere die Entwicklung der Sonnenberger Promenade spielt eine Rolle, da das Gebäude an dieser zukünftigen Verbindungslinie liegt. Die Promenade wird sich über mehrere Jahrzehnte entwickeln und von der Augustusburger Straße über den Körnerplatz und den Lessingplatz bis in den Zeisigwald erstrecken. In einem ersten Schritt wird die Reinhardtstraße zwischen Lessingplatz und Palmstraße bis 2027 grundhaft saniert und städtebaulich aufgewertet. Dabei sind verbindende Elemente wie der „Zeisigpfad“, Energiefelder und der „Sonnenberger Baum“ als Gestaltungselemente vorgesehen.

Die Sanierung des Gebäudes an der Philippstraße 20 ist somit nicht nur eine Maßnahme zur Erhaltung historischer Bausubstanz, sondern auch ein Beitrag zur Integration des Sonnenbergs in die städtische Struktur. Die Planung berücksichtigt auch die Verkehrssituation, indem Fahrradunterstellplätze, abgedeckte Pausenbereiche und ein Vordach an den Eingängen integriert werden. So wird der Gebäudekomplex als ein abgeschlossenes Karree konzipiert, das sowohl funktional als auch städtebaulich sinnvoll ist.

Brandschutz und Sicherheit

Ein weiteres zentrales Thema bei der Sanierung des Gebäudes ist der Brandschutz. Im Jahr 2017 erfolgte eine brandschutztechnische Betrachtung des Gebäudes, die als Grundlage für die Sanierungsplanung diente. Dabei wurden die baulichen Gegebenheiten analysiert und Empfehlungen für die Schaffung von Rettungswegen, Rauchschutzmaßnahmen und Brandschutzfenstern formuliert. Diese Maßnahmen sind in die aktuelle Sanierungsplanung eingeflossen und werden bei der Realisierung beachtet. So wird beispielsweise ein dauerhafter zweiter Rettungsweg neu gestaltet, um die Sicherheit der Nutzerinnen und Nutzer in allen Bereichen des Gebäudes zu gewährleisten.

Fazit

Die Sanierung und Nutzung des Gebäudes an der Philippstraße 20 in Chemnitz zeigt, wie historische Bausubstanz mit modernen Anforderungen verknüpft werden kann. Die Gebäudestruktur, die bereits im Jahr 1906/07 errichtet wurde, ist nicht nur ein architektonisches Erbe, sondern auch ein lebendiges Teil der städtischen Infrastruktur. Die Sanierungsmaßnahmen, die in mehreren Phasen durchgeführt werden, sind sowohl baulich als auch pädagogisch relevant und tragen dazu bei, das Gebäude für die Zukunft fit zu machen.

Zudem ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie städtebauliche Entwicklungen und Schulentwicklungsplanungen zusammenwirken können, um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu leisten. Die Planung berücksichtigt nicht nur die baulichen Aspekte, sondern auch die klimatischen, sozialen und pädagogischen Herausforderungen, die in der heutigen Zeit besonders wichtig sind.

Die Sanierung der Philippstraße 20 ist somit nicht nur ein lokales Projekt, sondern auch ein Modell, das für andere Städte und Gemeinden exemplarisch sein kann. Sie unterstreicht die Notwendigkeit, historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig an zukunftsorientierten Konzepten zu arbeiten, die sowohl den Anforderungen der Gegenwart als auch den Erwartungen der Zukunft gerecht werden.

Quellen

  1. Pressemitteilung der Stadt Chemnitz zur Sanierung der Bröckelschule
  2. TAG24 Bericht über die Sanierung der Bröckelschule in der Philippstraße 20
  3. Pressebericht der Stadt Chemnitz über den Neubau an der Heinrich-Schütz-Straße
  4. Sportensemble über die Verlegung der Trainingsstätte
  5. Informationen zur Schule Altchemnitz auf der Schulwebsite
  6. Zusätzliche Pressemitteilung zur Sanierung der Philippstraße 21
  7. Planungsunterlagen zur Sanierung der Georg Weerth Schule
  8. Informationen zur Schule Altchemnitz auf dem Sonnenberg
  9. Informationen zur Körnerschule/Georg-Weerth-Schule

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