Einleitung
Die BRAWOLINER®-Sanierung hat sich in den letzten Jahren als zuverlässige und effiziente Methode zur Instandsetzung von Abwasserkanälen etabliert. Insbesondere in Fällen, in denen die Rohre über eine größere Länge Schäden aufweisen, ist diese Methode, die in das Altrohr ein neues durch die Aushärtung von Harz entstehendes Kunststoffrohr erzeugt, von großem Vorteil. Ein entscheidender technischer Bestandteil dieses Sanierungsverfahrens ist die Drucktrommel, mit deren Hilfe der harzgetränkte Gewebeschlauch (Liner) mittels Luft- oder Wasserdruck in das defekte Rohr eingeführt (inversiert) wird.
Der Einsatz der Drucktrommel ermöglicht nicht nur die fachgerechte Inverseinbringung des Liners, sondern auch die Optimierung von Aushärtezeiten durch kontrollierte In-betriebnahme von warmem Wasser. In der vorliegenden Darstellung wird die Drucktrommel detailliert beschrieben, sowie ihr Einsatzkontext, Vorteile und technische Anforderungen an den Sanierungsprozess. Darüber hinaus werden auch Aspekte wie Aushärtezeiten, Dimensionen und besondere Anwendungsfälle wie Bogengänge oder Verbindungsstellen erläutert.
Funktionsweise und Aufbau der Drucktrommel
Prinzip der Drucktrommeltechnik
Die Drucktrommel ist der zentrale Mechanismus, der es ermöglicht, den BRAWOLINER®-Liner, einen Schlauch aus Polyestertextil, der mit Epoxidharz getränkt ist, in die Schadstelle im Kanal einzubringen. Dieses Verfahren, das als Inversionsverfahren bezeichnet wird, beschränkt sich nicht auf punktuelle Reparaturen, sondern saniert den gesamten Rohrabschnitt.
Die Trommel ist dabei so ausgelegt, dass sie sich nach Befüllung mit dem Liner und Harz durch Druckluft oder Wasserdruck öffnen lässt, wodurch der Schlauch schrittweise und kontrolliert in das defekte Rohr gestülpt (inversiert) wird. Nach Einbringung wird der Liner gleichmäßig gegen die Rohrwand gedrückt, um später eine dichte, tragfähige Schicht zu bilden.
Die Trommel besteht aus rostfreiem Edelstahl und ist mit einer speziellen Konstruktion ausgestattet, die es ermöglicht, den Liner ohne Druckverlust mit warmem Wasser zu befüllen. Dies ist besonders bei Rohrabschnitten mit größeren Längen entscheidend, da die Aushärtezeiten durch die Wärme wesentlich verkürzt werden.
Komponenten der Drucktrommel
- Rohrbefestigungskragen: Am vorderen Ende der Trommel ist ein Kragen angebracht, an den der Beginn des Liners befestigt wird.
- Druckanschlüsse: Für die applikation von Luft- oder Wasserdruck sind spezielle Schnellkupplungen integriert.
- Storz-Schnellkupplungen: Alle wechselbaren Inversionshilfen sind mit diesen Kupplungen versehen, was die Verarbeitung beschleunigt und die Reinigung vereinfacht.
- Optionale Kameraschleuse: Diese ermöglicht die Inspektion des inversierten Liners während des Einbaus, ohne dass die Druckintegrität verloren geht.
Einsatzdauer und Vorteile
Die Effizienz der Drucktrommel ist ein maßgeblicher Faktor für die Geschwindigkeit einer Sanierungsmaßnahme. Für Rohre mit Standarddurchmessern können die Liner in einem Arbeitsschritt eingebracht werden, wobei folgende Längen üblich sind: - DN 100 mm: bis 80 m - DN 125 mm: bis 65 m - DN 150 mm: bis 50 m - DN 200/250 mm: bis 40 m
Im Falle der Inversion mit Druckluft, insbesondere bei kürzeren Strecken, ist es oftmals nicht notwendig, Wärme im Aushärtungsprozess einzusetzen. Die Länge und die Rohrgeometrie bestimmen somit die Art des Einbaus sowie die Dauer des gesamten Verfahrens.
Sonderfälle: Bögen und Rohrdurchmesseränderungen
Eine besondere Stärke der Drucktrommel-Technik ist die Fähigkeit, auch bei erheblichen Geometrieunterschieden innerhalb eines Kanals zuverlässig zum Einsatz zu kommen. BRAWOLINER®-Linke können beispielsweise Bögen von bis zu 90° faltenfrei abdecken, was durch die Elastizität des Polyestermaterials ermöglicht wird. Zudem kann der Liner auch bei unterschiedlichen Rohrdurchmessern innerhalb einer Leitung, z. B. von DN 125 auf 150 mm oder DN 150 auf 200 mm, ohne Schäden eingebaut werden. Die Flexibilität des Materials gestattet einen nahtlosen Übergang und eine gleichmäßige Dichtung.
