Sanierung der Braunauer Eisenbahnbrücke in München – Chancen, Hürden und Planungen

Einleitung

Die Braunauer Eisenbahnbrücke in München ist ein historisches Bauwerk mit wechselvoller Geschichte. Errichtet im Jahr 1871, dient sie bis heute dem Eisenbahnverkehr auf der Strecke München-Rosenheim. Der südliche Teil der Brücke, der seit über 40 Jahren stillgelegt ist, bietet jedoch ein großes Potenzial für eine Sanierung, um sie für den Rad- und Fußverkehr nutzbar zu machen. In den letzten Jahren entstanden mehrere Initiativen, Stadtratsanträge und Projektpläne, die darauf abzielen, diese Verbindung zwischen Untergiesing, der Isarvorstadt und Sendling zu schaffen.

Dieser Artikel beleuchtet die historischen Hintergründe, aktuelle Planungen, rechtliche und technische Herausforderungen sowie die finanzielle und politische Unterstützung, die für die Sanierung der Braunauer Eisenbahnbrücke anstehen. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über das Projekt zu geben, der für Bauinteressierte, Architekten, Planer und politische Entscheidungsträger gleichermaßen relevant ist.

Historische Entwicklung der Braunauer Eisenbahnbrücke

Ursprung und ursprüngliche Funktion

Die Braunauer Eisenbahnbrücke wurde 1871 errichtet und diente als wichtige Verbindung im damaligen europäischen Eisenbahnnetz. Laut einem Bericht ist sie Teil der Strecke, die von München über Markt Schwaben, Dorfen, Mühldorf und Simbach nach Österreich führt. Der österreichische Grenzort ist Braunau am Inn, weshalb die Brücke ihren Namen erhielt. Sie war Teil einer der bedeutendsten Eisenbahnverbindungen Europas und soll sogar von historischen Zügen wie dem Orient-Express genutzt worden sein.

Die Brücke überquert die Isar und verbindet den Hauptbahnhof mit dem Ostbahnhof Münchens. Die aktuelle Tragstruktur ist eine Balkenbrücke mit Vollwand-Durchlaufträgern, die 1958 errichtet wurde. Damals war die alte Brücke nicht mehr tragfähig genug, sodass sie ersetzt werden musste. Ein Teil der ursprünglichen Fachwerkkonstruktion wurde in den Pfeilern erhalten und für ein Rangiergleis weitergenutzt.

Stilllegung und Nutzung als Baudenkmal

Seit 1981 ist ein Teil der Brücke, insbesondere das nördliche Gleis, nicht mehr in Betrieb. Der Brückenträger dieses Abschnitts ist stark korrodiert, weshalb er nicht für den Bahnverkehr mehr genutzt werden kann. Dieser Abschnitt wurde 2017 als geschütztes Baudenkmal eingetragen, was die Sanierung für andere Nutzungen wie den Fuß- und Radverkehr komplexer gestaltet.

Die Brücke wurde ursprünglich nicht als Bahndamm errichtet, da sich die bayerische Bevölkerung gegen die Zerschneidung der Stadtteile durch einen Damm wehrte. Stattdessen entstand eine Brücke, die die Isar überquert. Dieser historische Hintergrund zeigt, dass die Brücke nicht nur eine technische Funktion hat, sondern auch eine kulturelle und architektonische Bedeutung trägt.

Aktuelle Planungen und Projekte

Ziel der Sanierung: Eine Verbindung für Radfahrer und Fußgänger

Die zentrale Idee hinter der Sanierung ist die Schaffung einer sicheren, kreuzungsfreien und barrierefreien Verbindung über die Isar. Der Stadtrat der SPD hat beantragt, den nicht genutzten Teil der Brücke bereits ab 2024 für den Rad- und Fußverkehr zu öffnen. Ziel ist es, eine Verbindung von Giesing über die Poccistraße und die Theresienhöhe in den Westpark zu schaffen. Diese Route würde den Verkehrslauf im Westen Münchens entlasten und gleichzeitig eine attraktive, grüne Verbindung bieten.

Die Sanierung ist als Lückenschluss konzipiert, der eine „Umweltverbundbrücke“ zwischen dem Osten und Westen der Stadt schafft. Das Projekt wird in zwei Gleisen der Deutschen Bahn liegen, wobei das nördliche Gleis für den Fuß- und Radverkehr genutzt werden soll. Die Planung berücksichtigt auch den barrierefreien Zugang mit Kinderwagen und Rollstühlen, was einen inklusiven Zugang sichert.

