Sanierung des Dreischeibenhauses in Düsseldorf: Ein Meilenstein im Bauen im Bestand

Die Sanierung des eindrucksvollen Dreischeibenhauses in Düsseldorf ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch eine Demonstrationsfläche für energieeffiziente, denkmalgerechte und moderne Renovierungsstandards. Das Gebäude, das zu den Ikonen der deutschen Nachkriegsarchitektur zählt und ursprünglich in den Jahren 1957 bis 1960 nach Plänen der Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg erbaut wurde, stand seit 2010 leer und benötigte eine umfassende Komplettsanierung, um den zeitgemäßen Anforderungen an Energieeffizienz, Nutzbarkeit und Brandschutz gerecht zu werden. Nach jahrelangen Planungen und Bauarbeiten, die unter der Leitung des Architekturbüros HPP Hentrich-Petschnigg & Partner standen, ist das Gebäude mittlerweile erneuert und zählt mittlerweile zu den markantesten und energieeffizientesten Bürogebäuden in Nordrhein-Westfalen. Im Folgenden wird detailliert berichtet, welche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt wurden, wie Herausforderungen gemeistert wurden und welche erzeugten Effekte die Sanierung insgesamt hervorbringt.

Historische Bedeutung des Dreischeibenhauses

Das Dreischeibenhaus ist nicht etwa zufällig zu einem Symbol des modernen Hochbaus in Europa geworden. Es setzt Maßstäbe in der Architekturgeschichte der Nachkriegszeit und markierte – bereits zu seiner Erbauung – einen neuen Stil der Stahl- und Verlegefassadenbauweise. Im Inneren setzte der Entwurf – für damalige Verhältnisse – revolutionäre Techniken ein, die sowohl architektonische wie auch funktionale Vorteile mitbrachten. So integrierte Hentrich und Petschnigg die Treppenhäuser als „optische Fugen“ zwischen den drei Hauptgeschossen des Gebäudes, wodurch sie wertvolle Fläche sparten und flexible Bürofläche schufen. Dieses Konzept war bahnbrechend und maßgeblich mitentscheidend dafür, dass das Gebäude später als Prämienobjekt gelten sollte.

Zum Zeitpunkt der Sanierungsplanung war das Dreischeibenhaus denkmalgeschützt, was bedeutete, dass sich die Architekten bei der Modernisierung sowohl an die Vorgaben des Denkmalschutzamts als auch an den bestehenden Rohbaulzustand halten mussten. Zudem war das Gebäude bis 2010 Sitz der ThyssenKrupp AG, weshalb ihm ein besonderes gewerbepolitisches Gewicht zugeordnet wurde. Die Sanierung sollte daher auch eine langfristige, klimafreundliche Nutzung des Gebäudes ermöglichen und zur Erhaltung von Stadtraumbild und Kulturgut beitragen.

Bauherren, Finanzierung und Projektumfang

Die Sanierungsarbeiten begannen im Jahr 2011. Bauherrin wurde die Firma Momeni in Kooperation mit dem Investmentunternehmen Black-Horse-Investment (BGI). Die Finanzierung übernahmen zwei renommierte Hypothekenbanken, die Deutsche Hypo AG und die Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank AG. Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme beliefen sich auf rund 220 Millionen Euro, was die Investition als eine der größten in der Düsseldorfer Stadtgeschichte ausweist.

Architektonisch war das Büro HPP Hentrich-Petschnigg & Partner – unter Federführung von Claudia Roggenkämper – verantwortlich. Die Architekten sahen sich nicht nur der Aufgabe der Modernisierung, sondern auch der Herausforderung, das Gebäude im Einklang mit dem Denkmalschutz zu erneuern und gleichzeitig neue Energie- und Brandvorlagen zu erfüllen.

Energetische Sanierungsmaßnahmen

Eine zentrale Herausforderung der Sanierung war die energetische Optimierung des Gebäudes. Damit ließ sich nicht nur die Nachhaltigkeit steigern, sondern auch der Gebäudebetrieb deutlich wirtschaftlicher gestalten. Die Architekten entschieden sich dafür, die Fensterfront sowie die thermische Gebäudehülle umfassend zu erneuern.

Ein besonderer Fokus lag auf der Dachdämmung. Hier wurde ein Dämmverbund aus 380 mm dicken, nicht brennbaren Steinwolleflocken, genannt BLT 5, eingesetzt. Dieses Material bietet hervorragende Dämmeigenschaften, ist aus Brandschutzsicht sicher und zudem im Baubetrieb einfach dosierbar. Die Dämmung schaffte es, den U-Wert der Dachkonstruktion von 2,60 W/m²K auf eine beeindruckende 0,097 W/m²K zu reduzieren. Der Wärmedurchgangswiderstand (R-Wert) stieg dabei auf 10,320 m²K/W an. Diese Maßnahme war besonders herausfordernd, da das Dach über weite Strecken nicht direkt zugänglich war und die Dämmung, die über 25 Stockwerke hinaus verbracht werden musste, daher vollständig per Aufzug transportiert werden musste.

