Sanierung von Ernst-May-Siedlungen: Herausforderungen, Methoden und Erfahrungen aus der Römerstadt

Die Sanierung von Baudenkmälern aus der Zeit der Weimarer Republik, insbesondere der Siedlungen im „Neuen Frankfurt“ nach Plänen von Ernst May, stellt sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die heutige Baubranche dar. Diese Siedlungen, die in den 1920er Jahren errichtet wurden, sind nicht nur architektonische Meilensteine, sondern auch soziale und technologische Pioniere. Sie vereinen moderne Konzepte des städtischen Wohnens mit pragmatischer Architektur und einer klaren, funktionellen Ausrichtung. Die Ernst-May-Siedlungen, darunter das in der Römerstadt befindliche Musterhaus, wurden in den vergangenen Jahren mit großem Engagement saniert, um ihre historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig ihre Wohnfunktion für die Gegenwart und Zukunft zu sichern.

Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die Sanierungspraxis anhand des Beispiels des Ernst-May-Hauses in der Römerstadt. Er beleuchtet die historischen Hintergründe der Siedlungsplanung, die ursprüngliche Konzeption der Häuser, die Herausforderungen bei der Sanierung sowie die technischen und gestalterischen Maßnahmen, die dabei angewandt wurden. Zudem werden die Erfahrungen von Architekten, Handwerkern und Denkmalschützern geschildert, um eine umfassende Grundlage für die Planung und Durchführung ähnlicher Projekte zu liefern.

Historische Hintergründe: „Neues Frankfurt“ und die Rolle Ernst Mays

Die Siedlungen des „Neuen Frankfurts“ entstanden in den Jahren 1925 bis 1930 unter der Leitung des Stadtbaurats Ernst May im Auftrag des Frankfurter Oberbürgermeisters Ludwig Landmann. Das Ziel des Projekts war es, eine dringend benötigte Wohnungsversorgung zu schaffen, die sowohl sozial als auch technologisch den Anforderungen der Zeit entsprach. May, der 1886 in Frankfurt geboren wurde und nach Ausbildungen in Darmstadt und München sowie einem Praktikum bei Raymond Unwin in London arbeitete, verstand sich als visionärer Stadtplaner, der die Idee der Gartenstadt von Ebenezer Howard adaptierte und für die deutsche Stadtrandsiedlung umsetzte.

Die Siedlungen entstanden mit einem hohen Maß an industriellen Bauprozessen und rationalisierter Bauweise. May und sein Team, bestehend aus über 50 Architekten und Stadtplanern wie Eugen Blanck, Herbert Boehm, Max Cetto, und Margarete Schütte-Lihotzky, arbeiteten an mehr als 20 Siedlungen mit insgesamt rund 15.000 Wohnungen. Die Römerstadt war eine davon und entstand in den Jahren 1927 und 1928. Sie war die erste vollständig elektrifizierte Siedlung Deutschlands und beherbergte Wohnungen mit moderner Ausstattung, darunter Bäder, Küchen und Elektrogeräten.

Ein zentrales Gebäude in dieser Siedlung ist das sogenannte Ernst-May-Haus, das May selbst als Musterhaus für eine Kleinfamilie entwarf. Es war voll unterkellert, hatte fünf Zimmereinteilungen und einen Garten. Die Bauweise bestand aus verputztem Mauerwerk mit einschaligem Flachdach in Holzkonstruktion. Das Gebäude war in seiner ursprünglichen Form ein Vorbild für modernes, soziales Wohnen – ein Bekenntnis zur Idee, dass Architektur die Lebensqualität der Menschen steigern kann.

Das Ernst-May-Haus: Vom Musterhaus zum Baudenkmal

Das Ernst-May-Haus, das sich an der Burgfeldstraße 136 in der Römerstadt befindet, ist heute ein Baudenkmal und kann nach einer umfassenden Sanierung von 2005 bis 2009 von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Die Sanierung wurde durchgeführt im Auftrag der Ernst-May-Gesellschaft, die das Gebäude 2005 erwarb. Die Restaurierung erfolgte nach den Grundsätzen des Denkmalschutzes, wobei sowohl historische Elemente als auch moderne Anforderungen berücksichtigt wurden.

Die Herausforderung bestand darin, die originale Substanz des Hauses möglichst weitgehend zu erhalten, ohne die funktionale Nutzung für heutige Wohnbedingungen zu vernachlässigen. So wurden beispielsweise Einfachverglasung in Holzrahmen, Sperrholztüren und Metallblechbeschläge identifiziert und in der Sanierung entweder ersetzt oder soweit wie möglich erneuert. Die Farbgestaltung der Innenräume, die sich aus blauen Fensterrahmen, grauen Türzargen, gelben Treppenhäusern und orangeroten Kellertüren zusammensetzte, wurde restauriert und in den Räumen nachgebildet. Die Tapeten, die Linoleumböden und Schieferplatten wurden sorgfältig analysiert und restauriert, um die ursprüngliche Atmosphäre zu bewahren.

