Die Universität Erfurt befindet sich aktuell inmitten einer weitreichenden Bauphase, die sowohl grundlegende Sanierungsarbeiten als auch Neubauten umfasst. Insbesondere das Hochhaus in der Nordhäuser Straße, ein Gebäude unter Denkmalschutz, und das Mitarbeitergebäude C12, für das Geothermie-Anlagen geplant sind, stehen im Fokus der aktuellen Sanierungsmaßnahmen. Gleichzeitig wird ein neues Mensagebäude errichtet, um den steigenden Anforderungen an die Infrastruktur gerecht zu werden. Diese Projekte sind Teil eines umfassenden Bemühens, die Gebäudebestände der Uni zu modernisieren, brandschutztechnisch auf den neuesten Stand zu bringen und gleichzeitig klimafreundliche Energiequellen einzusetzen.
Der Sanierungsstau an der Uni Erfurt
Laut einer Stellungnahme des Rektors der Universität Erfurt, Herrn Gerken, hat die Hochschule einen erheblichen Sanierungsstau, der sich auf über 65 Millionen Euro beläuft. Viele Gebäude auf dem Campus sind mehr als 60 Jahre alt und weisen erhebliche Mängel auf. Besonders hervorgehoben wird das Audimax, das seit 2015 aufgrund schwerer brandschutztechnischer Mängel gesperrt ist. Auch das Lehrgebäude 3 (Am Hügel), das Mitarbeitergebäude 2 und das Gebäude am Steinplatz 2 zählen zu den problembehafteten Gebäuden.
Die Kommunikation zwischen der Universität und der Landesbauverwaltung gestaltet sich schwierig. Die Zusammenarbeit sei an vielen Stellen nicht effektiv, so dass der Sanierungsstau weiter anwächst. Zudem fehlt es an ausreichenden Mitteln. Laut einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Freistaat Thüringen und den Hochschulen standen für den Zeitraum 2016–2019 jährlich 40 Millionen Euro für Baumaßnahmen zur Verfügung. Dies reiche jedoch nicht aus, um den Sanierungsstau an der Uni Erfurt zu beheben.
Die Universität hat versucht, die Bauherreneigenschaft für Maßnahmen über 2 Millionen Euro zu erlangen, was jedoch abgelehnt wurde. Dadurch bleibt die Hochschule in der Rolle des Bauherrn für kleine Sanierungsmaßnahmen (bis 50.000 Euro) eingeschränkt und kann größere Projekte nicht eigenständig umsetzen. Dieses Problem teilt sie mit anderen thüringischen Hochschulen.
Die Sanierung des Hochhauses in der Nordhäuser Straße
Ein zentrales Projekt in der Sanierungsstrategie der Uni Erfurt ist die energetische und brandschutztechnische Sanierung des Hochhauses an der Nordhäuser Straße 63. Dieses 11-geschossige Gebäude wurde 1965 erbaut und steht unter Denkmalschutz. In den Jahren 2009 bis 2011 fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten statt, gefördert durch das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr.
Die Sanierung umfasste unter anderem die Wiederinbetriebnahme des 10. Stocks, der als Veranstaltungssaal genutzt wird. Dazu wurde ein zweiter Treppenraum und ein Feuerwehraufzug errichtet, um die Brandschutzvorschriften zu erfüllen. Gleichzeitig wurde eine Photovoltaikanlage an der Südfassade installiert, die über 18.000 Kilowattstunden „grünen“ Strom pro Jahr erzeugt. Das Gebäude wurde zudem barrierefrei durch den Neubau des Aufzugs, der alle Stockwerke anfährt, für Rollstuhlnutzer zugänglich gemacht.
Diese Maßnahme war ein Meilenstein in der Modernisierung der Uni-Erfurt-Gebäude. Sie zeigt, wie historische Gebäude unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen und der heutigen Energiestandards modernisiert werden können.
Energetische Sanierung und Geothermieprojekte
Ein weiterer Schwerpunkt der Bauplanung an der Uni Erfurt ist die Energieeffizienz. Besonders hervorzuheben ist das Vorhaben, eine Geothermieanlage am Campus in Betrieb zu nehmen. Laut einem Bericht in das-wissen.de plant die Stadt Erfurt gemeinsam mit dem Land und Bund eine Probebohrung für die Nutzung von Tiefengeothermie. Die Kosten für dieses Projekt werden mit rund 40 Millionen Euro veranschlagt, weshalb staatliche Unterstützung erforderlich ist.
Die Geothermieanlage im Gebäude C12, ein Mitarbeitergebäude, ist Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms, das bis Ende 2027 andauern wird. Die Bauarbeiten sollen in Eigenregie durchgeführt werden, um Kosten zu minimieren. Ein Fokus liegt auf der Ermittlung des Energiepotenzials des Standorts durch Bodenuntersuchungen. Ziel ist es, die Energiekosten langfristig zu reduzieren und gleichzeitig die CO2-Bilanz der Universität zu verbessern.
