Die Sanierung des Dortmund Hauptbahnhofs (Dortmund Hbf) ist eines der größten und komplexesten Infrastrukturprojekte des Ruhrgebiets. Nicht ohne Grund: Der Bahnhof ist einer der wichtigsten Fernverkehrsbahnhöfe Deutschlands und wird täglich von etwa 130.000 Reisenden und Besuchern genutzt, was seine Bedeutung in der regionalen und überregionalen Nah- und Fernverkehrsinfrastruktur unterstreicht. Die mehrphasige Erneuerung hat sich als ambitioniert erwiesen – sowohl technisch als auch hinsichtlich der Koordination während des ständig laufenden Betriebs, was typisch ist für solche Großbauprojekte in Ballungsräumen.
Die Sanierung stützt sich auf langfristige Vorhaben wie die Barrierefreiheit, das Erneuern von Bahnsteigen, die Modernisierung des Zugangs sowie die Erneuerung technischer Anlagen. Im Folgenden wird die Entwicklung des Dortmund Hbf in den Bauabschnitten vorgestellt, darunter die konkreten Maßnahmen, Zeitplanung, Kostenentwicklung und das Ziel der finalen Erneuerung bis 2025.
Projektübersicht: Der Dortmunder Hauptbahnhof im Konzept der Sanierung
Der Dortmunder Hauptbahnhof ist, wenn man das Wort „sanieren“ aufgreift, mehr als ein simples Erneuern – es handelt sich um einen umfassenden Umbau mit komplexen technischen, planerischen und logistischen Herausforderungen.
Bahnhofstyp und Funktion
Dortmund Hbf fungiert als Regionalbahnhof, aber auch als Fernbahnhof. Seine Aufgabe ist es, einen reibungslosen, sicheren und komfortablen Verkehr für Reisende mit Zug, Bus, Stadtbahn und anderen Verkehrsmitteln sicherzustellen. Die Infrastruktur, also Bahnsteige, Tunnelanlagen, Beleuchtung und Zugangskomponenten, muss dafür stets modern und standortgerecht sein – und das setzt eine durchdachte Bau- und Sanierungsplanung voraus.
Besonderheit: Bau unter laufendem Betrieb
Ein Kernmerkmal des Projekts ist, dass alle Arbeiten stattfinden, während das Bahnhofslaufwerk in vollem Betrieb bleibt. Während konventionell oft ein Stillstand erforderlich wäre, haben die Projektverantwortlichen hier eine hohe Priorität drauf gelegt, den Reisenden möglichst wenig Unbequemlichkeiten durch den Umbau zu bereiten. Dafür wurde die Planung so gestaltet, dass in der Regel immer ein Bahnsteig während der Umbauphase gesperrt wird, alle anderen jedoch weiterhin in Betrieb bleiben.
Diese Herangehensweise ist besonders in Ballungsgebieten wie Dortmund von Vorteil, wo jede Sperrung weitreichende Störungen hervorrufen könnte.
Bauabschnitte und Fortschritt der Arbeit
Das Projekt wurde in mehrere Phasen unterteilt, wobei sowohl der Empfangsbereich als auch die eigentliche Verkehrsstation umfassend gestarteten werden.
1. Bauabschnitt (2009–2011): Erneuerung der Empfangshalle
In den Jahren 2009 bis 2011 wurde die Empfangshalle erneuert. Dieser Bauabschnitt bildete den ersten Schritt zur Überholung des gesamten Standorts und war in gewisser Weise der Pilotabschnitt für die späteren, noch umfangreicheren Sanierungen.
2. Bauabschnitt: Umbau der Verkehrsstation (seit 2018)
Der zweite Bauabschnitt, der im Jahr 2018 begann, umfasst die umfassenden Arbeiten an der eigentlichen Verkehrsstation. Hierzu zählen:
- Erneuerung der Bahnsteigüberdachungen: Etwa 11.000 Quadratmeter neue oder erneuerte Überdachungen wurden neu erstellt.
- Erneuerung von Bahnsteigen: Acht Bahnsteige wurden erneuert, angepasst und ihrer Neubauhöhe unterzogen – jeweils 76 cm auf Schienenoberkante.
- Ausbau von Zugängen: 10 Bahnsteigzugänge, 7 Aufzüge und 14 Fahrtreppen wurden saniert – ebenfalls unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit.
- Modernisierung der technischen Infrastruktur: Dazu gehören neue Energieversorgung, Beleuchtung, Blitzschutz, Kabeltiefbau, Abwasseranlagen, Feuerlöschanlagen und Wärmeversorgung.
