Einleitung
Die Dillbrücke zwischen Daubhausen und Dillheim, ein denkmalgeschütztes Bauwerk aus dem Jahr 1873, ist bis Anfang des 21. Jahrhunderts ein festes Element in der Infrastruktur der Region im Lahn-Dill-Kreis im hessischen Wetzlar. Im April 2019 musste die Brücke aufgrund gravierender Standsicherheitsprobleme jedoch voll gesperrt werden, was eine umfassende Sanierung erforderlich machte. Die Brücke, die sowohl für den örtlichen als auch den regionalen Verkehr von zentraler Bedeutung ist, wurde in den darauffolgenden Jahren als Modellprojekt für denkmalgerechte Sanierungsmaßnahmen an historischen Brückenbauwerken behandelt. In dieser Artikelserie beleuchten wir die Ursachen der Schäden, den bautechnischen Stand vor Beginn der Sanierung, den Ablauf des Bauprojekts, die Kosten und Finanzierung sowie den aktuellen Stand des Bauwerks nach Abschluss der Maßnahmen. Zudem wird ein Vorblick auf vergleichbare Brückenprojekte und deren Relevanz für den regionalen und überregionalen Bauwesen entworfen.
Hintergrund der Brücke
Die Dillbrücke zwischen Daubhausen und Dillheim, verbindet den Lahn-Dill-Kreis und ist Teil der Kreisstraße K 64. Nachweislich aus dem Jahr 1873 stehend, ist sie ein Bauwerk aus Naturstein, das damals ohne Verwendung moderner Versteifungstechnologien wie Stahl- oder Betonkonstruktionen errichtet wurde. Diese ursprüngliche Bauweise macht die Brücke sowohl schätzenswert als auch besonders anfällig für Veränderungen in Statik, Wasserstand und Nutzungsbelastung.
Im Lauf der Jahre setzten dem Bauwerk verschiedene Faktoren zu: Zunächst waren es witterungsbedingte Belastungen wie Starkregen und Hochwasser in den Jahren 2017 bis 2019, die verstärkten Wasserdruck auf Mauerwerk und Pfeiler verursachten. Darüber hinaus trugen vermehrter Verkehr – insbesondere Schwerlastfahrzeuge – während der Baustelle auf der Ortsdurchfahrt Katzenfurt erheblich zur Abnutzung bei. Die aufgetretenen Schäden, insbesondere an der linken Flügelfläche links von Daubhausen her kommend, entwickelten sich sehr rasch. Die Brüstung bestand größtenteils aus Naturstein, der in Handarbeit ersetzt werden musste, um den schädlichen Faktoren wie Feuchtigkeit, Eisspitzenbildung und chemische Korrosion stand zu halten.
Diagnose durch Gutachten
Ein entscheidender Verlauf war die turnusmäßige Hauptuntersuchung durch HessenMobil und durch die zuständige Behörde des Lahn-Dill-Kreises. Im Jahr 2016 wurden noch erste Mängel registriert, was im Folgejahr bereits zu einer Verschlechterung der Baustelle führte. Am 12. April 2019 war schließlich die offizielle Sperrung notwendig, nachdem am Brückenflügel Risse im Umfang von bis zu 11 cm aufgetreten waren. Die Erkenntnisse aus der Untersuchung bestätigten, dass die Tragfähigkeit der Brücke erheblich eingeschränkt war und kein Passierungsversuch ohne Gefahrenpotenzial möglich war. Ein Verkehrsumleitung über Katzenfurt wurde eingerichtet, wobei vorrangig Landwirte auf die Nutzung der verlängerten Berliner Straße angewiesen wurden, um Ernteverluste zu vermeiden.
Planung und Antragstellung
Schon vor der endgültigen Sperrung war ein Sanierungsbedarf ausgemacht. Laut Informationen aus der CDU-Kreistagsfraktion wurde bereits Anfang 2013 ein Sanierungsantrag innerhalb der Kreisgemeinschaft zur Betrachtung gestellt, durchgefallen jedoch aufgrund des Stimmentzuges der SPD, FWG und Grünen. Im Jahr 2015 folgte einstimmig ein weiterer Aufruf der Gemeinde Ehringshausen. Es dauerte aber bis 2016, ehe ein erstes Sanierungsberichtsverfahren durch den Kreisausschuss verabschiedet wurde. Im Februar 2017 war der Bericht dann vollständig und legte die Planung vor. So stellte man fest, dass eine umfassende Sanierung erforderlich war, um die Brücke langfristig standhaltend zu erhalten.
Die Hauptuntersuchungen hatten zudem ergeben, dass der bestehende Zustand des Brückenflügels nicht mehr stabil war und nur durch eine umfassende Renovierung, also Stein für Stein, behoben werden konnte. Zudem war der Brückenflügel so stark beschädigt, dass eine Steinschüttung als Schutzmaßnahme vorgesehen werden musste. Für die neue Bauweise, die sowohl Stabilität als auch barrierefreie Zugänglichkeit gewährleistete, wurden Planungskosten in Betracht gezogen, die sich im späteren Sanierungszeitraum bestätigten.