Initiativen und Projekte

Isarlust e.V. und die provisorische Nutzung

Der Verein Isarlust e.V. hat in den vergangenen Jahren mehrfach Projekte angestoßen, um die Brücke für Fußgänger zu öffnen. 2023 plante der Verein, auf dem stillgelegten Gleis provisorische Treppenhäuser zu errichten, um die Brücke über die Isar für Fußgänger nutzbar zu machen. Dieses Projekt wurde jedoch durch die fehlende Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes (EBA) verzögert.

Im Jahr 2024 soll ein Provisorium mit Unterstützung von Partnern wie der BayWa-Gruppe und der Stadtsparkasse realisiert werden. Dieses Provisorium wird in öffentlich-rechtliche Verwaltung übernommen und könnte ab dem nächsten Jahr in Betrieb gehen. Laut Benjamin David, Initiator des Projekts, ist die Sanierung eine Chance, die Brücke nicht nur für den Verkehr, sondern auch als kulturellen Aufenthaltsraum zu nutzen.

Nutzung als kulturelle Querung

Ein weiteres Konzept von Isarlust e.V. sieht die Sanierung des stillgelegten Gleises als grüne Querung mit Sitzflächen, Kiosken und Pavillons vor. Diese Idee stammt aus der Zusammenarbeit mit der Münchner Designagentur Zeichen + Wunder und dem Architekten Hannes Rössler. Die Brücke soll nicht nur eine Verbindung schaffen, sondern auch ein Ort zum Verweilen, Kulturgenuss und sozialem Miteinander werden. In die Planung sind auch Sitzflächen, Pflanzungen und zwei Pavillons für Künstler eingeflossen.

Ein „Pavillon der guten Dinge“ und mindestens ein Lebensmittelkiosk sind geplant, was die Brücke als lebendigen und vielfältigen Ort begrenzt. Die Idee ist, die Brücke nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als Teil der städtischen Kultur und Lebensqualität zu nutzen.

Technische und rechtliche Herausforderungen

Zuständigkeit und Genehmigungen

Die Sanierung der Braunauer Eisenbahnbrücke unterliegt mehreren rechtlichen und institutionellen Hürden. Die Deutsche Bahn AG ist Eigentümerin der Brücke, was bedeutet, dass sie eine zentrale Rolle bei der Planung und Durchführung der Sanierung spielt. Zudem ist das Eisenbahnbundesamt (EBA) für die notwendigen Genehmigungen verantwortlich.

Laut dem SPD-Verkehrsexperten Nikolaus Gradl liegen bereits fast alle Genehmigungen vor, außer jener des EBA. Dieser Schritt ist entscheidend, da das EBA die Sicherheit und den Verkehrsspielraum auf der Brücke beurteilt. Ohne die Zustimmung des EBA kann die Brücke nicht für den Fuß- und Radverkehr geöffnet werden.

Tragfähigkeit und Sanierung

Ein weiteres technisches Problem ist die Tragfähigkeit des stillgelegten Gleises. Der Brückenträger ist stark korrodiert, was eine Sanierung erforderlich macht. Laut den Planungen wird die Brücke mit geringem Aufwand und niedrigem Ressourcenbedarf saniert, um eine Überquerung für Fußgänger und Radfahrer zu ermöglichen. Dies ist besonders wichtig, da die Brücke für ca. 85.000 Anwohner:innen in vier Stadtbezirken eine bedeutende Verbindung darstellen könnte.

Rechtliche Unklarheit und Verantwortung

Die Rechtslage ist nicht vollständig geklärt, da es sich um den ersten Versuch einer privaten Initiative handelt, eine Bahnbrücke in München zu verändern. Viele Parteien haben ein Mitspracherecht, was die Planung komplexer gestaltet. Laut Benjamin David ist die Rechtslage „ein bisschen kompliziert“, da noch Fragen wie „Wer saniert?“ und „Wer haftet?“ offen sind.

Finanzierung und Partnerschaften

Unterstützung durch regionale Unternehmen

Ein zentraler Erfolgsfaktor für das Projekt ist die Unterstützung durch regionale Partner. Die BayWa-Gruppe, eine führende Baumaschinen- und Baustofffirma, unterstützt das Projekt finanziell und stellt Materialien bereit. Dies ist insbesondere im Zuge ihres 100-jährigen Jubiläums geschehen. Zudem wird die Stadtsparkasse ein Provisorium finanzieren, das 2024 eröffnet werden soll.

