Der Bahnhof in der kleinen obermainischen Stadt Aulendorf steht einem der umfangreichsten Sanierungsprojekte in der Region. Mit Beginn der Vorarbeiten im Juli 2025 und einem voraussichtlichen Abschluss bis 2026 werden sowohl das denkmalgeschützte Empfangsgebäude als auch die Infrastruktur durch die Deutsche Bahn und die Stadt Aulendorf umfassend erneuert. Ziel der Maßnahmen ist es, den Bahnhofbarrierefreiheit, Energieeffizienz sowie Sicherheit und Komfort der Reisenden nachhaltig zu sichern. Mit einer Investitionssumme von knapp elf Millionen Euro (Bund und DB InfraGO AG) ist die Sanierung technisch wie rechtlich eine Mammutaufgabe, die auch für andere Bauprojekte in vergleichbarer Größenordnung relevante Impulse setzt.
Einführung: Bedarf und Ausmaß eines Stadtbahnhofs
Der Bahnhof Aulendorf ist in seiner Funktion als Knotenpunkt mehrerer Regionalverbindungen von zentraler Bedeutung für die Bewohner:innen der Region. Laut den Erhebungen, die im Zusammenhang mit der Sanierung berücksichtigt wurden, passieren täglich zwischen 7.500 und 8.000 Menschen den Bahnhof. Bislang war der Zustieg für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht ausreichend gestaltet, weshalb der Bauarbeitenstart im Sommer 2025 nicht nur umfassende, sondern auch dringend notwendige Handlungen beinhaltet.
In den Dokumenten wird aufgezeigt, dass die Arbeiten insbesondere auf die Umsetzung des Prinzips Barrierefreiheit gerichtet sind. Im konkreten Fall bedeutet das: die Erneuerung und Anhebung von Bahnsteigen, der Neubau diverser barrierefreier Zugänge, sowie die Anpassung des Empfangsgebäudes an die modernsten standards. Diese Maßnahmen passen sich sowohl den EU-Richtlinien als auch den landesspezifischen Normen gemäß § 5 Abs. 1 des Allgemeinen Barrierefreigemeldes (BGG).
Sanierungsprojekt: Aufbau, Ablauf und Umfang
14. Juli 2025: Start der Baustelle
Die Deutsche Bahn hat den Beginn der vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung des Aulendorfer Bahnhofs auf den 14. Juli 2025 festgelegt. Die Arbeiten sollen bis Mai 2026 abgeschlossen sein. Dieser Zeitraum beinhaltet sowohl die konservatorische Sanierung des alten Empfangsgebäudes wie auch die Neugestaltung von Infrastrukturelementen, insbesondere der Bahnsteige.
Die DB InfraGO AG – der für Personenbahnhöfe zuständige Bereich der DB Infrastruktur – ist operativ für die Durchführung der Arbeiten verantwortlich. Die Stadt Aulendorf betreibt zudem wichtige Vorleistungen und kooperiert direkt mit der DB im Hinblick auf Baumaßnahmen an Straßenanschlüssen, Parkplätzen und der Sicherstellung der notwendigen Zufahrten. So wurde bereits von der Stadt ein Teil des Bahnhofsvorplatzes erneuert, eine moderne öffentliche Toilette in Millionenhöhe eingerichtet und ein Fahrradabstellplatz errichtet.
Kern der Arbeiten: Denkmalschutz im Empfangsgebäude
Die größten Herausforderungen ergeben sich aus der Tatsache, dass das vordere Empfangsgebäude als denkmalgeschütztes Objekt gilt. Mit der DB InfraGO wurde ein besonderes Sanierungskonzept entwickelt, das die baulichen und gestalterischen Eigenschaften des historischen Gebäudes bewahrt, während gleichzeitig modernisierende Elemente wie neue Bodenbeläge, taktile Leitstreifen und digitale Fahrgastinformationssysteme eingefügt werden.