Sanierungsarbeiten
Nachdem die Brücke aufgrund der fortgeschrittenen Schäden seit Mitte April 2019 voll gesperrt war, begann die eigentliche Sanierung erst mit dem Frühjahr 2020. Die Arbeitsphase war daher sehr zeitintensiv geplant und zog sich über insgesamt über 14 Monate von Juni 2020 bis April 2021. Die Kosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 2,3 Millionen Euro. Die Kostenentwicklung setzte sich unter anderem aus Planungskosten, Materialkosten und den Kosten für den Einsatz von Handwerkern zusammen, deren Aufgaben insbesondere in der handwerklichen Fertigung einzelner Steine und der Anpassung der gesamten Struktur lagen.
Konkretisierung der Sicherheitsmaßnahmen
Im ersten Schritt wurden die Anlandungen unter den Brückenbögen entfernt, um den Wasserdruck während der Wintermonate zu entlasten, bei denen der Fluss Dill besonders hohe Wasserstände annimmt. Dieses Vorgehen half, Schäden durch durchflutenden Wasserdruck auf die Mauerwerksecken zu minimieren.
Als zentrales Ziel der Baumaßnahme galt es, einen Brückenflügel, der von Grund auf erneuert werden musste, instand zu setzen. Die handwerkliche Praxis war hier maßgebend, da jedes Steinbauteil mühsam ersetzt werden musste, um den denkmalschutzrechtlichen Vorgaben zu entsprechen. Ein weiteres Projektziel bestand darin, die Brücke für den Verkehr mit zwei Spuren widerstandsfähig zu gestalten. Dazu wurde eine Lastverteilungsplatte im Fußbodenbereich der Brücke installiert.
Gleichzeitig wurde ein Gehweg parallel zur Fahrbahn gebaut, der 1,50 Meter breit ist, um den Fußgängerverkehr sowie die barrierefreie Zugänglichkeit nach Maßgabe der Baunormen zu gewährleisten. Der Gesamtabmaßung war, dass die Brücke von einer einheitlichen Breite von 5,50 Metern in der Fahrbahn verbreitert wurde, im Vergleich zu den ursprünglich fünf Metern.
Finanzierung und Förderung
Die Finanzierung der gesamten Sanierungsmaßnahme war in ihrer Planung sowie im Nachhinein ein Thema, das durch mehrere Förderungsquellen unterstützt wurde. Nach Angaben aus mehreren Quellen fielen Gesamtkosten in Höhe von 2,3 Millionen Euro an, wobei von Fördermitteln in Höhe von 1,5 Millionen Euro Gebrauch gemacht wurde. Dies deckte einen großen Teil der Maßnahme ab. Die restlichen Kosten musste der Lahn-Dill-Kreis selbst übernehmen.
Die Sanierung wurde finanziell unter der Gesamtverantwortung des Kreises durchgeführt, wobei HessenMobil als fachliche Bauleitung im Projekt agierte. Die Koordination lag auf Seiten des Lahn-Dill-Kreises, der sowohl als Auftraggeber als auch als Kostenfreier Bauberichter diente. Ein besonderer Verdienst für die rasche Finanzierung und den umfassenden Bauverlauf ist dem Kreis abzusprechen, der über das Projektmonitoring kontinuierlich berichtete.
Wiederaufnahme des Verkehrs und Festveranstaltung
Am 21. April 2021 wurde die Dillbrücke durch einen feierlichen Festakt erneut für den Verkehr freigegeben. Dieses Ereignis wurde von den Ortsbeiräten aus Daubhausen und Dillheim sowie von ortsnahen Vereinen organisiert. Die Eröffnung war ein zentraler Termin, jedoch machte die Corona-Pandemie das Veranstalterteam ein Jahr lang unentschlossen.
Letztendlich fand das Brückenfest – anlässlich des 146. Jubiläums der Dillbrücke – im Juli 2022 statt. Aufgrund der organisatorischen Unterstützung durch lokale Sponsoren und der Gemeinde Ehringshausen war es möglich, einen Überschuss von 3.000 Euro zu erzielen, der an den gemeinnützigen Verein "Menschen für Kinder e.V." gespendet wurde. Stefana Wahl, einer der Organisatoren, erklärte, dass die Spende aus besonderem Konsens zwischen den Organisatoren erfolgte und den finanziellen Gewinn sinnvoll genutzt werden sollte.
Technische Realisierungsschritte
Zu Beginn der Bauarbeiten (8. Juni 2020) begannen die Handwerker damit, die Anlandungen zu entfernen, um den Wasserstand zu regulieren und die dynamischen Belastungen der Brücke durch Wasserdruck zu reduzieren. Parallel dazu wurde die Brücke an den beiden Brückenflügeln zurückgebaut, um die Mauerviertel instandzusetzen oder in Einzelfällen neu aufzubauen. Dabei spielte der Technische Verkehrswesen des Lahn-Dill-Kreises eine zentrale Rolle bei Bewertung der Bauprozesse, Qualitätskontrollen und Koordinationsmaßnahmen.
