Die Sanierungsprojekte der Deutschen Wohnen in Steglitz-Zehlendorf 2018 markieren einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Berliner Wohnungsmarkts. In diesem Jahr setzte der Immobilienkonzern auf umfassende Modernisierungsmaßnahmen, wobei sowohl technische Verbesserungen als auch soziale Aspekte im Fokus standen. Gleichzeitig entstanden neue Verträge mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die auf sozialverträgliche Mieterhöhungen und Nachhaltigkeit abzielen. Die Projekte 2018 spiegeln nicht nur die architektonischen und technischen Herausforderungen wider, sondern auch die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen um den Umgang mit bestehenden Wohngebäuden und deren Modernisierung.
Sanierung der Argentinischen Allee 221: Eine Einzelheit in der Bruno-Taut-Siedlung
Eines der bedeutenden Sanierungsprojekte 2018 war die Renovierung des Wohn- und Geschäftshauses an der Argentinischen Allee 221 in Zehlendorf. Das Gebäude, das in den 1970er Jahren errichtet wurde, war ursprünglich als Solitär in der Bruno-Taut-Siedlung entstanden. Die Sanierung, die etwa drei Jahre dauerte, kostete insgesamt 4,2 Millionen Euro und hatte zum Ziel, das Gebäude architektonisch in die Siedlung zu integrieren. Die Fassaden wurden mit Klinker- und Putzgestaltung verändert, um einen visuellen Bezug zu den benachbarten Häusern herzustellen. Zudem erfolgten umfangreiche Dämmmaßnahmen an Fassaden, Kellerdecken, Fenstern und Dach, wodurch der Energieverbrauch um 80 Prozent reduziert werden soll.
Die Modernisierung umfasste auch die Flure, Türen und Bäder, wobei die Farbgebung im Innenraum an die Optik der Waldsiedlung angeknüpft wurde. Das Gebäude verfügt über 25 Wohnungen und beherbergt im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss Geschäftsflächen wie eine Zahnarztpraxis, eine Physiotherapie, eine Logopädie-Praxis und ein Architekturbüro. Die Sanierung wurde von der Deutschen Wohnen durchgeführt und durch eine DGNB-Zertifizierung nach Gold-Standards begleitet, was besondere Nachhaltigkeitskriterien unterstreicht.
Strangsanierungen: Effiziente Modernisierung im Bestand
Ein weiteres zentrales Projekt 2018 war die sogenannte Strangsanierung von 177 Wohnungen im Bezirk Zehlendorf. Diese Maßnahmen fanden in bewohntem Zustand statt und umfassten den Austausch der Heizungsanlagen, Warmwasserbereitung, sowie die Sanierung von Bädern, Küchen und Fluren. Der Auftraggeber war die Deutsche Wohnen AG, und das Projekt wurde von der Firma domoplan in Zusammenarbeit mit den Architekten der RTW Architekten- und Ingenieurgesellschaft mbH durchgeführt.
Die Sanierungsarbeiten begannen im September 2015 und endeten 2017. Dabei wurden in 15 Arbeitstagen je Wohnung die Heizleitungen und Heizkörper erneuert, zentrale Warmwasseranlagen installiert und die Bäder modernisiert. Die Mieter konnten innerhalb vorgegebener Standards individuelle Auswahlmöglichkeiten wahrnehmen, was eine gewisse Flexibilität in der Gestaltung der Räume ermöglichte. In leerstehenden Wohnungen erfolgten zusätzliche Arbeiten, wie die Erneuerung der Elektroinstallationen und die Aufarbeitung historischer Dielenbeläge. Die Küchen erhielten neue Vinylbodenbeläge und die Wohnungen wurden neu gestrichen.
Diese Maßnahmen trugen nicht nur zu einer besseren Wohnqualität bei, sondern auch zu energieeffizienteren Räumen. Die Strangsanierung ist ein Beispiel für eine kosteneffiziente und gleichzeitig umfassende Modernisierung, die im Bestand durchgeführt wird, ohne das Gebäude komplett leer zu räumen.
