Die Sanierung des Ebertaler Wohngebiets am Steinsgraben: Fokus auf Nordseite und zukunftsorientierte Entwicklung

Einleitung

Die Sanierung des Ebertaler Wohngebiets in Göttingen, insbesondere an der Nordseite des Steinsgrabens, ist eines der größten und bedeutendsten Bauprojekte in der Region. Das Wohnviertel "Grüne Mitte Ebertal", das sich zwischen Steinsgraben, Wörthstraße und Görlitzer Straße erstreckt, ist seit 2019 Gegenstand einer umfassenden Sanierung, die bis voraussichtlich 2030 andauern wird. Ziel ist es, das Quartier auf moderne Standards zu bringen, soziale Strukturen zu stärken und die Lebensqualität der Bewohner*innen nachhaltig zu verbessern.

Im Rahmen der Sanierung werden sowohl Neubauten als auch Sanierungsarbeiten an bestehenden Häusern durchgeführt. Besonders an der Nordseite des Steinsgrabens bleibt der größte Teil des Bestands erhalten und wird saniert. Die Wohnungen dort wurden in den 1960er Jahren aus Hinse-Steinen gebaut und weisen eine gute Bausubstanz auf. Die Mieter*innen müssen nicht ausziehen, was im Gegensatz zu der Südseite steht, wo überwiegend Abriss und Neubau stattfinden.

Der Artikel beleuchtet die Hintergründe des Projekts, die konkreten Maßnahmen an der Nordseite des Steinsgrabens, den Stand der Bauarbeiten, die Auswirkungen auf die Bewohner*innen sowie die finanziellen und sozialen Aspekte der Sanierung.

Historischer Hintergrund und Projektziele

Die "Grüne Mitte Ebertal" war ursprünglich in den späten 1960er Jahren als Teil der städtischen Wohnungsbaupolitik errichtet worden. Die damals gebauten Häuser, insbesondere an der Südseite des Steinsgrabens, weisen jedoch Nachteile auf, wie geringen Schallschutz und schlechte Wärmedämmung. Diese Faktoren machten eine umfassende Sanierung notwendig. An der Nordseite hingegen, wo die Häuser aus Hinse-Steinen bestehen, ist die Bausubstanz robuster und erlaubt eine Sanierung im Bestand.

Die Sanierung wird in mehreren Abschnitten durchgeführt, wobei der Fokus auf soziale und städtebauliche Verbesserungen liegt. Ziel ist es, 150 zusätzliche Wohneinheiten in den nächsten zehn Jahren zu schaffen, die Infrastruktur zu verbessern und das Quartier für künftige Herausforderungen fit zu machen. Die Sanierung ist außerdem Teil des Städtebauförderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ (früher „Soziale Stadt“), das im Baugesetzbuch verankert ist und den sozialen Zusammenhalt sowie die Aufwertung des öffentlichen Raums fördert.

Die Nordseite des Steinsgrabens: Sanierung im Bestand

Im Gegensatz zur Südseite, wo fast ausschließlich Neubau und Abriss stattfinden, wird an der Nordseite des Steinsgrabens der Bestand weitgehend erhalten und saniert. Die hier befindlichen Häuser bestehen aus Hinse-Steinen, die in den 1960er Jahren entwickelt wurden. Diese Baustoffe weisen im Vergleich zu anderen Materialien damals eine bessere Haltbarkeit auf und ermöglichen eine wirtschaftlichere Sanierung im Bestand.

Die Sanierungsarbeiten an der Nordseite beinhalten energetische Modernisierungen, wie die Verbesserung der Dämmung, den Austausch der Fenster und die Optimierung der Heizungstechnik. Gleichzeitig werden die Wohnungen barrierefrei umgestaltet, um die Lebensqualität für ältere Bewohner*innen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu verbessern.

Ein weiteres Ziel ist die Erhaltung des sozialen Gefüges im Quartier. Da die Mieterinnen nicht umziehen müssen, bleibt das soziale Umfeld weitgehend stabil. Zudem wird darauf geachtet, dass auch nach der Sanierung die Mietkosten für die Bewohnerinnen erschwinglich bleiben.

Die Südseite des Steinsgrabens: Abriss und Neubau

Im Gegensatz zur Nordseite wird an der Südseite des Steinsgrabens fast der gesamte Bestand abgerissen und durch moderne Neubauten ersetzt. Die hier befindlichen Häuser, die in den 1960er Jahren errichtet wurden, bestehen aus einem Baustein, der damals modern war, aber heute aufgrund von Nachteilen wie geringer Wärmedämmung und schlechtem Schallschutz nicht mehr den heutigen Standards entspricht.