Ein besonderes Augenmerk galt auch der Haustechnik. Die Römerstadt war die erste voll elektrifizierte Siedlung Deutschlands, und das Ernst-May-Haus war daher mit einer innovativen Ausstattung versehen. Es besaß Warmwasser aus dem Boiler, Elektroherde und Anschlussmöglichkeiten für kleinere Geräte wie Wasserkocher. Ein Kühlschrank bestand damals noch aus einem Küchenschrank, der von außen belüftet wurde. Bei der Sanierung wurde dieser Aspekt durch moderne Haustechnik ergänzt, etwa durch die Installation einer Luftwärmepumpe, die problemlos nachgerüstet werden kann.

Energetische und bauliche Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierung des Ernst-May-Hauses umfasste eine Vielzahl von energetischen und baulichen Maßnahmen, die darauf abzielten, die Energieeffizienz des Gebäudes zu steigern, ohne seine historische Substanz zu zerstören. So wurden die Fassade und das Dach gedämmt, neue Fenster eingesetzt und der Kellerboden erneuert, um ihn von unten dämmen zu können. Die feuchten Kellerwände erhielten eine neue Außenabdichtung sowie frische Fugen.

Ein besonderer Fokus lag auf der Wärmedämmung. Die Fassade wurde sorgfältig isoliert, um die Wärmeverluste zu minimieren, während gleichzeitig die Optik des Gebäudes bewahrt blieb. Die Dämmung erfolgte so, dass sie optisch nicht auffiel – eine Herausforderung, die oft bei der Sanierung von Baudenkmalen besteht. Zudem wurden neue Fenster eingesetzt, die den ursprünglichen Formen und Materialien nachgebildet wurden, aber mit modernen Dämmwerten ausgestattet waren.

Auch die Haustechnik wurde modernisiert. Die Installation einer Luftwärmepumpe ist beispielsweise ein Schritt in Richtung klimafreundlicher Heizungstechnik, die für den langfristigen Betrieb des Hauses relevant ist. Zudem wurde der Kellerboden so erneuert, dass er nicht nur dämmend, sondern auch wasserschutztechnisch sicher ist.

Diese Maßnahmen zeigten, dass eine sorgfältige, auf das Gebäude abgestimmte Sanierung es ermöglicht, die Energieeffizienz deutlich zu steigern, ohne den historischen Charakter des Hauses zu verlieren. Die Sanierung machte zudem die ursprüngliche Klarheit und Einfachheit des Entwurfs von Ernst May wieder erlebbar und verband sie mit den Anforderungen eines modernen Wohnhauses.

Gartengestaltung und äußere Erscheinung

Ein weiteres wichtiges Element der Sanierung war die Gartengestaltung. Der Garten des Ernst-May-Hauses wurde 1928 nach Plänen des Gartenarchitekten Leberecht Migge angelegt und wurde im Zeitraum von 2007 bis 2008 rekonstruiert. Die ursprüngliche Konzeption sah eine Vielzahl von Nutzungen auf engstem Raum vor: Terrasse, Staudenbeet, Schnittblumen, Ziersträucher und Weingewächse. Diese Elemente wurden in der Sanierung wiederhergestellt, um die ursprüngliche Funktion und Ästhetik des Gartens zu bewahren.

Die Terrasse diente als Erweiterung des Wohnraums und wurde durch Weinreben beschattet, die an Drähten hochgezogen wurden. Diese Pflanzung hatte einen doppelten Nutzen: Im Frühjahr und Sommer sorgten die Blätter für Schatten, so dass die Innentemperatur auf einem angenehmen Niveau blieb, während im Herbst das Laub abfiel und so mehr Licht in den Wohnraum ließ, der dann erwärmt wurde. Diese Form der natürlichen Klimaregulation ist ein Beispiel für die innovative Planung, die in der Siedlung des „Neuen Frankfurts“ umgesetzt wurde.

Die Rekonstruktion des Gartens betonte nicht nur die funktionale Nutzung, sondern auch die ästhetische Qualität. Die Terrasse, die Staudenbeete und die Weingewächse wurden so angelegt, dass sie die ursprüngliche Erscheinung des Hauses ergänzten und gleichzeitig eine natürliche Harmonie erzeugten. Die Gartengestaltung ist somit ein weiteres Beispiel dafür, wie bei der Sanierung von Baudenkmalen auch die Außenbereiche sorgfältig berücksichtigt werden müssen, um das Ganzheitsbild des Hauses zu bewahren.

