Einleitung
Die Sanierung und Neuentwicklung der katholischen Pfarrei St. Matthäus in Düsseldorf-Garath ist ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von denkmalgerechter Architektur, konfliktfreier Bauplanung und gemeinsamer Gestaltungshaltung in der Nachbarschaft. Nach Jahrzehnten der Planung, Verzögerungen und finanzieller Herausforderungen ist das gemeindliche Projekt mit dem Neubau des Matthäus-Hauses in der René-Schickele-Straße in Düsseldorf-Garath final abgeschlossen. Der Bau tritt in eine bedeutende historische und architektonische Tradition ein: Die Pfarreikirche St. Matthäus entstand in den Jahren 1968–1970 nach Entwürfen von Gottfried Böhm, einem der bedeutendsten kirchlichen Architekten im 20. Jahrhundert. Seit 1999 ist sie denkmalgeschützt. Das neue Gemeindezentrum wurde von dem Sohn des Architekten, Peter Böhm, im Sinne eines „neu interpretierten Ensembles“ entworfen und als kohärenter Baubetrag an der Seite der Kirche eingefügt. Erleichtert wurde die Sanierung durch den Abbau der Brandruine des ehemaligen „Goldenen Rings“, der in der gleichen Straße ehemals bedeutungsloses Treffpunkt der Gemeinde war.
Historik und Bedeutung des Ensembles
Die katholische Kirche St. Matthäus stand schon zu ihrer Zeit als pionierhafter sakraler Bau im Städtebau der Nachkriegszeit. Sie enthält einen burgähnlichen Sockelbereich aus rotem Ziegelsteinwerk, der sich in Form und Material mit der Umgebung verbindet. Die markante Struktur der Kirche – mit zwei zylinderförmigen Ziegeltürmen und einem mittleren, vielgestaltigen Betonbereich, der durch eine mehrfach gefaltete pyramidenartige Dachform abgeschlossen ist – ist ein unverwechselbares Wahrzeichen der Düsseldorfer Stadtteilschaft Garath.
Seit 1999 ist der Kirchensaft als denkmalgeschütztes Ensemble erfasst, das nicht nur die sakrale Gebäudegruppe, sondern auch die umgebende Bebauung einschließt: das St. Hildegardis-Altenheim des Caritasverbandes, die Hildegardiskapelle und Wohnungen für Küster und Organist. Der im ursprünglichen Plan vorgesehene Kindergarten wurde nie realisiert und später als Pfarrgarten genutzt. Dies spiegelt den komplexen Prozess der Stadterneuerung in Garath wider, den die Planung von Gottfried Böhm einheitlich und vorausschauend begleitete.
Ausgangssituation und Hintergrund der Sanierung
Die Bedeutung der Sanierung liegt nicht nur auf kommunikativer Ebene, sondern auch im Situationsrahmen der Kirchengemeinde. 2007 fusionierten die Kirchengemeinden St. Norbert und St. Theresia zur Gemeinde St. Matthäus mit der Idee, durch ein gemeinsames Gemeindehaus das kirchliche Zusammenleben und die pastorale Arbeit zu stärken. Doch es dauerte bis 2021, bis im Zuge der Verzögerungen durch Finanzierungsschwierigkeiten, Brandschutzanforderungen und baulogischen Konflikten die Grundsteinlegung stattfinden konnte.
Im Anschluss wurde das Projekt durch die Corona-Pandemie und logistische Engpässe erneut verzögert, was schließlich auch den geplanten Abschluss der Bauarbeiten in 2022 nach hinten verlegte. Erst im ersten Quartal 2024, kündigte Peter Windeln vom Neubauausschuss an, dass die Umzüge beginnen und das bislang benutzte Johannes-Haus und „Hellerhof“-Gebäude geschlossen werden.
Der Neubau: Matthäus-Haus als Ensemblepartie
Das Matthäus-Haus ist ein kreative Verbindung von architektonischer Tradition und neuzeitlicher Anforderungen – ein neues Element im bestehenden Ensemble. Der Architekt Peter Böhm, Sohn des ursprünglichen Entwurfsautors, setzte die Materialität und Formensprache seines Vaters stimmig um und interpretierte diese im Sinne einer neuen Bauzeit. So übernimmt das Matthäus-Haus die roten Ziegelwände und die graue Sichtbeton-Architektur, die auch die Kirche auszeichnen. Es vermeidet dadurch eine optische Distanz und bleibt städtebaulich und gestaltend ein bestandteil des bestehenden Ensembles.
