Die chirurgische Sanierung eines septischen Fokus ist ein entscheidender Bestandteil in der Behandlung lebensbedrohlicher systemischer Infektionen. Sie beinhaltet Maßnahmen wie Abszessdrainagen, die chirurgische Sanierung des Abdomens, die Drainage infizierter Harnwege oder die Entfernung infizierter Fremdkörper. In nahezu einem Drittel aller Sepsisfälle, die stationär behandelt werden, ist eine solche Fokussanierung notwendig. Die rasche Durchführung dieser Maßnahmen spielt eine entscheidende Rolle für das Outcome des Patienten, wie retrospektive Studien belegen.
Definition und Bedeutung der Fokussanierung
Ein septischer Fokus ist ein lokalisierter Ausgangspunkt einer systemischen Infektion. Typische Beispiele sind Abszesse, infizierte Harnwege oder Fremdkörper wie Portsysteme. Die Sanierung solcher Fokussanierungen erfolgt entweder operativ oder durch interventionelle radiologische Methoden, wobei der Anspruch ist, die Quelle der Infektion zu eliminieren, die Kontamination einzudämmen und die normale Anatomie und Funktion wiederherzustellen.
Die rasche Sanierung ist in den einschlägigen Leitlinien empfohlen, da sie das Überleben der Patienten verbessern kann. Studien zeigen, dass die Zeit zwischen der Diagnosestellung und dem chirurgischen Eingriff einen direkten Einfluss auf die Mortalität innerhalb von 90 Tagen hat.
Zeitfaktor und Mortalitätsrisiko
Eine retrospektive Studie aus 14 Krankenhäusern, die Patient:innen mit Sepsis von 2013 bis 2017 beobachtete, verdeutlichte die Bedeutung von Zeitfaktoren bei der Fokussanierung. Dabei wurden 4.962 Patient:innen in zwei Gruppen eingeteilt: die schnelle Interventionsgruppe (SIG), in der die Fokussanierung innerhalb von 6 Stunden nach Diagnose erfolgte, und die verzögerte Interventionsgruppe (VIG), in der die Sanierung nach 6 Stunden stattfand.
Die Ergebnisse zeigten, dass die mittlere Zeit zwischen Diagnosestellung und Sanierung 15,4 Stunden betrug. Die 90-Tage-Mortalität lag in der SIG niedriger als in der VIG, wobei die Multivariatenanalysen Störeffekte wie Alter und Vorerkrankungen herausrechneten. Je früher die Sanierung erfolgte, desto besser war das Outcome.
Methoden der Fokussanierung
Die Wahl der Methode hängt von der Art des Fokus, der körperlichen Verfassung des Patienten und der Verfügbarkeit chirurgischer oder radiologischer Dienste ab. Grundsätzlich sollte der Ansatz so effektiv wie möglich und gleichzeitig so wenig invasiv wie möglich sein.
Zu den gängigen Methoden gehören:
- Abszessdrainage: Das Entleeren einer Eiteransammlung, um die lokale und systemische Belastung zu reduzieren.
- Débridement: Das Entfernen infizierten, nekrotischen Gewebes, um die Infektionsschwerpunkte zu beseitigen.
- Entfernung infizierter Fremdkörper: Insbesondere bei Portsystemen oder zentralen Venenkathetern, die als Quelle einer Infektion dienen können.
- Definitive Korrektur pathologischer anatomischer Veränderungen: Bei Erkrankungen, die dauerhafte Kontamination verursachen, ist eine definitive chirurgische Korrektur erforderlich.
Bei Patient:innen mit geschwächtem Immunsystem oder vor einer immunsuppressiven Therapie, wie beispielsweise vor einer Chemotherapie, Transplantation oder Strahlentherapie, ist eine Fokussanierung besonders wichtig, da eine lokale Entzündung in diesen Fällen lebensbedrohlich sein kann.
