Energetische Sanierung von Schulgebäuden in Erfurt: Modelle, Techniken und Finanzierung

Die energetische Sanierung von Schulgebäuden hat in den letzten Jahren sowohl aus ökologischen als auch aus ökonomischen Gründen an Bedeutung gewonnen. In Erfurt, der Landeshauptstadt Thüringens, sind mehrere Schulgebäude in den Fokus dieser Sanierungsmaßnahmen geraten. Diese Projekte verfolgen nicht nur das Ziel, die Energieeffizienz der Gebäude zu steigern, sondern auch barrierefreie Nutzung zu ermöglichen, den pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden und nachhaltige Baukunst zu betreiben.

In diesem Artikel werden konkrete Projekte aus Erfurt vorgestellt, die sich mit der energetischen Sanierung von Schulen beschäftigen. Es werden die angewandten Methoden, technische Maßnahmen, Finanzierungsmodelle sowie die geplanten oder bereits erzielten Effizienzsteigerungen erläutert. Die Informationen basieren ausschließlich auf den in der Quellenbeschreibung bereitgestellten Daten, die aus Projektdokumenten, Pressemitteilungen und Planungsvorlagen stammen.

Energetische Sanierung als zentraler Baustein für nachhaltige Schulentwicklung

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind in der heutigen Schulentwicklung nicht mehr wegzudenken. Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist ein entscheidender Schritt, um langfristige Energiekosten zu senken, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren und gleichzeitig bessere Lern- und Arbeitsbedingungen zu schaffen. In Erfurt sind mehrere Projekte in den letzten Jahren konzipiert und umgesetzt worden, die sich an diesen Prinzipien orientieren.

Ein zentrales Projekt ist die Generalsanierung der Grundschule 3 in der Muldenstraße, die als Pilotprojekt für nachhaltige Schulentwicklung und energetische Sanierung angesehen wird. Weitere Beispiele sind die Sanierung der Grundschule 22 (Riethschule) und der Grundschule 31 im Julius-Leber-Ring. Alle diese Projekte teilen das Ziel, den Energieverbrauch der Gebäude stark zu reduzieren und gleichzeitig den bautechnischen und pädagogischen Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Die Sanierung der Grundschule 3: Ein Modellprojekt für Erfurt

Die Grundschule 3 in der Muldenstraße ist ein herausragendes Beispiel für die energetische Sanierung in Erfurt. Das Gebäude wurde in den 70er Jahren in industriell vorgefertigter Plattenbauweise errichtet und war in einem baufälligen Zustand. Nach einer Generalsanierung, die 17 Millionen Euro kostete, soll es nun fast 90 Prozent weniger Energie verbrauchen.

Energetische Maßnahmen

Die energetische Sanierung umfasst eine Vielzahl von technischen und konzeptionellen Maßnahmen:

  • Wärmedämmverbundsysteme (WDVS): Die gesamte Außenfassade erhält ein Wärmedämmverbundsystem gemäß den aktuellen energetischen Anforderungen. Dies trägt erheblich zur Reduktion des Wärmeverlustes bei.
  • Photovoltaikanlage: Auf dem Dach des Bestandsgebäudes werden Photovoltaikmodule installiert, um den Eigenenergiebedarf weitgehend zu decken.
  • Gründächer: Teile der Dächer werden begrünt, was nicht nur zur Energieeffizienz beiträgt, sondern auch zur Schall- und Wärmedämmung sowie zur Biodiversität im städtischen Raum.
  • Fernwärmeanschluss: Das Gebäude wird in die regionale Fernwärmeversorgung angeschlossen, was den CO₂-Ausstoß weiter reduziert.

Barrierefreiheit und Neubau

Neben der energetischen Sanierung erfolgen auch umfangreiche Umbaumaßnahmen, um das Gebäude barrierefrei zu gestalten:

  • Fahrstuhl: Ein Personenaufzug wird im mittleren Teil des Bestandsgebäudes eingebaut, sodass alle Stockwerke barrierefrei zugänglich sind.
  • Behindertenstellplätze: Im Bereich des Haupteingangs werden barrierefreie Parkplätze eingerichtet.
  • Neubau der Aula: Ein doppelgeschossiger Neubau für die Aula entsteht, der als zentraler, vielfältig nutzbarer Raum dienen soll. Das Dach dieses Neubaus wird mit extensiver Begrünung versehen.