Eines der bedeutendsten Elemente des Neubaus ist das Gebäudezeichen: die Kreuzblume des Kölner Doms, die ursprünglich im Chor des Doms vermauert war und nach Sanierungsarbeiten ausgetauscht wurde. Sie wurde symbolisch als besonderer Grundstein in das Matthäus-Haus eingefügt und ist bei der Eröffnung des Gemeindezentrums Teil eines stimmigen Symbolsystems. Damit steht die Erneuerung der Gebäudegruppe nicht nur für die kommunikative Einheit der Kirchengemeinde, sondern auch für die Einbettung in die kirchlichen und kulturellen Wurzeln des Kölner Bistums.
Baulogistik, Genehmigungen und finanzielle Herausforderungen
Die Sanierung und der Neubau des Matthäus-Hauses standen unter erheblichen Planungsbedingungen und finanziellen Einschränkungen. Die Bauentwässerungskosten, die Materialengpässe während der Pandemie und vor allem die Genehmigungsverzögerungen durch die Stadt und das kirchliche Büro waren entscheidende Hindernisse. Besonders kritisch erwies sich die Klarstellung der Finanzierungspakete, von denen mehr als ein gewisser Prozentsatz vorgängig abgesichert sein musste, um die Baugenehmigung zu erhalten.
Außerdem war das Grundstück, auf dem das Matthäus-Haus steht, nicht direkt im Eigentum der Kirchengemeinde, sondern wurde im Verlauf der Planung mit der Stadt getauscht – eine Vorgabe, die erheblich zu den Verzögerungen beitrug. Zunächst ab 2015 war ein Wettbewerb für den Architekturwettbewerb des Gemeindezentrums angekündigt und realisiert worden. Mit der Auswahl der Planungsidee folgten weitere Etappen, bis letztendlich die Baugenehmigung eintrifft.
Die städtische Baugenehmigung erwies sich als zusätzliche Hürde, da sie aufgrund der Notwendigkeit der Nebengebäude und Brandschutzvorkehrungen nicht ohne vorherige Zustimmung der Nachbargemeinden und Stadtplaner erteilt werden konnte. Das Projekt erwies sich somit als ein Exemplar für die Notwendigkeit der frühzeitigen Planungskonsultationen sowie der Kooperation zwischen kirchlicher und öffentlicher Verwaltung.
Bauablauf und Technische Besonderheiten
Der Bauablauf selbst war eine Herausforderung, insbesondere da das Projekt nicht nur zeitlich, sondern auch in räumlicher Hinsicht besondere Anforderungen stellte. Die Bauarbeiten an der ehemaligen „Goldener Ring“-Brandruine begannen schließlich im Juni 2020 und fanden im Rahmen der allgemeinen Wiederbelebung des Stadtteils statt. Eine kritische Etappe war die Grundsteinlegung im April 2021, die unter strikten Hygienemaßnahmen durchgeführt und von verschiedenen Kirchenmitgliedern begangen wurde.
Der Einsatz einer Zeitkapsel wurde dort symbolisch durchgeführt, eine bewusst geplante Aktion, die den Gemeinden nicht nur einen optischen, sondern auch einen symbolischen Halt gibt. Eine Kreuzblume aus dem Kölner Dom, symbolisch an dieser Stelle eingemauert, stellte zentrales Objekt der Zeremonie dar. Die Blume hatte eine besondere Qualität in der Erinnerungskultur der Gemeinde.
Funktionalität und Nutzung des Matthäus-Hauses
Das Matthäus-Haus ist nicht nur ein architektonisches Statement, sondern auch ein Funktionsort, der verschiedene Anforderungen an Räume für Gemeindeaktivitäten, Festlichkeit, Administration, Pastoral und kulturelle Angebote erfüllt. Im Erdgeschoss befinden sich:
- ein großer Nutzungsbereich mit 200 Sitzplätzen, der durch Schiebetüren expandiert werden kann.
- ein Empfangsbereich, der zum Turm-Rückgrat der Architektur angepasst ist.
- ein Bürobereich mit kreisförmigen Schreibflächen und konzentriertem Arbeitsraum.
- eine Küchenanlage, die mit Profi-Geräten bestückt ist.
Im Obergeschoss sollen Besprechungsräume, pastorale Räume und kleinere Veranstaltungshallen eingerichtet werden. Ein weiteres Highlight, das die visuelle Anziehungskraft des Projekts verstärkt, ist ein rotes Lichtfenster im Empfangsbereich. Es unterstreicht das Lichtsymbol der Kirche und steht zudem für die offene und einladende Gemeindekultur.
