Die Sanierung des Arne-Jacobsen-Hauses in der Hamburger City Nord ist nicht nur ein bedeutendes Projekt im urbanen Kontext Hamburgs, sondern auch ein Paradebeispiel für die Verbindung von Denkmalschutz, nachhaltiger Bauweise und moderner Arbeitswelt. Das ikonische Gebäude, das 1969 nach Plänen des dänischen Architekten Arne Jacobsen und seines Partners Otto Weitling errichtet wurde, wird derzeit umfassend revitalisiert, um es für die Zukunft fit zu machen. Mit einer Bruttogrundfläche von rund 50.000 Quadratmetern entsteht hier ein New-Work-Komplex, der Flexibilität, Nachhaltigkeit und architektonische Qualität verbindet. Der Bezug durch das Bezirksamt Hamburg-Nord, der im Herbst 2027 erfolgen wird, ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Viertels und zeigt, wie historische Bauwerke im Zeichen der digitalen Transformation und des Klimawandels adaptiert werden können.
Das Arne-Jacobsen-Haus: Eine architektonische Ikone
Das Arne-Jacobsen-Haus, ursprünglich als Sitz der Hamburger Electricitäts-Werke (HEW) errichtet, ist ein Meisterwerk der modernen Architektur. Das Gebäude, das 1969 fertiggestellt wurde, ist nicht nur durch seine klaren Linien und die markante Glasfassade charakterisiert, sondern auch durch eine einzigartige Innenraumgestaltung. Es ist seit 2012 unter Denkmalschutz gestellt, was bedeutet, dass sowohl die äußere Erscheinung als auch der inneren Charakter – einschließlich der Möbel, Farben und Innenausstattung – geschützt sind. Diese detaillierte Denkmalschutzplanung bringt besondere Herausforderungen mit sich, da jede Sanierung und jede Modernisierung sorgfältig abgewogen werden muss, um die historische Substanz nicht zu gefährden.
Ein zentrales architektonisches Element des Gebäudes ist die gläserne Rotunde, die die beiden Baukörper verbindet. Hier befinden sich Panoramaaufzüge und eine geschwungene Treppe, die das Erscheinungsbild des Gebäudes prägen. Die Rotunde ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch eine funktionale Verbindung, die den Fluss der Bewegungen innerhalb des Gebäudes optimiert.
Sanierung und Revitalisierung: Herausforderungen und Chancen
Die Sanierung des Arne-Jacobsen-Hauses ist ein ambitioniertes Projekt, das von der AJH GmbH als Bauherr in Auftrag gegeben wurde. Die Generalübernehmerin ist die STRABAG-Tochter Züblin, die den Bau im Einklang mit den Anforderungen des Denkmalschutzes durchführt. Ziel des Projekts ist es, das Gebäude für die Anforderungen der modernen Arbeitswelt fit zu machen, ohne dabei den historischen Charakter zu verlieren.
Die Sanierungsarbeiten umfassen unter anderem die Erneuerung der Etagen bis auf den Rohbau, die Auswechselung der Glasfassade sowie die Anpassung der Infrastruktur an die heutigen Anforderungen. Die neue Glasfassade, die etwa 13.000 Elemente umfasst, soll zwar visuell gleich aussehen, aber energieeffizienter sein. Dies ist ein Beispiel dafür, wie moderne Technologien genutzt werden können, um die Substanz historischer Gebäude zu bewahren, ohne dabei auf Nachhaltigkeit zu verzichten.
Ein weiteres wichtiges Projektmerkmal ist die Erweiterung der Flexibilität in der Nutzung. Das Gebäude soll nicht nur als Sitz des Bezirksamts dienen, sondern auch flexible Arbeitsflächen bieten, die sich für verschiedene Arbeitsmodelle eignen. Diese Anpassung ist notwendig, da sich die Arbeitswelt in den letzten Jahren stark verändert hat und auch in Zukunft von Remote-Arbeit, Agilität und nachhaltigen Arbeitsräumen geprägt sein wird.
Der Umzug des Bezirksamts: Ein Meilenstein für die City Nord
Die Sanierung des Arne-Jacobsen-Hauses ist nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern auch ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der City Nord als Geschäfts- und Arbeitsstandort. Der Umzug des Bezirksamts Hamburg-Nord in das revitalisierte Gebäude, der im Herbst 2027 erfolgen wird, ist ein bedeutender Meilenstein. Das Bezirksamt verfügt über etwa 850 Mitarbeiter*innen, die künftig in einem modernen, gut erreichbaren Gebäude arbeiten werden.
Die Planung des Umzugs wurde in enger Zusammenarbeit mit der Hamburger Finanzbehörde und der AJH GmbH durchgeführt. Ein „Letter of Intent“ (LOI) wurde unterzeichnet, der wichtige Absicherungen für die Stadt und den künftigen Mieter enthält, einschließlich einer potenziellen späte-ren Erwerbsoption. Der LOI ermöglicht es, die Sanierungsarbeiten sicher zu planen und den Umzug zeitgerecht vorzubereiten.
