Komplexsanierung des Gymnasiums Ernestinum in Gotha: Herausforderungen, Fortschritte und Finanzierung im Überblick

Einleitung

Die Sanierung des Gymnasiums Ernestinum in Gotha ist ein langfristiges Projekt mit weitreichenden Auswirkungen auf Bildung, Infrastruktur und die Region. Seit 2016 arbeitet die Gebäudeverwaltung des Landkreises intensiv an der Sanierung des historischen Gymnasiums, das in den 2020er Jahren fertiggestellt werden soll. Mit einem geplanten Investitionsvolumen von bis zu 25,5 Millionen Euro (Stand 2025) zählt das Projekt zu den größten und finanzintensivsten Sanierungen im Landkreis Gotha. Der Prozess beinhaltet mehrere Bauabschnitte, um die Funktion des Schulbetriebs bei laufenden Arbeiten aufrechtzuerhalten. Die Myconiusschule, seit 2016 in den Besitz des Landkreises übergeben, dient als temporärer Standort für Unterrichts- und Verwaltungsräume.

Im Folgenden werden die einzelnen Bauabschnitte, die technischen und strukturellen Maßnahmen, die Finanzierung und die Herausforderungen der Sanierung detailliert erläutert. Zudem werden die langfristigen Auswirkungen auf die Schule sowie auf die Region Gotha diskutiert.

Der Sanierungsprozess in mehreren Bauabschnitten

Die Sanierung des Gymnasiums Ernestinum ist in mehrere Bauabschnitte unterteilt, wobei jeder Abschnitt spezifische Zielsetzungen und Herausforderungen umfasst. So wurden bereits in den Anfangsjahren erhebliche Fortschritte erzielt, während andere Abschnitte erst in den kommenden Jahren abgeschlossen werden.

Erster Bauabschnitt: Aulaflügel und Myconiusschule

Der erste Bauabschnitt konzentrierte sich auf den Aulaflügel des Ernestinums. Hier wurden Geschossdecken herausgenommen und wieder eingezogen, Raumzuschnitte verändert und das Dachstuhl- und Tragwerkskonzept überarbeitet. Der Aulaflügel beherbergt künftig zwei Musikräume, einen großer Mehrzweckraum, der als Speisesaal genutzt werden kann, sowie Technik- und Ausgabeküchenräume. Der erste Bauabschnitt war mit einem Budget von rund 2,7 Millionen Euro ausgestattet und sollte bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Arbeiten wurden weitgehend planmäßig durchgeführt.

Parallel dazu wurde an der Myconiusschule ein neuer Fachkabinett-Bereich errichtet, der ab 2019 in Betrieb genommen wurde. Dieser Bereich umfasste unter anderem Physik-, Chemie- und Biologiekabinette sowie Unterrichtsräume für Geografie. Die Baukosten beliefen sich auf rund 990.000 Euro, wobei keine Fördermittel in Anspruch genommen wurden. Der Landkreis Gotha finanzierte die Maßnahme komplett aus Eigenmitteln. Diese Investition war entscheidend, um den Schulbetrieb während der Sanierungsarbeiten in der Bergallee aufrechtzuerhalten.

Zweiter Bauabschnitt: Abbruch und Neubau des DDR-Anbaus

Der zweite Bauabschnitt beinhaltet den Abbruch und Neubau des DDR-Anbaus sowie den Westflügel des Ernestinums. Dieser Abschnitt wird als „Kraftakt“ bezeichnet, da sowohl die räumliche Ausdehnung als auch der Zustand des bestehenden Baus eine Herausforderung darstellen. Der DDR-Anbau wird bis auf die Kellerdecke abgebrochen und durch einen neuen Anbau ersetzt. In diesem neuerbauten Flügel entstehen drei Etagen mit jeweils zwei Räumen für Biologie, Physik und Kunst sowie Nebenräumen. Im Keller sind Sanitärbereiche, Haustechnikräume und ein Hausmeisterrefugium vorgesehen.

Der Westflügel wird umgebaut und in den historischen Schulbetrieb eingegliedert. Hier sind unter anderem ein Chemieraum, zwei Unterrichtsräume im Erdgeschoss sowie im ersten Stock zwei klassische Unterrichtsräume und zwei Computerkabinette geplant. Der neue Anbau und der Aulaflügel erhalten einen gemeinsamen Zugang zum Hof, der auch einen Personenaufzug beherbergt, um die Schule barrierefrei zu gestalten.

Dritter Bauabschnitt: Verbindungsteil und weitere Modernisierungen

Der dritte Bauabschnitt, der sich zwischen dem Aulaflügel und dem straßenseitigen Gebäudeflügel befindet, ist für das kommende Jahr vorgesehen. Dieser Abschnitt zielt darauf ab, die verschiedenen Flügel des Ernestinums miteinander zu verbinden und so einen flüssigen Raumfluch zu ermöglichen. Der Abschnitt beinhaltet unter anderem den Bau eines neuen Verbindungsteils, der in den Planungsphasen bereits intensiv diskutiert wird.