Kirchliche Symbolik im Matthäus-Haus
Ebenso wie die Kreuzblume ein kirchlich-geistliches Symbol ist, wird auch das Regenbogenflaggen-Feld an der Kirche als Statement für die inklusive und offene Gemeindekultur angesehen – ein Prozess, mit dem sich die Kirchengemeinde aktiv im Bistum hervortut. Initiiert wurde das Thema auch in enger Verbindung mit den Initiativen, die sich innerhalb des Bistums für die Integration von Homosexuellen und Queer-Ids einsetzen.
Die kirchliche Symbolik, beispielsweise durch den Gottesdienstzugang ins Matthäus-Haus, ist in den Planungen bewusst geformt worden, damit die neuen Räume in geistlich-menschliche Sinnhaftigkeit eingebracht werden. Die Verbindung von Alt und Neu, das Einbinden kirchlicher Tradition ins gegenwärtige Leben, ist ein zentraler Aspekt der Sanierungsabsichtsbeschreibung.
Denkmalschutz und moderne Architektur
Die Sanierung des Matthäus-Hauses kann nur als Erfolg gewertet werden, wenn die Denkmalschutzvorgaben uneingeschränkt beachtet wurden. Denkmalschutz in NRW ist in den Händen der zuständigen Behörden sowie kirchlicher Gutachten festgelegt. In diesem Kontext ist das Matthäus-Haus kein rein sachlogisches Projekt, sondern auch ein Beispiel für moderne Architektur im Einklang mit traditionellen Vorbildern.
Peter Böhm setzte auf Materialität und Formensprache, die sich an der Kirche orientieren, und vermeidet so jeglichen sinnlichen oder optischen Bruch zum bestehenden Ensemble. Die roten Ziegelsteinwände, der graue Sichtbeton, die kreisförmigen Elemente im Turm – all das wirkt wie eine Fortführung des geistlichen und baulichen Erbes seines Vaters. Im Foyer des Gemeindehauses spiegelt sich zudem die Betonstruktur der Kirche, was die Einheit im Ensemble besonders hervorhebt.
Ausblick und zukünftige Entwicklung
Mit der Fertigstellung des Matthäus-Hauses und der Einstellung von Ämtern in den bisher genutzten Räumen wie dem Johannes-Haus und Hellerhof wird es für die Kirchengemeinde St. Matthäus nun um die Nutzungssteuerung im Matthäus-Haus gehen. Laut Angaben von Kirchensprecher Peter Windeln ist die vollständige Betriebsbereitschaft im ersten Quartal 2024 vorgesehen. Die finanzielle Zukunft des Projekts bleibt jedoch fraglich, da die Gegenfinanzierung nicht durch den Verkauf der ehemaligen Gebäude abgesichert ist.
Insgesamt bleibt die Sanierung des Matthäus-Hauses ein Beispiel dafür, wie kirchliche Aufgaben in moderner Architektur verwirklicht und trotz Verzögerungen und finanzieller Unsicherheiten gemeindlich erfolgreich gestaltet werden können.
Fazit
Die Sanierung und der Neubau des Matthäus-Hauses in Düsseldorf-Garath sind mehr als ein bauliches Erfolgserlebnis: sie zeigen, wie konsequente Planung, enge Zusammenarbeit mit kirchlichen und städtischen Partnern, kluge architektonische Fortschreibung und die Einbeziehung der Gemeinde eine solch komplexe Aufgabe auch unter Widrigkeiten meistern. Das Ensemble von Kirche, Altenheim und Gemeindehaus ist ein lebendiges Zeichen kirchlicher Präsenz im modernen Stadtleben, und das Matthäus-Haus ist ein Zeugnis dafür, wie Kirche in der städtischen Gemeinde immer noch die nötigen Räume schafft und weiterentwickelt.
Quellen
- Katholische Pfarrkirche St. Matthäus in Düsseldorf-Garath, Baukunst NRW
- Düsseldorf Garath: Eine Kreuzblume für das Matthäus-Haus | Düsseldorf Aktuell
- Bramlage Architekten: Architektur mit Verantwortung | Denkmalpflege & Restaurierung
- Düsseldorf-Garath: Eröffnung Matthäus-Haus am 1. Advent | RP Online
- Düsseldorf Garath: Bau des Gemeindezentrums für St. Matthäus beginnt | WZ