Die Sanierung des Schleswiger St. Petri-Doms ist ein wegweisendes Projekt im Bereich der Kirchenbaukunst und Gebäudeerhaltung. Der Dom hat eine jahrhundertealte Geschichte, die von ständigen Anforderungen an Stabilität, Erschließung und Ästhetik geprägt ist. Die Sanierungsmaßnahmen, die zwischen 2017 und 2021 umgesetzt wurden, boten eine einzigartige Gelegenheit, komplexe historische Konstruktionen mit modernen Bauverfahren und Materialien zu verbinden. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, das Projektumfeld, die finanzielle Unterbringung, die konkreten Sanierungsarbeiten, das Gestaltungskonzept für den Innenraum sowie die Ergebnisse des umfassenden Renovierungsprogramms. Grundlage ist ausschließlich die in den bereitgestellten Quellen enthaltene Information.
Historische Rückblicke und Bauverlauf
Der Schleswiger St. Petri-Dom wird erstmals 1134 schriftlich erwähnt. Er war – und ist – ein bedeutendes kirchliches Gebäude und ein zentrales kulturelles Monument Schleswig-Holsteins. Seit 1957 gehört der Dom nicht länger der Domgemeinde, sondern der Nordkirche. Dieser Rechtsübertrag war Teil eines Vertrags zwischen kirchlicher und staatlicher Seite. Vorher war der Dom jeweils im Besitz von Preußen (1918) und Schleswig-Holstein (1946). Historisch gewann der Dom an Bedeutung, als 1888 die Planung des gotischen Backsteinturms begann. Der Bau war als Stiftung von Kaiser Wilhelm I. vorgesehen, doch bereits 1894 wurden bei der Eröffnung erste defizitäre Konstruktionen festgestellt.
Seitdem folgten mehrere Sanierungsprogramme – vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg –, die allerdings oft nicht den langfristigen Anforderungen gerecht wurden. Eines der schwierigsten Probleme war die Fehlgestaltung des Mauerwerks: bei nachträgliche Sanierungen wurden frostanfällige Ziegel sowie ungeeigneter Mörtel eingesetzt. Dies führte dazu, dass Regenwasser in den Turm eindrang und Schäden an den Mauern verursachte. Schwerste Steinteile, die von der Oberfläche abliefen, zwangen in 2011 zur Errichtung eines Schutzgerüsts. Diese Vorgeschichte legt nahe, warum die geplante Sanierung von 2017–2021 nicht nur rein architektonischem Wohlwollen gezeugte, sondern eine rein notwendige Konsequenz schien.
Finanzielle Rahmenbedingungen
Die Sanierungsmaßnahmen des Schleswiger Doms stellten sich als finanziell aufwendig heraus. Laut Quellen lag die ursprüngliche Kostenschätzung bei knapp 17,3 Millionen Euro, doch das endgültige Budget stieg auf 21,5 Millionen Euro.
Finanzieller Grundpfeiler des Projekts war die Unterstützung durch Bund und Land. Die Bundesregierung stellte 8,65 Millionen Euro bereit, von Seiten des Landes Schleswig-Holstein kamen 4,1 Millionen Euro. Die norddeutsche Landeskirche (Nordkirche) übernahm einen Betrag von 4,1 Millionen Euro, darunter auch 1 Million Euro, die von der Kirchengemeinde und dem Kirchenkreis Schleswig-Flensburg beigesteuert wurden. Zudem wurden von der Stadt Schleswig 450.000 Euro an Finanzierung geliefert.
Ein weiterer finanzieller Meilenstein ist die Tatsache, dass über 2.000 Patinnen und Paten die Sanierung der 32 Glaskunstfenster übernommen haben, was eine Summe von insgesamt knapp 750.000 Euro ausmacht. Diese Form des Partizipativen Handelns unterstreicht die breite öffentliche Wertschätzung für das Projekt.
