Einleitung
Die Sanierung der Knopfhäusle-Siedlung in Freiburg ist ein herausragendes Beispiel für denkmalgerechte Renovation in historischen Siedlungen. Gelegen im Stadtbezirk Oberwiehre, wurde diese Arbeitersiedlung im späten 19. Jahrhundert errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Der Schutzstatus unterstreicht die historische, städtebauliche und kulturelle Bedeutung der Siedlung. Im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt (früher Soziale Stadt) hat die Stadt Freiburg seit 2017 umfassende Sanierungsmaßnahmen angestoßen, um die Siedlung sowohl architektonisch als auch sozial zu stärken.
Die Renovierungsarbeiten sind aufwendig geplant und durchgeführt, um die historische Bausubstanz zu erhalten, den sozialen Zusammenhalt im Quartier zu fördern und den öffentlichen Raum zu revitalisieren. Der Artikel beleuchtet die Hintergründe, die Vorbereitungen, die baulichen Maßnahmen sowie die soziale und kulturelle Dimension der Sanierung. Zudem werden Aspekte des Denkmalschutzes und der Zusammenarbeit mit Behörden und Bewohner*innen beschrieben.
Die Knopfhäusle-Siedlung: Historische und städtebauliche Bedeutung
Die Knopfhäusle-Siedlung entstand zwischen 1869 und 1886 als Arbeitersiedlung der einstigen Knopffabrik Risler und Cie. Sie ist eine der frühesten Arbeitersiedlungen in Baden und zählt heute zu den bedeutendsten städtebaulichen Zeugnissen ihrer Zeit. Die Siedlung weist eine vollständig überlieferte Bebauung, erhaltenen Grünflächen sowie ein intaktes Straßennetz auf. Die Gebäude bestehen hauptsächlich aus zweigeschossigen Reihenhäusern, ergänzt durch Vorgärten, einen Spielplatz und gemeinschaftliche Einrichtungen wie ein Hausmeisterhaus, ein Bad- und Waschhaus sowie eine Mädchenanstalt.
Diese Architektur und die soziale Struktur der Siedlung spiegeln die Arbeitswelt und das Leben der Arbeiterfamilien im späten 19. Jahrhundert wider. Die historische und städtebauliche Bedeutung der Siedlung ist so groß, dass sie seit Anfang des 21. Jahrhunderts unter Denkmalschutz steht. Die Siedlung gilt als ein Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes Baden-Württemberg und ist daher nicht einem alltäglichen städtebaulichen Veränderungsprozess unterworfen, sondern muss nach denkmalpflegerischen Grundsätzen behandelt werden.
Vorbereitende Untersuchungen: Grundlagen für die Sanierung
Die Sanierung der Knopfhäusle-Siedlung begann mit einer intensiven Phase von Vorbereitenden Untersuchungen, die ab 2017 durchgeführt wurden. Diese Untersuchungen waren notwendig, um Kenntnisse über die sozialen, strukturellen und städtebaulichen Verhältnisse des Gebietes zu erlangen, den Sanierungsbedarf festzustellen und konkrete Sanierungsziele sowie Maßnahmen zu formulieren.
Zu den Untersuchungsmethoden gehörten:
- Bau- und stadtgeschichtliche Analysen, um die historische Entwicklung der Siedlung zu verstehen.
- Soziale Untersuchungen, in denen Bewohner*innen befragt wurden, um deren Bedürfnisse und Ressourcen im Quartier zu erfassen.
- Gebietsrundgänge, bei denen Bewohnerinnen und interessierte Bürgerinnen die Siedlung gemeinsam mit Expert*innen erkundeten.
- Sprechstunden für Mieter*innen, um direkte Rückmeldung zu den geplanten Maßnahmen einzuholen.