Die Arbeiten im dritten Bauabschnitt werden aufgrund der Komplexität des Projekts als besondere Herausforderung eingestuft. So müssen die Planer nicht nur die baulichen, sondern auch die didaktischen und logistischen Aspekte berücksichtigen, um den Schulbetrieb nicht zu stark zu stören.

Finanzierung und Investitionsvolumen

Die Finanzierung der Sanierung des Gymnasiums Ernestinum ist ein zentraler Punkt im Projekt. Die geplanten Gesamtkosten stiegen von ursprünglich 14,5 Millionen Euro auf aktuell rund 25,5 Millionen Euro. Dieser Anstieg ist unter anderem auf die baulichen Herausforderungen und die Notwendigkeit zur Erweiterung der Räume zurückzuführen.

Kostenaufteilung und Finanzplanung

Der erste Bauabschnitt kostete knapp 2,7 Millionen Euro. Der zweite Bauabschnitt ist mit knapp 6,5 Millionen Euro geplant, wobei die Kosten bis 2029 anfallen. Der dritte Bauabschnitt und die weiteren Modernisierungen sind in den Finanzplan bis 2029 eingebunden.

Der Landkreis Gotha finanziert die Sanierung größtenteils aus eigenen Mitteln. Einige kleinere Maßnahmen, wie die Sanierung von Dächern an anderen Schulen, sind in den allgemeinen Investitionsplan des Landkreises eingebunden. Der Investitionsbedarf im Bereich der Gymnasien beträgt insgesamt 9,178 Millionen Euro, wobei das Ernestinum den größten Anteil daran einnimmt.

Finanzierungssicherheit und Planungsherausforderungen

Die Planung der Finanzierung erfolgt in mehreren Etappen, wobei der Landkreis Gotha darauf bedacht ist, die Mittel langfristig zu sichern. Die Finanzierung ist eng mit dem Investitionsprogramm des Landkreises verknüpft, das bis 2029 erstreckt. In diesem Zeitraum sind weitere Investitionen in andere Schulen und Bildungseinrichtungen vorgesehen.

Eine besondere Herausforderung ist die Finanzierung während der Bauarbeiten, insbesondere da der Schulbetrieb nicht stillgelegt werden kann. So war es nötig, mobile Container zu vermeiden, da diese als kostenintensiv und unpraktisch eingeschätzt wurden. Stattdessen wurde entschieden, die Unterrichtsräume in der Myconiusschule zu nutzen, um den Schulbetrieb kontinuierlich aufrechtzuerhalten.

Technische und strukturelle Maßnahmen

Die Sanierung des Gymnasiums Ernestinum umfasst eine Vielzahl technischer und struktureller Maßnahmen, die darauf abzielen, die Bausubstanz zu erhalten und die Räumlichkeiten für die Zukunft fit zu machen.

Modernisierung der Infrastruktur

Ein Schwerpunkt der Sanierung lag auf der Modernisierung der Infrastruktur. So wurden in der Myconiusschule und in den neu errichteten Räumen interaktive Tafeln installiert, um den Unterricht technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Zudem wurden Unterzüge und Stützen ausgetauscht oder verstärkt, um die statische Sicherheit der Gebäude zu gewährleisten.

Barrierefreiheit und Zugänglichkeit

Ein weiteres zentrales Anliegen war die Schaffung barrierefreier Räumlichkeiten. Der neue Anbau und der Aulaflügel erhalten einen gemeinsamen Zugang zum Hof, der auch einen Personenaufzug beherbergt. Dadurch wird das Ernestinum für alle Schüler:innen und Lehrkräfte barrierefrei zugänglich.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Obwohl in den bereitgestellten Quellen keine ausdrücklichen Angaben zur Energieeffizienz gemacht werden, ist davon auszugehen, dass bei Sanierungsmaßnahmen dieser Art auch energieeffiziente Konzepte berücksichtigt wurden. So könnten Maßnahmen wie Dämmung, Tausch von Fenstern oder die Installation von energieeffizienten Beleuchtungssystemen in den Bauabschnitten vorgenommen worden sein.

Herausforderungen der Sanierung

Die Sanierung des Gymnasiums Ernestinum war von Anfang an mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Diese reichen von baulichen Problemen über organisatorische Komplexitäten bis hin zu finanziellen Engpässen.

