Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG WG) ist ein zentrales Instrument für die energetische Sanierung von Wohngebäuden in Deutschland. Sie unterstützt Eigentümer bei Maßnahmen, die den Energieverbrauch verringern und somit zur langfristigen Kosteneinsparung und Klimaschutz beitragen. In diesem Artikel wird die BEG WG-Förderung detailliert erläutert, einschließlich der Anforderungen, Vorteile, Finanzierungsmodalitäten und der praktischen Umsetzung. Ziel ist es, eine umfassende Orientierung für Eigentümer und Fachbetriebe zu bieten, die eine Sanierung planen.
Einführung in die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG WG)
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG WG) ist eine staatliche Finanzspritze für die Sanierung und Modernisierung von Wohngebäuden mit dem Ziel, deren Energieeffizienz zu steigern. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende in Deutschland und wird seit 2021 durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie die KfW-Bank verantwortet. Die BEG WG ersetzt dabei das ehemalige CO2-Gebäudesanierungsprogramm und das Marktanreizprogramm (MAP), die in der Zwischenzeit ausgelaufen sind.
Die Förderung ist für Gebäude gedacht, die mindestens fünf Jahre alt sind und in eine der sogenannten Effizienzhaus-Stufen (EH 40, EH 55, EH 70, EH 85) oder die Denkmalschutzstufe gebracht werden. Ziel ist es, den Primärenergiebedarf des Gebäudes deutlich zu senken, um langfristige Energiekosten zu reduzieren und gleichzeitig den CO2-Ausstoß zu verringern.
Die BEG WG-Förderung ist ausschließlich in Form von Darlehen mit Tilgungszuschüssen erhältlich. Die Höhe der Tilgungszuschüsse hängt von der erreichten Effizienzhaus-Stufe und weiteren Boni ab, die unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch genommen werden können.
Anforderungen an die Sanierung
Um an der BEG WG-Förderung teilnehmen zu können, müssen Sanierungsmaßnahmen konkrete technische und formale Anforderungen erfüllen. Diese Anforderungen sind in der Förderverordnung festgelegt und durch das KfW-Effizienzhaus-Programm konkretisiert.
1. Effizienzhaus-Stufen
Die Sanierung muss mindestens die Effizienzhaus-Stufe 85 erreichen. Dabei handelt es sich um eine Einteilung, die den Primärenergiebedarf des Gebäudes beschreibt. Je niedriger die Zahl, desto geringer ist der Energieverbrauch und desto höher ist die Förderung. Die aktuelle Übersicht der Stufen lautet wie folgt:
- EH 85: Primärenergiebedarf ≤ 85 kWh/(m²a)
- EH 70: ≤ 70 kWh/(m²a)
- EH 55: ≤ 55 kWh/(m²a)
- EH 40: ≤ 40 kWh/(m²a)
Die Effizienzhaus-Stufe 40 ist der aktuelle Höchststandard und ersetzt den ehemaligen KfW-55-Standard.
2. Altersvorgaben
Die Sanierung darf nur an Gebäuden durchgeführt werden, die mindestens fünf Jahre alt sind. Für Neubauten, die unter den KfW-55-Standard fallen, gibt es keine Förderung mehr über die BEG WG. Stattdessen wurde die BEG Neubau-Förderung eingerichtet, die ausschließlich für Gebäude der Effizienzhaus-Stufe 40 und mit Nachhaltigkeitszertifizierung (z. B. DGNB) gilt.
3. Kombinationsregeln
Die BEG WG kann nicht mit der BEG EM kombiniert werden, wenn gleiche Maßnahmen gefördert werden. Das bedeutet, dass Kosten, die bereits über die BEG EM (z. B. Heizungstausch) gefördert wurden, nicht erneut im Rahmen der BEG WG geltend gemacht werden dürfen. Einzige Ausnahme: Maßnahmen, die über die BEG EM gefördert werden, dürfen in der BEG WG nicht erneut genutzt werden – sie müssen jedoch in der Gesamtsanierung einbezogen sein.
4. Bonussystem
Neben der Grundförderung gibt es zusätzliche Boni, die die Förderung erhöhen können. Die Boni sind in mehreren Kategorien unterteilt:
- EE-Bonus (Erneuerbare Energien): Erhöht die Förderung um 10 %, wenn 100 % der Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien (z. B. Wärmepumpe, Solarthermie) erfolgt.
- NH-Bonus (Nachhaltigkeitszertifizierung): Für Gebäude mit DGNB- oder gleichwertiger Zertifizierung gibt es einen zusätzlichen Bonus.
- WPB-Bonus (Wärmepumpenbonus): Für den Einbau einer Wärmepumpe gibt es einen weiteren Zuschlag.
- SerSan-Bonus (Serienmaßnahmen): Wenn mindestens 70 % der Wohneinheiten in einem Gebäude saniert werden, gibt es einen zusätzlichen Zuschlag.
Je nach Kombination der Boni kann die Gesamtförderung bis zu 45 % betragen.
5. Begleitende Energieberatung
Für besonders umfassende Sanierungen ist die Inanspruchnahme eines Energieeffizienz-Experten (EEE) vorgeschrieben. Der Energieeffizienz-Experte unterstützt bei der Planung, Begutachtung und Optimierung der Sanierungsmaßnahmen und erhält dafür einen separaten Zuschuss. Diese Regelung ist Teil des Bonus-Systems und kann die Gesamtplanung verbessern.