Ein Vorteil des Umzugs ist auch, dass der aktuelle Standort des Bezirksamts in Eppendorf langfristig leerfallen könnte. Dies erlaubt es, den Standort für soziale und kulturelle Nutzung zu öffnen, was für den Stadtteil Eppendorf eine wertvolle Chance darstellt. Zudem wird das Arne-Jacobsen-Haus durch die Anwesenheit des Bezirksamts stärker in den Stadtrhythmus integriert, was für die City Nord als Ganzes eine belebende Wirkung entfalten kann.
Nachhaltigkeit und CO₂-Reduzierung
Ein weiteres zentrales Anliegen der Sanierung ist die Nachhaltigkeit. Die Bauherren betonen, dass die Revitalisierung nicht nur den Charakter des Hauses bewahren, sondern auch CO₂-Emissionen reduzieren soll. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung der Klimaziele Hamburgs, die bis 2030 eine Reduzierung der Treibhausgase um 55 Prozent vorsehen.
Die Sanierungsarbeiten beinhalten unter anderem den Einbau energieeffizienter Fenster, die Optimierung der Heizungs- und Lüftungsanlagen sowie die Nutzung nachhaltiger Materialien. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, den Energiebedarf des Gebäudes zu senken und die CO₂-Bilanz zu verbessern. Zudem wird der Gebäudehülle eine bessere thermische Isolation verliehen, was langfristig die Betriebskosten senken und den Komfort der Nutzer*innen erhöhen wird.
Die Rolle des Denkmalschutzes in der Sanierung
Die Sanierung des Arne-Jacobsen-Hauses ist ein Paradebeispiel dafür, wie Denkmalschutz und Modernisierung in Einklang gebracht werden können. Das Gebäude ist nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Stück Hamburgs kultureller Geschichte. Der Denkmalschutz verpflichtet dazu, die Substanz des Gebäudes zu erhalten, was in der Praxis bedeutet, dass jede Veränderung sorgfältig abgewogen und genehmigt werden muss.
Bestimmte Teile des Hauses sollen im ursprünglichen Zustand erhalten bleiben oder in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden rekonstruiert werden. Dies ist insbesondere bei der Innenraumgestaltung und bei der Möbelausstattung der Fall. Die Denkmalschutzbehörde hat hier eine enge Rolle übernommen, um sicherzustellen, dass die historische Substanz nicht verloren geht, aber auch, dass das Gebäude für die Zukunft fit gemacht wird.
Die Bedeutung des Projekts für die City Nord
Die Revitalisierung des Arne-Jacobsen-Hauses hat nicht nur architektonische, sondern auch soziale und wirtschaftliche Dimensionen. Das Projekt ist ein wichtiger Impuls für die City Nord, die sich in den letzten Jahren stark verändert hat. Der Bau des U-Bahn-Neubaus, der Anschluss an die Sengelmannstraße und die Entwicklung neuer Wohn- und Geschäftsflächen zeigen, wie sich das Viertel in Richtung eines modernen, lebendigen Stadtteils entwickelt.
Das Arne-Jacobsen-Haus ist nicht nur ein Aushängeschild für die City Nord, sondern auch ein Symbol für die Zukunft der Arbeitswelt. Mit modernen Arbeitsplätzen, guter Erreichbarkeit und nachhaltiger Bauweise bietet es ein Vorbild für andere Projekte, die sich mit der Sanierung historischer Gebäude beschäftigen.
Fazit
Die Sanierung des Arne-Jacobsen-Hauses in der Hamburger City Nord ist ein komplexes Projekt, das die Herausforderungen der Gegenwart – Nachhaltigkeit, Flexibilität und Denkmalschutz – miteinander verbindet. Mit einem Budget von etwa 250 Millionen Euro entsteht hier ein New-Work-Komplex, der nicht nur den historischen Charakter des Gebäudes bewahrt, sondern auch die Anforderungen der modernen Arbeitswelt erfüllt. Der Umzug des Bezirksamts Hamburg-Nord in das revitalisierte Gebäude ist ein weiterer Meilenstein, der zeigt, wie historische Gebäude in die Zukunft übertragen werden können.
Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Bauherr, Generalunternehmer, Denkmalschutzbehörden und Politik ist es gelungen, ein Projekt zu realisieren, das sowohl die kulturellen Werte als auch die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Stadt berücksichtigt. Das Arne-Jacobsen-Haus wird in Zukunft nicht nur ein Arbeitsort sein, sondern auch ein Symbol für die Transformation der City Nord und ein Vorbild für andere Städte, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind.
Quellen
- Erweiterung EDEKA-Zentrale. Sanierung Verwaltungsgebäude CityNord
- Umzug des Bezirksamtes Hamburg-Nord. SPD erfreut über den Start der Sanierungsarbeiten am Arne Jacobsen Haus
- Ikonisches Gebäude in Hamburg bekommt neues Leben
- New-Work-Komplex in der City Nord
- City-Nord News
- Vorvertrag für Arne Jacobsen Haus