Bauliche Herausforderungen

Die bauliche Situation des Ernestinums war von Beginn an komplex. Das Gymnasium besteht aus verschiedenen Gebäudeteilen, die in unterschiedlichen Epochen errichtet wurden. So stammen einige Flügel aus der historischen Zeit, während andere Flügel in DDR-Zeiten entstanden. Diese unterschiedlichen Bausubstanzen erfordern individuelle Sanierungsstrategien, die sich in den verschiedenen Bauabschnitten widerspiegeln.

Ein weiteres Problem lag in der Planung unter laufendem Schulbetrieb. So mussten die Bauarbeiten so gesteuert werden, dass sie den Unterricht möglichst wenig störten. Dies erforderte flexible Planung und enge Kooperation zwischen Bauunternehmen, Planern und der Schulleitung.

Organisatorische Komplexitäten

Die Organisation der Sanierung war aufwendig, da mehrere Bauabschnitte, verschiedene Flügel und mehrere Akteure (Landkreis, Schule, Bauunternehmen, Architekten) in das Projekt eingebunden waren. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten war entscheidend, um Missverständnisse und Verzögerungen zu vermeiden.

Zudem war die Nutzung der Myconiusschule während der Sanierungsarbeiten eine besondere Herausforderung. Diese Schule musste nicht nur als Unterrichtsstandort dienen, sondern auch als Verwaltungsort für die Kreisvolkshochschule. Die baulichen Anpassungen mussten so geplant werden, dass sie beide Funktionen abdeckten.

Finanzielle Engpässe und zeitliche Verzögerungen

Die Finanzierung des Projekts erwies sich als langfristige Herausforderung. Die ursprünglich geplanten Kosten stiegen über die Jahre deutlich an, was auf die baulichen Komplexitäten und die Notwendigkeit zur Erweiterung der Räume zurückzuführen ist. Zudem wurden einige Termine verlegt, insbesondere der ursprünglich für 2024 geplante Abschluss der Arbeiten.

Landrat Konrad Gießmann betonte, dass der Landkreis Gotha bereits bei anderen Sanierungsprojekten Erfahrungen gesammelt habe, die nun auch beim Ernestinum genutzt werden. So sei man in der Lage, auch bei unerwarteten Herausforderungen flexibel zu reagieren.

Langfristige Auswirkungen der Sanierung

Die Sanierung des Gymnasiums Ernestinum wird nicht nur für die Schule, sondern auch für die Region Gotha langfristige Auswirkungen haben.

Für die Schule

Nach Fertigstellung der Sanierung wird das Ernestinum in der Lage sein, modernste Unterrichtsbedingungen zu bieten. Die neuen Räume, die technischen Ausstattungen und die barrierefreie Zugänglichkeit tragen dazu bei, die Qualität des Bildungsangebots zu steigern. Zudem wird die Myconiusschule nach Abschluss der Arbeiten auch weiterhin genutzt, insbesondere für die Oberstufe. Dies ermöglicht eine bessere Vorbereitung auf das Abitur und damit eine höhere Abschlussquote.

Für die Region

Auch für die Region Gotha hat die Sanierung des Ernestinums Bedeutung. Das Gymnasium ist ein zentraler Bildungsort, der auch für die Nachbarschulen und die Kreisverwaltung von Bedeutung ist. So dient die Myconiusschule nicht nur als Unterrichtsstandort, sondern auch als Veranstaltungsort für die Kreisvolkshochschule. Die Sanierung trägt somit zur langfristigen Stabilität und Attraktivität der Bildungslandschaft in Gotha bei.

Zudem hat die Sanierung wirtschaftliche Auswirkungen. So werden Bauunternehmen, Planer und Handwerker aus der Region beschäftigt, was zur regionalen Wirtschaft beiträgt.

Fazit

Die Sanierung des Gymnasiums Ernestinum in Gotha ist ein langfristiges Projekt, das aufgrund seiner Größe, Komplexität und Finanzierung besondere Herausforderungen mit sich bringt. Die Arbeit an mehreren Bauabschnitten, die Nutzung der Myconiusschule als temporärer Unterrichts- und Verwaltungsstandort und die Investitionen in moderne Infrastruktur und barrierefreie Zugänglichkeit zeigen den hohen Stellenwert, der dem Projekt eingeräumt wird.

Trotz finanzieller Mehrkosten und zeitlicher Verzögerungen ist das Projekt auf Kurs, und die ersten Meilensteine wurden bereits erreicht. Die Sanierung wird nach Fertigstellung nicht nur die Qualität des Schulbetriebs verbessern, sondern auch langfristige Vorteile für die Region Gotha mit sich bringen.

Quellen

  1. Gymnasium Ernestinum: Fortschritte bei Sanierung
  2. Marode Schulen im Kreis Gotha: Ein Fass ohne Boden
  3. Fortgeschrittene Sanierung des Gymnasiums Ernestinum
  4. Ausschreibung zur Komplexsanierung des Gymnasiums Ernestinum in Gotha

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