In jüngster Zeit hat sich an der Devensstraße in Gelsenkirchen-Horst ein Prozess der Quartiersentwicklung in Gang gesetzt, der sowohl für die lokale Bevölkerung als auch für Fachkräfte aus Immobilien, Bauwesen und Sanierung von weitreichender Bedeutung ist. Ziel dieser Initiativen ist es, leerstehende und marode Immobilien, die über Jahre keinen ordnungsgemäßen Zustand aufrechterhalten konnten, zu sanieren oder gegebenenfalls abzureißen, um den langfristigen Stabilität und Wert der Nachbarschaft zu sichern. Im Folgenden wird ein umfassender Überblick über den Status quo, die Hintergründe, die geplanten sowie bereits umgesetzten Maßnahmen sowie relevante Sanierungsprogramme gegeben, basierend auf aktuellen Daten aus Verwaltungsquellen, Presseberichten und Stellungnahmen der zuständigen Stellen.
Die Herausforderungen an der Devensstraße
Die Immobilien an der Devensstraße in Gelsenkirchen-Horst – insbesondere die Adressen 99, 101 und 112 – standen über mehrere Jahre unter starken Belastungen, die sowohl strukturelle als auch soziale Konsequenzen hatten. Die Ursachen reichen von bergbaunahen Grundschäden bis hin zu einem fehlenden langfristigen Instandhaltungsrahmen.
Bergschäden als strukturelle Ursache
Die Region Gelsenkirchen ist durch ihre industrielle Geschichte besonders von Bergbaufolgeschäden geprägt. So wurden auch am Haus Devensstraße 112 erhebliche Grundsetzungen und Risse festgestellt, die es als wirtschaftlich unrentabel erklärten, die Immobilie weiter zu sanieren. Laut Angaben der zuständigen Stadtentwicklungsbehörde war eine Renovierung, die den Baustand wieder herstellbar gemacht hätte oder eine weitere Wohnflächenbeanspruchung rechtfertigte, nicht zumutbar.
Langfristiger Leerstand und fehlende Betreuung
Hierzulande ist nicht nur die Frage der baulichen Substanz relevant. Ebenso ausschlaggebend für den katastrophalen Zustand vieler Immobilien war der fehlende Instandhaltungsbedarf durch die Eigentümer. Bei der Devensstraße 112, beispielsweise, war der letzte Mieter bis Ende 2024 der einzige noch in einem katastrophalen Zustand lebende Bewohner. Ohne eigenes Badezimmer, verbauten sanitären Einrichtungen und einem Treppenhaustoilette war die Wohnqualität so gering, dass eine sofortige Verlegung notwendig wurde, um eine menschenwürdige Wohnsituation zu schaffen.
Maßnahmen zur Beseitigung der Problemimmobilien
Die aktuelle Entwicklung an der Devensstraße lässt die Sanierung nicht mehr als Priorität erscheinen. Stattdessen konzentriert sich das Planungshandeln stark auf Abschlags- und Abrissmaßnahmen, um die Flächen für nachfolgende Nutzung zu bereinigen. Im Einzelnen lassen sich diese Maßnahmen wie folgt beschreiben:
Abriss der Devensstraße 112
Die endgültige Entscheidung zur Sanierung wurde zugunsten der Zerstörung getroffen. Das Gebäude an der Devensstraße 112 wird bis September 2025 abgerissen. Dieser Entscheidung gingen langjährige Gutachten über den baulichen Zustand sowie Gutachten zur Nutzbarkeit voraus. Da die Kosten für eine Sanierung nicht tragfähig erschienen, bot der Abriss die sinnvollste Alternative, um die Nachbarschaft von einem gefährdeten Objekt zu befreien und freie Fläche für zukünftige Quartiersentwicklung zu gewinnen.
Die Entfernung von Rückständen, die Entsorgung möglicher Schadstoffe und die Sicherstellung der Baustrecke unterliegen dabei allen geltenden Sicherheits- und Umweltvorschriften. Ein besonderes Augenmerk gilt verbleibenden Möbeln oder Objekten aus den leerstehenden Stockwerken, die fachgerecht entsorgt werden müssen.
Erfolgreiche Erstkaufsstrategien bei Devensstraße 101 und 99
Im Zuge der kommunalen Stadtentwicklungsstrategie war es der Stadt Gelsenkirchen in Kooperation mit der SEG gelungen, weitere Immobilien an der Devensstraße zu übernehmen. So erhielt die Stadt durch Zwangsversteigerung das Objekt an der Devensstraße 101 mit einem ermittelten Verkehrswert von 106.000 Euro für 75.000 Euro. Die Immobilie war zuvor beschlagnahmt worden und unterlag einer Nutzungsuntersagung. Ebenfalls angekauft und später versteigert wurde Devensstraße 99, was den strategischen Kooperationsschwerpunkt der Stadt auf Problemobjekte unterstrich.
Die Erfolge an der Devensstraße lassen erkennen, dass es nicht nur um Immobilienerwerbe geht, sondern auch darum, die Vermarktung durch unseriöse Vermieter:innen zu unterbinden und damit die soziale Stabilität in den Stadtteilen zu sichern. Besonders bei der Devensstraße 101 standen kommunale Interessen im Vordergrund, um die Fläche für künftige Entwicklungen zu bereinigen.
Finanzierung und Förderinstrumente
Die aktuelle Sanierungsstrategie der Stadt Gelsenkirchen geht nicht primär über Abrisse, sondern auch durch eine aktive Förderung privater Sanierungsmaßnahmen voran, wenn diese technisch sinnvoll und wirtschaftlich tragbar sind.
