Das Schäfer in Fontanella: Renovationsverfahren, Herausforderungen und Chancen im Hotelbau

Einleitung

Das 4-Sterne-Superior-Hotel „Das Schäfer“ in Fontanella, eingebettet in das Biosphärenreservat Großes Walsertal, steht seit Anfang 2021 vor einer erheblichen finanziellen Krise. Ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung wurde beim Landesgericht Feldkirch angemeldet, um die Zukunft des Hotels und seiner 14 Beschäftigten zu sichern. Die Ursachen für die Überschuldung von rund drei Millionen Euro liegen in den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie sowie in den hohen Investitionskosten eines umfassenden Renovations- und Erweiterungsprogramms. In diesem Artikel werden die Hintergründe, die Auswirkungen der Sanierung und die Chancen der Wiederbelebung des Hotels unter fachlicher und konstruktiver Perspektive analysiert – mit Fokus auf Renovierungsstrategien, Investitionsplanung und Realisierbarkeit im Hotelbau.

Historischer Hintergrund und Entwicklung des Projekts

Von der Pension zum 4-Sterne-Superior-Hotel

Das „Das Schäfer“ hat eine reiche Geschichte. Es begann als einfache Pension und entwickelte sich in den späten 1990er Jahren weiter. Vor einigen Jahren folgte eine große Erweiterung, bei der das Hotel auf ein 4-Sterne-Superior-Niveau aufgestockt wurde. Der Umbau umfasste die Anzahl der Betten, die Erweiterung des Wellnessbereichs und die Errichtung von 22 Appartements, die hauptsächlich als Zweitwohnsitze verkauft wurden. Das Investitionsvolumen lag bei insgesamt zehn Millionen Euro, was auf ein ambitioniertes Projekt hindeutet.

Die Schäfer-Familie, die das Hotel leitet, hat sich auf die Erweiterung und Aufwertung fokussiert. Der Fokus lag auf einem modernen, lichtdurchfluteten Wellnessbereich sowie auf der Integration natürlicher Materialien in das Hotelinterieur. Nach Angaben von Christine Schäfer stammen viele Materialien aus der Region, was nicht nur ein optisches Statement setzte, sondern auch zur Nachhaltigkeit beitrug.

Die Erweiterung und Renovierung waren ein Herzensprojekt der Familie, das auf eine langfristige Vision abzielte: den Aufbau eines Ganzjahreshotels, das sowohl im Sommer als auch im Winter durch Wanderungen, Erholung und Wellness attraktiv bleibt. Diese Vision ist bis heute aktuell, obwohl sie durch die Pandemie stark beeinträchtigt wurde.

Die wirtschaftliche Situation und die Gründe für die Sanierung

Umsätze, Passiva und Aktiva

Laut Bilanzdaten vom 30. April 2020 beliefen sich die Passiva (Verbindlichkeiten) des Hotels auf 8,3 Millionen Euro. Die Aktiva (Vermögenswerte) lagen bei 6,7 Millionen Euro, was eine Überschuldung von 1,6 Millionen Euro ergibt. Allerdings ist zu beachten, dass die Bilanz nicht die aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse nach den Lockdowns des Jahres 2020 abbildet.

Die durchschnittlichen Umsätze des Hotels wurden von der Rechtsanwaltskanzlei Abel, die als Sanierungsberater fungiert, auf rund 2,2 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Laut den Angaben der Schäfer-Familie war die wirtschaftliche Situation vor der Pandemie bereits angespannt, doch es gelang durch Restrukturierungsmaßnahmen, die Lage bis 2019 zu stabilisieren. Der erste Lockdown 2020 wurde überwunden, doch die erneuten Umsatzeinbrüche in den folgenden Lockdownen konnten nicht kompensiert werden.

Die Rolle der Pandemie und der Lockdowns

Die Schäfer-Familie gibt den Pandemie-bedingten Umsatzeinbruch als Hauptursache für die Überschuldung an. Insbesondere die zweiten und dritten Lockdowns in Österreich und Vorarlberg führten zu einem massiven Absinken der Gästezahlen. Zwar gab es in den Sommermonaten eine vorübergehende Erholung, doch die Umsatz- und Liquiditätslücken konnten nicht geschlossen werden. So blieb nur der Schritt in ein Sanierungsverfahren.