Sanierungsarbeiten an der Bausubstanz
Die Sanierung konzentrierte sich primär auf den Turm, die Westfassade und die Kirchenfenster. Der 112 Meter hohe Westturm war in besonderem Maße sanierungsbedürftig. Bei diesen Arbeiten wurden bis zu 50 Meter hohe Steinteile komplett ersetzt. Die Arbeit wurde bei einer Turmmauer, die mehr als einen Meter dick ist, in mühevollen Etappen vorgenommen. An diese Mauern wurden auch massive Streben aus Kupfer verkleidet, um sowohl einen stabilen Schutz gegen weitere Zerstörung als auch optische Wirkung zu erzielen. Insgesamt wurden insgesamt über 20 Tonnen Edelstahl verbaut, um den Innenraum vor Feuchtigkeit zu schützen.
Die Westfassade erfuhr eine umfassende Überarbeitung. An dieser Fassade wurden etwa 120.000 Ziegel in der Außenputzschicht ausgetauscht. Zentral war außerdem, dass die Strebepfeiler mit Kupferplatten überzogen wurden. Auch die sichtbaren Dachteile des Turms wurden erneuert.
Um bei den Bauarbeiten Stabilität zu gewährleisten, wurde ein Stahlkorsett eingerichtet, das den Turm während der Renovierungsarbeiten stützte. Dies war vor allem erforderlich, da die Arbeiten in einer Höhenstufe stattfanden, die das Entfernen und Erneuern ganzer Mauerparteien verlangte. Das Korsett sorgte für die Sicherheit sowohl der Facharbeiter als auch der umliegenden Gebäude. Aufgrund der kalten Winterbedingungen konnten die Arbeiten anfangs lediglich ab mittags fortgeführt werden.
Fenstersanierung – künstlerische Herausforderung mit großer Verantwortung
Die 32 historischen Fenster des Doms – allesamt aus dem 19. Jahrhundert – galten als besondere künstlerische und historische Schätze, die bei der Sanierung besonders berücksichtigt werden mussten. Die Fenster wiesen eine ausgeprägte künstlerische Vielfalt mit farbigen Bibelmotiven auf. Zuvor war eine Schutzverdoppelung aus den 1980er Jahren vorhanden, die mittlerweile den Lichttritt stark störte.
Diese Verdopplung bestand aus farblosen Glaspartien, auf denen sich Klebestoffe verändert hatten, was eine Trübung und optische Verzerrung hervorrief. Bei der Sanierung wurde diese Schutzschicht nach Expertenmeinung fachlich korrekt mit historisch passenden Werkzeugen entfernt und ersetzt. Eingesetzt wurden farbgleiche, originale Glassegmente. Risse und beschädigte Bereiche wurden sorgfältig restauriert, und die Metalleinbauten (Windeisen) wurden entrostet oder in Einzelfällen ersetzt.
Die Firma, die mit der Fenstersanierung beauftragt wurde, setzte explizit auf Techniken, Werkstoffe und Handwerksmethoden, die zur Zeit der Erstellung der Fenster gebräuchlich waren. So wurde die künstlerische Originalität gewahrt und gleichzeitig die Langlebigkeit der Fenster für kommende Jahrzehnte sichergestellt.
Konzeptionelle Umgestaltung des Innenraums
Die Gestaltung des Kirchenraumes stand unter dem Leitgedanken „Licht – Leben – Weite“. Ziel war es, die Atmosphäre des Doms so zu verändern, dass sie sowohl bei religiöser Nutzung als auch bei kulturell-öffentlichen Veranstaltungen eine ansprechende Balance aus Licht, Raumfreiheit und Ästhetik herstellt.
Als Teil der Umgestaltung wurden die ursprünglichen schweren Holzbänke durch flexible Sitzmöbel ersetzt. Diese ermöglichen eine variableres Raumkonzept für die unterschiedlichen Nutzungszwecke. Der neue Holzboden in der Hauptschiffzone trägt ebenfalls zum helleren Erscheinungsbild bei, genauso wie ein überarbeitetes Beleuchtungskonzept, das für ein homogenes, aber gleichzeitig differenziertes Licht sorgt.