Förderrichtlinie der Stadt Gelsenkirchen seit 2025
Ab dem 1. Januar 2025 tritt die neue Förderrichtlinie der Stadt Gelsenkirchen in Kraft, die Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle fördert. Ziel ist es, Investoren, Eigentümer und Mieter:innen bei sinnvollen Renovierungen mit finanzieller Unterstützung zu unterbringen. Die beantragten Maßnahmen müssen bis zu Beginn der Umsetzung genehmigt sein. Das bedeutet auch, dass Vorverpflichtungen wie Kaufverträge nur mit entsprechenden Klauseln wie Zug mangels Förderzusage erlaubt sind.
Antragsteller können über ein zentrales Serviceportal, eine E-Mail-Adresse oder postalisch beantragen. Relevant für die Teilnahme ist, dass nur natürliche und juristische Personen mit Eigentumsrechten an der Immobilie oder Mieter mit schriftlicher Zustimmung der Eigentümer antragstellen dürfen.
Die Förderrichtlinie ist Teil eines größeren Sanierungsplans der Stadt, der die notwendigen Mittel der Städtebauförderung nutzt. Demnach sind bislang rund 30 Millionen Euro zur freien Verfügung erhältlich, allerdings wurden Anträge für zusätzliche Mittel gestellt. Die finanzielle Unterstützung ist dabei darauf ausgerichtet, Räume zu schaffen, in denen der private Markt versagt, sei es anhand mangelnder Investoren oder veralteter Gebäudestandards.
Soziale Aspekte und Unterstützung der Anwohner
Die Stadt Gelsenkirchen und ihre Partnerinstitutionen legen großen Wert auf soziale Aspekte bei der Umsetzung solcher Projekte. Das wurde insbesondere am Beispiel des letzten Mieters an der Devensstraße 112 deutlich. Der über 80-jährige Senior, der unter unzumutbaren Bedingungen in der maroden Immobilie lebte, wurde durch Unterstützung der Städtebaubehörde sowie der städtischen Beratungsstelle PFAD umgesiedelt. Dabei wurde besonders auf die Schonung und Sozialverträglichkeit geachtet, um einen angemessenen Übergang für den Anwohner sicherzustellen.
Andrea Henze, Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen, betonte in diesem Zusammenhang:
„Gerade als Horsterin freue ich mich über die gute Nachricht für das Quartier. Viele Menschen in Horst haben darauf gewartet, dass diese Gebäude in Ordnung gebracht werden.“
Diese Betonung auf sozialem Zusammenhalt verdeutlicht, dass die Sanierungsmaßnahmen nicht bloß bauliche Handlungen sind, sondern gleichzeitig auch soziale Impulse beinhalten und eine Vernetzung zwischen Behörde, Bevölkerung und Bauwirtschaft schaffen.
Perspektiven und zukünftige Nutzung
Nach dem Abschluss der Abbrucharbeiten an der Devensstraße 112 wird begonnen, die Fläche für eine neue Nutzung vorzubereiten. Ziel ist es, den Ort zu einem gemeinnützigen oder stadtebaulich sinnvollen Projekt zu entwickeln, das dem Nachbarschaftsgefüge zugutekommt. Bei der Devensstraße 101 und 99 stehen bereits planerische Überlegungen an, nachdem die Immobilien von der SEG erworben wurden.
Zukünftige Nutzungsszenarien sind vielfältig – von gemeinnützigen Sozialwohnungen über städtische Einrichtungen bis hin zu kreativen Wirtschaftsstandorten in der Nachbarschaft. Die Abbrüche schaffen nicht nur leere Grundstücke, sondern ermöglichen auch stadtplanerische Ressourcen, die bisher blockiert waren. Die SEG und die Stadtplanung verfolgen den Ansatz, Quartiere so aktiv und inklusiv wie möglich weiterzuentwickeln und gleichzeitig sicherzustellen, dass neue Nutzungsentwicklung auf stabile und nachhaltige Füße gestellt wird.
Fazit
Die aktuelle Entwicklung an der Devensstraße in Gelsenkirchen-Horst ist ein Musterbeispiel dafür, wie städtische Initiativen bei stark beanspruchten Immobilien vorangehen dürfen. Durch die Abschaltung maroder Wohnflächen, die Sicherung von Problemobjekten und die Anwerbung von Fördermitteln konnten jahrzehntelange Leerstandssituationen beseitigt werden. Gleichzeitig setzte die Kommune soziale Impulse, beispielsweise beim Umsiedlungsfall des letzten Mieters an der Devensstraße 112. Die Kooperation zwischen Städtebaugesellschaft, Bauverwaltung und Stiftungsunterstützung zeigt, dass konsequentes Handeln auch in angespannten Immobilienmärkten möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Insgesamt bestätigt sich, dass bei langfristigen Sanierungsbedarfen klare Entscheidungen und professionelle Umsetzung erforderlich sind – und dass es in der Stadt Gelsenkirchen die Strukturen gibt, dies pragmatisch und nachhaltig umzusetzen.
Quellen
- Abriss Gelsenkirchen-Horst Devensstraße 112: Bergschäden beenden Wohnnutzung
- Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle
- Gelsenkirchen-Horst: Zukunftspartnerschaft Wohnen erzielt Erfolg an der Devensstraße
- Gut für Horst: Stadt ersteigert Devensstraße 101
- Gelsenkirchen setzt sich im Versteigerungsverfahren durch
- Wenn Wohnen nicht mehr würdevoll möglich ist