Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses: Herausforderungen, Entwürfe und technische Umsetzung

Die Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Balance zwischen Denkmalschutz und Moderne. Das denkmalgeschützte Gebäude, erbaut von der Ikone der deutschen Nachkriegsarchitektur, Bernhard Pfau, hat seit Beginn der 1960er- bis 1970er Jahre einen herausragenden Platz in Düsseldorf eingenommen. In den vergangenen Jahren wurde ein umfassendes Sanierungsprojekt durchgeführt, das den baulichen Zustand überarbeitete, die historischen Merkmale wahrte und den Standort neu ins öffentliche Leben eingegliedert.

In diesem Artikel wird die Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses thematisch und zeitlich betrachtet. Aufbauend auf vertrauenswürdigen Informationsquellen, die von Architekten, Projektmanagern und Bauherrn bereitgestellt wurden, lernen wir die wichtigsten Aspekte der Sanierungsarbeit kennen. Dabei stehen technische Herausforderungen, der Einfluss des Denkmalschutzes, die Umbaumaßnahmen sowie die Umgestaltung des Außeneinsatzes im Vordergrund.


Historische und Baugeschichtliche Bedeutung des Düsseldorfer Schauspielhauses

Das Düsseldorfer Schauspielhaus wurde zwischen 1965 und 1970 von dem renommierten Architekten Bernhard Pfau entworfen und erbaut. Es zählt zu den bedeutenden Bauwerken der deutschen Nachkriegsarchitektur und gilt zusammen mit dem Dreischeibenhaus als ikonische Präsentation der Zeit.

Aufgrund seiner architektonischen, theatergeschichtlichen und politischen Bedeutung wurde das Gebäude bereits 1998 in die Denkmalliste aufgenommen. In der Nachbarschaft erstreckt sich der Kö-Bogen, dessen Entwicklung parallel zum Schauspielhaus stattfand und von den gleichen Architekten betreut wurde.

Im Verlaufe der Jahre zeigten sich zahlreiche bauliche Mängel, die auf konstruktive Fehler zurückgingen. Besondere Probleme wurden bei der Fassade und dem Dach beobachtet, wodurch der bauliche Zustand des Theaters stark beeinträchtigt wurde. Ebenso ließ das Interieur und die barrierefreie Zugänglichkeit den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden.


Sanierungskonzept: Wahrung des Originals und technische Modernisierung

Die Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses beabsichtigte eine behutsame, originalgetreue Wiederherstellung unter Einhaltung moderner Bauraumeinheiten. Im Zentrum stand die Wahrung des historischen Bestandes, ohne jedoch auf eine Anpassung an den heutigen Stand der Technik zu verzichten.

Die drei Phasen der Sanierung betreffen unterschiedliche Bereiche des Hauses:

  • Phase 1: Sanierung der technischen Gebäudeausrüstung
  • Phase 2: Sanierung des Daches und der Fassade
  • Phase 3: Sanierung der öffentlichen Bereiche

Die Sanierungsmaßnahmen wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz realisiert. Ziel war es, die äußere Erscheinung des Schauspielhauses, wie es 1970 eröffnet wurde, weitgehend originalgetreu wiederherzustellen, wobei innerhalb der technischen und konstruktiven Möglichkeiten anpassungen vorgenommen wurden, um den heutigen Energie- und Nutzeranforderungen gerecht zu werden.

Projektleiter Oliver Ingenhoven betonte, dass Materialentscheidungen, die im Originalwerk Bernd Pfau zurückgingen, so weit wie möglich berücksichtigt werden sollten. Besonders hervorzuheben sind die erhaltenen Elemente wie der rosa Marmorfußboden, die polierten Messinggriffe an den Holzhandläufen sowie die gelben, geblasenen Plexiglasmöbel im Foyer, die einen unverwechselbaren Charakter des Hauses aufrechterhalten.


Technische Herausforderungen bei Dach und Fassade

Die baulichen Probleme des Schauspielhauses sind besonders in den Bereichen Dach und Fassade zu verorten. Die Fassade besteht aus Stahlprofil-Paneele, die teilweise bis zu 16 Meter lang sind und ohne Stoßfugen verbaut wurden. Die Befestigung erfolgte durch eine eigens entwickelte Unterkonstruktion und speziell gefertigte Sonderklemmen.

