Die Sanierung der Kirchschule in Bochum-Höntrop zählt zu den umfassenden und langfristigen Baumaßnahmen in der Stadt, die nicht nur aus fachlicher, sondern auch aus sozialer und pädagogischer Perspektive kontrovers diskutiert werden. In den vergangenen vier Jahren stand das Gebäude an der Ecke Wattenscheider Hellweg/Höntroper Straße im Fokus mehrerer Bezirksvertretungen, Elternschaften und zuständiger Behörden. Die Generalsanierung, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinzog, führte zu einer Vielzahl von kritischen Rückmeldungen, vor allem aus Sicht der betroffenen Kinder und ihrer Eltern. In diesem Artikel werden die Hintergründe, Verläufe, Herausforderungen und offenen Fragen der Sanierung detailliert ausgearbeitet.
Einführung: Kontext und Zielsetzung der Sanierung
Die Kirchschule in Höntrop war Gegenstand einer Generalsanierung, die nachweislich über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren andauerte. Laut Angaben der Stadt Bochum wurden im Rahmen des BIS-Programms (Bauliche Investitionen für Schulen) umfassende Arbeiten durchgeführt, darunter die Demontage und Wiedererrichtung des gesamten Daches inklusive Dachstuhls. Ziel der Sanierung war es, die bauliche Substanz der Schule langfristig zu sichern und die Lern- sowie Lehrbedingungen zu verbessern. Die Arbeiten waren jedoch begleitet von erheblichen Einschränkungen, die sich insbesondere auf das Umfeld der Schule und den Alltag der Schüler auswirkten.
Die Sanierungsarbeiten im Detail
Dacharbeiten und Sicherheitsvorkehrungen
Die Dachsanierung bildete einen zentralen Bestandteil der Maßnahmen. Die Stadt Bochum gab an, dass das gesamte Dach sowie der Dachstuhl demontiert und anschließend neu aufgebaut wurden. Um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, wurden das gesamte Gebäude sowie eine Bank in der Nähe des Gänsereiterdenkmals mit Zäunen umgeben. Ziel war es, herabfallende Bauteile abzufangen und so die Umgebung sowie die Schule selbst zu schützen. Diese Sicherheitsvorkehrungen führten jedoch auch zu einer spürbaren Eingrenzung des Umfelds, was von Einwohnern und Eltern kritisch gesehen wurde.
Auswirkungen auf den Lernalltag
Die Dauer der Sanierung, die über mehrere Jahre andauerte, führte dazu, dass ein gesamter Jahrgang die Schule ausschließlich als Baustelle erlebte. Einige Eltern und Pädagogen kritisierten dies als ungünstig für die Lernatmosphäre und den pädagogischen Alltag. Der evangelische Pfarrer Uwe Gerstenkorn aus Höntrop stellte fest, dass die Kinder die Schule über all diese Jahre „als Dauerbaustelle mit Krach, Lärm und Umzug erlebt haben“. Diese Umstände wurden als belastend empfunden, insbesondere im OGS-Bereich (Offene Ganztagsschule), der zeitweise im katholischen Begegnungszentrum Magma untergebracht war.
Kritik und Anfragen aus politischer Sicht
Die Sanierungsarbeiten standen nicht nur im Fokus der Elternschaft, sondern auch in mehreren Sitzungen der Bezirksvertretung Wattenscheid. So gab es eine CDU-Anfrage, in der sich Kritik an der Verkehrssicherung der mobilen Zäune um die Kirchschule und entlang des Rundwegs am Gänsereiterdenkmal äußerte. Die Stadt Bochum erklärte in der Sitzung vom 19. September, dass die Dacharbeiten weitestgehend abgeschlossen seien und der Abbau der Gerüste im November beabsichtigt sei.
Trotz dieser Erklärungen blieben kritische Stimmen aus dem politischen Raum bestehen. So wurde unter anderem auf die fehlende Planung für eventuelle Verzögerungen hingewiesen, insbesondere im Zusammenhang mit Schadstoffbelastungen, die den Bauprozess behindern könnten. Tim Pohlmann, schulpolitischer Sprecher der UWG-Fraktion in Bochum, betonte, dass es entscheidend sei, die Sanierungen „zügig und im vorgegebenen Kostenrahmen“ durchzuführen.
