Sanierung ehemaliger Gaswerksgelände – Herausforderungen, Methoden und aktuelle Projekte


Einleitung

Ehemalige Gaswerksgelände stellen aufgrund ihrer Geschichte häufig beträchtliche ökologische und planerische Herausforderungen dar. In Deutschland wurden Gaswerke in den zwanziger bis vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts meist auf Basis von Kohle betrieben. Dabei entstanden zahlreiche Altlasten, die heute zur Sanierung zwingen. Die Sanierung dieser Flächen ist von hoher Dringlichkeit, insbesondere für Investoren, Kommunen und Bauherren, da die Befreiung von Schadstoffen Voraussetzung ist für die zukünftige, sichere und städtebaulich sinnvolle Nutzung. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) spielt dabei eine zentrale Rolle mit seiner Entwicklung und Verbreitung von Regeln und Merkblättern, die praxisnahe Lösungen für die Sanierung solcher Hinterlassenschaften bieten.

Im Folgenden wird ein Überblick über die Hintergründe, Methoden und aktuelle Vorhaben bei der Sanierung von ehemaligen Gaswerksgeländen gegeben, unterstützt durch konkrete Beispiele und technische Aspekte aus vertrauenswürdigen Quellen.


Historische Hintergründe

Entstehung von Altlasten auf Gaswerksgeländen

Die historische Nutzung als Gaswerk führte auf den jeweiligen Geländen oft zu erheblichen Umweltbelastungen. Hauptursache für die Verunreinigungen ist die bei der Verkohlung von Steinkohle entstehende Schadstoffproduktion, wie Kondensate, die damals oft unbewusst oder im Unwissen über ihre Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt umherspritzt, gelagert oder in den Boden eingedrungen sind.

Diese Altlasten sind heute oftmals noch präsent und gefährlich genug, um eine Sanierung unumgänglich zu machen. So ist zum Beispiel bei Untersuchungen in Euskirchen auf dem Gelände eines ehemaligen Gaswerks im Jahr 2009 hohe Boden- und Grundwasserbelastungen durch sogenannte aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK, BTEX), Phenole, Cyanide und Mineralölkohlenwasserstoffe nachweisbar. Diese Substanzen bedrohen nicht nur Mensch und Tier, sondern sind eindeutig auch ein stärkerer Einflussfaktor bei Planung und Baugenehmigungen für zukünftige Nutzungszwecke wie Wohnen oder Gewerbe.


Problematische Hinterlassenschaften

Typische Grundschäden

Bei der Erschließung und Sanierung einer früheren Gaswerksebene sind mehrere spezifische Schadstoffquellen zu nennen:

  • Teerbecken: Rückstände von Produktionsprozessen, bei denen Kohle in Gas umgewandelt wurde, führten zur Ansammlung von Teer. Diese Rückstände können bis in hohe Tiefe vorkommen.
  • Gasbehälter: Gasbehälter können mit veralteten Gasen wie Kohlenwasserstoffen beinhaltet sein und sind oft im Erdreich vergraben.
  • Verkohlungskondensate im Boden: Diese entstanden bei den Produktionsprozessen und wurden oft ins Erdreich geleitet oder in Behältern gelagert.

Die genannten Schadstoffe sind schwerwasserlöslich und diffusiv im Boden. Das erfordert daher fachgerechte Sanierungsverfahren, die weitgehend den gesetzlichen Vorgaben und DVGW-Richtlinien entsprechen.


Verfahren und Methoden der Sanierung

Phasen der Sanierung

Die Sanierung eines Gaswerksgeländes kann in mehrere grundsätzliche Phasen unterteilt werden. Einige dieser Phasen werden anhand der aktuell stattfindenden Arbeiten in Euskirchen verdeutlicht:

1. Geländeuntersuchung

Die ersten Arbeiten konzentrieren sich auf die Erhebung von Daten. Die Bodentests sind dabei zentral, um Schadstoffe zu identifizieren. Diese Untersuchung ist sowohl zur Planung als auch zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen unumgänglich.

2. Rückbau der vorhandenen Gebäude

Im nächsten Schritt werden Gebäudeteile wie z. B. Dächer, Wände, Rohre zerlegt. Ziel ist es, den Boden freizulegen und den Abfall fachgerecht zu entsorgen. Diese Maßnahmen sind in Euskirchen bereits weit fortgeschritten, wo Gebäude entkernt und zurückgebaut worden sind, bevor die Sanierung der Tiefe einsetzen kann.

3. Sanierung der Tiefebene

Im Falle von Euskirchen beginnt der Sanierungsprozess mit der Ausgrabung und dem Reinigen von einem Teerbecken und einer Gasbehältertasse. Danach folgt ein Bodenaustausch, bei denen bis zu 9,5 Meter tief ins Erdreich gegraben und ca. 23.500 Tonnen Schutt ersetzt werden.