Ein weiteres zentrales Projekt ist der Bau einer Photovoltaikanlage auf Dächern des Bahnhofsareals. Dieses Energieressourcen-Angebot soll langfristig dazu beitragen, die Stromkosten für Betreiber wie für Nutzer:innen zu senken. Die energetische Sanierung beinhaltet zudem das Einbau moderner Fenster- und Fassadenteile sowie das Sanieren der Dachkonstruktionen.
Investitionen: Aufteilung der Kosten
Die Instandsetzung wird von der Bundesregierung über das FABB3-Förderprogramm unterstützt. Das Programm stützt Investitionen an klimafreundlichen und barrierefreien Bahnhöfen. Von dem Programm stammt ein Beitrag über rund 2,1 Millionen Euro. Die restlichen Kosten treibt die DB InfraGO AG eigenständig an: rund 2,8 Millionen Euro sind für den Umbau berechnet. Somit ergibt sich ein rein ziviler Investitionsbetrag von knapp 5 Millionen Euro, wobei noch nicht sämtliche Vorarbeiten, wie z. B. Planungs- und Expertise-Kosten, im Detail transparent wiedergegeben sind.
Planungsinhalte und bautechnische Umsetzung
Bahnsteige: Anhebung und Ausbau
Ein zentrales Ziel der Sanierung ist, die Bahnsteige barrierefrei zu gliedern. Dazu wird die Höhe der Bahnsteige auf 55 cm über den Stockbolzen angehoben. Diese Ausgestaltung ist im Geltungsbereich der Norm DIN EN 2870 vorgesehen und ermöglicht eine niveaugleiche Zugänglichkeit für Schwerbehinderte. Die Anhebung birgt die Möglichkeit einer zukünftigen Erhöhung auf 76 cm, was unter Berücksichtigung der Entwicklung der Lokomotiven und Schienenfahrzeuge sinnvoll erscheint.
Neben der Erneuerung und Aufstockung bestehender Bahnsteige ist auch ein Neubau eines Mittelbahnsteigs geplant. Letzterer wird auf dem Bereich des bisherigen Gleises 6 realisiert. Dies bedeutet eine Erweiterung der Anzahl der nutzbaren Bahnsteige von 2 auf 5. Ein weiterer Bahnsteig wird am Gleis 5/107 erstellt, während der Bahnsteig an Gleis 4 samt niveaugleicher Zugangsbereiche zurückgebaut wird.
Aufzüge: Neubau von drei Stellen
Drei Aufzüge sollen künftig den Bahnsteigeben genutzt werden:
- Einer für den Bahnsteig 1 (Gleis 1/121)
- Einer für den Bahnsteig 2 (Gleis 2/3)
- Einer für den Bahnsteig 3 (Gleis 5/107)
Die Liftanlagen sind Bestandteil der barrierefreien Zugänglichkeit und entsprechen nachweislich den Norm DIN 18065 sowie DIN 33990, welche die Anforderungen an Liftanlagen zum öffentlichen Zugang regeln.
Entwässerung: Neues System für Dächer und Bahnsteige
Ein weiteres zentrales Projekt ist die Erneuerung des Entwässerungssystems. Alle Bahnsteige und die Dächer werden umfassend erneuert. Ein Regenrückhaltebecken wird speziell für das Auffangen und Klauben von Regenwasser vorgesehen. Dieses Konzept spiegelt den modernen Ansatz wider, Niederschläge stoffkreislauffähig wie ökologisch verträglich zu speichern und zu behandeln.
Rückbau von nicht mehr benötigten Anlagen
Im Zuge der Modernisierung werden nicht ungenutzte Bahnsteige, wie zum Beispiel die Bahnsteigflächen und Überwegflächen, rückgebaut. Die Verwitterung des Materials hat in diesen Bereichen zu einem stark eingeschränkten Nutzen führen, sodass der Rückbau vorteilhaft ist. Gleichzeitig reduziert er den Pflegeaufwand und den zukünftigen Investitionsbedarf.
Auswirkungen auf Reisende und Parkmöglichkeiten
Während der Bauarbeiten wird die Empfangshalle zeitweise geschlossen sein. Insbesondere bei der Verlegung von neuen Bodenbelägen und bei der Montage von Decken- sowie Wandbelägen muss der Zugang temporär eingeschränkt oder beendet werden. Für Reisende bleibt jedoch das * Ticketschalter am Vorplatz* weiterhin zugänglich.
