Einführung
Der Eisweiher in Rheinfelden, ein Vereinsgewässer des Angel- und Sportvereins (ASV) Rheinfelden, war über viele Jahre hinweg in einen Zustand geraten, der eine Renaturierung notwendig machte. Schlammablagerungen, Algenbewuchs und eine Verwilderung der Uferbereiche führten dazu, dass das Gewässer nicht mehr als allgemein befischbarer Platz genutzt werden konnte. Eine umfassende Sanierung war somit unumgänglich, um das Gewässer wieder in einen lebenswerten Zustand zu bringen und den Vereinsmitgliedern eine ordentliche Fischerei zu ermöglichen.
Die Sanierung, die im Jahr 2014 durchgeführt wurde, war das Ergebnis einer über zweijährigen Planungsphase. Sie markiert nicht nur einen Meilenstein in der Geschichte des ASV Rheinfelden, sondern bietet auch wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Kostenkontrolle einer solchen Renaturierung. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die Planung, die technischen Aspekte und die organisatorischen Maßnahmen, die zum Erfolg beitrugen.
Das Projekt „Entschlammung Eisweiher“
Hintergrund und Ausgangssituation
Der Eisweiher wurde bereits im Jahr 1952 vom ASV Rheinfelden angepachtet und seither als Vereinsgewässer betreut. Mit einer Fläche von etwa 0,5 Hektar und einer durchschnittlichen Tiefe von 1,5 Metern ist das Gewässer relativ klein, aber dennoch in der Lage, eine Vielzahl an Fischarten zu beherbergen. Der Fischbestand setzt sich hauptsächlich aus Karpfen, Rotaugen, Rotfedern und Schleien zusammen, ergänzt durch Räuber wie Zander, Barsch und Forellen.
Trotz der guter Verkehrsanbindung und der natürlichen Schönheit des Gewässers war es in den Jahren vor der Sanierung nicht mehr möglich, das Eisweiher allgemein für die Fischerei zu öffnen. Die Hauptursache hierfür war die massive Schlammansammlung, die sich über die Jahre angesammelt hatte. Messungen ergaben, dass die Schlammdicke zwischen 60 und 65 cm betrug, was in Kombination mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von maximal 2 m die Befischbarkeit stark eingeschränkte.
Zielsetzung der Sanierung
Die Renaturierung des Eisweihers hatte das Ziel, das Gewässer wieder für Vereinsmitglieder als Fischwasser zugänglich zu machen. Dazu war eine umfassende Entschlammung erforderlich, da Schlamm und Algenbewuchs die Zugänglichkeit und Befischbarkeit stark behinderten.
Eine traditionelle Entschlammung, wie sie aus früheren Zeiten bekannt war, war nicht mehr praktikabel. Früher wurde das Wasser abgelassen und der Schlamm manuell mit Schaufel und Schubkarren ausgetragen. Dieser Prozess war damals noch machbar, doch bei der heutigen Schlammdicke wäre dies nicht mehr realisierbar gewesen. Zudem war das Ablassen des schlammhaltigen Wassers in den Linsenbach, der durch das Stadtgebiet führt, aus ökologischen Gründen nicht vertretbar. Ein Ausbaggern und Entsorgen des Schlamms wäre außerdem aus Kostengründen für den Verein nicht tragbar gewesen.
Ein alternatives Vorgehen war somit erforderlich. Die Lösung fand der ASV Rheinfelden in der Anschaffung eines sogenannten Bodenschlammräumers, der von der Firma KLAWA Anlagenbau GmbH hergestellt wird. Diese Maschine ermöglichte eine effiziente und umweltverträgliche Entschlammung, ohne das Gewässer zu leeren oder Schlämme in die Umgebung abzulassen.
Technische Umsetzung: Der Bodenschlammräumer
Funktionsweise des KLAWA-Bodenschlammräumers
Der KLAWA-Bodenschlammräumer ist ein Schwimmfloß aus VA-Stahl, das von vier Schiffsschrauben an Elektromotoren angetrieben wird. Das Gerät ist mit einer Fernsteuerung ausgestattet, die es ermöglicht, den Räumer von Ufer aus zu bedienen. Das Herzstück des Geräts ist ein auf und ab beweglicher Rüssel, an dem eine hydraulisch angetriebene Schneckenwelle sitzt, die den Schlamm zum Absaugrohr befördert. Die Saugpumpe, die auf dem Floss montiert ist, saugt den Schlamm an und transportiert ihn über einen Schlammschlauch ans Ufer.
