Chronologie der Sanierungsmaßnahmen an der Ennepetalsperre

Die Ennepetalsperre zählt zu den historisch bedeutsamen Bauwerken im Ruhrgebiet und hat eine langjährige Geschichte der Nutzung, Wartung und Sanierung. Die Talsperre wurde ursprünglich in den Jahren 1902 bis 1904 errichtet und dient seither der Wasserversorgung der Region. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte war es notwendig, die Bauwerke wiederholt zu sanieren, um ihre Funktion als Trinkwasserspeicher und Hochwasserschutz sicherzustellen. Im Jahr 1997 fand eine grundlegende Sanierung statt, die sich über mehrere Jahre hinzog. In den vergangenen Jahren wurden weitere Instandsetzungsarbeiten durchgeführt, um die Sicherheit und Funktionalität der Talsperre aufrechtzuerhalten. Diese Artikel analysiert die chronologischen Sanierungsmaßnahmen an der Ennepetalsperre, basierend auf verfügbaren Informationen und technischen Berichten.

Geschichte und Funktion der Ennepetalsperre

Die Ennepetalsperre ist ein zentrales Bauwerk des Ruhrverbandes und hat seit ihrer Erbauung im Jahr 1904 eine zentrale Rolle in der Wasserversorgung des Ennepe-Ruhr-Kreises gespielt. Sie wurde nach Entwürfen von Prof. Otto Intze und Raddatz nach dem sogenannten Intze-Prinzip als Bruchsteinmauer errichtet und 1912 um 10 Meter auf 50 Meter Höhe erhöht. Diese Erweiterung führte dazu, dass der Stauinhalt von 10,3 Millionen Kubikmetern auf 12,6 Millionen Kubikmeter anstieg. Ursprünglich diente die Talsperre hauptsächlich der Versorgung von Hammerwerken im Ennepe-Tal mit Trieb- und Brauchwasser. Heute ist die Ennepetalsperre hauptsächlich ein Trinkwasserspeicher, der von der AVU Gevelsberg genutzt wird. Zudem ist sie Teil des ökologischen und wasserwirtschaftlichen Systems der Region.

Grundlegende Sanierung 1997

Die erste grundlegende Sanierung der Ennepetalsperre fand im Jahr 1997 statt, nachdem der Ruhrverband die Talsperre von dem Ennepe-Wasserverband übernommen hatte. Diese Sanierung war notwendig, da das Bauwerk bereits über 80 Jahre alt war und der „Zahn der Zeit“ tief eingegriffen hatte. Der Ruhrverband investierte in modernste Bauverfahren, um die Sicherheit und Stabilität der Talsperre zu gewährleisten.

Ein zentrales Element dieser Sanierung war die Errichtung eines Kontrollstollens unter der Staumauer. Dazu wurde eine Tunnelbohrmaschine eingesetzt, um einen Kontrollgang durch das Fundament der Sperrmauer zu bauen. Die untere Hälfte dieses Ganges lag im gewachsenen Fels, auf dem die Mauer stand, und die andere Hälfte lag direkt in der Mauer selbst. Diese Technik war notwendig, da der Kontrollgang sowohl der Wölbung der Mauer als auch dem Profil des Tals folgen musste, um immer entlang der Nahtstelle von Mauer und Untergrund zu verlaufen.

Die Aufgabe des Kontrollgangs ist die Ableitung von Sickerwasser, das zwischen Mauer und Felsen sowie in die Mauer selbst eintrat. Auf diese Weise konnte der Sohlenwasserdruck der Sperrmauer verringert werden, was ihrer Stabilität zugutekam. Die Sanierung 1997 war ein technisch aufwendiges Projekt, das mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde.

Weitere Sanierungsmaßnahmen im 21. Jahrhundert

Nach der grundlegenden Sanierung 1997 folgten im Laufe der Jahre weitere Instandsetzungsarbeiten an der Ennepetalsperre. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Langzeitstabilität und Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten, da die Talsperren des Ruhrverbands in der Regel über 100 Jahre alt sind. Ein Beispiel für solche Arbeiten ist die Sanierung des Hochwasserentlastungs-Pfeilers in diesem Herbst, wie in einem Bericht erwähnt wird.