Erfahrungen aus der Sanierung: Herausforderungen und Lösungen

Die Sanierung des Ernst-May-Hauses bot zahlreiche Herausforderungen, die auf die spezifische Situation des Hauses zurückzuführen waren. Einer der größten Herausforderungen bestand darin, die historische Substanz so weit wie möglich zu erhalten, während gleichzeitig moderne Anforderungen an Wohnqualität und Energieeffizienz erfüllt wurden. Dies erforderte eine sorgfältige Planung und Ausführung, die in enger Zusammenarbeit zwischen Architekten, Handwerkern und Denkmalschützern stattfand.

Ein weiteres Problem, mit dem die Sanierungscrew konfrontiert war, bestand in der Ermittlung der ursprünglichen Materialien und Farbgestaltungen. Bei der Sanierung stellte sich heraus, dass die Innenräume eine sehr vielfältige Farbgebung aufwiesen, die nicht einheitlich war. Die Fensterrahmen waren blau, die Türen grau, das Treppenhaus gelb, und die Kellertür orangerot. Diese Farben wurden in der Sanierung wiederhergestellt, um die ursprüngliche Atmosphäre des Hauses zu bewahren.

Ein weiterer Aspekt, der bei der Sanierung berücksichtigt werden musste, war die Haustechnik. Das Ernst-May-Haus war bereits 1920er-Jahre mit moderner Ausstattung versehen, darunter Elektroherde und Anschlussmöglichkeiten für kleinere Geräte. Bei der Sanierung wurde diese Ausstattung durch moderne Technik ergänzt, wobei besonderer Wert auf die Integration in die historische Struktur gelegt wurde. So wurde beispielsweise eine Luftwärmepumpe installiert, die problemlos nachgerüstet werden kann, ohne die äußere Erscheinung des Hauses zu beeinträchtigen.

Ein weiteres Problem, das sich bei der Sanierung stellte, war die Erhaltung des Gartens. Der Garten war in seiner ursprünglichen Form ein komplexes System aus Terrasse, Staudenbeet, Schnittblumen und Weingewächsen, die alle ihre eigenen Anforderungen an die Pflege und Gestaltung stellten. Die Rekonstruktion des Gartens erforderte daher eine sorgfältige Planung und Ausführung, die auf die ursprünglichen Pläne zurückgriff und gleichzeitig modernen Anforderungen entsprach.

Fazit

Die Sanierung des Ernst-May-Hauses in der Römerstadt bietet eine exemplarische Demonstration dafür, wie Baudenkmäler aus der Zeit der Weimarer Republik sorgfältig und fachgerecht restauriert werden können. Die Sanierungsarbeiten, die von 2005 bis 2009 durchgeführt wurden, zeigten, dass es möglich ist, die historische Substanz eines Gebäudes zu bewahren, ohne dabei auf moderne Anforderungen an Wohnqualität und Energieeffizienz zu verzichten. Die Sanierung war ein komplexes Projekt, das sowohl architektonische als auch technische Aspekte berücksichtigte und in enger Zusammenarbeit mit Architekten, Handwerkern und Denkmalschützern durchgeführt wurde.

Die Erfahrungen, die bei dieser Sanierung gesammelt wurden, können für zukünftige Projekte wertvoll sein. Sie zeigen, dass eine sorgfältige Planung, die auf die spezifischen Bedingungen des jeweiligen Gebäudes abgestimmt ist, entscheidend ist für den Erfolg einer Sanierung. Zudem betonen sie die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen und der Einbeziehung der ursprünglichen Planung in die heutige Ausführung.

Die Siedlungen des „Neuen Frankfurts“ und insbesondere das Ernst-May-Haus sind nicht nur historische Baudenkmäler, sondern auch lebende Beispiele dafür, wie Architektur die Lebensqualität der Menschen steigern kann. Sie demonstrieren, dass es möglich ist, moderne Anforderungen mit traditionellen Werten zu verbinden und so ein nachhaltiges Wohnen zu ermöglichen. Diese Erkenntnisse können für die heutige Baubranche von großer Bedeutung sein, insbesondere angesichts der steigenden Anforderungen an Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung.

Quellen

  1. May-Haus, 1927-1928
  2. Ernst-May-Haus in der Römerstadt
  3. Frankfurter Gaddehüdde und andere Schätze
  4. Architektur-Sommerkamp: Ernst-May-Haus

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