Fokussanierung in der Oralchirurgie
Neben den klassischen septischen Fokussanierungen spielt auch die Sanierung oraler Foki eine Rolle in der Medizin. In der Oralchirurgie werden Foki beispielsweise vor Operationen wie Organ- oder Herzklappentransplantationen, Radio- oder Bisphosphonattherapie gesucht und behandelt.
Dazu gehören:
- Parodontitis: Eine chronische Entzündung des Zahnfleisches, die systemische Effekte wie Frühgeburten oder Infektionen künstlicher Gelenkprothesen verursachen kann.
- Pulpatote Zähne mit apikaler Entzündung: Solche Zähne können eine lokale und systemische Infektionsquelle darstellen.
- Amalgamreste oder Fremdkörper: Diese können entzündliche Reaktionen auslösen und daher eine Sanierung erfordern.
In der Regel erfolgt die Fokussanierung in Abstimmung mit den behandelnden Fachkliniken, um sicherzustellen, dass der Eingriff zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wird und keine Verzögerung der eigentlichen Therapie verursacht. Bei der Planung ist auch zu berücksichtigen, ob der Patient:in zum Zeitpunkt der Untersuchung vital gefährdet ist.
Fokussanierung bei speziellen Erkrankungen
Einige Erkrankungen profitieren deutlich von der Sanierung von Fokussanierungen:
- Hauterkrankungen: In Einzelfallberichten zeigte sich, dass die Sanierung oraler Foki die Heilung von Hauterkrankungen wie Akne, Rosacea oder Urtikaria begünstigen kann.
- Infektionen künstlicher Gelenkprothesen: Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Anwesenheit odontogener Foki und einer erhöhten Infektionsgefahr bei Hüftendoprothesen.
- Frühgeburten: Studien zeigen, dass die Behandlung von Parodontitis den Schwangerschaftsverlauf positiv beeinflussen kann und das Risiko von Frühgeburten verringert.
Praktische Empfehlungen und Handlungsleitfäden
Aufgrund der Bedeutung der Fokussanierung für das Outcome schwerkranker Patient:innen werden in den Leitlinien folgende Empfehlungen gegeben:
- Schnelle Durchführung: Eine Sanierung sollte so rasch wie möglich nach Diagnose erfolgen. Die Studien zeigen, dass jede Stunde Verzögerung das Mortalitätsrisiko erhöhen kann.
- Multidisziplinäre Zusammenarbeit: Die Planung und Durchführung einer Sanierung sollte in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzt:innen erfolgen, um potenzielle Risiken abzuwägen.
- Individuelle Entscheidung: Nicht jede Fokussanierung erfordert einen operativen Eingriff. Bei geringer Invasivität und ausreichender Effektivität können auch konservative Maßnahmen sinnvoll sein.
- Prophylaxe: Bei Patient:innen mit einem erhöhten Infektionsrisiko ist eine prophylaktische Fokussuche sinnvoll, um potenzielle Quellen von Infektionen frühzeitig zu erkennen.
Fazit
Die chirurgische Sanierung eines septischen Fokus ist ein entscheidender Bestandteil der Behandlung lebensbedrohlicher Infektionen. Sie beinhaltet Maßnahmen, die die Infektionsquelle eliminieren und die lokale und systemische Belastung reduzieren. Studien belegen, dass die Zeit zwischen Diagnose und Sanierung einen direkten Einfluss auf das Outcome hat. Je früher die Sanierung erfolgt, desto besser ist das Outcome.
Die Wahl der Methode hängt von der Art des Fokus und der körperlichen Verfassung des Patienten ab. Bei Patient:innen mit geschwächtem Immunsystem oder vor einer immunsuppressiven Therapie ist die Fokussuche besonders wichtig. In der Oralchirurgie können orale Foki ebenfalls eine Rolle spielen, insbesondere bei Erkrankungen wie Parodontitis, Frühgeburten oder Infektionen künstlicher Gelenke. In solchen Fällen ist eine individuelle Abwägung notwendig, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
Die rasche und gezielte Fokussanierung kann das Leben der Betroffenen retten und ist daher ein zentraler Bestandteil der modernen Infektionsmedizin.