Aushärteprozess und Aushärtezeiten
Warme Aushärtung mit Drucktrommel
Nach Einbringung des Liner in das Rohr wird die Aushärtung durch temperiertes Wasser beschleunigt. Bei diesem Prozess kann die Drucktrommel dazu genutzt werden, das Linerinnere mit warmem Wasser zu befüllen, um eine gleichmäßige Erwärmung über die gesamte Länge zu gewährleisten. Die Temperatur wird dabei auf etwa 55 °C gebracht, was die Aushärtezeiten erheblich verkürzt. Laut den Herstellerangaben beträgt die Aushärtezeit: - Bei Kälte: ca. 220 Minuten - Bei Wärme: ca. 100 Minuten
Je nach Harzsorte können leichte Abweichungen bestehen, doch ist das Ziel immer, die Bauzeit durch Wärme auf optimale Zeitvorgaben zu reduzieren.
Bei Anwendungen in Fallrohren (Abflussrohre mit Gefälle) ist die Wärmeaushärtung ebenfalls möglich, wenn die Inversion im Nachgang erfolgt. Hier kann der Liner im Rahmen der Einpressung unter Luftdruck und später durch Wärme aushärten.
Druckentlastung und Endmontage
Nachdem der Liner vollständig ausgehärtet ist und somit die Form eines durchgehenden Kunststoffrohres angenommen hat, erfolgt die Entlastung des Drucks. Danach müssen eventuell Zuläufe und Anschlussstücke, wie z. B. die Verbindungsstellen zu Regenabläufen oder Hausanschlussleitungen, mittels Fräsrobotern erneut geöffnet werden. Dies geschieht kontrolliert und unter Kameraüberwachung, um Schäden an den Wänden zu vermeiden.
Einsatz in der Inhouse- und GEA-Sanierung
Sanierung von Hausanschlussleitungen
Der BRAWOLINER® ist auch für die Instandsetzung von Hausanschlussleitungen (Hausanschlüssen GEA, d. h. geltende Einbauten über die Kassette) geeignet. Hier ermöglicht die Drucktrommel das schnelle Einarbeiten des Liners, selbst im engen Zugang zu den Leitungen. Nach der Inversion und dem Aushärtungsprozess entsteht ein langlebiges Abwasserrohr, das weder Stemm- noch Grabtätigkeiten erfordert.
Vorteile im Inhouse-Einsatz
- Keine Aufbrucharbeiten: Wände und Böden bleiben geschont, wodurch bauliche Einbrüche und Störungen verhindert werden.
- Zeitsparend: Mit Warmaushärtung kann eine Sanierungsmaßnahme in kürzester Zeit abgeschlossen werden.
- Lärmfrei: Nur minimale Lärmbelastung durch In-Einrichtung-Geräte.
- Verschmutzung reduziert: Keine Abbruch- und Reinigerreste bleiben übrig.
Anforderungen des DIBT
Der BRAWOLINER® verfügt über eine DIBT-Zulassung, was für die bautechnischen Bedingungen und die Qualitätsstandards in der Abwasserreinigung entscheidend ist. Die Sanierungsverfahren, insbesondere das Inversionsverfahren mittels Drucktrommel, müssen nachweislich eine langfristige Dichtheit, Stabilität und chemische Beständigkeit gewährleisten, was durch die Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik bestätigt wird.
Anschluss-Stutzen-Sanierungen mit Drucktrommel
Technische Ausrüstung: BRAWOLINER®-Satellitenpacker
Bei der Sanierung von Anschluss-Stutzen (sogenannte Abästungen), also den Verbindungsstellen zwischen Anschlussleitungen und Hauptkanälen, wird eine spezielle Technik benötigt. Der BRAWOLINER® bietet hierzu den BRAWOLINER® Satellitenpacker, der in Verbindung mit flexiblen Manschetten Anschlussstellen bis zu 90° Winkel saniert.
Zur Einbringung der Manschette wird der Packer mittels eines flexiblen Schiebegestänges in das Rohr eingebracht, danach mit Luft aufgeblasen. Durch die erzeugte Pressung liegt die Manschette gleichmäßig an der Rohrwand an und der Stutzen wird von innen überfräst.
Ein besonderer Vorteil hierbei ist, dass die Aushärtung durch Dampf beschleunigt werden kann. Hierbei wird der Packer mittels der BRAWO SteamBox beheizt, wodurch die normale Aushärtezeit deutlich reduziert wird.
