Der Hildesheimer Dom, eine der bedeutendsten romanischen Kirchenbauten des Mittelalters und UNESCO-Weltkulturerbestätte, stand vom Jahr 2010 bis 2014 in Sanierungsarbeiten. Das Projekt führte nicht nur zu einer umfassenden Renovierung des Kirchraums, sondern auch zu einer Neustrukturierung des umliegenden Areals, einschließlich der ehemaligen Domschule, des Kreuzgangs und anderer Annexbauten. Diese Sanierung war aufgrund der Vielzahl an architektonischen, historischen und finanziellen Herausforderungen zu einem der aufwendigsten kirchlichen Baulose in Deutschland im 21. Jahrhundert geworden. Im Folgenden werden die Hintergründe des Projekts, der technische Ablauf, der finanzielle Rahmen und die Ergebnisse detailliert betrachtet.
Einleitung: Wiederaufbau und Wiedereröffnung
Nach einer Bauzeit von knapp fünf Jahren war der Hildesheimer Dom im August 2014 feierlich wiedereröffnet worden. Die Renovierungsarbeiten zogen sich über einen Zeitraum von 2010 bis 2014 und waren nicht nur von finanzieller, sondern auch von struktureller und kirchlicher Bedeutung. Insgesamt wurden 37,2 Millionen Euro in das Projekt investiert, wovon das Bistum Hildesheim mit 18,3 Millionen Euro den größten Anteil trug. Ergänzt wurden die Mittel durch Zuschüsse von Bund und EU sowie durch Spendengelder, die über ungewöhnliche Finanzprodukte wie Domsenf, Dombauhelme oder Seife erhoben wurden (Quellen: [1], [2], [5]).
Die Wiedereröffnung markierte nicht nur das Ende einer langen Sanierungsphase, sondern auch einen Höhepunkt in der kirchlichen und kulturellen Geschichte der Region. Gleichzeitig war sie der Auftakt zu den Feierlichkeiten zum 1200-jährigen Jubiläum der Bischofsstadt Hildesheim.
Ganzes Komplex: Zielsetzung der Sanierung
Der Hildesheimer Dom war lange Zeit aufgrund seines monumentalen Status auch eine architektonische Herausforderung. Zwar war der Dom in seiner ursprünglichen Form bereits im 11. Jahrhundert unter Bischof Hezilo errichtet worden, doch die Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs – und insbesondere die im Jahr 1945 – führten zu einer umfassenden Neugestaltung. Der Dom wurde von Wilhelm Fricke in Bausubstanz und Form neu geweiht und erhielt ein neues Erscheinungsbild mit Teilen aus Ziegel und Beton (Quellen: [6], [7]).
Der Umbau ab 2010 war nun bestrebt, die ursprüngliche romanische Struktur wiederzuentdecken und gleichzeitig die funktionale und behindertengerechte Nutzung zu optimieren. Dabei wurde nicht nur die Basilika selbst adressiert, sondern auch der umliegende Gesamtkomplex, der seit jeher ein integraler Bestandteil des kulturell-religiösen Zentrums Hildesheims war. Ziel war es, die verschiedenen Höhenniveaus über und unter dem Dom zu vereinheitlichen und neuen Räumen für das Dommuseum sowie eine moderne Zugangsarchitektur für Besucher zu schaffen.
Der bauliche Ablauf: Planung bis Realisierung
Die Planung des Projekts begann bereits 2005 mit einem Wettbewerb, der das künftige Erscheinungsbild des Doms festlegen sollte. Den Zuschlag erhielt das hessische Architekturbüro Schilling Architekten, das im Jahre 2000 einen Entwurf ausgearbeitet hatte. Es folgten zwei Jahre archäologischer Grabungen, um den ursprünglichen Zustand des Doms sowie archäologische Funde zu erfassen.
Eines der größten Bauprobleme war die Reduktion der 27 verschiedenen Höhenniveaus im Domhof und den damit verbundenen Annexe auf sechs. Das notwendige Ergebnis sollte nicht nur barrierefrei sein, sondern auch architektonisch stimmig. Ein weiteres Problem war das Projekt „Dom-Forum“, das als nördlicher Empfangsraum am Kardinal-Bertram-Haus integriert werden sollte, jedoch finanziell nicht realisiert werden konnte. Stattdessen wurde der Eingang des Doms in ein Gebäude ersetzt, das sich vor der ehemaligen Domschule befand und durch sein gläsernes Design in die Architektur integriert wurde (Quellen: [4], [6]).
Die eigentlichen Arbeiten gingen bis etwa 2014 und verliefen in mehreren Etappen. Zunächst erfolgten Schutzmaßnahmen der Decken, gefolgt von der Neubezügung sämtlicher Wände und Oberflächen. Die alte Orgelempore wurde in der Westvorhalle ersetzt, sodass ein neues, großzügigeres Raum- und Lichtkonzept entstand. Insgesamt blieb der Dom, trotz aller Veränderungen, architektonisch bestehen und wurde von innen durch helle Putze, Sandsteinböden und einen klaren, unaufdringlichen Materialmix beziehungsweise von Kalkputz, Sandstein und Betonsäulen erneuert.
Ein weiteres Augenmerk wurde auf den liturgischen und funktionellen Nutzen gelegt, insbesondere mit Blick auf Barrierefreiheit. So wurde die Anzahl der Treppen reduziert und die Zugänge zum Kreuzgang neu gestaltet. Auch die innenräumliche Ordnung wurde an die modernen kirchlichen Riten angepasst, sodass der Sakramentsraum, der Chor und die Kanzel neu beziehungsweise gestärkt in das Ganzes integriert wurden (Quellen: [6], [7]).
