Sanierung und Neugestaltung der Eberhardstraße in Stuttgart: Herausforderungen und Veränderungen

Stuttgart, eine der größten Städte Baden-Württembergs, ist in den vergangenen Jahren stark von Baustellen und umfangreichen städtebaulichen Projekten geprägt worden. Vor allem in der Innenstadt ist das Bild einer ständigen Baubewegung entstanden, und dies hat Auswirkungen sowohl auf die Infrastruktur als auch auf das Leben der Menschen vor Ort. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die Sanierung und Umgestaltung der Eberhardstraße, die sich inmitten des Stuttgarter Schwabenzentrums erstreckt. Die Eberhardstraße ist nicht nur eine wichtige Verkehrsachse durch die Innenstadt, sondern auch Areal für stadtplanerische Impulse in Form von Büroflächen, Wohnungen und kulturellen Aktivitäten.

Innerhalb der Eberhardstraße entfaltet sich ein komplexes Bild mit mehreren parallel verlaufenden Projekten: so etwa die Sanierung des Gebäudes B4 in der Eberhardstraße 39, der Neubau des Gebäudes an der Eberhardstraße 63 und die umfangreiche Umbaumaßnahme in der Eberhardstraße 1–5 mit dem Projekt „Central One“. Zugleich wird mit diesen Bauvorhaben ein breiterer öffentlicher Diskurs angestoßen über Sanierung, Abriss, Neubau, Investitionsstrategien und den sozialen und infrastrukturellen Einfluss solcher Projekte auf die Bevölkerung.

Dieser Artikel beleuchtet anhand verfügbaren Quellen, welche Projekte aktuell in der Eberhardstraße umgesetzt werden oder geplant sind, welche Herausforderungen entstehen – etwa bei der Baustellenbelastung, bei der Bewältigung urbaner Grundrisse oder bei sozialen und ökologischen Aspekten – und wie die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung mit diesen Herausforderungen umgehen.

Sanierungsstatus des Gebäudes B4 in der Eberhardstraße 39

Das Gebäude mit der Anschrift Eberhardstraße 39 ist Bestandteil der Stuttgarter Verwaltungslandschaft und bislang für bestimmte städtische Aufgaben genutzt worden. Nach Angaben in einem Antrag vom 06. Mai 2022, der auf der Website der Freien Wähler Stuttgart veröffentlichen wurde, war für das Jahr 2017 mit der Generalsanierung mehr als 36 Millionen Euro bereitgestellt worden. In der Vorlage zur Haushaltsplanung 2018/2019 war sogar ein konkreter Zeitplan enthalten, wonach die Bauarbeiten im Juli 2019 beginnen und mit einer Bauzeit von ca. 24 Monaten im Juli 2021 abgeschlossen sein sollten.

Obwohl Planungsaufträge hierfür vergeben wurden, wurden bis zum späten Antragstermin keine Baumaßnahmen in Angriff genommen. Gründe dafür sind in der Presse nicht öffentlich diskutiert worden. Einerseits könnten Verzögerungen auf organisatorische Probleme zurückzuführen sein, andererseits auf den Wechsel der Nutzungsidee oder auf räumliche Komplexität durch die notwendige Bewirtschaftung während der Sanierung (die auch den Aspekt eines sogenannten „Ausweichquartiers“ beinhaltete). Des Weiteren wurde erwähnt, dass das ursprünglich vorgesehene Quartier, Schmale Straße 9–13, während der Corona-Pandemie anderweitig beansprucht wurde, was möglicherweise die Sanierung verzögerte oder erst komplett unmöglich machte.

Insofern erscheinen die Planungs- und Finanzierungsüberlegungen anhand des Berichts kritisch anzuvertraulichen. Weitere detaillierte Planungen oder Fortschritt werden lediglich in der GRDrs 523/2017 erwähnt, die nicht weiter analysiert werden konnten.

Der Neubau in der Eberhardstraße 63: Von Lücken zur Innenstadtintegration

Gegenüber wird mit einem anderen Projekt, jenem an der Eberhardstraße 63, bereits Erfahrungen gemacht. An dieser Stelle entstand ein neueres Projekt auf einer Baulücke, an der ein bis dahin stehender Bestand abgerissen worden war. Da dessen Sanierung nicht wirtschaftlich gewesen wäre, ist eine Neugestaltung gewählt worden. Nach Angaben der Stadt Stuttgart entstand dort ein Gebäude mit 920 m² Nutzfläche, verteilt auf Büro-, Wohn- und Geschäftsflächen.

Zu diesem Projekt gab es 2015 ein Gutachterverfahren unter Einreichung von Projekten durch städtische Architekten, das schließlich Manuel Herz Architects Basel zum Sieger kürte. Anschließend übernahm das Büro BFK Architekten Stuttgart die Planung, wobei besonders hervorzuheben ist, wie die Architektur mit der unmittelbaren Umgebung – dem Tagblattturm und den Eberhardhöfen – kombiniert und durch eine moderne Keramikfassade abgeschlossen wird.

