Sanierung und Neubau in der Moltkestraße, Darmstadt: Ein Modellprojekt für Quartiersentwicklung und Energieeffizienz

Die Sanierung und Neubauvorhaben in der Moltkestraße in Darmstadt bilden ein herausragendes Beispiel für moderne Quartiersentwicklung, die sowohl soziale als auch ökologische Aspekte in den Mittelpunkt stellt. Das Projekt, das auf Initiative der bauverein AG und in Zusammenarbeit mit dem Verein „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“ umgesetzt wird, zielt darauf ab, den Wohnraum zu erweitern, die Energieeffizienz zu steigern und gleichzeitig die soziale Infrastruktur zu stärken. Insgesamt entstehen in der Moltkestraße 3–19 sechs neue Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 131 Wohnungen, einer Kita, Schulbetreuungsräumen und einer umfassenden Freiraumplanung. Diese Maßnahme ist Teil einer langfristigen Strategie, die Postsiedlung in Darmstadt weiter zu revitalisieren und zukunftsfähig zu machen.

Hintergrund der Quartiersentwicklung in der Postsiedlung

Die Postsiedlung in Darmstadt wurde in den 1950er Jahren ursprünglich als Wohnbebauung für Mitarbeiter des Fernmeldetechnischen und Posttechnischen Zentralamtes errichtet. In den letzten Jahren hat sich das Quartier jedoch stark verändert. Aus der homogenen Nachkriegssiedlung ist ein lebendiger Stadtteil mit hohem Wohnwert und einer engagierten Nachbarschaft entstanden. Die bauverein AG, ein städtisches Wohnungsbaugesellschaft mit über 17.000 Wohnungen im Bestand, hat sich seit 2008 aktiv an der schrittweisen Modernisierung beteiligt. In diesem Rahmen wurden in die Jahre gekommene Häuser saniert, und dort, wo die Bausubstanz es zuließ, neuer Wohnraum durch Aufstockung geschaffen.

In der Moltkestraße 3–19 war eine Aufstockung der bestehenden Gebäude nicht möglich, da die Bausubstanz hier nicht dafür geeignet war. Daher wurden fünf Bestandsgebäude ab November 2019 zurückgebaut, um Platz für sechs Neubauten zu schaffen. Die Bauarbeiten begannen Mitte September 2020. Dieser Schritt markierte den Beginn einer neuen Phase in der Quartiersentwicklung, in der die bauverein AG die Wohnfläche gegenüber der ehemaligen Bebauung verdreifachte und zusätzlichen Wohnraum durch behutsame Verdichtung in einer begehrten Wohnlage schuf.

Soziale und funktionale Ausrichtung des Projekts

Die Neubauvorhaben in der Moltkestraße 3–19 sind nicht nur eine reine Baumaßnahme, sondern auch eine klare Antwort auf die steigende Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in Darmstadt. Insgesamt entstehen 131 Wohnungen, von denen 25 Prozent öffentlich gefördert und weitere 20 Prozent für Empfänger mit mittlerem Einkommen reserviert sind. Zudem entstehen Flächen für Kinderbetreuungsangebote, wie eine Postsiedlungs-Kita und neue, größere Räume für die Schulkinder-Betreuung der Heinrich-Heine-Schule.

Diese Maßnahme unterstreicht den sozialen Anspruch des Projekts. Der Verein „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“ begrüßt diese Entwicklung als einen „großen Fortschritt für die soziale Infrastruktur im Quartier“. Bastian Ripper, Vorsitzender des Vereins, betont, dass die Kita und die Schulkinder-Betreuung für die lokale Bevölkerung von großem Nutzen seien. Darüber hinaus sind zwischen den Häusern große Innenhöfe und grüne Begegnungsflächen geplant, die als Treffpunkt der Nachbarschaft dienen sollen.

Energetische Konzepte und Quartiersansätze

Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts liegt in der Energieeffizienz. Ziel des gemeinsamen Projekts der bauverein AG und der TU Darmstadt ist es, das energetische Profil des Quartiers und die Energiebilanz um mindestens 30 Prozent zu verbessern. Dies ist Teil des Forschungsprojekts „SWIVT“, bei dem nicht das Einzelgebäude, sondern ein ganzes Quartier betrachtet wird. Der Quartiersansatz ist ein innovativer Weg, um Energieverbräuche und CO2-Emissionen zu senken.

Die Energiezentrale des Quartiers kombiniert Blockheizkraftwerke mit Wärmepumpen, die über Geothermie Wärme aus dem Erdreich entnehmen. Gaskessel ergänzen das System. Diese Technologie ermöglicht es, die Energieversorgung des Quartiers so zu gestalten, dass sie sowohl umweltfreundlich als auch wirtschaftlich effizient ist. Armin Niedenthal, Vorstand der bauverein AG, betont, dass diese Maßnahmen nicht nur zur Senkung der Energiekosten beitragen, sondern auch zur langfristigen Stabilisierung der Quartiersentwicklung.