Für die Stromversorgung des Geräts war ein Kabel erforderlich, das über Schwimmbojen verlegt wurde, um die elektrische Leitung über dem Wasser zu stabilisieren. Zudem wurden 100 Meter Schlammschlauch an Schwimmbojen befestigt, um den Schlammtransport zu ermöglichen. Die Schlauchführung war eine zentrale Aufgabe der Helfer, da der Schlammausfluss kontrolliert und der Schlauch in Bewegung gehalten werden mussten.
Arbeitsablauf und Teamorganisation
Die Sanierung wurde in der Zeit vom 3. bis 13. April 2014 durchgeführt. Am 2. April standen bereits der Speditions-LKW mit dem Bodenschlammräumer und ein Autokran der Firma Zimmermann am Eisweiher, um mit der Arbeit zu beginnen. Vor der eigentlichen Sanierung fand ein Vereinsmeeting statt, an dem zahlreiche Mitglieder teilnahmen. In diesem Meeting wurde ein Ablaufplan erstellt, und die Helfer in Gruppen eingeteilt.
Die Arbeit wurde unter der Aufsicht von Dirk Bach, einem Mechaniker der Firma KLAWA, durchgeführt. Er gab eine ausführliche Einweisung in die Bedienung des Geräts. Danach übernahmen die Vereinsmitglieder die Bedienung des Bodenschlammräumers, wobei vier Personen vor Ort erforderlich waren, um die Arbeit reibungslos zu ermöglichen.
Die schwierigste Aufgabe lag beim Bediener der Fernsteuerung, der den Räumer auf Schlammtiefe und Kurs halten musste. Die anderen Helfer kümmerten sich um den Schlammschlauch und kontrollierten den Schlammausfluss. Die Arbeit wurde in mehreren Schichten durchgeführt, wobei die Arbeiten jeweils um 18 Uhr unterbrochen und am nächsten Tag wieder aufgenommen wurden.
Nach insgesamt 10 Tagen war das Projekt abgeschlossen. In dieser Zeit wurden ca. 600 Kubikmeter Schlamm in ein brach liegendes Becken des Eisweihergeländes gefüllt. Insgesamt wurden 570 Arbeitsstunden investiert, wobei das Budget von 15.000 Euro nicht überschritten wurde.
Finanzierung und Budgetierung
Die Finanzierung des Projekts erfolgte innerhalb der finanziellen Möglichkeiten des ASV Rheinfelden. Die Kosten für die Miete des KLAWA-Bodenschlammräumers, einschließlich Zubehör, lagen im Rahmen des geplanten Budgets. Eine detaillierte Kostenaufstellung war Teil der Planung, die in der Generalversammlung des Vereins im November 2013 vorgestellt und mit großer Mehrheit genehmigt wurde.
Die Kosten für die Sanierung umfassten:
- Miete des Bodenschlammräumers
- Anschaffung von Zubehör (Schlammschlauch, Kabel, Schwimmbojen)
- Personalkosten für ehrenamtliche Helfer
- Organisation und Logistik
Alle Kosten blieben innerhalb des Budgetrahmens, was als ein Erfolg des Projekts angesehen werden kann. Besonders hervorzuheben ist, dass das Projekt ausschließlich durch ehrenamtliche Unterstützung ermöglicht wurde. Ohne die Bereitschaft der Vereinsmitglieder, Zeit und Engagement zu investieren, wäre die Sanierung nicht durchführbar gewesen.
Ökologische und soziale Auswirkungen
Ökologische Vorteile
Die Sanierung des Eisweihers hatte zahlreiche ökologische Vorteile. Durch die Entschlammung wurde der Lebensraum für Fische und andere Lebewesen wiederhergestellt. Zudem wurde durch die Vermeidung von Schlämmabgüssen in den Linsenbach ein ökologischer Schutz gewährleistet. Die Schlammablagerungen in den brach liegenden Becken des Eisweihergeländes wurden genutzt, um die Schlammabfälle aufzunehmen. Dies ermöglichte eine umweltverträgliche Entsorgung, ohne zusätzliche Belastungen für das Umfeld.
Die Renaturierung führte zudem zu einer Verbesserung der Wasserqualität. Die Schlammablagerungen hatten sich über die Jahre angesammelt und führten zu einer eingeschränkten Sauerstoffversorgung im Wasser. Durch die Entfernung des Schlamms wurde der Sauerstoffgehalt wieder erhöht, was die Fischerei positiv beeinflusste.
Soziale Vorteile
Die Sanierung war nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein soziales Ereignis. Zahlreiche Vereinsmitglieder stellten ihre Zeit und Fähigkeiten zur Verfügung, um das Projekt erfolgreich zu realisieren. Dies stärkte das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Vereins und zeigte, wie ehrenamtliche Arbeit einen großen Beitrag leisten kann.