Neben der Dämmung setzten die Architekten auf eine dreifach-isolierte, energieoptimierte Doppelschalung der Fassaden. Das Fassadenprofil war extrem wärmedämmend und arbeitete in Kombination mit einer außenliegenden, vorgehängten Prallscheibe sowie außenliegendem, hinterlüftetem Sonnenschutz. Vor der Sanierung lag der Ucw-Wert bei 1,95. Nach Abschluss lag er bei nur noch 1,05. Der Erfolg dieser Maßnahme zeigt sich bereits in den Zertifizierungen: Das Gebäude trägt das LEED Gold-Zertifikat und wurde 2015 mit dem MIPIM Award als „best refurbished building“ ausgezeichnet.

Brandschutzmaßnahmen

Die Brandschutzbestimmungen stellten für die Planer und die Architekten zusätzliche Herausforderungen dar. Das Gebäude war ursprüfflich als Büro- und Geschäftshaus entworfen, und mit den Änderungen zur Sanierung mussten Brandschutzvorschriften neu bewertet und angepasst werden. Besonders problematisch waren die offenen Treppenhäuser, die zwar einen optischen Blickfang bildeten, aber den Brandschutz komplizierten.

Zur Verbesserung der Brandsicherheit wurden Rauchschutzvorhänge in die denkmalgeschützte Fassade integriert. Im Brandfall fallen diese aus der Decke herunter und sperren die Treppenhäuser ab. Dies verhindert den Schauftrag von Rauch ins übrige Gebäude und schafft so ein zusätzliches Maß an Sicherheit.

Zudem wurde ein neues, räumlich abgetrenntes Raucheinschlags- und Evakuierungskonzept entwickelt. Ein neuer, an die Gebäudehülle integrierter Aufzug sowie zusätzliche Rettungswege, darunter auch eine Aussenaußentreppe in den Dachaufbau integriert, wurden geschaffen.

Neue Nutzung und Veränderung des Gebäudekonzepts

Die Sanierung des Dreischeibenhauses führte auch zu einer fundamentalen Veränderung der Nutzung. Während das Gebäude ursprünglich als Single-Tenant-Objekt – genutzt von der ThyssenKrupp AG – gebaut wurde, transformierte es sich während der Sanierungsphase in einen Multi-Tenant-Bestand, der mehreren Mietern gleichzeitig zur Verfügung stand.

Dies erforderte nicht nur die Umgestaltung von Grundrissen, sondern auch technische Anpassungen, insbesondere im Hinblick auf den Innenausbau. So ließ die Planung genügend Spielraum für individuelle Gestaltungen, was die Mietinteressenten besonders schätzten. So wurden Teile der Verlegeflächen und Marmorverkleidungen im Rohbau beibehalten, während andere Elemente wie beispielsweise ein Tauerngrüner Marmor in individuelle Innenbereiche integriert wurden. Zudem entstand im 21. Obergeschoss eine private, nicht öffentlich zugängliche Dachterasse, die von manchen Mietern genutzt werden kann, beispielsweise zur Arbeit im Freien oder zur Erholung.

Die Sanierung ermöglichte zudem die Einbindung des Gebäudes in städtische Verkehrswege. Die Tiefgarage wurde mit dem städtischen Straßentunnel verbunden, um den Verkehrsfluss zu optimieren und den Parkbedarf der Nutzer zu decken.

Herausforderungen und kreative Lösungen

Die Sanierungsarbeiten des Dreischeibenhauses waren nicht nur wegen ihres stimmungsvollen Denkmalscharakters und der hohen energetischen Ansprüche komplex, sondern auch aufgrund räumlicher und konstruktiver Bedingungen, die den Architekten kreative Lösungen abverlangten.

Vermeidung von Abrissarbeiten an der historischen Fassade

Eine der größten Herausforderung bestand in der Erhaltung der ursprünglichen Fassade. Die denkmalgeschützte Fassade, die bereits in den 90er Jahren saniert worden war, sollte nicht abgerissen und durch ein komplett neues Bauwerk ersetzt werden. Ein Abriss wäre nicht nur finanziell aufwendig gewesen, sondern hätte auch massive, strukturgefährdende Eingriffe in den Rohbau erfordert.

Die Architekten entwickelten daher das Konzept einer neuen raumhohen, hinterliegenden Fassade, die nicht ersetzt, sondern ergänzende Formen an der Bestandsfassade einsetzt. Eine Doppelfassadenkonstruktion entstand, in der die neue Gebäudehülle als hinterlüftete Schale hinter der historischen Fassade angebracht wurde. Die neue Hülle beinhaltet die Anbindung an neue Technologien wie Kühl- und Lüftungskanäle, die in die Decken verlegt wurden, anstelle der Vorkriegs-Planung, die sie in die Außenecken stellte.