Zukunftsperspektiven und weitergehende Planungen
Die Sanierung der Kirchschule ist Teil eines umfassenderen Schulentwicklungsplans, der sich über die Sekundarstufen I und II erstreckt. In diesem Rahmen wurde beschlossen, eine neue Gesamtschule in Wattenscheid zu bauen und ein elftes Gymnasium einzurichten. Die Planung der Gesamtschule ist eng mit der Berliner Straße in Wattenscheid verknüpft. Allerdings bleiben laut Pohlmann einige Aspekte der Planung unklar, insbesondere was die Unterbringung des Interims-Gymnasiums ab dem Schuljahr 2026/2027 betrifft. Die Kämmerin der Stadt hat zwar versichert, dass es bei der Umsetzung keine Probleme geben werde, doch die UWG-Fraktion fordert zusätzliche Planungssicherheit und die Einbeziehung weiterer Baumaßnahmen, wie z. B. die Erstellung einer neuen Grundschule, die bereits 2018 einstimmig von der Bezirksvertretung Wattenscheid beschlossen wurde.
Kritische Fragen und offene Punkte
Verzögerungsrisiken und Schadstoffbelastungen
Ein zentraler Kritikpunkt, der in mehreren Gremien diskutiert wurde, betrifft mögliche Verzögerungen aufgrund von Schadstoffbelastungen. Diese können die Planung erheblich behindern und den geplanten Abschluss der Sanierungsarbeiten stark beeinflussen. In diesem Zusammenhang wurde von der UWG-Fraktion betont, dass es wichtig sei, alternative Pläne vorzusehen, um eventuelle Verzögerungen abzufedern. Solche „Plan B“-Strategien sind gerade in komplexen Bauprozessen unverzichtbar, um die Sicherheit und Transparenz für Beteiligte zu gewährleisten.
Kommunikation und Transparenz
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Elternschaft sowie politischen Gremien. Laut mehreren Äußerungen aus der Bezirksvertretung Wattenscheid gab es Wünsche nach einer besseren, transparenten und zeitnahen Information der Bevölkerung über die Baumaßnahmen. Dies gilt insbesondere für die Sicherheitsvorkehrungen, die durch den Einbau der Zäune und das Baugerüst entstanden. Eltern und Einwohner forderten, dass diese Maßnahmen so schnell wie möglich abgeschlossen und die betroffenen Flächen wieder in einen normalen Pflegezustand versetzt würden.
Nachhaltigkeit und zukunftsorientierte Planung
Die Sanierung der Kirchschule ist nicht isoliert zu betrachten, sondern muss in den Kontext der Schulentwicklungsplanung eingebettet werden. Die Planungen für eine neue Gesamtschule und ein elftes Gymnasium zeigen, dass Bochum auf eine langfristige und nachhaltige Schulentwicklung hinarbeitet. Dennoch bleibt die Frage, ob diese Planung auch ausreichend auf mögliche zukünftige Entwicklungen und Bevölkerungsveränderungen abgestimmt ist. Insbesondere bei der Einrichtung von weiteren Gymnasien und Gesamtschulen ist es entscheidend, die pädagogischen, baulichen und infrastrukturellen Voraussetzungen sorgfältig abzuwägen.
Fazit
Die Generalsanierung der Kirchschule in Bochum-Höntrop war ein langfristiges Projekt, das sowohl aus fachlicher als auch aus sozialer Perspektive umstritten blieb. Die Arbeiten, die sich über mehrere Jahre hinzogen, führten zu einer Vielzahl von kritischen Rückmeldungen, insbesondere aus Sicht der betroffenen Kinder und Eltern. Zwar standen Sicherheit und Nachhaltigkeit im Vordergrund der Sanierungsmaßnahmen, doch die Dauer und die Eingrenzung des Umfelds wurden von vielen als belastend empfunden.
Zukunftsplanungen wie die Errichtung einer neuen Gesamtschule und ein elftes Gymnasium zeigen, dass Bochum auf eine langfristige und nachhaltige Schulentwicklung hinarbeitet. Gleichzeitig bleiben jedoch offene Fragen, insbesondere in Bezug auf alternative Planungsszenarien, mögliche Verzögerungen und die Transparenz der Kommunikation. Die Erfahrungen aus der Sanierung der Kirchschule zeigen, dass bei solchen Projekten nicht nur fachliche und bauliche Aspekte im Vordergrund stehen, sondern auch die pädagogischen, sozialen und kommunikativen Herausforderungen berücksichtigt werden müssen.