Die gesamte Baukosten lagen bei knapp 6,453 Millionen Euro und die Bauphase war für den Zeitraum zwischen September 2015 und Mai 2020 vorgesehen. Bis heute wird in der Quelle genannt, dass das Projekt beendet wurde – was den geplanten Zeitrahmen nahezu einhält. Aufgrund des konkreten Zeitplans, der Kostenangaben und der städtischen Planungsideen wäre anzunehmen, dass die Verwaltungsplanung an diesem Projekt etwas straffer durchgeführt wurde, was jedoch nicht weiter belegt werden konnte.

Komplex 1 bis 5: Die Entwicklung des Projekts „Central One“

Zurzeit besonders breite öffentliche Diskussionen thematisieren die Entwicklungen um das Gebäudegebiet von Eberhardstraße 1–5. Nach Medienberichten und der Äußerung von Investorsprechern von Hines Immobilien wurde im Jahr 2025 angekündigt, dass der vordere Bereich vollständig abgerissen werde. Der Grund soll in der mangelnden Erhaltsrelevanz oder Sanierbarkeit bestehen, die durch eine Bestandsuntersuchung belegt worden seien. Lediglich eine bestehende Fußgängerunterführung bleibt bestehen. Als Projekt für das spätere Neubaugebiet wird „Central One“ bezeichnet, mit einer vorgesehenen Umsetzung bis 2028.

Beim Projekt handelt es sich nach Ansicht der Projektleitungen um eine rein geschäftliche Entscheidung zu Gunsten steigender Renditen. Nach einer Darstellung in der Stuttgarter Zeitung von Anfang 2025 könnte das Projekt sogar Teil einer „Core-Plus“-Investition sein. Dass also denkbar schlechte Gebäudebedingungen nicht das erste Argument sind, sondern vielmehr Investoren nach maximalem Profit streben. Dies wird von der Wählergruppe linkes.Ost in einem Antrag thematisiert, der aktuell im Gemeinderat zur Diskussion ist.

Insofern zeigt sich bei allen Projekten ein durchgängiges Bild, das den Komplex der Eberhardstraße aus verschiedenen Blickwinkeln abbildet: zwischen Notwendigkeit der Sanierung, Anforderungen an Wohn- und Büroflächen, Investitionsstrategien und nicht zuletzt sozio-städtebaulichen und infrastrukturellen Herausforderungen. Für Politik und Projektträger bedeutet dies, den Stadtraum nicht nur planerisch zu überdenken, sondern auch die kritischen öffentlichen Diskussionen und Einwände, wie sie in dem Antrag von linkes.Ost formuliert wurden, aktiv anzunehmen und zu beantworten.

Soziale und infrastrukturelle Herausforderungen

In der öffentlichen Debatte – gerade auch im Zusammenhang mit dem Projekt „Central One“ – wird stärker auf mögliche Verkehrs- und Zugangseinschränkungen hingewiesen. Besonders die U-Bahn-Haltestelle Rathaus darf nicht völlig isoliert werden – ein barrierefreier Zugang von der Eberhardstraße aus müsse während der Bauarbeiten gewährleistet werden. Gleiches gilt für die Hauptradroute 1 auf der Eberhardstraße, die in den Antragstellern’s Ansicht nicht beeinträchtigt werden darf. Besonders deutlich wird dies im Hinblick auf die planungstechnisch nahe anstehende Durchführung des Christopher-Street-Days (CSD), der in jährlichen Zyklen durch die Eberhardstraße führt.

Der projektbegründende Investor hingegen, Hines Immobilien, betont, dass der Bestand – obwohl im Jahr des Baus aus 1978–1985 errichtet – aus den Ergebnissen der Bebauungsentwicklung als nicht mehr sinnvoll erhaltenswert gelte. Man sei jedoch bemüht, die Planung öffentlich zu diskutieren und etwaige Verbesserungsvorschläge einzubinden.

Immer wieder wird auch der Vergleich hergestellt mit ähnlichen Planungsvorhaben – allen voran dem Wettbewerb zur B14. Es bleibt offen, ob das Projekt „Central One“ dort mit einstimmig anerkannten städtebaulichen Grundsätzen übereinstimmt.

Zu den Stärken der Eberhardstraße gehören offensichtlich ihre zentrale Lage und ihre Integration in Stuttgart-Mitte. Die Kombination aus Büro-, Wohn- und Handelsflächen schafft so gut wie überall Chancen, die sich in der Innenstadt der Metropolen auswirken können. Gleichzeitig bleiben die Herausforderungen: eine Balance zwischen städtischem Nutzen und privaten Ertragsinteressen zu finden, die nicht selten in Konflikt geraten.

Das Amt für Stadtplanung und Wohnen als zentrales Akteur

In der Planung und Durchsetzung städtebaulicher Vorhaben und Vorgaben spielt das Amt für Stadtplanung und Wohnen eine zentrale Rolle. In seiner offiziellen Beschreibung an der Eberhardstraße 10 ist die Verwaltungseinheit als Anlaufstelle für städtische Planungslösungen, Sanierungsverfahren und Wohnbauentwicklung beschrieben. Das Amt ist hier zuständig für Bebauungsplanverfahren, Änderungen des Flächennutzungsplans, städtebauliche Rahmenpläne, Grünordnungspläne, Planfeststellungsverfahren, aber auch für die Auskunft im Bereich Denkmalschutz.