- Erweiterung des Personentunnels: Die Passage zwischen den Bahnsteigen wurde von 9,5 m auf 13,2 m Breite erweitert.
Diese Maßnahmen zielen nicht nur auf die Verbesserung der Funktion, sondern auch auf die Sicherheit, Orientierung und Nutzbarkeit – sowohl für Behinderte als auch für Familien mit Kindern oder Reisende mit Gepäck.
Ziel: Barrierefreiheit und ein komfortablerer Reisekomfort
Die zentrale Zielsetzung hinter dem Umbau ist die vollständige Barrierefreiheit des Hauptbahnhofs im Sinne der Inklusion, ein Vorgabe des Landes NRW und der DB AG im Rahmen der SPNV-Rahmenvereinbarung vom 31. März 2010. Dazu wurde eine taktile und kontrastreiche Wegeführung in der gesamten Verkehrsstation eingerichtet, die bis in den U-Bahn-Bereich reicht.
Ziel ist es, Menschen mit Behinderung, ältere Reisende oder Eltern mit Buggys möglichst leicht und sicher durch den Bahnhof zu führen. So wurden insbesondere die Bahnsteige 4 bis 8 mit neuen Aufzügen barrierefrei erschlossen.
Aufgrund der hohen Zahl an täglichen Reisenden und der Projektprognose, dass sich diese Zahl bis 2025 bis nahezu 100.000 Reisende pro Tag erhöhen wird, war ein umfassender Umbau notwendig, um die steigenden Anforderungen in der Nutzung, Sicherheit und Nutzungskomfort abzudecken.
Aktueller Stand: Eröffnung und Erwartungen an 2025
Der Neubau und die Sanierung der Verkehrsstation wurden ursprünglich für 2024 abgeschlossen. Bislang liegt das Projekt jedoch im Plan, und die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2025 vorgesehen.
Es wurden mehrere Abschnitte bereits abgeschlossen – hier einige Beispiele:
- Die Mittelbahnsteige 8 und 6, mit den Gleisen 26/31 und 18/20, inklusive ihrer barrierefreien Erschließung, wurden vollständig umgestaltet.
- Die Bodenbeläge in der Fußgänger-Passage, in der Reisende von Königswall zur Stadtbahnanlage gelangen, wurden von der Stadt Dortmund aktualisiert und sind fast fertiggestellt.
- Der Nordeingang der Verkehrsstation wurde deutlich erweitert und ist laut Presseankündigungen erfreulich einladender als vorher.
Die sogenannte Feierliche Eröffnung fand bereits kurz vor der Fußball-Europameisterschaft 2024 statt – ein Meilenstein auf dem Weg zur endgültigen Fertigstellung des Projekts.
Kostenaufwand und Budgetentwicklung
Bei Baumaßnahmen solchen Formats sind Kosten- und Zeitansätze oftmals dynamisch – dies gilt auch für das Projekt Dortmund Hauptbahnhof. Ursprünglich war der Umbau mit 130 Millionen Euro veranschlagt. Aufgrund der sich stetig erhöhenden Baukosten ist das Projekt inzwischen auf ein Volumen von rund 210 Millionen Euro angewachsen.
Die Mittel werden durch drei Säulen finanziert:
- Der Bund trägt einen Teil der Kosten, wobei besonders für Umbauphase 2 (die Verkehrsstation) relevante Anteile bereitgestellt wurden.
- Land Nordrhein-Westfalen trägt ebenfalls einen erheblichen Anteil, insbesondere mit einer Förderung zur Schaffung von Barrierefreiheit.
- Die Deutsche Bahn AG ist selbst für die Sanierung ihres Bahnhofes verantwortlich und übernimmt den größten kostenmäßigen Anteil, besonders in Fachplanung und Bauausführung.
Technische Planung und Execution: Mehr als nur Bagger und Beton
Die Erneuerung des Hbf beruht auf einer sehr detaillierten Planung, die durch Fachleute über verschiedene Disziplinen koordiniert wird. Aus der Quelle hervorgeht, dass das Engineering-Unternehmen DB Engineering & Consulting federführend im Bereich Planung, Bauablauforganisation und Bauphasenentwicklung war.