Die Sanierung an der Südseite ist in mehreren Bauabschnitten geplant. Der erste Neubau begann im April 2019 mit einem Gebäude an der Wörthstraße 7, gefolgt von weiteren Abschnitten. Der dritte Bauabschnitt, an der Margrit-Göbel-Weg und Luise-Stegen-Weg, feierte im Jahr 2024 das Richtfest und ist für Ende 2024 vorgesehen. Insgesamt sind bis 2024 etwa 104 neue Wohnungen geplant, die barrierefrei gestaltet und mit Balkonen oder Gärten ausgestattet sind.

Die Mieterinnen, die aus den abgerissenen Häusern ausziehen müssen, erhalten vorher Ersatzwohnungen, die in der Regel öffentlich gefördert sind und eine Kaltmiete von etwa 6,10 € oder 7,50 € pro Quadratmeter haben. Dieser Ansatz gewährleistet, dass die Mieterinnen nicht verdrängt werden und soziale Kontinuität im Quartier erhalten bleibt.

Infrastruktur, Öffentliches und Lebensqualität

Ein zentrales Ziel der Sanierung ist es, die Lebensqualität im Quartier nachhaltig zu verbessern. Neben den baulichen Maßnahmen wird auch die Infrastruktur umgestaltet. So entstehen neue Wege, Grünflächen und Quartiersplätze. Ein solcher Quartiersplatz soll direkt am Steinsgraben entstehen, ausgestattet mit Bänken, Bäumen und anderen Elementen, die das Zusammenleben der Bewohner*innen fördern.

Außerdem werden Tiefgaragen in den Neubauten errichtet, um den Stellplatzbedarf zu sichern. Die bestehenden Stellplätze im Lönsweg werden neu gestaltet, um die Fläche attraktiver zu machen und möglicherweise zusätzliche Parkplätze zu schaffen. Gleichzeitig bleibt die Busanbindung erhalten und es wird eine bessere Infrastruktur für Fahrradfahrer*innen geschaffen, einschließlich von Fahrradabstellanlagen und geplanten Carsharing-Angeboten.

Ein weiterer Aspekt ist die klimafreundliche Gestaltung des Quartiers. Die neuen Gebäude sind energetisch optimiert, Photovoltaik-Anlagen werden auf den Dächern installiert, und die Versiegelung der Flächen wird minimiert. Die Grünflächen werden zudem an die klimatischen Veränderungen angepasst, um die klimatische Resilienz des Quartiers zu stärken.

Soziale Strukturen und Integration

Die Sanierung der „Grünen Mitte Ebertal“ ist nicht nur ein bauliches Projekt, sondern auch ein soziales. Mit dem Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ wird angestrebt, den sozialen Zusammenhalt im Quartier zu fördern und soziale Spannungen abzubauen. Es gibt Hinweise darauf, dass im Quartier zunehmend soziale Isolation, Engpässe in der Kinderbetreuung und Arbeitslosigkeit spürbar werden. Gleichzeitig wird ein starker Druck durch die bevorstehende Nachverdichtung um 150 Wohneinheiten und weitere 1.150 Wohneinheiten im angrenzenden ehemaligen Gothaer Areal wahrgenommen. Diese Entwicklungen tragen zu Angst vor Verdrängung und Sorge vor steigenden Mietkosten bei.

Durch das Projekt sollen jedoch soziale Strukturen gestärkt und die Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen gefördert werden. So ist geplant, Kindertagesstätten, Nahversorgung und Freizeitangebote zu verbessern. Ein Quartiersbüro wurde eingerichtet, das Bewohnerinnen unterstützt und bei der Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen einbindet. Die Beteiligung der Bewohnerinnen ist ein entscheidender Bestandteil des Projekts.

Mieter*innen und Beteiligung

Die Beteiligung der Bewohnerinnen ist ein zentrales Element der Sanierung. So wurde bereits zu Beginn des Projekts ein Mieterbüro eingerichtet, das regelmäßig geöffnet ist und die Bewohnerinnen bei Fragen und Anliegen unterstützt. Die Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbau GmbH, Claudia Leuner-Haverich, betont, dass es bereits mit nahezu allen Mieterninnen Gespräche gegeben hat, um individuelle Wohnwünsche zu berücksichtigen. So möchten einige ältere Mieterinnen in eine kleinere Wohnung ziehen, was berücksichtigt wird.