Es entsteht damit der Eindruck, dass die Planung in Stuttgart nicht zuletzt durch das Amt strukturiert und kontrolliert wird. Eine große Kompetenz in dieser Hinsicht ist es, in den fünf Planungsbereichen von Mitte, Nord, Neckar, Filder und Rosenstein Bebauungsplanverfahren an 20 Stellen pro Jahr abzusolvieren. Dies ist keine geringe Arbeit und betont, wie vielschichtig die städtischen Planungen sind. Gleichzeitig ist eine ständige Verbindung zum Bürgerbedarf erforderlich, denn in jedem Planungsschritt ist die Öffentlichkeitsbeteiligung ein wesentlicher Bestandteil der Planungsmethodik.

Dass die Eberhardstraße so weitreichende Veränderungen erfährt, wird nicht zuletzt durch die Arbeit des Amtes für Stadtplanung und Wohnen ermöglicht. Zudem ist es auch ein Indikator für die aktuelle Planungsdynamik in Stuttgart.

Zusammenhang zwischen den Projekten

Die drei Projekte an der Eberhardstraße – die Sanierungen an B4 (39), die Erneuerung des Eberhardstraßen-Bereichs 63 und die Neuentwicklung in der Eberhardstraße 1 bis 5 – zeigen deutlich das breite Spannungsfeld, in dem sich Stadtplanung und Investorenmechanismen bewegen. Auf der einen Seite stehen wirtschaftliche Interessen, auf der anderen soziale, kulturelle und rechtliche Anforderungen an die Planung.

Auffällig ist insbesondere, dass bei allen Projekten mehr oder weniger ein Abriss und/oder Neubau geplant oder durchgeführt wird. Die Abbruchentscheidung an der B4 ist aber noch nicht vollzogen, während sie an den Häusern 1–5 explizit vorgenommen werden soll. Für die Eberhardstraße 63 hingegen ist die Neunutzung nach Sanierung bereits abgeschlossen.

Die Kombination dieser Projekte belegt einen tiefgreifenden und stetig andauernden Wandel in der Innenstadtplanung Stuttgarts. Es wirkt wie ein Prozess, in dem die Eberhardstraße als ein zentraler Akteur betrachtet wird, der sich gleichzeitig als Zeuge und Teilnehmer großer städtischer Veränderungen er-weist.

Das zukünftige Bild der Eberhardstraße

Zukünftig wird sich die Eberhardstraße als Teil einer modernisierten Stuttgarter Innenstadt präsentieren. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten an B4, der Fertigstellung des Neubaus an 63 und der Entwicklung der 1–5-Stelle wird das Bild der Straße ein neues, möglicherweise lebendigeres und vielseitigeres Profil bekommen. Obwohl diese Pläne auf wirtschaftlichen Interessen beruhend, ist es wichtig, dass eine konkrete Berücksichtigung sozialer und kulturbasierter Aspekte einhergeht.

Für Bewohner und Nutzer der Straße wirkt der Wandel nicht immer einfach. Gerade die Dauerbaustellen und die begrenzte Zugänglichkeit bestimmter Stellen – wie die U-Bahn-Haltestelle Rathaus – wirken sich mehrfach in ihrer alltäglichen Mobilität aus. Eine transparente, offene Planung, die auch den öffentlichen Diskurs aufnimmt, ist dazu erforderlich. Gleichzeitig müssen auch sozioökonomische Aspekte wie soziale Integration, Barrierefreiheit und Verkehrsanbindung aufgenommen werden.

Fazit

Die Sanierung und Umgestaltung der Eberhardstraße reflektiert die gesamtstädtischen Entwicklungen im Bereich Sanierung, Erneuerung und Neubau in Stuttgart. In einem zentralen Ort wie der Eberhardstraße werden nicht nur materielle Interessen vertreten, sondern auch gesamtstädtische Impulse für die Zukunft formuliert. Das Bild, das sich hier eröffnet, ist nicht nur ein Abbild von wirtschaftlichen Aktivitäten – es ist ein Indikator dafür, wie Städte sich wandeln, neue Funktionen entwickeln und wie sie in einem sich verändernden urbanen Raum zurechtfinden.

Quellen

  1. Antrag 150/2022-220506 zum Sachstand Sanierung Schwabenzentrum B4 Eberhardstraße 39
  2. Stuttgart-Mitte – Neubau in der Eberhardstraße 63
  3. Neubau an der Eberhardstraße 63 – Wohn- und Geschäftshaus
  4. Anschrift & Erreichbarkeit – Amt für Stadtplanung und Wohnen
  5. Schwabenzentrum City-Wandel: Dauerbaustellen
  6. Bauvorhaben Schwabenzentrum in der Eberhardstraße – im Ausschuss vorgestellt
  7. Schwabenzentrum: Dauerbaustelle mit Neubau

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