Finanzierungsmodalitäten der BEG WG
Die BEG WG-Förderung wird ausschließlich in Form von Darlehen mit Tilgungszuschüssen vergeben. Das bedeutet, dass die Darlehen vergleichsweise niedrige Zinsen aufweisen und zudem ein Teil der Tilgung durch den Staat übernommen wird. Die Darlehen werden über die KfW-Bank vergeben und dort als Programm 261 "BEG Wohngebäude" firmieren.
1. KfW-Programm 261
Das KfW-Programm 261 ist das zentrale Finanzierungsinstrument für die BEG WG. Es bietet folgende Konditionen:
- Zinsen: ab 2,29 % effektiver Jahreszins
- Kredithöhe: bis zu 120.000 € oder 150.000 € je Wohneinheit
- Tilgungszuschuss: bis zu 37.500 € je Wohneinheit, abhängig von der Effizienzhaus-Stufe und Boni
- Laufzeit: bis zu 30 Jahre
Die Kredite können in Form von Annuitätendarlehen oder endfälligen Darlehen beantragt werden.
2. Zeitliche Abwicklung
- Antragstellung: Der Förderantrag muss vor Baubeginn gestellt werden.
- Bearbeitungszeitraum: Nach Antragstellung hat der Eigentümer 12 Monate, um mit der Sanierung zu beginnen. Bei außergewöhnlichen Umständen kann dieser Zeitraum um bis zu 60 Monate verlängert werden.
- Dokumentation: Nach Abschluss der Sanierung muss der Eigentümer die erforderliche Dokumentation einreichen, um die Förderung zu erhalten.
3. Bewilligung und Kombination
Die BEG WG kann in Kombination mit anderen Krediten genutzt werden, wie z. B. einem Baufinanzierungsdarlehen. Sie kann aber nicht mit der BEG EM kombiniert werden, da es sich um identische Maßnahmen handeln könnte. Es ist wichtig, die Kombinationsregeln genau zu prüfen, um doppelte Förderung oder Ablehnungen zu vermeiden.
Praktische Umsetzung und Vorteile
Die Umsetzung einer Sanierung unter Zuhilfenahme der BEG WG-Förderung erfordert eine sorgfältige Planung und eine enge Zusammenarbeit mit qualifizierten Handwerkern und Beratern. Im Folgenden werden die wichtigsten Schritte und Vorteile im Detail beschrieben.
1. Planung und Beratung
- Beratung durch Heizungsinstallateur oder Energieberater: Vor der Antragstellung ist eine individuelle Beratung erforderlich, um die Sanierungsmaßnahmen und die Erreichbarkeit der Effizienzhaus-Stufe abzuklären.
- Energieberatung durch EEE: Für umfassende Sanierungen ist die Inanspruchnahme eines Energieeffizienz-Experten vorgeschrieben, der die Maßnahmen begleitet und optimiert.
2. Antragstellung
- Online-Portal: Der Antrag wird über das BAFA-Portal gestellt und dort vollständig online bearbeitet.
- Unterlagen: Dazu gehören die Sanierungsplanung, Energieberechnung, Bauleistungsverzeichnis und im Bedarfsfall Nachweise über die Erreichen der Effizienzhaus-Stufe.
3. Vorteile der BEG WG
- Günstige Finanzierung: Die Kombination aus niedrigen Zinsen und Tilgungszuschüssen macht die Sanierung finanziell attraktiv.
- Langfristige Einsparungen: Durch die Verringerung des Energiebedarfs entstehen langfristig geringere Betriebskosten.
- CO2-Reduktion: Die Sanierung beiträgt zum Klimaschutz und erfüllt nationale und internationale Klimaziele.
- Wertsteigerung: Energieeffiziente Gebäude weisen einen höheren Verkaufs- und Mietwert auf.
Fazit
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG WG) ist ein zentrales Instrument für die energetische Sanierung von Wohngebäuden in Deutschland. Sie ermöglicht Eigentümern, Investitionen in die Energieeffizienz ihrer Immobilien zu tätigen, bei denen sie staatliche Unterstützung in Form von günstigen Krediten mit Tilgungszuschüssen erhalten. Die Förderung ist abhängig von der erreichten Effizienzhaus-Stufe und weiteren Boni, die zusätzliche Vorteile bieten können.
Voraussetzung für die Teilnahme an der BEG WG ist die Erreichung eines bestimmten Energieeffizienzniveaus, wobei die Sanierung mindestens in die Effizienzhaus-Stufe 85 einzuordnen ist. Für besonders umfassende Maßnahmen und Nachhaltigkeitszertifizierungen sind zusätzliche Boni erhältlich. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über das KfW-Programm 261, das flexible Konditionen und eine lange Laufzeit bietet.
Die praktische Umsetzung erfordert eine sorgfältige Planung, eine enge Zusammenarbeit mit qualifizierten Handwerkern und, bei Bedarf, einen Energieeffizienz-Experten. Der Fördervorgang gestaltet sich transparent und digital, wodurch die Antragstellung für viele Eigentümer leicht zugänglich ist.
Insgesamt ist die BEG WG eine wertvolle Förderung für Eigentümer, die in die Zukunft ihres Hauses investieren möchten – mit langfristigen Vorteilen für die Umwelt, die Wirtschaftlichkeit und den Wohnwert.