Finanzierung

Die Sanierung wird zu einem großen Teil durch Fördermittel finanziert. Die Stadt Erfurt hat insgesamt 4,5 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) erhalten. Dieses Geld ist Teil einer Förderperiode, die sich auf den Zeitraum 2021 bis 2027 erstreckt und von Thüringens Ministerium für Digitales und Infrastruktur initiiert wurde. Insgesamt betragen die Kosten für die energetische Sanierung ca. 7,5 Millionen Euro.

Die Gesamtkosten für die Generalsanierung des gesamten Gebäudes belaufen sich auf 17 Millionen Euro, wobei die energetische Sanierung einen erheblichen Anteil daran ausmacht.

Die Sanierung der Grundschule 22: Fassaden- und Energieoptimierung

Ein weiteres Beispiel für die energetische Sanierung in Erfurt ist die Grundschule 22 (Riethschule). Dieses Projekt ist vor allem für die optische und energetische Aufwertung der Fassade bekannt. Die Schule, erbaut in den 70er Jahren, war in einen tristen Zustand geraten. Die Sanierung sollte nicht nur den Energieverbrauch senken, sondern auch den pädagogischen und ästhetischen Anforderungen gerecht werden.

Energetische und ästhetische Maßnahmen

  • Fensterflächen und Fassadenfarben: Die Fensterflächen wurden optisch zusammengefasst und mit farbigen Akzenten versehen, um die visuelle Einteilung des ursprünglichen Zustands aufzulösen. Die Farben tragen zur Erhöhung des Wohlfühlfaktors bei und verbessern das Lichteinfallverhalten.
  • Modernisierung der Gebäudehülle: Die energetische Sanierung umfasste den Einbau moderner Fenster und eine bessere Wärmedämmung.
  • Gesamte Neugestaltung: Die Schule wurde in die Jahre gekommene Räumlichkeiten durch eine umfassende Sanierung ersetzt. Die Planung erfolgte in enger Abstimmung mit der Schulleitung und dem Lehrerkollegium.

Auszeichnung und Qualität

Die Sanierung der Grundschule 22 wurde im Jahr 2013 mit dem Deutschen Fassadenpreis ausgezeichnet. Die Auszeichnung wurde von der Firma Brillux vergeben, die den Wettbewerb seit 20 Jahren organisiert. Dies unterstreicht die Qualität der Sanierungsmaßnahmen und die besondere Bedeutung der Fassadengestaltung in der öffentlichen Bautätigkeit.

Die Sanierung der Grundschule 31: Nachhaltigkeit und Brandschutz

Die Grundschule 31 im Julius-Leber-Ring 2 ist ein weiteres Beispiel für eine energetische Sanierung in Erfurt. Das Gebäude wurde in den 70er Jahren in Plattenbauweise errichtet und liegt im direkten Anschluss an die Gemeinschaftsschule 2. Die Sanierung umfasste sowohl energetische als auch bauliche und brandschutztechnische Maßnahmen.

Energetische Sanierung

  • Wärmedämmung: Die Außenwände des Untergeschosses wurden freigelegt und neu abgedichtet, um den Wärmeschutz zu verbessern.
  • Tragwerk und Bauphysik: Die Außentreppen wurden auf ihre statischen Eigenschaften geprüft und ertüchtigt.
  • Fassadenrenovierung: Die gesamte Fassade erhielt ein Wärmedämmverbundsystem, das den aktuellen energetischen Vorgaben entspricht.

Brandschutzmaßnahmen

  • Brandwände und Türen: Die Gebäudehülle wurde brandschutztechnisch überprüft und notwendige Maßnahmen ergriffen.
  • Vermessung und Planung: Die Sanierungsmaßnahmen wurden von einer Architektengemeinschaft geplant und in Kooperation mit herrschmidt architekten PartGmbB umgesetzt.

Projektmanagement und Kooperation

Das Projekt wurde in Kooperation mit mehreren Partnern durchgeführt, darunter Erfurt & Partner GmbH Architekten- und Ingenieurgruppe und Osterwold°Schmidt EXP!ANDER. Diese Zusammenarbeit gewährleistete eine professionelle Planung und Ausführung der Maßnahmen.

Technische Standards und Vorgaben

Alle Sanierungsprojekte in Erfurt orientieren sich an den aktuellen Gebäudeenergiegesetzen (GEG) und den anerkannten Regeln der Baukunst. Diese Vorgaben legen fest, welche Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz unerlässlich sind. Zudem wird der Brandschutz sowie die barrierefreie Nutzung der Gebäude berücksichtigt.