Eine einfache Sanierung dieser Fassade erwies sich unter konstruktiven Gründen als nicht sinnvoll. Stattdessen war ein kompletter Austausch der Fassade mit entsprechender Unterkonstruktion und neu konzipierten Befestigungsmitteln erforderlich, um die ursprüngliche Form und Stabilität zu erhalten.

In ähnlicher Weise mussten auch die Dächer überarbeitet werden. Aufgrund der mehrfach vorkommenden gestaffelten Flachdächer und des geneigten Zeltdachs des Bühnenturms war ein fachgerechter, neue Dachaufbau notwendig. Die Dächer wurden insgesamt begrünt, was zur Verbesserung der Stadtklimas beiträgt und zudem den Niederschlag reguliert.

Die Herausforderung lag dabei darin, dass eine technisch einwandfreie Sanierung unter Berücksichtigung der Denkmalschutzanforderungen stattfand, sodass sowohl Bauhöhe als auch optisches Erscheinungsbild erhalten blieben, wofür eine genaue Farb- und Formanalyse durchgeführt wurde.


Umbau der öffentlichen Bereiche und Verbesserung des barrierefreien Zugangs

Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung lag in der Optimierung der barrierefreien Zugänglichkeit. Alle Spielstätten wurden in den sauberen, ebenerdigen Bereich integriert. Besucher mit Behinderung profitieren von barrierefreien Aufzügen und WC-Anlagen sowie von rollstuhlgerechten Sitzplätzen. Die Anpassung der öffentlichen Bereiche führte zu einer grundlegenden Modernisierung, die den Komfort für Besucher und Mitarbeiter deutlich erhöhte.

In enger Zusammenarbeit mit dem Büro HolzFormArt GmbH & Co. KG wurden die öffentlichen Hauptbereiche sowie Sanitöranlagen und Nebenräume neu gestaltet. Die Inhaber des Handwerksunternehmens stellten individuelle Möbel her und sorgten für moderne Wandverkleidungen, welche die Ambiente des Gebäudes weit über die Jahre der Entstehung hinaus förderten.

Ein besonderer Schritt war der Abbruch des nachträglich eingebauten Kassenhäuschens und die Einrichtung eines neuen Windfangs. Die Abendkasse wurde dauerhaft ins Foyer verlagert, wobei die einzigartige Glas-Stahl-Konstruktion der Haupteingangsfassade erhalten blieb und optisch sowie technisch überarbeitet wurde.


Der Gustaf-Gründgens-Platz und der öffentliche Raum

Die Sanierung des Schauspielhauses stand nicht isoliert, sondern war Teil einer umfassenderen städtischen Revitalisierung. Der angrenzende Gustaf-Gründgens-Platz wurde im Zuge der Bauarbeiten ebenfalls neu gestaltet. Die Wiedereröffnung fand im vergangenen Herbst statt und wurde als symbolische Erneuerung der Beziehung zwischen Theatergebäude und Umwelt begrüßt.

Kritisch wurde in der Vergangenheit oft darauf verwiesen, dass Bernhard Pfau ursprünglich den Vorplatz als Außenfoyer gestaltet haben wollte. Diese Idee blieb jedoch unbegrenzt in der theoretischen Phase. In der Sanierung wurde dies aufgegriffen, wobei durch eine durchlässige Verglasung ein stärkerer Bezug zwischen Erdgeschoss und Hofgarten sowie Gustaf-Gründgens-Platz entstand.

Maßnahmen wie die Neugestaltung der Anlieferungswege und der Künstlereingang sorgten förderlich für die Aufwertung des Außengeländes. Ebenso wurde eine Sichtschutzmauer zwischen Künstlereingang und Anlieferung/Entsorgung errichtet und neue Plätze im Zusammenhang mit dem neuen gemeinsamen Bodenbelag im Gustaf-Gründgens-Platz geschaffen. Diese Beziehungen zwischen Innen- und Außenraum stellten einen zentralen Aspekt der Sanierung dar.