Der Vorteil dieses Verfahrens ist vor allem im Inhouse-Bereich sichtbar, da: - Keine Stemm- oder Grabarbeiten notwendig sind. - Sanierungsarbeiten schnell und kontrolliert durchgeführt werden können. - Die Kosten deutlich günstiger als konventionelle Methoden ausfallen.
Qualität der Fräsung und Nachprüfung
Nachdem der Liner eingebaut und die Zuläufe erneuert wurden, folgen die Endkontrollen. Bei der BRAWOLINER®-Sanierung werden die sanierten Abschnitte mit einer Kanal-TV-Kamera begutachtet. Ergänzend dazu erfolgt die vorgeschriebene Druckprüfung, wozu der Kanal mit speziellen Prüfblasen abgesperrt wird. Ein eingebauter Rechner in der Druckprüfeinheit führt die Prüfung nach den geltenden DIN-Normen durch und verhindert fehlerhafte Prüfungen durch Bedienerfehler.
Qualitätsziele in der Sanierung
Das Ziel der Sanierung ist immer, eine konstante Dichtheit des neuen Rohres zu gewährleisten. Problematische Aspekte können beispielsweise mangelhafte Verklebung der Anschlussmanschetten sein oder Schrumpfung des Materials während der Aushärtung. Solche Mängel können im schlimmsten Fall zu zukünftigen Leckstellen führen und haben in der Vergangenheit zu Qualitätsdiskussionen geführt.
Die BRAWO-Technik hält durch Standardisierung, überwachte Prozesse und den Einsatz bewährter Komponenten, wie den Drucktrommeln und den Spezialpackern, eine konstant hohe Qualitätsstufe. Die Kombination aus präziser Planung, fachgerechter Einbringung und nachfolgender Qualitätsprüfung reduziert Risiken und stellt sicher, dass die sanierten Kanalabschnitte über mehrere Jahrzehnte hinweg tragfähig, dicht und korrosionsresistent bleiben.
Wirtschaftlichkeit vs. Investitionskosten
In Relation zur alternativen Sanierung durch Ausschachtung oder Tunnelbau ist die Drucktrommel-Technik äußerst wirtschaftlich. Obwohl eine erste Investition in die Gerätschaften und Materialien nötig ist, fallen die Betriebskosten im Vergleich deutlich niedriger aus. Insbesondere in engen oder unterirdischen Räumen wie Dachböden oder zwischen Wänden ist die Einsparung durch das Fehlen von baulichen Eingriffen hervorragend.
Vor- und nachteile im Überblick
Vorteile der Drucktrommel-Technik: - Ersatz der kanalstruktur ohne Grabarbeiten - Reduzierung der Bauphase auf einen Tag - Geringere Kosten als konventionelle Methoden - Langfristige Haltbarkeit bis zu 60 Jahren - Umweltfreundliche Technik mit geringer Lärmbelastung - Anwendbar in verschiedenen Rohrgeometrien und Durchmessern - Kombinierbar mit Anschluss-Stutzen und Etagenrohren
Nachteile (im Vergleich zur konventionellen Sanierung): - Höhere Einarbeitungskosten bei technisch unerfahrenen Unternehmen - Abhängigkeit von Wartung und fachgerechtem Handling mit der Drucktrommel - Geringfügig geringere Leistung in extrem langen Rohrleitungen (Abhilfe durch Wasserdruck-Inversion)
Fazit
Die Drucktrommel ist ein zentraler Bestandteil des BRAWOLINER®-Sanierungsverfahrens, das sich in der Praxis als effiziente, langlebige und kosteneffektive Methode zur Instandsetzung von Abwasserkanälen, Hausanschlussleitungen und Anschluss-Stutzen erwiesen hat. Durch die Verwendung von Druckluft oder -wasser entsteht ein neues, dichtes Kunststoffrohr innerhalb des Altrohres, das aufgrund der Elastizität des Materials und der Kombination mit Epoxidharz über Jahrzehnte Bestand hat.
Die Aushärtezeiten, der Einbauprozess und insbesondere die Nachfräsung der Zuläufe durch Fräsroboter sind entscheidende Faktoren für die Qualität des Endprodukts. Zudem sorgen die modernen Anschluss-Stutzen-Sanierungstechnik mit BRAWOLINER®-Packern für die sanfte, präzise Wiederherstellung kritischer Verbindungsstellen.
Insgesamt ist die BRAWOLINER®-Sanierung in Kombination mit der Drucktrommel eine technische und ökonomische Alternative zur konventionellen Baumaßnahme. Allen Anforderungen des DIBT, der bautechnischen Regeln und der langfristigen Dichtheitsprüfung wird in diesem Verfahren Rechnung getragen. Für Hauseigentümer, Mieter und Sanierungsunternehmen bietet diese Methode also eine lohnenswerte und moderne Sanierungsalternative ohne grobe bauliche Eingriffe.