4. Boden- und Grubenüberwachung

Während der Sanierungsarbeiten sind umfangreiche Messtechniken im Einsatz, um die Arbeitssicherheit sowie die Umwelt zu schützen. So ist eine Befeuchtung von Baggergut und Fahrflächen geplant, um die Freisetzung von Schadstoffen und Staub zu verhindern.


Technische Weisungen und DVGW

Die Rolle des DVGW

Der DVGW, als unabhängiger Verband aus der Branche Gas und Wasser, entwickelt und publiziert seit Jahrzehnten technische Regeln und Merkblätter, die speziell zur Behandlung von Altlasten vorgesehen sind.

Anhand des Merkblatts G 266 können Planer, Bauherren und Architekten strukturierte Vorgehensweisen für die Sanierung der Gelände entwickeln.
- Teil 1 des Merkblatts befasst sich mit der Feststellung und Beurteilung der Altlasten. - Teil 2 beschreibt sanierungstechnische Maßnahmen und Vorgehensweisen, die in der Praxis eingesetzt werden können.

Diese Merkblätter sind vom DVGW so formuliert, dass sie der Praxis nahestehen und aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis berücksichtigen. Zudem ermöglichen sie eine rechtliche Absicherung für Unternehmen, die auf solchen Flächen bauen oder deren Instandsetzung betreiben.


Projektbeispiel: Sanierung in Euskirchen

Projektplan und aktuelle Entwicklung

Die Sanierungsarbeiten in Euskirchen sind ein gutes Praxisbeispiel für die Sanierung ehemaliger Gaswerksgelände. Nachdem das Gelände im Jahr 2009 als Teil des geplanten „City Süd“-Projekts untersucht wurde, wurde festgestellt, dass die Fläche massiv belastet ist. Nach Auffüllungen und Bautätigkeiten seit den 1950er Jahren war eine gründliche Sanierung erforderlich.

In der aktuellen Bauphase: - Werden Gebäude entkernt und zurückgebaut. - Werden Teerbecken und Gasbehälter tief im Erdreich freigelegt. - Wird durch Bodenaustausch bis zu einer Tiefe von 9,5 Metern gearbeitet.

Nach Angaben des AAV (Allgemeiner Ausgleichsverein) werden bis zu 23.500 Tonnen Erde am Standort ausgebaut und durch sauberes Material ersetzt. Diese Arbeiten sind für vier Monate geplant und sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein.


Nutzen der Sanierung

Für die Bevölkerung

Die Sanierung von ehemaligen Gaswerksgeländen ist kein bloß technisches Projekt, sondern hat gesamtstädtischen Nutzen. Nur durch die Beseitigung von Schadstoffen und durch umweltgerechte Befüllung kann eine langfristig sichere Nutzung der Fläche ermöglicht werden. Dies ist besonders wichtig, wenn zukünftig Wohnfläche oder Gewerbeansiedlungen auf ehemaligen Altlasten geschaffen werden sollen.

Für Investoren und Kommunen

Für Investoren bilden solche Sanierungen einen hohen Koordinations- und Kostenaufwand, sind jedoch vor allem in Ballungsräumen notwendig, um bebauungsrelevante Risiken zu minimieren. Kommunen profitieren aus Sicht des Städtebaus dadurch, dass ehemals ungenutzte Flächen in das städtische Lebensgefühl eingefügt werden können. Dies fördert den sozialen Mix, verbessert das Wohnklima und schafft wirtschaftliche Impulse.


Fazit

Die Sanierung ehemaliger Gaswerksgelände ist ein komplexes, aber nötiges Gebiet innerhalb der Bauindustrie und Städteplanung. Aufgrund der Schadstoffgehalte ehemaliger Produktionsstätten für Gas sind heute umfangreiche Ausgrabungsarbeiten, Bodenaustausch und fachgerechte Entsorgungsmaßnahmen erforderlich. Gleichzeitig bietet der DVGW durch seine Regeln und Merkblätter wie DVGW-Merkblatt G 266 praxisnahe Unterstützung, um Sanierungsvorgänge gut zu planen und umzusetzen.

Investoren, Planer und Kommunen sollten diese Vorgaben nutzen, um ihre Projekte sicher zu realisieren, rechtliche Risiken zu minimieren und den wirtschaftlichen Wert langfristig zu steigern. Die Sanierung solcher Flächen ist mehr denn je notwendig, um Städte lebenswürdiger zu gestalten und zukünftigen Generationen eine sichere und gesunde Umwelt zu überlassen.


Quellen

  1. Sanierung des Geländes ehemaliger Gaswerke — Internationaler Rat für Wissenschaft und Technik (IRB)
  2. Altlasten auf ehemaligen Gaswerksgeländen — Semantic Scholar
  3. Altlasten auf ehemaligen Gaswerksgeländen — KIT Bibliothek
  4. Aufwendige Sanierung an der Roitzheimer Straße — Rheinische Anzeigerblätter
  5. DVGW — Regeln und Normen

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