Kooperationsvereinbarung: Mietverträge und soziale Sicherheit
2018 war auch ein Jahr, in dem der Bezirk Steglitz-Zehlendorf und die Deutsche Wohnen SE eine bedeutende Kooperationsvereinbarung unterzeichneten. Diese Vereinbarung wurde am 23. Mai 2019 offiziell bekanntgegeben und zielt darauf ab, Mieterhöhungen durch Modernisierungsarbeiten auf ein sozialverträgliches Maß zu begrenzen. Die Vereinbarung legt klare Regeln fest: Die Bruttowarmmiete darf nach der Modernisierung nicht mehr als 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens ausmachen. Zudem sind Empfänger von ALG II und Sozialhilfe besonders geschützt, da die Miete nach der Modernisierung nicht über die vom Amt getragenen Kosten der Unterkunft liegen darf.
Die Vereinbarung schließt Luxusmodernisierungen aus und verpflichtet die Deutsche Wohnen, Mieterhöhungen nur auf Basis des Berliner Mietspiegels vorzunehmen. Darüber hinaus ist geregelt, dass die Nettokaltmiete für 12 Monate nach Modernisierung unverändert bleibt. Die Deutsche Wohnen hat zudem zusätzliche Punkte zugestimmt, wie die Bereitstellung von 15 Prozent Sozialraumwohnungen (WBS) bei Neubauvorhaben, das Angebot von Ersatzwohnungen bei Sanierungsmaßnahmen, die Förderung von Wohnungstausch durch Anreize und die Bereitstellung einer eigentümerunabhängigen Mieterberatung.
Diese Vereinbarung wurde von der Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski als Meilenstein in der Zusammenarbeit zwischen Bezirk und Immobilienkonzern bezeichnet. Sie betonte, dass die Vereinbarung den Mieter*innen mehr Sicherheit, Transparenz und einen echten Mehrwert bringe. Gleichzeitig lobte sie den gemeinsamen Ansatz, klimagerechtes Wohnen bezahlbar zu halten und Bestand und Neubau sinnvoll zu verbinden.
Kritik und Anmerkungen zum Mietspiegel
Trotz der erfreulichen Entwicklungen übte der Berliner Mieterverein (BMV) Kritik an der Vereinbarung. BMV-Geschäftsführer Reiner Wild stellte fest, dass viele Punkte der Vereinbarung „unklar“ und „unverbindlich“ seien, wodurch Mieter*innen möglicherweise keinen konkreten Nutzen ziehen könnten. Besonders problematisch kritisierte Wild den Passus, der Mieterhöhungen nur nach dem Mietspiegel erlaubt. Er argumentierte, dass dies die Deutsche Wohnen in die Lage versetzt, statt der ortsüblichen Vergleichsmiete den Oberwert des Mietspiegels anzuwenden, was zu höheren Mietsteigerungen führen könne.
Der Mietspiegel weist für Wohnungen je nach Baualter, Größe, Lage und Ausstattung einen Mittelwert sowie Preisspannen nach oben und unten aus. Gut ausgestattete Wohnungen sind eher dem höheren Wert zuzuordnen, schlechter ausgestattete Wohnungen dem unteren Wert. Wild forderte, dass die Deutsche Wohnen verpflichtet werden müsse, stets nur die jeweilige ortsübliche Vergleichsmiete geltend zu machen, um Mieterhöhungen sozialverträglicher zu gestalten.
Nachhaltigkeitsaspekte in der Sanierung
Die Sanierungsprojekte der Deutschen Wohnen in Steglitz-Zehlendorf 2018 wurden nicht nur aus architektonischen und sozialen Gründen durchgeführt, sondern auch unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitszielen. Die Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses an der Argentinischen Allee 221 wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert und erhielt den Status „Gold“ in der Bewertung. Dazu wurden über 30 Kriterien in den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Technik, soziostrukturelle und funktionale Qualität sowie Standort- und Prozessqualität geprüft.
