DVGW-Zertifizierung im Gasbereich: Bedeutung, Anforderungen und Anwendung bei Sanierungsarbeiten

Die DVGW-Zertifizierung spielt bei gasfachlichen Anwendungen in Deutschland eine zentrale Rolle. Sie gewährleistet, dass Gasgeräte, Bauteile und Komponenten sowie deren Materialien anerkannten sicherheitstechnischen, hygienischen und umwelttechnischen Standards entsprechen. Vor allem im Kontext von Sanierungsarbeiten an bestehenden Gasinstallationen oder bei der Neukonzeption eines Haushalts mit gasbasiertem Energiesystem ist die Kenntnis sowie der Einsatz DVGW-zertifizierter Produkte entscheidend, um Dauerhaftigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit sicherzustellen. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Einblick in das System der DVGW-Zertifizierung im Gasbereich, darunter die Zertifizierungsstellen, die anzuwendenden Normen, relevante Prüfungsmethoden sowie deren praktische Bedeutung bei Sanierungsmaßnahmen.

Der DVGW und seine Rolle in der Gasfachwirtschaft

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) wurde im Jahr 1859 gegründet und hat sich heute als unabhängiger Regelsetzer und Forschungsinstitut etabliert. Er verfügt über 14.000 Mitglieder und ist – wirtschaftlich unabhängig und politisch neutral agierend – im Auftrag des Energiewirtschaftsgesetzes zuständig für die Entwicklung, Anwendung und Weiterentwicklung von Sicherheits- und Regelwerken im Gas- und Wasserbereich.

Ein zentraler Bestandteil der DVGW-Arbeit ist die Prüfung und Zertifizierung von Produkten im Gasfach, die über die DVGW CERT GmbH realisiert wird. Diese ist als benannte und akkreditierte Zertifizierungsstelle nach dem GasG und der Bauproduktenverordnung tätig und setzt unter anderem nationale und europäische Normen, DIN-Regelungen, DVGW-Regelwerke, sowie Prüfverfahren um. Besondere Aufmerksamkeit richten sich derzeit auf Anwendungen mit Wasserstoff als Brennstoff, was aufgrund der wachsenden Bedeutung erneuerbarer Gase in der Energiewende immer relevanter wird.

Was bedeutet DVGW-Zertifizierung?

Die DVGW-Zertifizierung ist ein offizieller Nachweis dafür, dass ein Produkt oder eine baufachliche Konstruktion den anerkannten Regeln der Technik entspricht. Sie wird von der DVGW CERT GmbH als unabhängiger Stelle für Konformitätsbewertungen (zuständige Stelle nach dem GasG) erteilt. Dies gilt nicht nur für Neubauten, sondern insbesondere auch bei Sanierung und Modernisierung bestehender Gasinstallationen.

Die Zertifizierung setzt nicht nur auf die Prüfung des Baumusters, sondern auch auf die Kontrolle und Überwachung der gefertigten Produktionschargen, um sicherzustellen, dass sich Qualität und Konformität während der gesamten Fertigungs- und Lieferkette bewahren. Eine stetige Marktüberwachung ist daher ein essentieller Bestandteil der Zertifizierung.

Wichtige Aspekte der DVGW-Zertifizierung im Gasbereich

1. Prüfung auf Gasverträglichkeit

Gasanwendungen erfordern die Verwendung von Materialien, die mit dem eingesetzten Gas verträglich und widerstandsfähig sind. Insbesondere bei wechselhaften Anwendungen, schnellem Druckwechsel oder hohen Temperaturen ist das zentral. Die DVGW CERT GmbH hat daher Zertifizierungsprogramme (ZP) entwickelt, die für verschiedene Materialien und Anwendungen gelten. Beispiele sind:

  • ZP 5101: Prüfverfahren für Elastomerwerkstoffe in Dichtungen und Membranen unter Einfluss bis zu 100 Vol.-% Wasserstoff.
  • ZP 5123: Ergänzungsprüfungen für Flachdichtungswerkstoffe bei bis zu 100 Vol.-% Wasserstoff.
  • ZP 5100: Prüfung von Gummiwerkstoffen, die mit Gasen im Gebäude- und Industriebereich in Kontakt kommen.

