Einführung
Die Sanierung und Modernisierung großer Bürohochhäuser in der Stadtplanung und Immobilienwirtschaft spielen eine entscheidende Rolle, insbesondere in Metropolen wie Frankfurt am Main, dem europäischen Finanzzentrum. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Sanierung des ehemaligen Commerzbank-Hochhauses an der Neuen Mainzer Straße. Dieses Gebäude, ursprünglich 1973 als Zentrale der Commerzbank errichtet, hat in den letzten Jahren eine tiefgreifende Transformation durchlaufen. Anfangs an die Europäische Zentralbank vermietet, wurde es später von der German Estate Group (GEG) erworben, die das Gebäude unter dem Namen „Global Tower“ umgestaltet hat.
Parallel dazu hat sich die Commerzbank selbst aus der Rolle des Eigentümers zurückgezogen und baut nun ihre Präsenz in der Frankfurter Innenstadt durch den Bau eines neuen Hochhauses, des „Central Business Towers“ (CBT), aus. Dieser Wolkenkratzer, der derzeit im Bau ist, wird künftig die zentralen Funktions- und Stabsabteilungen der Bank beherbergen und die Commerzbank in der Frankfurter Skyline weiter prägen.
Dieser Artikel beleuchtet die Sanierung des ehemaligen Commerzbank-Hochhauses sowie den Bau des neuen Central Business Towers. Dabei werden die Hintergründe der Sanierungsprojekte, die dabei entstehenden Herausforderungen, die beteiligten Akteure sowie die technischen und architektonischen Aspekte vorgestellt.
Der historische Hintergrund des Commerzbank-Hochhauses
Das ehemalige Commerzbank-Hochhaus an der Neuen Mainzer Straße wurde in den 1970er Jahren als Zentrale der Bank errichtet und stand damals für die architektonischen Entwürfe der Zeit. Der Entwurf stammte von dem Frankfurter Architekten Richard Heil und wurde im Jahr 1968 im Rahmen eines geladenen Wettbewerbs ausgewählt. Vorbilder für das Projekt waren der Internationale Stil sowie das Seagram Building von Ludwig Mies van der Rohe. Das Gebäude bestand aus zwei Türmen mit 30 und 24 Stockwerken und war bis 1997 Sitz der Commerzbank.
Nach dem Umzug der Bank in ein neues Hochhaus von Norman Foster blieb das Gebäude zunächst in Nutzung. In den folgenden Jahren wurde es an die Europäische Zentralbank vermietet. In der Zwischenzeit erfuhr das Gebäude jedoch mehrere Veränderungen, darunter die Versiegelung von Dachterrassen zugunsten eines Technikgeschosses und die Schließung der gläsernen Einschnürungen im Hochhausschaft. Diese baulichen Veränderungen führten später zu Diskussionen um die bauliche Authentizität und die Denkmalschutzrelevanz des Gebäudes.
2016 erwarb die German Estate Group (GEG) das Gebäude, damals noch unter dem Namen Commerzbank-Hochhaus. In der Zeit der Immobilientransaktion wurde das Gebäude als bauliches Denkmal eingestuft. Dies führte zu einem intensiven Abstimmungsprozess mit der Denkmalschutzbehörde, um die Sanierungsmaßnahmen mit den Denkmalschutzvorgaben in Einklang zu bringen.
Die Sanierung zum Global Tower
Die Sanierungsmaßnahmen des ehemaligen Commerzbank-Hochhauses begannen 2018 mit dem Ziel, das Gebäude für den heutigen Büromarkt fit zu machen. Der Prozess umfasste eine umfassende Entkerntechnik, bei der die Innenbereiche weitgehend räumlich zurückgebaut wurden, um eine neue Nutzung zu ermöglichen. Die Sanierung erfolgte im Rahmen eines intensiven Planungs- und Abstimmungsprozesses mit der Denkmalschutzbehörde, was auf die besondere historische Bedeutung des Gebäudes hindeutet.
Im Zuge der Sanierung wurde unter anderem eine zweischalige Aluminiumfassade installiert, die die charakteristische Ansicht des Gebäudes wiederherstellte und gleichzeitig technische Anforderungen erfüllte. Die Fassade wurde in enger Zusammenarbeit mit den Architekten und der Fassadenplanung von AplusF entwickelt. Zudem erhielt das Gebäude raumhohe Fenster in allen Etagen sowie eine moderne Lobby im Erdgeschoss, um die Nutzungsfreundlichkeit zu steigern.
Die Sanierung des Gebäudes, die als „Global Tower“ neu positioniert wurde, kostete rund 220 Millionen Euro, wovon ein Großteil in die Entkerntechnik und die Modernisierung floss. Ziel war es, das Gebäude auf dem Frankfurter Büromarkt wieder wettbewerbsfähig zu machen, während gleichzeitig die historischen Qualitäten erhalten blieben.
Der Entwurf und die Planung der Sanierung
Die Sanierungsarbeiten an den „Global Tower“ wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro holger meyer architektur durchgeführt. Dieses Büro hatte bereits in der Vergangenheit im Auftrag der Commerzbank das Gebäude beurteilt, bevor es 2016 an ein Investmentvehikel durch die GEG/DIC übergeben wurde. Die Architekten entwickelten im Rahmen der Sanierungsplanung eine elementierte, zweischalige Fassade aus Aluminium, die sowohl die baulichen Qualitäten des Originalentwurfs wiederherstellte als auch moderne Anforderungen an Energieeffizienz und Nutzungsgestaltung erfüllte.
