Einführung
Die Dummersdorfer Straße in Lübeck, insbesondere jener Stadtteil Kücknitz, hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Problemfall der kommunalen Infrastruktur entwickelt. Die aktuelle Sanierung der Buurdiekstraße und der zugehörigen Radwege legt nicht nur den Schwerpunkt auf die technische Erhaltung der Verkehrsinfrastruktur, sondern auch auf die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer:innen – insbesondere Radfahrer:innen –, da die aktuelle Radwegführung aus Sicht der Bevölkerung und mehrerer Fraktionen der Lübecker Bürgerschaft als stark gefährlich eingestuft wird.
Die Stadt Lübeck hat mehrere Sanierungsprojekte in der Region eingeleitet, wobei die Baumaßnahmen in Abschnitten und unter Vollsperrungen durchgeführt werden. Im Fokus stehen dabei die grundhafte Erneuerung der Buurdiekstraße und des angrenzenden Wischhofwegs, welche Anfang April 2024 begonnen haben. Die Arbeiten umfassen die Sanierung der Fahrbahnen, der Straßenentwässerung sowie der Radwege. Gleichzeitig haben Einwohner:innen, politische Gruppierungen wie die GRÜNE Fraktion und lokale Vereine – darunter der ADFC Lübeck – seit mehreren Jahren auf die dringend notwendige Sanierung des Radwegs in der Dummersdorfer Straße gedrängt.
In diesem Artikel werden die aktuellen Sanierungsarbeiten an der Dummersdorfer Straße, die Planungsdetails der entsprechenden Baumaschinenführung sowie die kritische Betrachtung aus städtischen und bürgerlichen Perspektiven detailliert vorgestellt. Aufbauend auf diesen Punkten wird ein Fazit gezogen, das die aktuelle Situation sowie zukünftige Bedrohungen und Planungen der Strecke abschließend reflektiert.
Detaillierte Sanierung in der Buurdiekstraße
Ablauf und Bauphasing
Die Sanierung der Buurdiekstraße begann am 29. April 2024 und wird voraussichtlich bis Ende Juli andauern. Die Arbeiten erstrecken sich über einen Abschnitt von etwa 555 Metern, beginnend am Einmündungsbereich zum Pommernring und endend an der Dummersdorfer Straße. Das Projekt ist in drei Bauabschnitte unterteilt, bei denen jeweils der betroffene Straßenabschnitt voll gesperrt wird, um die notwendigen Sanierungsarbeiten durchzuführen.
In Bauabschnitt 1 wurde der Bereich zwischen dem Pommernring und dem Schnitterweg instandgesetzt, wodurch die Stolpstraße während dieser Phase als Sackgasse deklariert wurde. Der Schnitterweg blieb hingegen uneingeschränkt durchfahrbar.
In Bauabschnitt 2 wurde der Abschnitt vom Schnitterweg bis kurz vor die Straße „An der Tränke“ bearbeitet. Dabei wurde die Stolpstraße wieder geöffnet, während die Straße „An der Tränke“ weiterhin erreichbar blieb.
Bauabschnitt 3 umfasste die Sanierung vom Bereich „An der Tränke“ bis zum Einmündungsbereich der Dummersdorfer Straße. Aufgrund fehlender Umleitungsstrecken musste die Straße „An der Tränke“ voll gesperrt werden. Trotz der Sperrung wurde der Verkehr über den Gehweg geleitet, den Radfahrer:innen als alternative Route angeboten wird.
Die Gehwege selbst blieben durchgängig nutzbar, auch während des Bauprozesses. Eine umfassende Information der direkten Anlieger über mögliche Einschränkungen wurde durch Hauswurfsendungen durch die Baufirma erfolgen.
Die Fertigstellung ist für Ende Juli 2024 geplant, wobei Wetterbedingungen möglicherweise zu Verzögerungen führen können.
Sanierung des Wischhofwegs
Kurz nach Abschluss der Arbeiten an der Buurdiekstraße beginnen die Sanierungsarbeiten im Wischhofweg. Diese starten am 1. Juli 2024 und erstrecken sich vom Einmündungsbereich der Dummersdorfer Straße bis zum Einmündungsbereich der Hudestraße. Der Bereich bleibt hier ebenfalls unter vollständiger Sperrung, während die beidseitigen Gehwege uneingeschränkt genutzt werden können.
Die Sanierung selbst umfasst die grundhafte Erneuerung der Fahrbahn sowie den Austausch der Regenwasseranschlussleitungen. Auch hier sind Termine abhängig von Wetterbedingungen, mit der Zielmarkierung, dass die Maßnahme bis Ende Juli abgeschlossen sein wird.
Kritische Bewertung der Radwege in der Dummersdorfer Straße
Zustand und Einwände aus der Bevölkerung
Der Radweg entlang der Dummersdorfer Straße ist innerhalb Lübecks als besonders problematisch bekannt. Politische Fraktionen sowie Verbände aus der Region wie der ADFC Lübeck haben in mehreren Sitzungen verdeutlicht, dass die Strecke weder den aktuellen Sicherheitsstandard erfüllt noch praktisch nutzbar sei.