Die Freischaltung des Eisweihers für die Fischerei im September 2014 war ein weiterer sozialer Erfolg. Mit der Wiedereröffnung des Gewässers konnten die Vereinsmitglieder endlich wieder uneingeschränkt fischen. Dies war auch ein Dankeschön an alle, die sich an der Sanierung beteiligt hatten. Die Wiedereröffnung fand mit einer feierlichen Zeremonie statt, bei der die ehrenamtlichen Helfer besonders hervorgehoben wurden.
Langfristige Auswirkungen und Zukunftsperspektiven
Wiedereröffnung des Eisweihers
Nach Abschluss der Sanierung und den notwendigen Uferreinigungsarbeiten wurde der Eisweiher am 19. September 2014 für die Fischerei freigegeben. Dies war ein bedeutender Meilenstein, der nach langer Planung und harter Arbeit erreicht wurde. Die Wiedereröffnung war nicht nur ein Symbol für den Erfolg des Projekts, sondern auch ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber den ehrenamtlichen Helfern.
Die Fischereiregeln für den Eisweiher wurden aktualisiert und in der Kescher-Ausgabe von Februar 2015 veröffentlicht. Damit wurde sichergestellt, dass die Fischerei in Zukunft nachhaltig betrieben werden kann. Der Weiherwart Frank Sautter ist zuständig für die Pflege des Gewässers und freut sich über helfende Hände, die außerhalb des Fischereiveranstaltungen aktiv werden möchten.
Zukunft der Weiherpflege
Die Erfahrung, die im Rahmen der Sanierung des Eisweihers gesammelt wurde, hat dazu geführt, dass der ASV Rheinfelden auch in Zukunft flexibler in der Weiherpflege aufgestellt ist. In den Jahren nach der Sanierung wurden weitere Maßnahmen durchgeführt, um das Gewässer zu erhalten. So wurden beispielsweise zwei ungenutzte Teiche reaktiviert, um die Fischzucht und Weiherarbeiten zu optimieren.
Die Erfolge der Sanierung haben auch dazu beigetragen, dass das Gewässer in der Region als „Top Gewässer“ angesehen wird. Angler, die das Eisweiher besuchen, bewerten es als eines der besten Angelgewässer in der Region. Die am häufigsten gefangenen Fische sind Karpfen, Graskarpfen, Regenbogenforelle, Wels und Zander.
Ausblick auf zukünftige Projekte
Der Erfolg der Sanierung des Eisweihers hat gezeigt, dass auch kleine Vereinsgewässer mit begrenzten Ressourcen und ehrenamtlichen Kräften eine umfassende Renaturierung durchführen können. Diese Erfahrung kann auch für andere Vereine und Kommunen inspirierend wirken, insbesondere wenn es darum geht, vergleichbare Projekte zu planen und umzusetzen.
Zukünftige Projekte des ASV Rheinfelden könnten beispielsweise die Renaturierung weiterer Gewässer oder die Verbesserung der Infrastruktur um das Eisweiher beinhalten. Dazu zählen beispielsweise die Schaffung von neuen Angelplätzen, die Renovierung von Uferbereichen oder die Installation von zusätzlichen Sauerstoffanlagen.
Fazit
Die Sanierung des Eisweihers in Rheinfelden war ein Projekt, das auf einer langfristigen Planung, einer sorgfältigen Organisation und einer starken ehrenamtlichen Unterstützung beruhte. Die Renaturierung des Gewässers war notwendig, um die Befischbarkeit wiederherzustellen und den Lebensraum für Fische und andere Lebewesen zu schützen. Der Einsatz des KLAWA-Bodenschlammräumers ermöglichte eine effiziente und umweltverträgliche Entschlammung, ohne dass das Gewässer geleert werden musste oder Schlämme in die Umgebung abgelassen wurden.
Die Kosten des Projekts blieben innerhalb des Budgetrahmens, und die Arbeit wurde durch die ehrenamtliche Unterstützung der Vereinsmitglieder ermöglicht. Dies zeigt, dass auch kleine Vereine mit begrenzten Ressourcen große Projekte umsetzen können, wenn sie über Motivation, Engagement und Planung verfügen.
Die Wiedereröffnung des Eisweihers war ein großer Erfolg, der nicht nur die Fischerei wieder ermöglichte, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Vereins stärkte. Die Erfahrungen, die im Rahmen der Sanierung gesammelt wurden, können auch für andere Projekte und Vereine wertvoll sein. Sie zeigen, dass Renaturierungsmaßnahmen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch sozial und wirtschaftlich tragbar sein können.