Diese Zertifizierungsprogramme werden genutzt, um Materialprüfung, Bauartgenehmigungen und die Marktüberwachung der gefertigten Produkte sicherzustellen.

2. Praxisrelevante Prüfungen mit dem Fokus auf Wasserstoff

Mit der zunehmenden Verwendung von Wasserstoff in der Gasversorgung, insbesondere in der Nachhaltigkeitsdiskussion, wurde an neuen Prüfverfahren gearbeitet. Die DVGW-Forschungsstelle hat wissenschaftliche Grundlagen erarbeitet, und Prüfmethoden für Materialien wie Elastomere, metallische Verbindungen oder Dichtungswerstoffe zur Wasserstoffeignung entwickelt.

Diese Erkenntnisse fließen direkt in DIN-Normungsverfahren des Deutschen Instituts für Normung (DIN) und nationalen sowie europäischen Zertifizierungsprogrammen ein. Damit wird langfristig ein Überblick über die Anwendbarkeit von Produkten, die in Wasserstoffnetze integriert werden müssen, ermöglicht.

3. Marktüberwachung durch die DVGW CERT GmbH

Die Sicherheit und Qualität DVGW-zertifizierter Produkte wird weiter durch regelmäßige Produktüberwachungen und Erneuerungen der Zertifikate gewährleistet. Sobald ein Produkt zertifiziert ist, unterliegt es einer strenge Marktüberwachung, um sicherzustellen, dass die Qualität während der gesamten Fertigungslebensdauer erhalten bleibt.

Diese Überwachung beinhaltet:

  • Dokumentation aller zertifizierten Produkte.
  • Stichproben.
  • Prüfungen von Produktionsserien.

Ein solches System ist besonders bei Sanierungsarbeiten von Bedeutung, da bereits installierte Geräte oder Komponenten nicht nur sicher sein müssen, sondern auch weiter zur konformen und zulässigen Gasnutzung beitragen.

DVGW-Zertifizierung und Sanierungsarbeiten

Sanierungsarbeiten an Gasanlagen sind stets mit besonderen Anforderungen und Risiken verbunden. Bei Sanierung oder Modernisierung bestehender Anlagen gilt es, die Kompatibilität zum bestehenden System, die Einhaltung der jeweils aktuellen Normen sowie die zukünftige Anwendbarkeit im Hinblick auf Wasserstoff zu prüfen.

1. Auswahl DVGW-zertifizierter Produkte bei Sanierunge

Bei einer Sanierung müssen immer neu eingesetzte Komponenten nachvollziehbar mit den bereits installierten Systemen kompatibel sein. Dies umfasst unter anderem:

  • Gasgeräte, wie z. B. Heizungen oder Dunstabzugshauben.
  • Druckregelgeräte.
  • Gasleitungen, inklusive Dichtungen, Verbindern und Armaturen.
  • Sicherheitsbauteile, z. B. Flammenaussetzer, Gas-Austauschgeräte oder Gaszähler.

Eine DVGW-Zertifizierung für diese Produkte bietet die Sicherheit, dass sie nach modernen, verbindlichen Prüfverfahren zertifiziert sind und bei langfristiger Nutzung eine hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit bieten.

2. Besondere Herausforderung: Bestandsanlagen im Umgang mit Wasserstoff

Im Rahmen der Energiewende wird in Deutschland in Zukunft verstärkt auf Wasserstoff als Brennstoff gesetzt. Das wirft speziell bei Sanierungen der bestehenden Gasversorgung neue Herausforderungen auf, etwa die Kompatibilität installierter Komponenten mit Wasserstoff.

Die DVGW CERT GmbH hat hier bereits aktuelle Prüfverfahren entwickelt, die es ermöglichen, die Wasserstoffeignung von bestehenden Materialien zu beurteilen. Beispiele hierfür sind:

  • ZP 5101: Prüfverfahren für Elastomerwerkstoffe unter Einfluss bis zu 100 Vol.-% Wasserstoff.
  • ZP 5123: Prüfverfahren für Flachdichtungswerstoffe für bis zu 100 Vol.-% H₂.