Ein weiterer technischer Aspekt war die Anbringung von neuen Schichten zur Dichtung und Stabilität. Insbesondere wurden die Übergangskonstruktionen verbessert, um die Schwingungsbelastungen entlang der Brückenflächen zu reduzieren.
Herausforderungen bei der Sanierung
Die denkmalgerechte Sanierung der Dillbrücke setzte nicht nur handwerkliche Kompetenz voraus, sondern auch hohe Konzentration auf die Historie und Bauweise des Bauwerks. Eine zentrale Herausforderung bestand darin, die ursprüngliche Struktur so weit wie möglich beizubehalten, ohne dabei moderne Normen und Sicherheitsanforderungen zu vernachlässigen. Die handwerkliche Umsetzung erforderte daher nicht nur die Fachkenntnis von Steinmetzen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Spezialisten im Bereich Brückenstatik und Standsicherheit.
Im Zusammenhang mit den Finanzierungsverpflichtungen stand in den Diskussionen des Kreistages die Frage der Entscheidungsentwicklung im Vordergrund, da bereits mehrere Jahrzehnte hindurch der Zeitpunkt für eine Sanierung in Betracht gezogen, aber immer wieder hinausgeschoben worden war.
Nutzen der Dillbrücke-Sanierung
Die umfassende Sanierung der Dillbrücke hatte mehrere Vorteile für verschiedene Nutzergruppen. Erstens wurde dadurch eine langfristige Standsicherheit für das Bauwerk gewährleistet. Zweitens war die Schaffung eines Gehwegs ein Schritt hin zu besseren barrierefreien Zugängen. Drittens sicherte die Verbreiterung des verkehrsrechtlichen Querschnitts die Verweilfähigkeit für zwei Fahrspuren und entlastete so die Umleitungsstrecken durch Katzenfurt.
Die Bauarbeiten hatten zudem positive Auswirkungen auf das lokale Handwerk: Die steinmetzische Industrie, die Architekturbranche und die Bauingenieure waren stark eingebunden, wobei die lokale Bevölkerung sich durch die Unterstützung bei Veranstaltungen und durch die Beteiligung durch die lokalen Behörden stark beteiligt fühlte.
Vergleichbare Brückenprojekte
Innerhalb des Lahn-Dill-Kreises gab es in den vergangenen Jahren auch andere Sanierungsverläufe an historischen Brückenbauwerken. Beispielsweise laufen gerade Sanierungsarbeiten an der Brücke über die Dill in Sinn-Edingen, geplant für August 2024 bis November 2024. Diese Projektmappe, mit Kosten in Höhe von einer Million Euro, wurde im Gegensatz zur Dillbrücke Daubhausen–Dillheim weitgehend auf staatliche Projekte zurückgeführt, die die Instandsetzung von Kappe, Lager, Bauwerksabdichtung und Schadstellen zum Ziel haben.
Zudem ist die Dillbrücke bei Asslar-Berghausen ein weiteres aktuelles Projekt. Dort war die Sperrung der Brücke am 26. August 2024 gestartet, und die Arbeiten wurden bis zum 31. Oktober hinausgezogen, was für den öffentlichen Nahverkehr und den Schulverkehr beträchtliche Einschränkungen mit sich brachte. Hier gaben die technischen Herausforderungen, vergleichbar mit Daubhausen-Dillheim, die Ursachen und den zeitlichen Ablauf der Sanierungsarbeiten vor.
Fazit
Die Sanierung der Dillbrücke zwischen Daubhausen und Dillheim war ein Meilenstein im Aufbau der regionalen Infrastruktur. Sie zeigte, dass denkmalgerechte Bauverfahren sowohl in technischer als auch in finanzieller Hinsicht möglich sind, sofern frühzeitig Entscheidungen getroffen werden und finanzielle Ressourcen bereitstehen. Die Zusammenarbeit zwischen Kreisbehörden, HessenMobil und den lokalen Vereinen war dabei ebenso entscheidend wie die Expertise der Handwerker und Ingenieure, die jedes Einzelteil des Bauwerks wieder aufbauten. Die Finanzierung durch Fördermittel sowie die Kommunikation der Projektentwicklung in lokalen Medien steigerten die Transparenz und trugen zum Erfolg der Maßnahme bei.
Die Brücke ist ein wichtiges Symbol für den Erhalt historischer Bauwerke in Kombination mit modernen Infrastrukturräumen. Sie unterstreicht die Chance, dass in der Region sowohl Kultur als auch Verkehrssicherheit durch fachliche Beratungen und kulturelle Events miteinander verbunden werden können.
Quellen
- Brücke zwischen Dillheim und Daubhausen wird rundum erneuert
- Spendenübergabe vom Brückenfest an der Dillbrücke
- Sperrung der Brücke zwischen Daubhausen und Dillheim – Ergebnis nicht gemachter Hausaufgaben
- Instandsetzung der Brücke über die Dill in Sinn-Edingen
- Dillbrücke bei Ehringshausen wieder besehrbar
- Dillbrücke bei Asslar-Berghausen länger gesperrt
- Dillbrücke bei Ehringshausen wieder befahrbar