Kosten, Projektumfang und Projektmanagement

Die Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses entwickelte sich laut offiziellen Angaben zu einem Projekt mit erheblichen finanziellen Ressourcen. Nach jetzigem Planungsstand betragen die insgesamt anfallenden Kosten für die Maßnahmen im Zusammenhang mit Dach und Fassade etwa 18,9 Millionen Euro. Dieser Betrag liegt um 26 Prozent über der zunächst geplanten Summe von 15 Millionen Euro.

Die Projektmanagementleistungen wurden von G+N Consult in den Leistungsphasen 1–9 für die LPH 0–9 übernommen. Oliver Ingenhoven agierte als Projektleiter, während Ulrich Hochgürtel für die Bauleitung zuständig war. Die gesamte Sanierung erfolgte parallel zum laufenden Schauspielbetrieb sowie zu anderen bautechnischen Vorhaben am Kö-Bogen II Neubau und an der Tiefgarage des Gustaf-Gründgens-Platzes.

Für Phase 1, die Sanierung der technischen Gebäudeausrüstung, und Phase 3, die Sanierung der öffentlichen Bereiche, erfolgte eine Gesamtprojektbegleitung bis 2023. Die Bauphase erstreckte sich offiziell von 2019 bis 2020, wobei die Planungsstruktur eng an den Phasenmodellen nach AHO orientiert war.


Zusammenarbeit und Realisierung

Die Sanierung des Schauspielhauses war eine Kooperation mehrerer Professionalfachbereiche. Beteiligt waren Statiker, TGA-Planer, Brandschutzplaner, Architekturverfasser und Baukonstrukteure. Wichtige externe Partner waren:

  • Büro Schmidt (Statik)
  • Ebert (TGA)
  • Kottke (BÜT)
  • Brieger (Brandschutz)
  • ISRW (Bauphysik)

Diese Zusammenarbeit sicherte die Qualität und die technische Planungshörigkeit des Projekts. G+N Consult und die Bauherrin, die Neue Schauspielungs GmbH, leiteten die Projektstruktur nach strengen Zeit- und Kostenparametern. Alle Arbeiten erfolgten unter Bedingung der ständigen Einhaltung der Denkmalschutzvorgaben.

Ein weiteres wichtiger Aspekt war die Durchführung des 50-jährigen Jubiläums des Düsseldorfer Schauspielhauses innerhalb der Sanierungsmaßnahmen. Der Festakt fand am 16. Januar 2020 statt und war mit drei Premieren, renommierten Gästen und einem zweiwöchigen Festprogramm verbunden.


Fazit

Die Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses ist nicht nur ein technisches Monument für moderne Bau- und Renovierungstechnik, sondern auch ein ästhetisches und symbolisches Vorzeigeobjekt in der deutschen Kultur- und Bau-landschaft. Die Sanierungsarbeiten setzten Impulse für die Integration des Theaters in das öffentliche Leben Düsseldorfs und lehrsichtigten den Wechsel zwischen Traditionsbewahrung und zeitgemäßer Umsetzung.

Wichtige Erfahrungen beziehung zwischen Denkmalschutz und technischem Fortschritt, die hier praxisnah angewandt wurden, bilden wertvolles Handwerkswissen für zukünftige Projektentwicklungen in der renommierten Architektur- und Bauwirtschaft.

Die Kooperationen zwischen Architekturfirmen, Projektmanagement und Projektmanagern sowie Bauherren bot Meilensteinqualität, die für den Erfolg präzise koordiniert wurde. Die Neugestaltung der Außenbereiche und das Engagement für Barrierefreiheit sowie Energieeffizienz zeigen, wie ein bedeutendes Kulturdenkmal in Modernität umgewandelt werden kann.


Quellen

  1. Düsseldorfer Schauspielhaus - Sanierung durch ingenhoven associates
  2. Sanierung Düsseldorfer Schauspielhaus - Phase 3
  3. Schauspielhaus Düsseldorf - Bundesbau NRW
  4. Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses - Projekte PFP Architekten
  5. Ingenhoven associates sanieren Düsseldorfer Schauspielhaus
  6. Aktuelles zur Sanierung - Düsseldorf.de

Ähnliche Beiträge