Fachplaner und Energieberater können damit bereits frühzeitig Einschätzungen zur Wasserstoffverträglichkeit bestehender Anlagen treffen und ggf. geeignete Sanierungsmaßnahmen oder Komponentenaustausch empfehlen.

3. Vorteile von DVGW-Zertifizierungen bei Sanierungen

Im Vergleich zu nicht zertifizierten oder nicht geprüften Produkten bieten DVGW-zertifizierte Komponenten folgende Vorteile:

  • Gewährleistung auf langfristige Sicherheit und Funktionstüchtigkeit.
  • Übernahme durch die Versicherung bei Schäden, die durch Nichtkonformität entstanden sind.
  • Befreiung von zusätzlichen Nachweisen durch den Bauhof oder Energieversorger, da DVGW-Zertifizierungen als anerkannte Qualitätsachse gelten.
  • Einfacheres Management durch Übersichtlichkeit von Produkt- und Materialzulassungen.

Diese Vorteile sind insbesondere bei Bauherren, SHK-Fachbetrieben und Projektleitern sehr wertvoll, da sie Zeit, Kosten und Risiken minimieren.

Praktische Anwendung in Sanierungsprojekten

Bei der Planung und Realisierung von Sanierungsmaßnahmen in bestehenden Gasanlagen sollten folgende Anforderungen an DVGW-Zertifizierungen beachtet werden:

  1. Überprüfung des bestehenden Systems auf aktuelle Prüf- und Zertifizierungsstandards.
  2. Einbindung von DVGW-Zertifizierungen bei der Auswahl neuer Komponenten.
  3. Abstimmung mit kommunalen Prüfbehörden / Energieversorgern, da diese oft DVGW-Zertifizierungen anerkennen und ansetzen.
  4. Aufnahme von DVGW-Prüfverfahren in die Dokumentation der Sanierungsmaßnahmen, damit spätere Anpassungen flexibel möglich sind.
  5. Involvierung von DVGW-zertifizierter Laboratorien bei Prüfungen, um Baumusterprüfung und Marktüberwachung auch bei bestehenden Anlagen nachzuvollziehen.

Bei Sanierungsarbeiten mit hohem Umfang oder bei Neukonzeption – beispielsweise in Altbauten oder bei Umbauprojekten mit Holzbauweise – ist das Einbinden der DVGW CERT GmbH bereits in der Planungsphase sinnvoll, um Konformitätslücken frühzeitig zu erkennen und die Systemstabilität für zukünftige Änderungen (z. B. für Wasserstoff) abzusichern.

Fazit

Die DVGW-Zertifizierung ist in der deutschen Gasbranche eine unverzichtbare Marke für Sicherheit, Konformität und Qualität. Vor allem bei Sanierungen bestehender Anlagen ist der Einsatz zertifizierter Produkte entscheidend, um die Funktion, die langfristige Sicherheit und die Verwendbarkeit des Systems im Rahmen neuer Anforderungen zu gewährleisten.

Durch die Arbeit der DVGW CERT GmbH und der Forschungsstelle ist heute nicht nur die Prüfung anhand bestehender Standardprodukte möglich, sondern es existieren auch Zertifizierungsprogramme, die spezifische Herausforderungen wie Wasserstoffanwendungen berücksichtigen. Dies bietet eine praxisnahe und technisch fundierte Grundlage für die Zukunftsfähigkeit gasbasierten Energieverbrauches.

Quellen

  1. Zertifizierung von Produkten in der Gasfachwirtschaft
  2. Prüfen und Zertifizieren im DVGW-Umfeld
  3. Gas-Prüfwesen und Zertifizierung – Regelwerke und Normen
  4. Was ist eine DVGW-Zulassung?
  5. Zertifizierungsprogramme der DVGW CERT GmbH
  6. Überblick über die Arbeit und Struktur des DVGW

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