Sanierungsverfahren und Rechtsrahmen

Ein Sanierungsplanverfahren ohne Eigenverwaltung wurde beim Landesgericht Feldkirch angemeldet. Dieses Verfahren ermöglicht es, den Betrieb unter Anleitung eines Sanierungsverwalters fortzuführen, ohne dass ein Insolvenzverwalter eingesetzt wird. Ziel ist es, den Betrieb wieder auf stabile wirtschaftliche Grundlagen zu stellen.

Ein Sanierungsverwalter wurde bestellt: RA Andreas Droop, der auch bei anderen Hotelprojekten Erfahrung gesammelt hat. Der Sanierungsplanvorschlag sieht eine Reduktion der Gläubigerforderungen um 20 % vor. Die Verhandlung im April 2021 beim Landesgericht Feldkirch war ein entscheidender Meilenstein.

Der Sanierungsplan und die Umsetzung

Zielsetzung des Sanierungsplans

Der Sanierungsplan hat zum Ziel, den Fortbestand des Hotels „Das Schäfer“ zu sichern. Die Schäfer-Familie betont, dass ein umfassendes Sanierungskonzept ausgearbeitet wurde, das in Abstimmung mit dem Sanierungsverwalter umgesetzt werden soll. Die Planungssicherheit, so Rainer Schäfer, sei entscheidend für die Erholung der Buchungssituation. Er ist optimistisch, dass bei der Wiederaufnahme des Betriebs im Frühjahr 2021 eine gute Buchungslage erreicht werden kann.

Konkrete Maßnahmen

Zu den Maßnahmen gehören:

  1. Kostenreduktion: Durch die Reduktion der Gläubigerforderungen um 20 % und die Konsolidierung der Schulden kann eine finanzielle Stabilisierung erreicht werden.
  2. Liquiditätssicherung: Durch die Zusammenarbeit mit dem Sanierungsverwalter wird ein Liquiditätsplan entwickelt, der den Betrieb über die kritischsten Phasen der Sanierung tragen kann.
  3. Imagepflege und Marketing: Um den Reputationsverlust der Sanierung zu kompensieren, wird ein stärkeres Fokus auf Marketing und Gästeinformation gelegt. Die Schäfer-Familie betont, dass die Reiselust ungebrochen sei, und hofft auf eine schnelle Erholung der Buchungszahlen.
  4. Weiterentwicklung des Wellnessbereichs: Der Wellnessbereich, der als zentrales Alleinstellungsmerkmal des Hotels gilt, soll weiter ausgebaut werden, um den hohen Nachfragestand im Wellnesssektor zu nutzen.

Die Architektur und der Wellnessbereich als wirtschaftliche Ressource

Konzeptionelle Grundlagen

Das Hotel „Das Schäfer“ wurde mit einem klaren architektonischen Konzept entworfen: Offenheit, Lichtdurchflutung und die Integration natürlicher Materialien. Der Innenausbau folgt dem modernen Landhausstil mit klaren Linien, warmen Farben und lichtdurchfluteten Räumen. Besonders hervorzuheben ist die Verwendung von Weißtannenholz, Wollstoffen und Glas, die sowohl optisch als auch akustisch eine harmonische Wirkung erzielen.

Der Wellnessbereich, der sich über 1.600 m² erstreckt, ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Er umfasst Innen- und Außenpools, Saunen, Dampfbäder und Ruhebereiche mit atemberaubenden Ausblicken. Besonders erwähnenswert ist die BergSpa-Faszien-Methode, ein exklusives Treatment, das auf Faszientherapie, alpine Kräuter und manuelle Techniken basiert. Diese Behandlungen sind ein weiterer Schwerpunkt im Wellnessangebot und können die Differenzierung des Hotels auf dem Markt stärken.

Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung

Die Schäfer-Familie betont, dass Nachhaltigkeit nicht bloß ein Schlagwort ist, sondern eine grundlegende Verantwortung. Der Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Schutz der unberührten Natur rund um das Hotel sind zentrale Elemente des Konzepts. Die Verwendung regionaler Materialien und die Einbindung von regionalen Lieferanten tragen zur ökologischen Nachhaltigkeit bei.