Das Hauptproblem ist, dass der Radweg nicht nur zu schmal, sondern auch ein Zweirichtungsradweg ist, was die Verkehrssicherheit stark beeinträchtigt. Hinzu kommt, dass die Oberfläche durch Wurzelaufbrüche stark zerstört ist und sich nicht mehr in einem ordentlichen Zustand befindet.
Politische Handlungsaufrufe
Die GRÜNE Fraktion Lübeck warf der Stadtentwicklungsgesellschaft vor, die dringende Notwendigkeit der Sanierung bereits seit Jahren unterschätzt zu haben. Im März 2024 und im Mai 2024 wurde wiederholt ein Antrag gestellt, wonach die Verwaltung beauftragt werden soll, noch im ersten Halbjahr 2024 mit der Sanierung zu beginnen. Jedoch wurden bislang keine handfesten Maßnahmen gesetzt, was den kritischen Stimmen Nahrung gab.
Oliver Prieur, CDU-Ortsverbandsvorsitzender Kücknitz, kritisierte, dass die Sanierungsbedürftigkeit des Radwegs seit 2008 bekannt und dokumentiert sei. Er betonte, dass große Verbesserungen mit der Straße im Inneren Lübecks fortgeschritten seien, wohingegen lokale Strecken wie die Dummersdorfer Straße weit geringere Priorität erhielten. Diese Entwicklung sei langfristig verwerflich und betreffe auch den Verkehrssicherheitsaspekt.
Arne-Matz Ramcke von den GRÜNEN stellte den Sicherheitsaspekt nochmals klar: „Der Radweg genügt schon lange nicht mehr den üblichen Standards. Er ist viel zu schmal und zudem ein Zweirichtungsradweg.“ Diese Auslegung zeigt, dass aus mehreren städtischen Fraktionen die Erwartung aufgreift, dass eine grundhafte Sanierung auch in diesem Jahr 2024 angegangen werden müsse.
Änderungen im Radverkehrsmanagement
Mit Beginn der Arbeiten ist festgelegt worden, dass die Benutzungspflicht für den Radweg entlang der Dummersdorfer Straße aufgehoben werden wird. Diese Änderung tritt in Kraft, sobald die notwendigen Markierungen aufgetragen wurden – innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntmachung. Der alte Radweg kann zwar noch nutzen werden, zwar stets in einheitlicher Richtung, aber nicht mehr unter Benutzungszwang.
Stattdessen soll der Radverkehr auf der Fahrbahn zwischen dem Vorderste Fichteln, der Wischhofsweg / Buurdiekstraße geführt werden. Dies ist als vorübergehende Alternative gedacht, solange die baulichen Maßnahmen in diesem Bereich noch nicht vollständig umgesetzt worden sind. Diese neue Radverkehrsführung wurde bereits beantragt, und Planungsschritte zur dauerhaften Markierung und baulichen Umgestaltung sind bis Ende 2024 / Anfang 2025 eingeplant.
Im Zusammenhang mit Leitungsarbeiten, die bis dahin stattfinden, ist zudem geplant, dass sowohl in Bezug auf Maßnahmen vor dem Kirchplatz als auch im Bereich Dummersdorfer Straße bauliche Anpassungen und größere Markierungen vorgenommen werden. Ziel ist es dabei, die Radverkehrsführung zu optimieren und die Sicherheit der Nutzer:innen deutlich zu erhöhen.
Umleitungsregelung und Verkehrseinbußen
Beeinträchtigungen für Anlieger:innen und Nutzer:innen
Eine der größten Herausforderungen der Sanierungsarbeiten ist, dass Verkehrsbehinderungen nicht vollständig vermieden werden können. Insbesondere in Bauabschnitt 3 musste die Straße „An der Tränke“ zur Sackgasse erklärt werden, wodurch der Anliegerverkehr aufgrund mangeldünnster Alternativen nicht umgelenkt werden konnte. Im Gegensatz dazu konnte der Schnitterweg nach Abschluss des ersten Bauphasen wieder regulär genutzt werden, sofern keine weiteren Einschränkungen in Kraft stehen.
Die betroffenen Anwohner:innen wurden durch Hauswurfsendungen informiert, die weitere Details zu den Einschränkungen beinhalten. Die Baubetreuung der Stadt sorgt für permanente Anpassungen an die Verkehrsführung, sobald der Zustand dies wieder zulässt.
Kritik an der Umleitungsplanung
Kritiker aus der Bevölkerung wie Oliver Prieur argumentierten, dass mit der Planung zur Sanierung zwar Vorteile für die Langzeitinfrastruktur verbunden seien, kurzfristig aber massive Einschränkungen für das tägliche Leben entstanden, die nachvollziehbar frustrierend seien. Besonders in einem Stadtteil mit begrenzten Verkehrswegealternativen sei dies unumgänglich, aber dennoch sehr belastend.