Diese Partnerschaften sind entscheidend für die Realisierung des Projekts, da sie die notwendigen Ressourcen bereitstellen und politischen Druck ausüben können, um die Genehmigungen zu beschleunigen.

Öffentliche und politische Unterstützung

Neben den privaten Partnern gibt es auch breite Unterstützung aus politischen Kreisen. Der Stadtrat der SPD hat einen Antrag gestellt, um die Sanierung voranzutreiben. Laut dem Antrag soll das Mobilitätsreferat und das Baureferat den nicht genutzten Teil der Brücke ab 2024 für den Rad- und Fußverkehr öffnen.

Zudem ist das Projekt als Priorität für die SPD-Fraktion angesetzt, was zeigt, dass politische Unterstützung vorhanden ist. In der Zukunft könnte diese Unterstützung auch in die langfristige Sanierung münden, sodass die Brücke nicht nur als Provisorium, sondern als dauerhafte Verbindung genutzt werden kann.

Auswirkungen auf die Region

Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur

Die Sanierung der Braunauer Eisenbahnbrücke würde die Verkehrsinfrastruktur in München deutlich verbessern. Sie schafft eine direkte, kreuzungsfreie Verbindung über die Isar, was den Verkehr in den angrenzenden Stadtteilen entlastet. Insbesondere in der Isarvorstadt und im Dreimühlenviertel, wo der Fuß- und Radverkehr stark genutzt wird, wäre dies ein erheblicher Gewinn.

Zudem würde die Brücke die Anbindung des neuen Stadtteils an der Thalkirchner Straße verbessern. Dieser Stadtteil wird künftig durch die U1 am Candidplatz, den öffentlichen Nahverkehr in Untergiesing und die Verbindung der Braunauer Eisenbahnbrücke angebunden. Diese Entwicklung unterstreicht die strategische Bedeutung der Brücke für die städtische Mobilität.

Kulturelle und soziale Bedeutung

Neben der reinen Verkehrsverbesserung hat die Brücke auch kulturelle und soziale Bedeutung. Sie bietet die Möglichkeit, einen öffentlichen, grünen Raum zu schaffen, der sowohl für den Verkehr als auch für soziale und kulturelle Aktivitäten genutzt werden kann. Die Idee, die Brücke mit Sitzflächen, Pavillons und Kiosken auszustatten, ist ein Schritt in diese Richtung.

Laut Benjamin David ist die Sanierung nicht nur ein Bauvorhaben, sondern auch eine Chance, die Stadtteile zusammenzubringen und neue soziale Räume zu schaffen. Die Brücke könnte ein Symbol für Integration, Nachhaltigkeit und kulturellen Austausch werden.

Fazit

Die Sanierung der Braunauer Eisenbahnbrücke in München ist ein komplexes, aber vielversprechendes Projekt. Es vereint historische Werte, moderne Planung und politische Unterstützung. Die Brücke, die seit über 40 Jahren stillgelegt ist, könnte bald als Verbindung für Radfahrer und Fußgänger genutzt werden, was eine bedeutende Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in München darstellt.

Die technischen und rechtlichen Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen, doch die vorhandenen Genehmigungen und die Unterstützung durch Stadtratsanträge, private Partner und kulturelle Initiativen zeigen, dass das Projekt auf einem guten Weg ist. Mit der Realisierung eines Provisoriums ab 2024 und der langfristigen Vision einer dauerhaften Nutzung der Brücke als grüne Querung für Fußgänger und Radfahrer wird die Sanierung der Braunauer Eisenbahnbrücke nicht nur eine Verbindung schaffen, sondern auch eine kulturelle und soziale Bereicherung der Stadt darstellen.

Die Erfahrungen aus diesem Projekt könnten zudem als Vorbild für andere Städte dienen, die ebenfalls nach Lösungen suchen, um stillgelegte Brücken oder Gleise in ihre Stadtinfrastruktur zu integrieren. Die Sanierung der Braunauer Eisenbahnbrücke ist somit nicht nur ein lokales Vorhaben, sondern auch ein Modell für nachhaltige Stadtplanung in der Zukunft.

Quellen

  1. Süddeutsche Zeitung – Braunauer Eisenbahnbrücke
  2. Wochenanzeiger – Münchner Stadtrat
  3. Garten & Landschaft – Sanierungspläne
  4. MucBook – Ben David und die Sanierung
  5. SPD Rathaus München – Antrag
  6. Abendzeitung München – Wird die Brücke eine Fußgängerbrücke?
  7. Innovationsbüro München – Die grüne Brücke

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