Ein Wissenschaftlerin des Soziologischen Instituts der Universität Freiburg leitete die soziale Untersuchung. Ziel war es, die soziale Lage der Bewohner*innen sowie das Zusammenleben im Quartier zu analysieren, um eine Grundlage für eine soziale Quartiersentwicklung zu schaffen.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden den Anwohner*innen im Sommer 2019 vorgestellt. Im Oktober desselben Jahres legte der Gemeinderat das Sanierungsgebiet durch Satzungsbeschluss förmlich fest. Diese Planungsschritte betonten die Wichtigkeit einer transparenten und partizipativen Vorgehensweise, die sowohl fachliche als auch soziale Aspekte berücksichtigte.
Soziale Verträglichkeit der Sanierungsmaßnahmen
Ein zentrales Anliegen der Sanierung ist die soziale Verträglichkeit der Maßnahmen. Die Sanierung soll nicht nur die bauliche Substanz der Siedlung bewahren und verbessern, sondern auch den sozialen Zusammenhalt stärken. Die Siedlung ist nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein soziales Erbe, das durch die langfristige Bebauung und das Zusammenleben der Bewohner*innen geprägt ist.
Die soziale Untersuchung half dabei, die Bedürfnisse der Anwohner*innen zu erfassen, wie z. B. den Wunsch nach einer besseren Nutzung der Freiflächen oder nach baulichen Maßnahmen, die das Quartier attraktiver und lebenswerter machen. Diese Erkenntnisse flossen in die Planung ein, um sicherzustellen, dass die Sanierungsmaßnahmen nicht nur fachlich, sondern auch sozial tragfähig sind.
Bauliche Sanierungsmaßnahmen: Denkmalschutz und Modernisierung
Die baulichen Sanierungsmaßnahmen wurden in mehreren Bauabschnitten durchgeführt, wobei besonderes Augenmerk auf die denkmalschutzgerechte Modernisierung gelegt wurde. Die Renovierungen umfassen unter anderem:
- Erneuerung von Fenstern und Fassaden, wobei historische Materialien und Formen weitgehend erhalten wurden.
- Sanierung von Dächern und Dachstühlen, um die bauliche Substanz langfristig zu sichern.
- Modernisierung der Sanitäranlagen und der Energieversorgung, unter Berücksichtigung von Energieeffizienz und Umweltstandards.
- Renovierung der Freiflächen, insbesondere des Kinderspielplatzes, der 2023 nach einem gemeinsamen Gestaltungskonzept mit den Anwohner*innen neu gestaltet wurde.
Der erste Bauabschnitt wurde im Jahr 2021 abgeschlossen, und Mieter*innen konnten in ihre renovierten Wohnungen zurückkehren. Der zweite Bauabschnitt begann unmittelbar danach und wurde Anfang 2024 fertiggestellt. Weitere Bauabschnitte betreffen die Gebäude Schwarzwaldstraße 60, 62, 66 und 68. Der Baubeginn dort war 2024, und die Fertigstellung ist für 2026 geplant.
Die bauliche Sanierung folgt dem Grundsatz der denkmalschutzgerechten Modernisierung, was bedeutet, dass Veränderungen nur dann vorgenommen werden, wenn sie denkmalpflegerisch verträglich sind und die historische Substanz so weit wie möglich erhalten. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und eine frühzeitige Planung, um spätere Kosten und Komplikationen zu vermeiden.
Öffentlicher Raum und soziale Nutzung
Ein weiteres wichtiges Element der Sanierung ist die Aufwertung des öffentlichen Raums. Die Siedlung verfügt über einen zentralen Platz in der Schwarzwaldstraße, der als Begegnungs- und Kommunikationsort dienen soll. Die Sanierungsmaßnahmen umfassen auch die Umgestaltung dieses Platzes sowie die Aufwertung des Straßenraums. Ziel ist es, den öffentlichen Raum so zu gestalten, dass er sowohl funktional als auch ästhetisch ansprechend bleibt.
Die Freiflächen und der Spielplatz sind zentraler Bestandteil der Siedlungskultur. Sie dienen nicht nur der Freizeitgestaltung, sondern auch der sozialen Integration. Deshalb wurde bei der Renovierung des Spielplatzes ein Konzept entwickelt, das auf die Bedürfnisse der Anwohner*innen abgestimmt ist.