Die „Prozessqualität“ bezieht sich darauf, wie weitreichend Nachhaltigkeitsaspekte bereits bei der Ausschreibung von Leistungen berücksichtigt werden. Im Bereich „Ökologie“ wird geprüft, wie nachhaltig mit Ressourcen umgegangen und welche Materialen verwendet werden. Diese Zertifizierung unterstreicht, dass die Deutsche Wohnen nicht nur baulich, sondern auch in ihrer Planungs- und Verwaltungsmethodik auf Nachhaltigkeit achtet.
Generationsübergreifendes Wohnen: Projekt in Lankwitz
Ein weiteres Projekt, das 2018 in Steglitz-Zehlendorf begonnen wurde, war die Planung und Realisierung generationsübergreifenden Wohnens in der Mudrastraße 1–11 in Lankwitz. Das Grundstück wurde an die Degewo übergeben, und nach Erteilung der Baugenehmigung begannen die Abriss- und Bauarbeiten. Ziel des Projekts war die Errichtung von 181 Wohnungen, die generationsübergreifend genutzt werden können. Dieses Vorhaben markiert einen Schritt in Richtung einer besseren Integration älterer und jungerer Bevölkerungsgruppen in den Wohnräumen des Bezirks.
Das Grundstück wurde 2018 an die Degewo abgegeben, um den generationsübergreifenden Wohnungsbau in Steglitz-Zehlendorf voranzutreiben. Die Erwartungen an das Projekt umfassen nicht nur die bauliche Modernisierung, sondern auch soziale Aspekte wie die Schaffung von lebenswerter Wohnraumqualität für alle Altersgruppen.
Fazit
Die Sanierungsprojekte der Deutschen Wohnen in Steglitz-Zehlendorf 2018 zeichnen sich durch eine Kombination aus technischen, sozialen und ökologischen Aspekten aus. Die Modernisierungen an der Argentinischen Allee 221 und die Strangsanierungen von 177 Wohnungen demonstrieren, wie bauliche Verbesserungen in bestehenden Wohnanlagen durchgeführt werden können, ohne die ursprüngliche Architektur zu zerstören. Gleichzeitig setzte die Deutsche Wohnen mit der Kooperationsvereinbarung mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf neue Maßstäbe im Umgang mit Mieterhöhungen und sozialer Verantwortung.
Die Kritik des Berliner Mietervereins zeigt jedoch auch auf, dass es in der Vereinbarung noch Verbesserungsspielräume gibt, insbesondere bei der klaren Definition von Mietspiegel- und Modernisierungsanpassungen. Die Zertifizierung nach DGNB-Standards unterstreicht die Bemühungen der Deutschen Wohnen, nachhaltige Konzepte in ihre Projekte einzubinden. Die Planung generationsübergreifenden Wohnens in Lankwitz ist ein weiteres Indiz für die breite Palette an Themen, die im Wohnungsbau des Bezirks Steglitz-Zehlendorf diskutiert und umgesetzt werden.
Insgesamt ist 2018 ein Jahr geprägt von zukunftsorientierten Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die sowohl die bauliche Qualität als auch die soziale Verantwortung im Fokus haben.
Quellen
- Sanierung von Wohn- und Geschäftshaus abgeschlossen
- Deutsche Wohnen – Vereinbarung mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf ohne Biss
- Sanierung nach Neubaukriterien
- Strangsanierung von 177 Wohneinheiten Berlin
- Kooperationsvereinbarung Steglitz-Zehlendorf und Deutsche Wohnen SE
- Lang=de_DE Archiv
- Kritik vom Mieterverein an Kooperationsvereinbarung
- Generationsübergreifendes Wohnen in Steglitz-Zehlendorf