Projektziele und strategische Bedeutung
Die Stadt Lübeck hat mit diesen Projekten eine klare Botschaft gesendet: Namlich, dass die Infrastruktur nicht nur technisch wiederhergestellt, sondern auch für Zukunftsgerechtigkeit angepasst werden soll. Dabei wurden laut Projekt- und Bauplanung folgende Ziele verfolgt:
- Sicherheit der Nutzer:innen erhöhen (insbesondere im Radverkehr)
- Zugänglichkeit der kommunalen Infrastruktur gewährleisten
- die Langlebigkeit der Sanierungsarbeiten durch bauliche Kriterien maximieren
- Umleitungen so gering wie möglich halten
Diese Maßnahmen folgen den üblichen Planungsgrundlagen für öffentliche Baumaßnahmen. Gleichzeitig soll durch die Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, kommunalen Verbänden wie dem ADFC und Anwohner:innen ein breiter Konsens geschaffen werden.
Zukünftige Maßnahmen an der Dummersdorfer Straße
Planungen für 2025 und darüber hinaus
Für den Aufbau der neuen Verkehrswegeführung zwischen Kirchplatz und Vorderste Fichteln bleiben bis Ende 2024 / Anfang 2025 nochmals bauliche Massnahmen bestehen. Diese betreffen insbesondere die Ausarbeitung eines umfangreichen Entwurfes sowie die Durchführung von Markierungsarbeiten, um den Radverkehr endgültig sicherzustellen.
Die endgültige Sanierung der Radwege auf der Dummersdorfer Straße wird erst nach Abschluss der Leitungsarbeiten begonnen. Die Verwaltung wird bis dahin unterbrechen zu prüfen, ob und wie es gelingen könnte, auch alternative, umfassendere Radverkehrsstrategien umzusetzen. Es ist jedoch anzumerken, dass aufgrund der begrenzten Fahrbahnbreite laut aktuellem Regelwerk kein separates Fahrstreifenmodell für den Radverkehr realisierbar ist.
Die Stadt schaut somit nicht nur auf langfristige Sanierung, sondern auch auf systematische Verkehrsplanung, die zusammen mit den Nachbarschaften umgesetzt werden soll. Eine Diskussion über baulich-modellhafte Pilotverkehrsprojekte zur Umgestaltung ist angekündigt.
Fazit
Die Sanierung der Dummersdorfer Straße in Kücknitz ist nicht nur ein Beispiel für notwendige gründliche Verkehrsinfrastrukturarbeit, sondern auch für einen längst fälligen Handlungsbedarf, der in der Vergangenheit stark vernachlässigt wurde. Die aktuelle Umsetzung der Baumaßnahmen betont zugleich transparenz, kooperative Planarbeit und Nachhaltigkeit bei Verkehrsmanagement.
Die drei Bauabschnitte der Buurdiekstraße und der folgende Baublock im Wischhofsweg zeigen den Planungs- und Umsetzungswillen, wobei der Sanierungsmechanismus auch die Zweidimensionalität der Planung verdeutlicht: zwischen technischer Erhaltungsarbeit einerseits und gesellschaftlicher Erwartung andererseits standen und stehen die Bauplaner. Besonders im Radverkehrsmanagement ist es gelungen, erste Weichen zuzustellen: Zwar blieb die Pflichtnutzung, doch schufen Planungstrategien bereits ein Pilotmodell zur Verkehrsneuausrichtung im Stadtfeld Kücknitz.
Perspektivisch bleibt abzuwarten, ob die in den Projektbeschreibungen genannten Termine eingehalten werden können. Das Weißbuch zur Infrastrukturplanung Lübeck 2025 zeigt, dass mittelfristig auch andere Verkehrsachsen in der Region zu weiteren Sanierungsprojekten führen könnten. Für die Dummersdorfer Straße jedoch ist bis 2025 der erste Schritt unumgänglich: Erhaltung der Struktur und Erörterung baulicher Verbesserungsmöglichkeiten.
Die Projektumsetzung ist daher mehr als eine lokale Sache. Sie ist ein Spiegel des Zukunftkonzepts einer Stadt in Bewegung – und der Willensentschluss, das Handeln im Namen der Sicherheit der Bürger:innen auch finanziell und logistisch abzusichern.
Quellen
- Pressemitteilung: Grundhafte Sanierung der Buurdiekstraße und des Wischhofwegs
- GRÜNE-Fraktion fordert Sanierung des Radweges in Kücknitz
- Kritik an Zustand des Radwegs in Kücknitz
- Neue Verkehrsregelungen entlang der Dummersdorfer Straße
- Verkehrshinweise Stadt Lübeck
- Weitere Verkehrshinweise und Baumaßnahmen