Darüber hinaus wurde ein Domshop in der Südwestecke eingerichtet. Die Investitionen in eine bessere Be- und Entlüftung sowie in Barrierefreiheit unterstreichen den Ansatz, die Erschließung des Rundes zu optimieren. Zudem wurde ein moderner Brandschutz eingebaut, was zur Sicherheit der Besucher und des Inventars beiträgt.
Im Rahmen der Sanierungen wurde auch der Brüggemann-Altar und die Marcussen-Orgel restauriert. Das letztere Projekt war durch eine breit geführte Spendenaktion finanziert, die in Verbindung mit der allgemeinen Sanierung im Jahr 2010 durchgeführt wurde.
Zeitplanung und Bauabläufe
Die Sanierungsarbeiten begannen am 1. November 2017 und wurden nach Planungsrüstung und Vorbereitungsarbeiten in mehreren Phasen vorgenommen. Die Sanierungsarbeiten im Inneren führten dazu, dass der Dom für Besucher für sieben Monate ab Anfang 2021 geschlossen werden musste. Die Wiedereröffnung wurde schließlich mit einem Festakt am 24. Oktober 2021 vollzogen, der große Öffentlichkeit aufgreifend war.
In der Bauzeit musste mit Einschränkungen hinsichtlich der Zugänge gerechnet werden. Für den Zeitraum der Arbeiten war nur der Eingang über das Petri-Portal möglich, und der Zugang zum Turm sowie zu der Aussichtsplattform wurde zeitweise untersagt. Um die Nachbarn und Benutzungsinteressierten über den Fortschritt zu informieren, wurden laufend Informationsveranstaltungen angeboten.
Nachhaltigkeit und Erhaltung im Fokus
Die Sanierung des Schleswiger Doms unterstrich zwei wesentliche Aspekte moderner Renovierungsmaßnahmen: die Wahrung historischer Substanz und die Sicherstellung nachhaltiger, funktionaler Gebäudeeinsätze. Beide Aspekte wurden in enger Abstimmung mit kirchlicher, staatlicher und örtlicher Verwaltung erarbeitet. Die Einhaltung von Kultur- und Bauordnungen und die Sensibilierung für ökologische Aspekte (wie die Nutzung umweltfreundlichen Materials) waren ebenfalls ein Teil des Sanierungsprozesses.
Ein weiteres Aspekt war die barrierefreie Gestaltung. So wurde beispielsweise der Seiteneingang zum Haupteingang gemacht und entsprechend abgeändert. Diese Anpassung folgt den heutigen Standards und stellt sicher, dass das Gebäude für alle Menschen erschließbar bleibt. Gleichzeitig erhielt der Dom durch die neue Beleuchtung ein neues, modernes Erscheinungsbild, das für Kultur- und Glaubensveranstaltungen genutzt werden kann.
Rezeption und Fazit
Bei der Eröffnungsfeier am 24. Oktober 2021 erklärte Bischof Gothart Magaard die Sanierung als „Meilenstein“ in der Geschichte des Doms. Die umfangreichen Kosten von insgesamt knapp über 21 Millionen Euro wurden durch die Zuschüsse aus Bund, Land und Kirche sowie durch privates Engagement unterstützt. Dass über 2.000 Menschen als Paten an der Erneuerung der Fenster beteiligt waren, zeigt die Weite des öffentlichen Interesses.
Die Sanierung ist nicht nur ein architektonisches Erfolgsprojekt, sondern auch ein Beispiel dafür, wie historische Bauwerke durch sorgfältige Planung, finanzielle Unterstützung und fachliche Kompetenz langfristig erhalten werden können. Sie verdeutlicht zudem das Bedeutung von Partizipation und interdisziplinärer Zusammenarbeit in Großbauprojekten.