Ein weiteres Einschränkungsergebnis ist der Rückgang der Parkplatzkapazitäten während der Arbeiten. Laut Angaben der Stadt Aulendorf müssen während der Vorarbeiten *sechs Kurzzeitparkplätze *weitergegeben werden. Diese Parkplätze werden am *nördlichen Nebengebäude *als Alternative bereitgestellt. Der Verlust ist allerdings limitiert und wird durch präzise Planung kompensiert.
Bedeutung des Projekts für Mobilität und Real Estate
Aulendorf kann durch das Sanierungsprojekt seine Stellung als klimafreundlich und zugänglich erheblich stärken. Bahnhofsanierungen dieser Größenordnung sind auch in der Real Estate-Branche als Werte- und Standorthoch wahrgenommen. Eine moderne Bahnhofsanlagenanlage ist in der heutigen Zeit nicht mehr auf reine Verkehrs- oder Reisezwecke beschränkt, sondern hat auch das Potential, Arbeitsplätze anzulocken, Tourismus zu schaffen und lokale Wirtschaftspotenitale zu verstärken.
Die Einrichtung eines barrierefreien Zugangssystems erlaubt zudem eine bessere Integration für Senioren, Menschen mit Behinderung sowie Familien mit Kindern. Insofern wird auch das Projekt gesellschaftlich und sozial wie ökologisch einen deutlichen Mehrwert schaffen.
Diskussionen im Rathaus
Die Modernisierung des Bahnhofs war bereits Gegenstand einer informellen Diskussion im Rathaus Aulendorf. Dabei wurden sowohl die technischen als auch infrastrukturellen Aspekte im Vordergrund gestellt. Die Stadt Aulendorf steuert bei, dass die Investitionsbeiträge möglichst transparent und nachvollziehbar sind. Der Beitrag der Stadt wurde vorausgegangen von früheren Sanierungen, wie dem Umbau des Bahnhofsvorplatzes oder der Anschaffung einer neuen öffentlichen Toilette.
In der öffentlichen Diskussion wurde außerdem aufgezeigt, dass es im Bahnhof noch Verbesserungspotenziale gibt: So sollen in Zukunft zumindest Gepäckaufbewahrungsmöglichkeiten und die Sicherung von *E-Bikes *durch Schließvorgänge berücksichtigt werden. Zudem wurden Vorschläge gemacht, die Umsteigezeiten auf Bahnhöfen in der Region sinnvoller zu gestalten – eine Herausforderung, die nicht nur technisch, sondern auch politisch ansteht.
Fazit
Die Sanierung des Bahnhofs Aulendorf ist ein lehrreiches Beispiel dafür, wie ein historisches Gebäude über moderne bautechnische Maßnahmen und umfassende bauliche Ergänzungen in der Gegenwart bewahrt und für die Zukunft fit gemacht werden kann. Durch die Kombination aus Denkmalschutz, Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Infrastrukturverbesserungen setzt das Projekt neue Maßstäbe im Bereich Regionalentwicklung, Stadtraumgestaltung und Mobilitätsplanung.
Aulendorf kann durch dieses Projekt langfristig davon profitieren: Es wird nicht nur eine attraktive Anziehungspunkt für Pendler:innen, Tourist:innen und Pendler:innen, sondern auch eine Demonstration, wie Städten und Gemeinden ihre Infrastrukturen inmitten von Klima- und Sozialentwicklung sicher und soziale inklusiv gestalten können.
Quellen
- Deutsche Bahn PRESSEINFO: Modernisiert Bahnhof Aulendorf
- Schwäbische.de: Bauarbeiten am Knotenbahnhof starten am 14. Juli
- Stadt Aulendorf: Aus Aulendorf – Bahnhofsmodernisierung
- Dezentrale Vergabestelle: Aulendorf Bahnhofsmodernisierung
- Schwäbische.de: Parkplätze am Bahnhof fallen weg – das ist der Grund
- Der Bildschirmzeitung – Mobilitätswende in Oberschwaben