Dazu gehörten Maßnahmen wie:
- Die erstellung von Fluchtwegsplänen und Brandschutzkonzepten
- Die Koordination der Mieterbereiche in der Mall „Verkehrsstation Dortmund“
- Die Objektplanung für Bahnsteige, Tunnel und Zugänge
- Die erstellung technischer Ausrüstungen, einschließlich Bahnstrom, Leittechnik und Sicherungstechnik
- Die gesamte Bauüberwachung durch verschiedene Berufsgruppen, darunter auch Geotechnik und Schweißüberwachung
- Der Einbau von Multikoptersystemen (UAS) zum Monitoring und Datenerheben in Echtzeit
Diese Vielzahl an Fachdisziplinen ist notwendig, um die Komplexität einer Bahnhofsrenovierung in einem aktiven Bahnhof zu meistern.
Zusätzlich zu diesen Planungsmassnahmen wurde auf Digitalisierungsansätze wie X2BIM Plattformen gesetzt, um ein präzises BIM-Management über die gesamte Projektspanne hinaus sicherzustellen.
Exemplarische Baumaßnahmen: Tunnelerweiterung und Bodenbeläge
Ein weiteres Beispiel, das die Komplexität verdeutlicht, ist die Verbreiterung des Personentunnels. Dieser Bereich, der ca. 25 Meter lang und von 9,5 m auf 13,2 m erweitert wurde, war eine Technologiefalle für die Bagger-Unternehmen – aber auch eine notwendige Maßnahme, da es hier um den Kundenkomfort und die Fluchtoptionen ging.
Im Tunnelbereich selbst wurden verschiedene Materialien in Betracht gezogen, und schließlich entschied man sich für den Einbau der gewohnten Bodenbeläge von Stadtbahn-Verteileranlagen, um Konsistenz und Wiedererkennbarkeit für die Reisenden sicherzustellen. Das bedeutet, dass Reisende nicht plötzlich auf ganz neuen Materialien laufen und sich stattdessen in einem vertrauten Umfeld bewegen können.
Neben dieser Verbreiterung und den Fußbodenarbeiten war auch der Neubau oder die Erneuerung von Aufzügen, Fahrtreppen und Brücken erforderlich, was die gesamte Infrastruktur unter die Lupe nahm.
Kommunikation mit der Öffentlichkeit und Presse
Die DB und zuständige Kommunen haben ein Bewusstsein dafür, dass ein solch großes Projekt auf hohe Sensibilität auf breiter Ebene trifft. So wurde zum Beispiel eine feierliche Eröffnung durchgeführt, bei der auch Politische Vertreter wie NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer und ehemals promittente Fußballer wie Roman Weidenfeller teilnahmen. Das diente einerseits der Pressearbeit, andererseits aber auch der Sozialintegration, um das Projekt in der Öffentlichkeit ein positives Bild zu vermitteln.
Diese Kommunikation war wichtig, um die Betroffenen über Verkehrsbeschränkungen, Sperrungen und geplante Änderungen in der Anreise zu informieren. So konnten beispielsweise Umleitungspläne oder Änderungen in den Taktzeiten weitgefasst kommuniziert werden.
Fazit
Die Sanierung des Dortmunder Hauptbahnhofs ist ein Projekt, das die Balance zwischen Funktion, Form und Benutzerfreundlichkeit gewichten musste. Von einer anfänglichen Vision verglaster Bahnhof mit Einkaufszentrum und Freizeitangeboten blieb nicht viel übrig – stattdessen fokussierte man sich auf das wesentliche: eine moderne, barrierefreie, sichere und zugängliche Bahnhofsinfrastruktur.
Mit der Fertigstellung in 2025 wird das Projekt eine konkrete Visitenkarte seines Standorts setzen. Der Bahnhof wird nicht mehr ein Nachkriegs-Resteverlies sein, sondern ein zentraler Verkehrsknoten, der sich sowohl für Pendler, Geschäftsreisende als auch für Touristen sehen lassen kann.
Quellen
- Db Engineering & Consulting – Projekt der Sanierung Dortmund Hauptbahnhof
- VRR-Investitionsprojekte – Modernisierung Dortmund H bf
- WDR – Dortmund Hbf Umbau und Eröffnung
- Ruhr24 – Dortmund Hbf Erneuerung und U-Bahn-Station
- Dortmund.de – Sanierungsarbeiten Fußgänger-Passage
- WDR – Dortmund Hbf Umbau: Kostenentwicklung
- Ruhrnachrichten – Dortmund Hbf wird erneuert
- Deutsche Bahn – Sanierung Hauptstrecke zwischen Essen und Dortmund