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung lag auf der baulichen Bewertung des Gebäudes. Hierzu gehörte ein digitales Aufmaß, die Überprüfung der Statik, Brandschutzmaßnahmen und der Gebäudetechnik. Diese Maßnahmen waren notwendig, um das Gebäude für die heutigen Anforderungen fit zu machen und gleichzeitig die historischen Strukturen zu schützen.
Ein besonderes Augenmerk galt auch der Integration des Gebäudes in die umliegende Bebauung. Die Sanierung betonte die bauliche Identität des „Global Tower“, ohne die Kontinuität zur umliegenden Stadtstruktur zu unterbrechen. Öffentliche Passagen wurden neu gestaltet, um die fußläufige Verbindung zwischen Stadt und Park zu verbessern.
Der Central Business Tower: Ein neuer Wolkenkratzer in Frankfurt
Während das ehemalige Commerzbank-Hochhaus in einen modernisierten „Global Tower“ umgewandelt wurde, plant die Commerzbank selbst einen Neubau, den „Central Business Tower“ (CBT). Dieser Wolkenkratzer wird künftig die zentralen Funktions- und Stabsabteilungen der Bank beherbergen und damit eine zentrale Rolle in der Frankfurter Innenstadt spielen. Der CBT wird von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) entwickelt und befindet sich derzeit im Bau. Der Wolkenkratzer hat eine Höhe von 205 Metern und besteht aus zwei leicht versetzten Türmen mit 52 Ober- und 5 Untergeschossen.
Der Mietvertrag für das Gebäude wurde 2023 abgeschlossen, und die Commerzbank wird ab 2028 mehr als 73.000 Quadratmeter auf 52 Stockwerken nutzen. Die 3.200 Arbeitsplätze, die dort entstehen, sind Teil eines größeren Planungskonzepts der Bank, sich auf zwei zentrale Gebäude in der Frankfurter Innenstadt zu konzentrieren. Der CBT wird damit neben dem bereits bestehenden Commerzbank-Tower am Kaiserplatz, der mit 259 Metern der höchste Wolkenkratzer in Frankfurt ist, ein weiteres Wahrzeichen der Frankfurter Skyline.
Der Entwurf des CBT berücksichtigt auch den baulichen Kontext der Frankfurter Innenstadt. Der denkmalgeschützte Sockelbau aus der Gründerzeit wird in ein architektonisches Ensemble integriert, das sowohl den hohen Turm als auch die niedrigeren Bestandsbauten vermittelt. Die Fassadengestaltung ist abgestuft, um die vertikale Struktur zu betonen und das Gebäude aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich wirken zu lassen.
Die Rolle der Commerzbank in der Frankfurter Immobilienwelt
Die Commerzbank hat in den letzten Jahren ihre Rolle als Immobilienbesitzerin verändert. Obwohl das Commerzbank-Hochhaus am Kaiserplatz weiterhin Teil der Unternehmensstruktur bleibt, gehört es seit mehreren Jahren nicht mehr der Bank selbst. Die Immobilie wurde an die Lebensversicherungssparte des koreanischen Samsung-Konzerns verkauft. Dieser Schritt markiert einen strategischen Wechsel in der Immobilienpolitik der Bank, weg vom direkten Eigentum hin zu einer Mietstrategie, die Flexibilität und Effizienz in der Raumplanung ermöglicht.
Die Sanierung des ehemaligen Commerzbank-Hochhauses und der Bau des neuen Central Business Towers zeigen, wie die Bank ihre Präsenz in der Frankfurter Innenstadt aufbaut und modernisiert. Die Investitionen in diese Projekte unterstreichen die Bedeutung Frankfurts als europäisches Finanzzentrum und demonstrieren, wie historische Gebäude mit modernen Anforderungen in Einklang gebracht werden können.
Fazit
Die Sanierung des ehemaligen Commerzbank-Hochhauses in Frankfurt sowie der Bau des neuen Central Business Towers zeigen die komplexen Prozesse, die bei der Modernisierung großer Bürohochhäuser in Metropolen wie Frankfurt ablaufen. Die Sanierungsarbeiten des ehemaligen Commerzbank-Hochhauses, die unter dem Namen „Global Tower“ neu positioniert wurden, unterstreichen die Bedeutung von Denkmalschutz, baulicher Bewertung und technischer Modernisierung in der Immobilienwirtschaft. Gleichzeitig zeigt der Bau des Central Business Towers, wie traditionelle Marken wie die Commerzbank durch strategische Investitionen ihre Präsenz in der Innenstadt ausbauen können.
Diese Projekte demonstrieren, dass die Sanierung und der Neubau von Bürohochhäusern nicht nur bauliche Herausforderungen beinhalten, sondern auch planerische, wirtschaftliche und soziale Dimensionen abdecken. Sie tragen dazu bei, dass Frankfurt als europäisches Finanzzentrum auch in der Zukunft eine starke Immobilienwirtschaft besitzt.
Quellen
- DAS Briefing für den Finanzplatz Deutschland
- Skyline Atlas: Renovierung Commerzbank-Hochhaus
- DBZ: Sanierung eines geschützten Riesen
- Entwicklungsstadt: Commerzbank zieht in neuen Central Business Tower in Frankfurt
- n-tv: Commerzbank mietet neues Hochhaus in Frankfurt an
- Manager Magazin: Frankfurt – Commerzbank zieht in neuen Wolkenkratzer
- Frankfurter Rundschau: Commerzbank mietet neuen Wolkenkratzer – bisheriger Tower ist längst verkauft