Die Beteiligung der Mieterinnen ist besonders wichtig, da das Projekt nicht nur bauliche, sondern auch soziale Veränderungen mit sich bringt. Die Bewohnerinnen sollen in den Prozess eingebunden werden, um ihre Bedürfnisse und Sorgen in die Planung einzubringen. Dies ist auch im Integrierten Entwicklungskonzept verankert, das 2021 aktualisiert wurde.

Finanzierung und Investitionen

Die Sanierung der „Grünen Mitte Ebertal“ ist ein Projekt mit hohem finanziellen Aufwand. Bis Ende 2024 sind insgesamt 37 Millionen Euro Investitionen geplant, die sich auf 104 neue Wohnungen und 68 abgerissene Wohneinheiten verteilen. Die Finanzierung erfolgt zum Teil durch öffentliche Fördermittel im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Sozialer Zusammenhalt“. Diese Förderung ermöglicht es, Ersatzwohnungen mit niedrigen Mietkosten anzubieten, wodurch soziale Kontinuität im Quartier gesichert bleibt.

Zudem investiert die Städtische Wohnungsbau GmbH in moderne Baustoffe und energieeffiziente Technologien. So werden die Neubauten energieoptimiert gebaut und Photovoltaikanlagen installiert. Die Anbindung an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Göttingen trägt zudem zur Klimaschutzstrategie der Stadt bei.

Bauzeit und aktueller Stand

Die Sanierung des Wohngebiets „Grüne Mitte Ebertal“ ist in mehreren Abschnitten geplant und wird bis voraussichtlich 2030 andauern. Der erste Neubau begann im April 2019 mit dem Spatenstich an der Wörthstraße 7. Die Fertigstellung des ersten Abschnitts war 2020 geplant, und die ersten 60 Wohnungen konnten bezogen werden. Der zweite Bauabschnitt folgte, und auch hier wurden bereits Wohnungen fertiggestellt und bezogen.

Der dritte Bauabschnitt, an der Margrit-Göbel-Weg und Luise-Stegen-Weg, feierte im Jahr 2024 das Richtfest. Die Fertigstellung der drei Gebäude dort ist für Ende 2024 geplant. Insgesamt wurden bis 2024 bereits 84 Wohnungen modernisiert und 104 neue Wohnungen gebaut. Die Bauarbeiten verlaufen nach Plan, und die Investitionen fließen entsprechend der ursprünglichen Planung.

Fazit

Die Sanierung des Wohngebiets „Grüne Mitte Ebertal“ an der Nord- und Südseite des Steinsgrabens ist ein umfassendes Projekt, das nicht nur bauliche, sondern auch soziale und ökologische Ziele verfolgt. An der Nordseite des Steinsgrabens wird der Bestand saniert und bleibt für die Mieter*innen erhalten, während an der Südseite überwiegend Neubau und Abriss stattfinden. Die Investitionen betragen bis Ende 2024 insgesamt 37 Millionen Euro, und die Sanierung wird bis 2030 andauern.

Das Projekt ist ein zentraler Baustein der städtischen Wohnraumpolitik und trägt dazu bei, das Quartier für die Zukunft fit zu machen. Durch die Kombination aus Sanierung, Neubau und sozialer Integration wird die Lebensqualität der Bewohner*innen nachhaltig verbessert. Gleichzeitig wird die Klimafreundlichkeit des Quartiers gestärkt, und der soziale Zusammenhalt wird gefördert.

Die „Grüne Mitte Ebertal“ ist nicht nur ein Modellprojekt für Göttingen, sondern auch für andere Städte in Deutschland, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Mit der Sanierung wird ein Wegweiser für nachhaltige Quartiersentwicklung geboten, der auf soziale, ökologische und bauliche Aspekte gleichermaßen achtet.

Quellen

  1. Städtische Wohnungsbau GmbH Göttingen – Grüne Mitte Ebertal
  2. Göttinger Tageblatt – Ein Stadtviertel wird saniert: Start für ersten Neubau im Ebertal
  3. Städtische Wohnungsbau GmbH Göttingen – Richtfest dritter Neubau in der Grünen Mitte Ebertal
  4. Stadtradio Göttingen – Dritter Neubau im Wohngebiet „Grüne Mitte Ebertal“ feiert Richtfest
  5. Stadt Göttingen – Über das Sanierungsgebiet
  6. hna.de – Grüne Mitte Ebertal: Dritter Bauabschnitt des Mega-Bauprojektes in Göttingen entsteht
  7. Baugeschäft Ziegenhorn – Projekte Grüne Mitte 2. & 3. BA Ebertal

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