Kostenträger und Finanzierung
Die Gesamtkosten des Sanierungsprojekts wurden mit 37,2 Millionen Euro veranschlagt. Größter Kostenträger war das Bistum Hildesheim mit 18,3 Millionen Euro. Ergänzt wurden diese Beträge durch Gelder der kirchlichen Fundraising-Initiativen, die zum Beispiel durch den Verkauf von Domspezialitäten wie Schokolade, Senf oder Seife aufgebracht wurden. Zu den Unterstützern gehörten auch der Bundeshaushalt sowie EU-Förderkredite. Insgesamt war die Finanzierung ein Erfolgsmodell, das sowohl kirchliche Initiative als auch staatliche Mittel miteinander verband (Quellen: [1], [2], [5]).
Im Kontext dieser hohen Investitionen war es notwendig, eine transparente und öffentlichkeitswirksame Finanzierung abzubilden. Zu diesem Zweck wurde in der Region ein reger Diskurs über die Notwendigkeit der Sanierung angestoßen, verbunden mit Ausstellungen und Presseverlautbarungen. Zudem warf der Dom bereits vor den Sanierungsarbeiten regelmäßig Einnahmen durch Touristen an, was die Argumentation für Renovierungserfolge zusätzlich stützte.
Die Beteiligung des Dombauvereins
Neben den reinen finanztechnischen Aspekten hatte auch der Dombauverein eine bedeutende Rolle im Projekt inne. Der Verein wurde im Jahr 2009 gegründet und begleitete die Sanierung bis zur Fertigstellung. Nach Abschluss der Sanierung im Jahr 2014 machte sich der Verein darum, den Dom nicht nur baulich, sondern auch kulturell und sozial aufzuwerten. Ziel ist es, den Dom als Ort des Glaubens und als kulturellen Leuchtturm der Region zu sichern. Der Verein finanziert Projekte wie Bildungsprogramme, kulturelle Angebote und die Pflege der liturgischen Nutzung des Doms.
Im Hornemann-Kolleg hat zudem der Dombaumeister Norbert Kesseler in einem öffentlichen Vortrag den Planungs- und Realisierungsprozess der Sanierung detailliert vorgestellt. Dabei thematisierte er auch unerfüllte Wünsche des Bauherrn und die Abhängigkeiten von externen Einflüssen (Quellen: [3], [4]).
Ergebnisse und Ausstrahlung
Nach Abschluss der Sanierung war der Hildesheimer Dom verändert, aber in seiner Bedeutung als romanisches Meisterwerk bestärkt. Die neue Beleuchtung, die barrierefreie Zugangsgestaltung und die zurückgewonnene romanische Raumstruktur machten den Dom zu einem moderneren, aber gleichzeitig historisch korrekten Denkmal. Besucher erhielten einen Raum, der zugleich sakral, zeitgemäss und lichtdurchflutet war, wie es in einer Kritik der „Bauwelt“ beschrieben wurde (Quelle: [6]).
Ein Aspekt, der besonders in der kirchlichen und akademischen Öffentlichkeit auf Resonanz traf, war die Einbindung der sakralen Kunstwerke. Die „Bernwardtür“ und andere mittelalterliche Kunstobjekte wurden besser in den Blickwinkel der Kirchenschaft integriert, sodass sie stärker wahrgenommen und bewundert werden konnten. In diesem Zusammenhang war die Entfernung der alten Orgelempore und die darauf folgende Neuanordnung der Organinstallation als wichtiges Gestaltungselement angesehen.
Für die Region Hildesheim war die Wiedereröffnung ein Meilenstein in der städtischen und kirchlichen Identitätsbildung. Die Investitionen in die Domsanierung erzielten nicht nur eine baukünstlerische Renaissance, sondern auch ein gesellschaftliches Statement. Die Kirche betont dabei nachdrücklich den veränderten, aber gleichwohl noch lebendigen Glauben, der durch solche Symbole wie den Dom vermittelt wird (Quellen: [1], [2], [4]).
Fazit
Die Sanierung des Hildesheimer Doms war ein Projekt, das sowohl kulturell als auch baulich einzigartig war. Es verband den Erhalt historischer Strukturen mit der Modernisierung des kirchlichen Zentrums Hildesheims, wobei die Notwendigkeit von barrierefreier und zeitgemässer Nutzung stets berücksichtigt wurde. In einem Aufwand von fünf Jahren und über dreißig Millionen Euro ist es gelungen, das Welterbe-Dom zu retten und gleichzeitig zu modernisieren. Die Finanzierung, die durch eine Kombination kirchlicher, staatlicher und privater Gelder gesichert wurde, ist als Beispiel gelungen. Zudem zeigt der Hildesheimer Dom, wie eine langfristige, zielgerichtete Sanierung sowohl kirchliche als auch architektonische Werte aufgreifen und vertiefen kann.
Damit stand der Hildesheimer Dom nach 2014 nicht nur für ein restauriertes Bauwerk, sondern auch für eine gelebte Tradition der Baukunst, die nicht im Rückstand, sondern in der Moderne fortlebt. Die Sanierung hat gezeigt, dass es möglich ist, alte Strukturen zu schützen und gleichzeitig sie für moderne Nutzungen zu transformieren – eine Herausforderung, die auch für andere kirchliche Gebäude in Deutschland Bedeutung haben wird.
Quellen
- Hildesheimer Dom wiedereröffnet
- Hildesheimer Dom nach fünfundzwanzig Jahren erneuerung eröffnet
- Dombaumeister spricht über die Sanierung des Doms
- Hildesheimer Dombauverein
- Zehn Jahre Domsanierung: Hildesheims Bischof lädt zum Feiern
- Liturgische Achse im Welterbe-Band Hildesheimer Dom, Schilling Architekten
- Umbau und Sanierung Mariendom Hildesheim