Energetische Standards

  • U-Werte: Die Wärmedämmung der Gebäudehülle muss bestimmte U-Werte einhalten, die den aktuell geltenden Energiestandards entsprechen.
  • Heizlast und Lüftung: Die Planung der Heizungs- und Lüftungsanlagen erfolgt unter Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse der Schulanlagen.
  • Photovoltaik: Die Installation von Photovoltaikmodulen trägt zur Erzeugung erneuerbarer Energie bei und verringert den Energiebedarf.

Barrierefreiheit

  • Eingangsbereiche: Alle Eingangsbereiche sind barrierefrei gestaltet.
  • Fahrstühle: In mehreren Projekten wurden Personenaufzüge eingebaut, um den Zugang zu allen Stockwerken zu ermöglichen.
  • Sanitäranlagen: Die Sanitäranlagen wurden barrierefrei umgestaltet, einschließlich der Errichtung behindertengerechter WC-Anlagen.

Ökologische und ökonomische Vorteile der Sanierungsmaßnahmen

Die energetischen Sanierungen der Schulgebäude in Erfurt bieten sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile. Die Reduktion des Energieverbrauchs senkt nicht nur den CO₂-Ausstoß, sondern auch die langfristigen Betriebskosten. Zudem entstehen durch die Sanierungen bessere Lern- und Arbeitsbedingungen, die die Attraktivität der Schulen erhöhen.

Energieeinsparung

  • Grundschule 3: Die Sanierungsmaßnahmen ermöglichen eine Energieeinsparung von bis zu 90 Prozent.
  • Grundschule 31: Die Energieeinsparung liegt ebenfalls im hohen Prozentbereich, obwohl konkrete Zahlen aus den Quellen nicht angegeben werden.
  • Grundschule 22: Die Energieeffizienz der Schule wurde durch die Sanierung deutlich verbessert, wodurch der Energieverbrauch reduziert wurde.

CO₂-Reduktion

Die Energieeinsparung hat direkte Auswirkungen auf die CO₂-Bilanz. Die Reduktion des Energieverbrauchs durch die Sanierungen trägt erheblich dazu bei, die Klimaziele der Stadt Erfurt und des Landes Thüringen zu erreichen. Zudem wird durch den Einsatz erneuerbarer Energien, wie der Photovoltaikanlagen, der CO₂-Ausstoß weiter gesenkt.

Kosteneffizienz

  • Förderung: Die Projekte profitieren stark von Fördermitteln, insbesondere aus dem EFRE.
  • Langfristige Einsparungen: Obwohl die Sanierungen mit hohen Investitionskosten verbunden sind, erwarten sich die Projektträger erhebliche Einsparungen in den Betriebskosten über die Lebensdauer der Gebäude.
  • Langfristige Nutzung: Die Sanierungen ermöglichen es, die Gebäude über viele Jahrzehnte weiterhin zu nutzen, anstatt sie abzureißen und neu zu bauen.

Fazit

Die energetische Sanierung von Schulgebäuden in Erfurt hat sich als effektiver und nachhaltiger Ansatz erwiesen, um den Energieverbrauch zu senken, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren und gleichzeitig bessere Lernbedingungen zu schaffen. Die Projekte zur Sanierung der Grundschulen 3, 22 und 31 demonstrieren, wie moderne Energiemethoden, barrierefreie Gestaltung und kooperative Planung zusammenwirken können, um zukunftsfähige Schulgebäude zu schaffen.

Diese Maßnahmen sind nicht nur technisch, sondern auch finanziell sinnvoll. Die Nutzung von Fördermitteln ermöglicht es, die hohen Investitionskosten zu senken, während die langfristigen Einsparungen in den Betriebskosten sich positiv auf die Finanzplanung auswirken. Zudem tragen die Projekte dazu bei, Erfurt als Modellstadt für nachhaltige Schulentwicklung und Energieeffizienz zu positionieren.

Die Erfolge der Projekte in Erfurt können als Vorlage für andere Städte und Gemeinden dienen, die ebenfalls energetische Sanierungen an Schulen planen. Sie zeigen, dass es möglich ist, Bestandsgebäude zu überholen, ohne sie abzureißen, und sie so für die Zukunft fitzumachen.

Quellen

  1. Grund- und Regelschule Tanna
  2. Energetische Sanierung Grundschule 22, Erfurt
  3. Grundschule Herrenberg – Sanierung mit Fördermitteln
  4. Energetische Sanierung der Grundschule 3 in Erfurt
  5. Grundschule 31 in Erfurt – Energetische Sanierung

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