Realisierung ohne außenliegendes Gerüst

Ein anderer markanter Aspekt der Bauphase war die Verzicht auf das Verwendung von Einrüsten. Zwar war ursprünglich die Planung von Klettermastbühnen für die Fassadensanierung gefasst, doch aufgrund der Gebäudehöhe und der notwendigen Sicherungen an der Bestandsfassade wurde diese Variante verworfen. Stattdessen nutzten die Handwerker Arbeitshängebühnen, die entlang der Ost- und Westfassade montiert wurden.

Zudem kam ein temporärer Lastenaufzug an der nördlichen Fassade zum Einsatz, der die Fassadenelemente in die jeweiligen Höhen transportieren half. Diese Lösung ermöglichte es, die Bauphase nahezu geräusch- und visuell unauffällig zu gestalten und zudem den öffentlichen Raum nachvollziehbarer zu nutzen.

Zeitplanung und Abschluss der Sanierung

Die Sanierungsarbeiten begannen 2011 und endeten 2015, wobei in der Bauplanungsphase 2012 bereits die ersten Fassadenarbeiten begannen. Die gesamte Modernisierung wurde innerhalb von insgesamt fünf Jahren fertiggestellt, weshalb die Projektbeteiligten davon sprachen, es sei eine „reibungslose, aber intensiv umgesetzte Sanierung einer städtebaulichen Ikone“.

Die Finanzierung war zwar umfangreich, doch letztendlich lohnte sich die Investition: Bereits Anfang 2013 meldete das Portal „Der Westen“ fast Vollvermietung. Zu den Mietern zählen namhafte Beratungsgesellschaften wie A.T. Kearney und Roland Berger Strategy Consultants. Insgesamt wird das Dreischeibenhaus nicht nur als energieeffiziente Gebäude erneuert, sondern auch als attraktives, modern gestaltetes Gebäude für die Zukunft genutzt.

Zukunftsaussichten und Wirkung auf die Umgebung

Die Sanierung hat nicht nur das Einzelnutzergebäude verändert, sondern auch die umliegende Stadtbildplanung. Mit der Sanierung des Dreischeibenhauses verlor etwa die Autohochstraße („Tausendfüßler“) in ihrer alten Form die Bedeutung, wodurch ein neues Quartier entstand – der Kö-Bogen. Das Dreischeibenhaus fügt sich durch seine Modernisierung und Energieeffizienz gut in diesen Rahmen ein und ist gleichzeitig mit dieser Modernisierung einer der zentralen Akteure in der Düsseldorfer Stadtraumplanung.

Das Gebäude steht inzwischen nicht nur für nachhaltiges Bauen, sondern auch für das Bewusstsein, dass es nicht immer der Neubau, sondern auch die Erneuerung bestehender Stadträume, ist, die zukunftsfähige Städte ermöglicht. Die Architekten stellten in einem Statement fest, dass „es sinnvoll ist, denkmalgeschützte Gebäude sorgfältig zu erhalten und ihnen eine zeitgemäße Funktion zukommen zu lassen“.

Fazit

Die Sanierung des Dreischeibenhauses in Düsseldorf bietet ein beispielhaftes Vorgehen für das Bauen im Bestand, das energetische, bauliche und kulturelle Anforderungen miteinander verknüpft. Durch die Doppelfassadenkonstruktion, energetische Dämmung, Brandschutzoptimierung und moderne Arbeitsplatzgestaltung gelang es, ein historisches Gebäude in einen zukunftsfähigen Zustand zu versetzen, ohne dabei seine Identität und Stabilität zu verlieren.

Die Modernisierung zeigt, dass Renovierungsarbeiten an bestehenden Gebäuden nicht immer den Rückbau erfordern. Stattdessen kann durch kreative Planung, technische Innovation und detaillierte Bauvorbereitung der Erhalt des Gebäudebestandes verbunden werden mit der Erhöhung der Energieeffizienz und Funktionalität. Für Architekten, Bauherren und Mieter ist das Dreischeibenhaus damit nicht nur ein Prestigeprojekt, sondern auch ein Symbol für langfristig sinnvolle Investitionen in Städte und Immobilien der Zukunft.


Quellen

  1. Energetische Sanierung des Dreischeibenhauses in Düsseldorf
  2. Die neue Zukunft fürs Dreischeibenhaus
  3. Abriss ist keine Lösung – Die Sanierung des Dreischeibenhauses
  4. Best Practice: Modernisierung des Dreischeibenhauses
  5. Slideshow zur Sanierung des Dreischeibenhauses
  6. Falldstudie: Modernisierung des Dreischeibenhauses

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