Die Wohnsiedlungen westlich der Dachauer Straße in Moosach bilden einen zentralen Bestandteil des Sanierungsgebiets, das sich über 195 Hektar erstreckt und etwa 16.300 Einwohner beherbergt. In den letzten Jahren wurden verstärkt Anstrengungen unternommen, um diese städtischen Strukturen nachhaltig zu revitalisieren. Ziel ist es, ein Vorbild für zukünftige Quartiersentwicklungen zu schaffen, das sowohl die historischen Werte bewahrt als auch den Anforderungen an Wohnraum, Klimaschutz und Mobilität gerecht wird.
Historische und städtebauliche Entwicklung
Die Wohnsiedlungen westlich der Dachauer Straße entstanden in den 1950er Jahren und bilden heute mit ihren fächerförmigen und parallelen Zeilenbauten einen markanten städtebaulichen Bestand. Sie sind eng verwoben mit der Identität des Stadtteils Moosach und bilden einen wichtigen Alltagsort für die Einwohner. Die Siedlung ist von einer grünen Wiese umgeben, der Nanga-Parbat-Wiese, auf der sich die Gebäude wie Strahlen anordnen. Diese Planung unterstreicht die Bedeutung der Grünflächen im Quartier und die zentrale Rolle der Wiese als Gemeinschaftsraum.
Die Siedlungen bestehen aus rund 2.000 Wohneinheiten, meist in Geschosswohnungsbauten ohne Aufzug und mit begrenztem barrierefreien Zugang. Die bauliche Substanz dieser Gebäude, in einigen Fällen aus den 1940er Jahren, weist oft Mängel auf, insbesondere im energetischen Bereich. Diese Faktoren haben dazu geführt, dass in den letzten Jahren sukzessive Sanierungsmaßnahmen geplant und umgesetzt wurden.
Stadtsanierung als Prozess
Die Stadtsanierung Moosach ist ein langfristiger Prozess, der in enger Zusammenarbeit mit Bewohnerinnen, Eigentümerinnen, städtischen Fachreferaten und weiteren Beteiligten stattfindet. Ziel ist es, die Wohnsiedlungen westlich der Dachauer Straße so weiterzuentwickeln, dass sie auch zukünftigen Herausforderungen begegnen können. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Erhaltung der städtebaulichen Identität und der kulturellen Strukturen.
Dazu hat die Stadt München in Zusammenarbeit mit der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) ein Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept entwickelt. Ein zentraler Bestandteil dieses Konzepts ist die Durchführung städtebaulicher Wettbewerbe, die innovative Planungsideen und Gestaltungsvorschläge einbringen. So wurde beispielsweise ein Wettbewerb zur Neuordnung des Moosacher St.-Martins-Platzes durchgeführt, der als „Herz“ des Stadtteils Moosach gilt.
Wettbewerbsprozesse und Planungsansätze
Im Jahr 2021 wurde ein städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb zur Entwicklung der Wohnsiedlungen westlich der Dachauer Straße durchgeführt. Das Ziel war es, eine zukunftsweisende Bestandsentwicklung zu ermöglichen, die sowohl auf die heutigen als auch zukünftigen Anforderungen eingeht. Der Wettbewerb war Teil der Vorplanung, die in einer Rahmenplanung konkretisiert wurde. Diese Rahmenplanung fließt als Sanierungsziel in das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept ein.
Im Jahr 2024 ist die Fertigstellung der Rahmenplanung geplant, die den Entwicklungsbedarf der Wohnsiedlungen detailliert beschreibt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Schaffung von zusätzlichen Wohnräumen. Insgesamt sind bis zu 700 neue Wohneinheiten geplant, die in Einklang mit dem bestehenden Altbestand und den städtebaulichen Vorgaben stehen sollen.
Beteiligung und Kommunikation
Ein besonderes Anliegen der Stadtsanierung ist die aktive Beteiligung der Bevölkerung an der Planung. Dazu wurden verschiedene Veranstaltungen, Workshops und Informationsangebote ins Leben gerufen. Beispielsweise fand 2022 eine Pilotphase für einen neuen Radweg zum Westfriedhof statt, um die Infrastruktur für den Radverkehr zu verbessern. Ein Mitmach-Kunstprojekt namens „Moosaik“ ermöglichte den Einwohner*innen, sich kreativ am Quartier zu beteiligen. Im Jahr 2021 fand außerdem eine Kunstinstallation im Rahmen des Projekts „VIDEOART4FUTURE“ statt.
Die Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) bietet zudem einen Stadtteilladen in der Dachauer Straße an, in dem sich Interessierte über die Stadtsanierung informieren und Beratung erhalten können. Darüber hinaus wird eine dreiteilige Dokumentation unter dem Motto „Gestern – heute – morgen“ erstellt, die die historischen, aktuellen und zukünftigen Entwicklungen in den Wohnsiedlungen darstellt. Der erste Band wurde bereits veröffentlicht und liegt als kostenlose Broschüre im PlanTreff und im Stadtteilladen Moosach aus. Ein barrierefreier PDF-Download ist ebenfalls verfügbar.