Denkmalschutz in der Praxis: Herausforderungen und Lösungsansätze
Die Sanierung einer denkmalgeschützten Siedlung wie der Knopfhäusle-Siedlung ist mit besonderen Herausforderungen verbunden. So ist beispielsweise die Erneuerung von Fenstern oder Veränderungen an der Fassadengestaltung nicht automatisch zulässig, sondern bedarf in der Regel einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung. Die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Freiburg berät hierzu und kann bei Bedarf auch Zuschüsse für denkmalpflegerisch notwendige Maßnahmen vermitteln.
Eine frühzeitige Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde ist daher unerlässlich, um spätere Komplikationen oder hohe Folgekosten zu vermeiden. Zudem können Bewohner*innen unter bestimmten Voraussetzungen Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen, wenn Sanierungsmaßnahmen denkmalgerecht durchgeführt werden.
Ein weiteres Problem, das in Freiburg in der jüngsten Vergangenheit aufgefallen ist, ist das Abrissen denkmalgeschützter Gebäude, obwohl es in der Stadt keine offizielle Liste der denkmalgeschützten Gebäude gibt. Diese Situation hat zu Unruhe unter Baudenkmal-Experten, Anwohner*innen und Bürgern geführt, die sich für den Erhalt historischer Bausubstanz einsetzen.
Partizipation und Transparenz im Sanierungsprozess
Die Sanierung der Knopfhäusle-Siedlung ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein Prozess, der Transparenz und Partizipation erfordert. Die Vorbereitenden Untersuchungen, Gebietsrundgänge und Sprechstunden haben gezeigt, dass die Beteiligung der Anwohnerinnen eine wesentliche Rolle spielt. Nur wenn die Bewohnerinnen sich in den Sanierungsprozess eingebunden fühlen, kann eine langfristige Akzeptanz und ein soziales Engagement entstehen.
Die Stadt Freiburg hat in diesem Zusammenhang auch digitale Angebote geschaffen, wie einen virtuellen Rundgang durch die Siedlung. Dieser Rundgang zeigt den Zustand der Siedlung vor der Sanierung und bietet Informationen zur Geschichte der Knopfhäusle. Zudem ist es möglich, eine leerstehende Wohnung digital zu besichtigen und einen Vorher-Nachher-Vergleich anzuzeigen. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Transparenz zu erhöhen und das Verständnis für die Sanierungsarbeit zu fördern.
Fazit
Die Sanierung der Knopfhäusle-Siedlung in Freiburg ist ein herausragendes Beispiel für denkmalgerechte Renovation in historischen Siedlungen. Sie verbindet architektonische, städtebauliche, soziale und kulturelle Aspekte und zeigt, wie eine alte Siedlung in den heutigen Anforderungen integriert werden kann, ohne ihre historische Identität zu verlieren.
Die Vorbereitenden Untersuchungen, die soziale Beteiligung und die enge Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde haben dazu beigetragen, dass die Sanierungsmaßnahmen sowohl fachlich als auch sozial tragfähig sind. Die baulichen Sanierungen wurden in mehreren Abschnitten durchgeführt und folgen dem Grundsatz der denkmalschutzgerechten Modernisierung.
Zudem hat die Aufwertung des öffentlichen Raums und der Freiflächen dazu beigetragen, die Siedlung lebenswerter und sozialer zu gestalten. Die digitale Präsentation der Siedlung und der virtuelle Rundgang sind zudem wertvolle Instrumente, um das Bewusstsein für denkmalgeschützte Bausubstanz zu stärken.
Die Sanierung der Knopfhäusle-Siedlung macht deutlich, dass Denkmalschutz und Modernisierung kein Widerspruch sein müssen. Im Gegenteil: Eine sorgfältig geplante und durchdachte Sanierung kann dazu beitragen, dass historische Siedlungen auch in der Zukunft lebenswert und lebensfähig bleiben.