Parkraumplanung und Nachhaltigkeit

Ein weiteres zentrales Thema ist die Planung von Parkraum. In der Postsiedlung war Parkraum bereits vor Beginn des Projekts knapp. Um diesem Problem entgegenzuwirken, ist unter dem Gebäudeensemble eine großzügige Tiefgarage mit über 120 Stellplätzen vorgesehen. Darüber hinaus wurden mehr Stellplätze eingeplant, um auch den Nachbarn die Möglichkeit zu geben, einen Stellplatz anzumieten. Die Tiefgarage enthält zudem Abstellflächen für Fahrräder und überdachte, abschließbare Abstellplätze in den Innenhöfen.

Diese Planung unterstreicht den Fokus auf Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Nutzung des Raumes. Durch die Reduktion der Anzahl der oberirdischen Parkflächen können diese Bereiche langfristig anderweitig genutzt werden, etwa für Grünflächen oder soziale Angebote.

Zeitliche Planung und Fertigstellung

Die Bauarbeiten für die sechs mehrstöckigen Häuser in der Moltkestraße begannen im September 2020. Laut der Presseerklärung der bauverein AG ist die Fertigstellung des gesamten Projekts für Anfang 2022 geplant. Die ersten Bewohner können voraussichtlich Ende 2021 einziehen. Die Tiefgarage wird bis März 2021 errichtet, gefolgt von der Fertigstellung der sechs neuen Gebäude im Winter 2021/2022. Diese Zeitplanung unterstreicht die Ambitionen der Projektentwicklung, die sowohl eine schnelle Umsetzung als auch eine sorgfältige Planung betont.

Energieeffizienz in der Quartiersentwicklung

Die Quartiersentwicklung in der Moltkestraße ist nicht isoliert betrachtet, sondern in einen größeren Kontext eingebettet. Die bauverein AG verfolgt in Darmstadt insgesamt einen Strategiewechsel, der aufgrund der steigenden Bau- und Nebenkosten notwendig wurde. Große Gebäudesanierungen werden künftig in zwei Etappen durchgeführt: Zunächst werden die Fassaden saniert, um den Wärmeschutz zu optimieren und Energie einzusparen. Erst in einem zweiten Schritt erfolgt der Austausch der Heizungen und die Umstellung der Wärmeversorgung.

Diese Vorgehensweise spiegelt sich auch in anderen Projekten der bauverein AG wider, wie etwa in der 2016 begonnenen Großmodernisierung des Ensembles am Rhön- und Spessartring oder im Projekt „Mathildenhof“ mit dem Bau von 42 neuen Wohnungen und einem Quartierszentrum. In diesen Projekten setzt die bauverein AG auf innovative Technologien wie Photovoltaikanlagen, die den Energieverbrauch weiter reduzieren und die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen erhöhen.

Beispielhafte Sanierungen in Darmstadt

Ein weiteres Beispiel für energieeffiziente Sanierung ist die Revitalisierung von zwei Wohnblöcken aus den 1950er Jahren in Darmstadt. Hier wurden die Gebäude umfassend saniert und um zwei Aufstockungsgeschosse erweitert. Durch die Verwendung eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) mit 20 cm Dämmung und einer Holzständerkonstruktion mit zusätzlicher Dämmung konnten hohe Energiestandards erreicht werden. Das Bestandsgebäude entspricht dem KfW-Effizienzhaus 70 nach EnEV 2007, während die Aufstockung ein KfW Effizienzhaus 55 erreicht. Diese Sanierung ist ein weiteres Beispiel für den Ansatz der bauverein AG, bei der Quartiersentwicklung sowohl soziale als auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen.

Fazit

Die Sanierung und der Neubau in der Moltkestraße in Darmstadt bilden ein überzeugendes Modell für moderne Quartiersentwicklung. Durch die Kombination aus energieeffizienten Baukonzepten, sozialer Infrastruktur und einer nachhaltigen Raumnutzung gelingt es der bauverein AG, ein Quartier zu schaffen, das sowohl lebenswert als auch zukunftsfähig ist. Das Projekt zeigt, wie Städte mit dem Wandel der Wohnbedürfnisse und den Herausforderungen der Klimaziele umgehen können. Gleichzeitig betont es die Bedeutung einer engagierten Nachbarschaft und der Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, um eine gelungene Quartiersentwicklung zu ermöglichen.

Quellen

  1. Neubau Mehrfamilienwohnhäuser mit Kita und Schulbetreuung Quartier Moltkestraße
  2. Baustart in der Moltkestraße 3-19
  3. Baustelle Moltkestraße: Bau der neuen Häuser beginnt
  4. Großsanierungen in Darmstadt: Strategiewechsel beim Bauverein
  5. Revitalisierung von Mehrfamilienhäusern aus den 50er-Jahren

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