Der Mensaneubau: Ein Schritt in Richtung moderner Infrastruktur
Ein weiteres bedeutendes Projekt ist der Neubau der Mensa, der ab dem Wintersemester 2028/2029 eröffnet werden soll. Laut Angaben des Wissenschafts- und Bauministeriums ist der Neubau Teil eines breiteren Sanierungsplans, der insgesamt sechs große Bauprojekte und zahlreiche kleinere Vorhaben umfasst. Die Fördermittel für den Mensaneubau beliefen sich auf knapp 24,7 Millionen Euro, die von der Landesregierung bereitgestellt wurden.
Die aktuelle Mensa, die bis zur Fertigstellung des Neubaus weiter betrieben wird, ist stark sanierungsbedürftig. Der neue Bau wird nicht nur die Essensversorgung für 6.000 Studierende und Mitarbeiter sicherstellen, sondern auch flexibel nutzbare Räume bieten. Die neue Mensa (Gebäude C17) wird an der Max-Weber-Allee zwischen den Gebäuden C19 und C16 entstehen. Sie wird eine moderne Infrastruktur bieten, die den heutigen Anforderungen entspricht.
Herausforderungen bei der Sanierung: Brandschutz, Finanzierung und Ressourcen
Ein weiteres zentrales Thema ist der Brandschutz. Zahlreiche Gebäude auf dem Campus sind aufgrund von Mängeln gesperrt oder teilweise gesperrt, was die Attraktivität der Universität und die Entwicklungschancen negativ beeinflusst. So war beispielsweise der Audimax, ein zentraler Veranstaltungsraum, seit 2015 aufgrund von brandschutztechnischen Defiziten nicht mehr nutzbar. In der Alten Parteischule wurde eine provisorische Lösung gefunden, um Lehrveranstaltungen weiterhin anbieten zu können.
Die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen bleibt eine Herausforderung. Laut einer Stellungnahme der Universität Erfurt reicht das Budget des Landes nicht aus, um den Sanierungsstau zu beheben. Die jährlichen Kosten für den Erhalt der Gebäude belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro, von denen das Land nur einen Bruchteil übernimmt. Zudem hat die Universität keine ausreichenden Ressourcen, um große Projekte eigenständig zu initiieren.
Zusammenarbeit mit der Landesbauverwaltung und zukünftige Planung
Um die baulichen Herausforderungen zu bewältigen, arbeitet die Universität Erfurt eng mit der Landesbauverwaltung zusammen. Gemeinsam mit dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft, Digitales und Verbraucherschutz (TMWWDG) wird eine Liste notwendiger Maßnahmen erstellt und priorisiert. Dies soll die Grundlage für zukünftige Baumaßnahmen und Haushaltsplanungen bilden.
Zudem wurde im Jahr 2017 das HIS-Institut für Hochschulentwicklung beauftragt, eine bauliche Entwicklungsplanung zu erstellen, die alle weiteren baulichen Aktivitäten für die nächsten Jahrzehnte regeln soll. Diese Planung ist aktuell noch in Bearbeitung, wird aber eine zentrale Rolle bei der langfristigen Planung spielen.
Fazit
Die Universität Erfurt durchlebt eine intensivere Bauphase, die sowohl Sanierungsarbeiten als auch Neubauten umfasst. Die Projekte, von der Sanierung des Hochhauses in der Nordhäuser Straße bis hin zur Planung einer Geothermieanlage, zeigen, wie historische Gebäude unter Berücksichtigung moderner Energiestandards und Brandschutzvorschriften modernisiert werden können. Gleichzeitig sind Finanzierungsengpässe und fehlende Ressourcen ein zentrales Problem, das die Sanierungsarbeiten verlangsamt.
Die Zusammenarbeit mit der Landesbauverwaltung bleibt entscheidend, um die langfristigen baulichen Herausforderungen zu bewältigen. Der Neubau der Mensa, die Sanierung des Audimax und die Modernisierung des Mitarbeitergebäudes C12 sind beispielhafte Projekte, die zeigen, wie eine Campus-Universität im 21. Jahrhundert mit ihren baulichen Herausforderungen umgehen kann. Insgesamt ist die Universität Erfurt ein interessantes Modell für die Modernisierung von Hochschulgebäuden in Kombination mit klimafreundlichen Energiequellen und Brandschutzmaßnahmen.
Quellen
- Universität Erfurt startet große Sanierung: Geothermie soll kommen!
- Für 25 Millionen Euro! Uni Erfurt wird zur Großbaustelle und bekommt neue Mensa
- Universität Erfurt: Gebäude C17 - Neubau der Mensa
- Thüringen investiert 146,6 Millionen Euro in Bauprojekte
- Ein Interview zum Sanierungsstau auf dem Campus der Uni Erfurt
- Erfurt startet große Bauarbeiten: Das neue Energiezeitalter beginnt!
- Umbau und Sanierung des Hochhauses der Uni Erfurt