Instandsetzung des Hochwasserentlastungs-Pfeilers

Im Herbst führte der Ruhrverband eine Instandsetzung des Hochwasserentlastungs-Pfeilers durch, der Teil der Hochwasserentlastung der Ennepetalsperre ist. An diesem Pfeiler wurden Risse im Verblendmauerwerk festgestellt. Obwohl diese Risse keine statische Relevanz hatten, mussten sie aus Gründen der langfristigen Sicherheit beseitigt werden. Dazu wurde der Pfeiler zunächst mit einem an der Staumauerkrone hängenden Gerüst vollständig eingerüstet. Anschließend wurden alle Fugen des Bruchsteinmauerwerks ausgestemmt. Gerissene Steine wurden entweder ersetzt oder mithilfe von Ankern fixiert. Der Pfeiler wurde danach neu verfugt, um seine ursprüngliche Bruchsteinoptik wiederherzustellen.

Sanierung des Tosbeckens

Ein weiteres wichtiges Element der Instandsetzung war das sogenannte Tosbecken der Hochwasserentlastung. Dieses Becken dient dazu, die ungeheure Energie der Wassermassen zu brechen, die im Falle eines starken Hochwassers über die Hochwasserentlastung der Talsperre abgeführt werden. Das Tosbecken verfügt über einen gepflasterten Pralldamm, der im Laufe der Zeit stark mit Pflanzenbewuchs überzogen war. Die Wurzeln der Pflanzen durchdrangen die Fugen des Pflasters und lockerten einzelne Steine. Um dies zu beheben, wurden alle Fugen ausgestemmt, alle Pflanzen einschließlich der Wurzeln beseitigt und die Fugen im Trockenspritzverfahren geschlossen.

Die Instandsetzungsarbeiten an der Ennepetalsperre dauerten insgesamt vier Monate. Solche Arbeiten sind in der Regel wiederkehrend notwendig, da die Bauwerke aus Bruchstein ständiger Pflege und Wartung bedürfen. Die Ennepetalsperre selbst, bestehend aus einer Bruchsteinmauer mit einer Höhe von 51 Metern, einer Kronenlänge von 320 Metern und einer Breite von 4,5 Metern, wurde bereits 1909 bis 1912 um 10 Meter erhöht. Sie wurde 1997 grundlegend instandgesetzt und ein Kontrollgang eingebaut. Nach der Sanierung wurde die Krone für den zuvor erlaubten Straßenverkehr gesperrt.

Funktion und Nutzung der Ennepetalsperre

Die Ennepetalsperre ist nicht nur eine historische Baukunst, sondern auch ein zentraler Bestandteil der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur der Region. Sie dient der Trinkwassergewinnung und versorgt große Teile des Ennepe-Ruhr-Kreises mit Wasser. Die AVU Gevelsberg entnimmt jährlich etwa neun Millionen Kubikmeter Rohwasser aus der Talsperre, das im benachbarten Wasserwerk aufbereitet wird. Die Versorgung umfasst Ennepetal, Breckerfeld, Gevelsberg, Schwelm, Sprockhövel und Wetter.

Ein weiteres wichtiges Element der Ennepetalsperre ist die angeschlossene Wasserkraftanlage. Diese wurde Anfang 2006 installiert und hat eine maximale Durchströmleistung von 1,4 Kubikmetern pro Sekunde. Die mittlere Jahreserzeugung beträgt 1,5 Millionen Kilowattstunden, die in das Stromnetz eingespeist werden. Der Betreiber der Wasserkraftanlage ist die Lister-Lenne-Kraftwerke GmbH in Olpe, eine Tochtergesellschaft des Ruhrverbands.

Ökologische Bedeutung und Schutzmaßnahmen

Neben ihrer wasserwirtschaftlichen Funktion hat die Ennepetalsperre auch eine bedeutende ökologische Bedeutung. Sie bietet einen wertvollen Lebensraum für Flora und Fauna. Um jegliche Verschmutzung des Wassers durch landwirtschaftliche Nutzung oder Freizeitnutzung zu vermeiden, gilt im Einzugsgebiet eine Wasserschutzgebietsverordnung mit strengen Auflagen. Diese Regelungen schützen die Wasserqualität, bieten aber auch den Pflanzen und Tieren einen ungestörten Lebensraum.

Die Ennepetalsperre selbst ist als Trinkwassertalsperre nicht für den Wassersport oder die Personenschifffahrt freigegeben. Sie ist jedoch von touristischem Interesse, da sie sich über eine Länge von 4 Kilometern erstreckt und bis zu 200 Meter breit ist. Bei Vollstau beträgt die maximale Wassertiefe 35 Meter. Besichtigungen der Talsperre und deren Bauwerke sind möglich und informieren Interessierte über die Bauweise, Wasserversorgung und Funktionsweise der Talsperre.