Diese Nachhaltigkeitsstrategie ist nicht nur ein Werteanspruch, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil. Gäste, die auf nachhaltige Urlaubserlebnisse Wert legen, sind bereit, höhere Preise zu zahlen – ein Aspekt, der im Sanierungsplan berücksichtigt wird.

Die Rolle des Ortes und der Region

Lage und Umgebung

Das Hotel liegt in Fontanella, einem Vorort des Biosphärenparks Großes Walsertal. Der Biosphärenpark selbst ist ein UNESCO-geschütztes Gebiet und bietet einzigartige Naturlandschaften, Wanderwege und Erholungsgelegenheiten. Die Nähe zum Skigebiet Faschina-Damüls macht das Hotel auch im Winter attraktiv. Die Erreichbarkeit per Auto und Bus ist gut, was die Zielgruppe der Ganzjahresgäste weiter erweitert.

Regionale Wirtschaftsbeziehungen

Die Schäfer-Familie kooperiert eng mit regionalen Lieferanten, Händlern und Wanderführern. Diese Beziehungen stärken nicht nur das lokale Wirtschaftsnetz, sondern tragen auch zur Authentizität und Regionalität des Angebots bei. Zudem ist die Familie Schäfer selbst geprüfte Wanderführer, was den Reiz des Ortes noch weiter unterstreicht.

Zielgruppe und Marktpositionierung

Die Hauptzielgruppe des Hotels besteht aus Erwachsenen und jungen Erwachsenen, die nach Erholung, Ruhe und Stille suchen. Die „Adults-Only“-Politik ist ein weiterer Wettbewerbsvorteil, der den Fokus auf Erwachsene legt und so eine exklusive Atmosphäre schafft. Die kulinarischen Angebote sind regional ausgerichtet und achtsam zubereitet, was zu einer hohen Qualitäts- und Wohlfühloption beiträgt.

Fazit

Die Sanierung des Hotels „Das Schäfer“ in Fontanella ist ein komplexes Projekt, das sowohl wirtschaftliche als auch konzeptionelle Herausforderungen beinhaltet. Die Ursachen der Überschuldung liegen in den Pandemie-bedingten Umsatzeinbrüchen, die in Kombination mit hohen Investitionskosten eine kritische Situation erzeugten. Der Sanierungsplan, der in Kooperation mit einem erfahrenen Sanierungsverwalter ausgearbeitet wurde, zielt darauf ab, die Finanzlage zu stabilisieren und den Betrieb auf langfristige wirtschaftliche Grundlagen zu stellen.

Die architektonische Konzeption des Hotels, insbesondere der Wellnessbereich, ist ein wertvolles wirtschaftliches Ressourcenpotential. Durch die Integration natürlicher Materialien, die Fokussierung auf Nachhaltigkeit und die Entwicklung exklusiver Wellnessangebote kann das Hotel seine Differenzierung im Markt stärken. Zudem profitiert das Projekt von seiner Lage im Biosphärenpark und der regionalen Wirtschaftsbeziehungen, die zur Authentizität und Stabilität des Geschäfts beitragen.

Die Schäfer-Familie betont, dass die Reiselust der Gäste ungebrochen sei und dass sie optimistisch in die Zukunft blicken. Der Sanierungsplan ist ein Schritt, der das Unternehmen auf den Weg zurück zur wirtschaftlichen Stabilität bringt. Für das Hotel und seine Beschäftigten ist dies eine Chance, die in der richtigen Planung und Ausführung zum Erfolg führen kann.


Quellen

  1. VN.at: Hotel in Fontanella mit drei Millionen Euro überschuldet. Hotelier zuversichtlich.
  2. Touristbooking.at: Hotel Das Schäfer Superior Fontanella
  3. Baur-BWF.de: Projekt Das Schäfer
  4. Das Schäfer.at
  5. Willkommen im Bergspa
  6. Damuels.at: Hotel Das Schäfers in Fontanella-Faschina
  7. HolidayCheck.de: Das Schäfer

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