Sanierungsziele und Maßnahmen
Die Sanierung der Wohnsiedlungen westlich der Dachauer Straße umfasst mehrere Aspekte. Zunächst sollen die baulichen Strukturen auf den neuesten Stand gebracht werden. Dazu gehören Energieeffizienzmaßnahmen wie Dämmung, neue Fenster, modernisierte Heizsysteme und die Erneuerung von Fassaden. Ziel ist es, die Energiekosten der Mieter*innen zu senken und den baulichen Standard zu erhöhen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Schaffung von barrierefreiem Zugang. Viele Gebäude sind heute nicht barrierefrei, was vor allem für ältere Bewohner*innen und Familien mit Kindern eine Herausforderung darstellt. In den Sanierungsplänen ist deshalb vorgesehen, Aufzüge nachzurüsten und Treppenhäuser so umzugestalten, dass sie für alle nutzbar sind.
Neben baulichen Maßnahmen ist auch die Gestaltung der öffentlichen Räume ein zentraler Aspekt. So sollen die Grünflächen und die Nanga-Parbat-Wiese erhalten und weiterentwickelt werden. Der Moosacher St.-Martins-Platz, als zentrales Quartierzentrum, wird neu gestaltet. Ein neuer Kultursaal ist geplant, der als Veranstaltungsort für kulturelle und gesellschaftliche Events dienen soll.
Verkehr und Infrastruktur
Ein weiterer Faktor in der Sanierungsplanung ist die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. So wurde beispielsweise ein neuer Radweg geplant, der den Westfriedhof erschließt. Zudem wird der S-Bahnhof Moosach in den Fokus gestellt, da er als zentraler Verkehrsknotenpunkt für das Quartier betrachtet wird. In diesem Zusammenhang wird derzeit eine Brücke über die Dachauer Straße erneuert, was bis Ende 2026 andauern wird. Diese Maßnahme hat zur Folge, dass der Autoverkehr umgeleitet wird und die Buslinie 163 temporär umgesteuert wird.
Die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur soll dazu beitragen, den Autoverkehr zu reduzieren und den Rad- und Fußverkehr zu fördern. Dies ist Teil der Strategie, das Quartier klimafreundlicher und lebenswerter zu gestalten.
Mieter*innen und Mietpolitik
Ein zentrales Thema der Sanierungsplanung ist die Mietpolitik. Viele der Gebäude in den Wohnsiedlungen westlich der Dachauer Straße gehören der GWG Städtische Wohnungsgesellschaft München mbH und wurden in den letzten Jahren sukzessive erneuert. Nach der Fusion mit der GEWOFAG zur Gesellschaft Münchner Wohnen (GMW) ist die Wohnungspolitik weiterhin ein wichtiges Anliegen. In Gesprächen mit dem Bezirksausschuss 10 Moosach wurden Sorgen hervorgehoben, dass die Mietkosten in den neuen Gebäuden für die bestehende Bevölkerung nicht tragbar sein könnten. Allerdings ist die konkrete Höhe der Mieten noch nicht abschließend festgelegt, da sie von den Baumaßnahmen abhängt.
Ein zentrales Ziel ist es, soziale Mischung im Quartier zu bewahren und die Bezahlbarkeit des Wohnraums zu gewährleisten. Dazu sind verschiedene Maßnahmen geplant, darunter Mietkappungen oder Belegungsverbote, um eine übermäßige Mieterhöhung zu verhindern.
Kulturelle und soziale Entwicklung
Neben der baulichen Sanierung und der Verbesserung der Infrastruktur ist auch die kulturelle Entwicklung des Quartiers ein zentraler Aspekt. Der Moosacher St.-Martins-Platz wird nicht nur als Verkehrsknotenpunkt, sondern auch als kultureller und sozialer Treffpunkt neu gestaltet. Ein neuer Kultursaal ist geplant, der als Veranstaltungsort dienen soll. Zudem sind Sanierungsmaßnahmen an historischen Gebäuden wie dem Hacklhaus vorgesehen.
Die Bewahrung von kulturellen Strukturen und der Stärkung der sozialen Bindungen im Quartier stehen im Vordergrund. Dazu zählen nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern auch kulturelle Angebote, wie Ausstellungen, Festivals und Mitmachprojekte. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „VIDEOART4FUTURE“, das im Jahr 2021 stattfand und die Einwohner*innen in kreative Prozesse einbezog.
Fazit
Die Sanierungsmaßnahmen im Quartier Moosach westlich der Dachauer Straße bilden einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Stadt München. Sie tragen dazu bei, die bauliche Substanz zu verbessern, die Infrastruktur zu optimieren und das Quartier lebenswerter zu gestalten. Gleichzeitig wird Wert auf die Erhaltung der historischen Strukturen und der kulturellen Identität gelegt. Die aktive Beteiligung der Einwohnerinnen und Eigentümerinnen ist ein entscheidender Faktor, um die Sanierung erfolgreich zu gestalten. Mit der Umsetzung der geplanten Maßnahmen wird Moosach in den kommenden Jahren ein Vorbild für nachhaltige Stadtentwicklung sein.
Quellen
- Sanierungsgebiet Moosach – offizielle Seite der Stadt München
- Sanierungsgebiet Moosach – Dokumentation zu Wohnsiedlungen
- Moosach: Sanierungsgebiet mit 700 neuen Wohnungen
- moosachlive.de – Aktuelle Informationen zum Sanierungsgebiet
- Dachauer Straße in Moosach: Baustelle für drei Jahre
- Aktuelles aus dem Quartier – Stadtsanierung Moosach