Wichtige Technik der Sanierung: Tunnelbohrmaschine und Kontrollgang

Die Sanierung der Ennepetalsperre 1997 war ein technisch anspruchsvolles Projekt, das modernste Methoden und Geräte erforderte. Ein zentrales Element war die Errichtung eines Kontrollganges unter der Staumauer. Dazu wurde eine Tunnelbohrmaschine eingesetzt, um einen Stollen durch das Fundament der Mauer zu bauen. Der Kontrollgang dient der Ableitung von Sickerwasser und der Verringerung des Sohlenwasserdrucks. Seine Errichtung war notwendig, da die Talsperre auf einem Fundament aus gewachsenem Fels steht, und der Stollen sowohl der Wölbung der Mauer als auch dem Profil des Tals folgen musste.

Diese Technik erforderte eine präzise Planung und Ausführung, da der Kontrollgang entlang der Nahtstelle zwischen Mauer und Untergrund verlaufen musste. Die Bauarbeiten fanden im bergmännischen Vortrieb statt, was bedeutete, dass der Stollen Schritt für Schritt vorgefahren wurde. Dies ist ein Standardverfahren in der Tunnelbaukunst, das vor allem bei sensiblen Bauwerken wie Talsperren angewandt wird.

Die Rolle des Ruhrverbands

Der Ruhrverband ist der Betreiber der Ennepetalsperre und verantwortet deren Wartung, Instandsetzung und Sicherheit. Er betreibt außerdem sieben weitere Talsperren im Ruhrgebiet, darunter den Bigge- und Sorpesee, sowie die Möhne-, Henne-, Verse- und Fürwiggetalsperre. Diese Talsperren haben insgesamt ein Gesamtvolumen von 463 Millionen Kubikmetern und dienen der Wasserversorgung von 4,6 Millionen Menschen. Der Ruhrverband ist also ein zentraler Akteur in der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur der Region.

Die Ennepetalsperre selbst ist für den Ennepe-Ruhr-Kreis von besonderer Bedeutung. Sie ist einer der wichtigsten Trinkwasserspeicher der Region und wurde im Jahr 1997 mit großem technischen Aufwand grundlegend instandgesetzt. Die Sanierung war notwendig, um die Sicherheit und Funktionalität der Talsperre für die Zukunft zu gewährleisten. Der Ruhrverband investiert kontinuierlich in die Wartung und Pflege der Talsperren, da diese Bauwerke über hundert Jahre alt sind und daher besondere Aufmerksamkeit erfordern.

Fazit

Die Ennepetalsperre ist ein historisches und technisch bedeutendes Bauwerk, das seit ihrer Erbauung im Jahr 1904 eine zentrale Rolle in der Wasserversorgung der Region spielt. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte war es notwendig, die Talsperre wiederholt zu sanieren, um ihre Funktion als Trinkwasserspeicher und Hochwasserschutz sicherzustellen. Die grundlegende Sanierung 1997 war ein technisch aufwendiges Projekt, das mit modernsten Methoden und Geräten durchgeführt wurde. Nach dieser Sanierung folgten weitere Instandsetzungsarbeiten, die beispielsweise den Hochwasserentlastungs-Pfeiler und das Tosbecken betrafen.

Die Ennepetalsperre ist heute nicht nur ein zentraler Bestandteil der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur, sondern auch ein wertvoller ökologischer Lebensraum. Die Verordnungen im Einzugsgebiet schützen die Wasserqualität und bieten Pflanzen und Tieren einen ungestörten Lebensraum. Zudem ist die Talsperre ein interessantes Objekt für Besichtigungen und bietet Einblicke in die Bauweise und Funktion historischer Talsperren.

Die Sanierungsmaßnahmen an der Ennepetalsperre zeigen, wie wichtig es ist, historische Bauwerke nicht nur zu erhalten, sondern auch aktiv zu warten und zu pflegen. Die Ennepetalsperre ist ein Beispiel dafür, wie Technik, Geschichte und Ökologie miteinander verbunden sein können – und wie zentral solche Bauwerke für die Versorgungssicherheit und das Wohlergehen der Bevölkerung sind.

Quellen

  1. Staumauer der Ennepetalsperre saniert
  2. Baufilm zur Sanierung 2003
  3. Ennepetalsperre – Baukunst-NRW
  4. Ennepetalsperre – Ruhrverband

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