Der FC Wolterdingen hat in den letzten Jahren einen bedeutenden Schwerpunkt gesetzt: den Umbau seines Tennenplatzes zu einem modernen Kunstrasenplatz. Dieser Prozess spiegelt nicht nur die technischen und finanziellen Herausforderungen wider, die bei der Sanierung von Sportplätzen anfallen, sondern auch die zukunftsorientierte Haltung des Vereins. Der FC Wolterdingen, der auf ein 100-jähriges Bestehen zurückblicken kann, hat sich entschieden, den alten Tennenplatz abzubrechen und durch einen Kunstrasenplatz zu ersetzen. Der neue Platz ist nicht nur ein Symbol für Investition und Modernisierung, sondern auch für den langfristigen Erhalt der Sportinfrastruktur im ländlichen Raum.
Der Tennenplatz: Ein klassisches, aber problematisches Konstrukt
Ein Tennenplatz, auch als Aschen- oder Hartplatz bezeichnet, war traditionell eine verbreitete Sportfläche im Fußball. In den Bereichen, in denen der FC Wolterdingen aktiv ist – im Schwarzwald-Baar-Kreis –, war der Tennenplatz lange Zeit eine Standardausstattung. Doch dieser Sportbelag hat im Laufe der Zeit an Attraktivität verloren. Er weist eine Vielzahl von Nachteilen auf, die insbesondere in Bezug auf Spielkomfort, Verletzungsrisiken und Pflege aufgezeigt werden können.
Zunächst ist die Spielqualität auf einem Tennenplatz stark eingeschränkt. Die Oberfläche ist oft uneben und besteht aus grobem Material, das weder das Ballroll- noch das Ballspringverhalten eines Naturrasens nachahmt. Zudem kann die Fläche im Regen oder bei Frost stark beschädigt werden. Die sogenannte „Aschendecke“ wurde in den letzten Jahrzehnten weitgehend ausgemustert, da sie aufgrund ihres Schadstoffgehalts gesundheitlich bedenklich ist. Zudem ist die Drainage oft unzureichend, was zu Staunässe und damit verbundenen Schäden führt.
Ein weiterer Nachteil liegt in der hohen Verletzungsgefahr. Auf einem Tennenplatz ist das Risiko von Knochenbrüchen, Verstauchungen und Blessuren deutlich höher als auf Naturrasen oder Kunstrasen. Die harte, unelastische Oberfläche wirkt beim Aufprall nicht abschäumend, was zur Übertragung von hohen Kräften auf Gliedmaßen und Gelenke führt.
In Bezug auf die Pflege und Sanierung ist der Tennenplatz ebenfalls problematisch. Obwohl die Pflege auf dem ersten Blick einfach erscheint – Abziehen, Walzen, Beregnen und Linieren –, erfordert sie im Laufe der Zeit intensive Wartungsarbeiten. Frostwechsel führen zur Entmischung der Deckschicht, was die Oberfläche spröde und steinig macht. Die Durchlässigkeit für Wasser sinkt, was wiederum zu Ablagerungen und Schäden führt. In der Regel ist eine Sanierung des Tennenbelags alle 15–25 Jahre erforderlich. Diese Kosten liegen in ähnlicher Höhe wie die Sanierung eines Kunstrasenplatzes.
Der Kunstrasen: Ein zukunftsfähiger Sportbelag
Im Gegensatz zum Tennenplatz bietet der Kunstrasen eine Vielzahl von Vorteilen, die in der heutigen Sportinfrastruktur immer mehr an Bedeutung gewinnen. Der FC Wolterdingen hat diesen Trend erkannt und aktiv umgesetzt.
Die moderne Kunstrasenfläche der 3. und 4. Generation ist heute so konzipiert, dass sie sich deutlich näher an das Spielgefühl eines Naturrasens annähert. Die Kunsthalme sind weicher, die Unterlage ist elastischer, und die Drainage ist effizienter. Zudem ist der Kunstrasen weitaus weniger anfällig für Wetterbedingungen. Ein Spiel auf Kunstrasen ist auch bei Regen oder Frost möglich, da die Oberfläche nicht so stark wie ein Tennenplatz oder Naturrasen in Mitleidenschaft gezogen wird.
Ein weiterer Vorteil des Kunstrasens liegt in der Verletzungsreduktion. Durch die elastische Unterlage und die bessere Absorption von Aufpralls werden Gelenke und Knochen weniger belastet. Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Kunstrasenplätze weniger Verletzungen verursachen als Tennenplätze. Der FC Wolterdingen hat diese Aspekte berücksichtigt, insbesondere in der Jugendabteilung, wo der Schutz vor Blessuren eine große Rolle spielt.
Die Pflege eines Kunstrasenplatzes ist deutlich einfacher als die eines Tennen- oder Naturrasenplatzes. Obwohl auch hier eine gewisse Wartung erforderlich ist – beispielsweise das Entfernen von Ablagerungen, das Reinigen der Linien und gelegentliche Reinigung der Oberfläche –, sind die Kosten und der Arbeitsaufwand erheblich geringer. Zudem hat der Kunstrasen eine längere Haltbarkeit. Hersteller geben eine Nutzungsdauer von 12–18 Jahren an, wobei intensive Nutzung diese Zeitspanne verkürzen kann. Ist der Kunstrasen „abgespielt“, kann die Oberfläche ausgetauscht werden, während die elastische Schicht unter der Kunstrasenfläche weiter genutzt werden kann.
Der Umbau: Herausforderungen, Kosten und Finanzierung
Der Umbau des Tennenplatzes des FC Wolterdingen zu einem Kunstrasenplatz war ein komplexer Prozess, der sowohl finanziell als auch organisatorisch Herausforderungen mit sich brachte. Die Kosten für den Umbau lagen bei etwa 260.000 Euro. Diese Summe beinhaltet die Entfernung des alten Tennenbelags, die Vorbereitung des Unterbaus und die Installation der neuen Kunstrasenfläche. Zudem mussten Zaunanlagen und der Außenpflasterbelag neu gestaltet werden.
Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch eine Kombination aus öffentlichen Zuschüssen, Fördermitteln und Eigenleistungen. Die Stadt Donaueschingen stellte einen Zuschuss in Höhe von 100.000 Euro bereit, während der Badische Sportbund Freiburg mit 85.000 Euro einen weiteren Beitrag leistete. Der Verein selbst brachte zusätzliche Mittel ein und konnte durch ehrenamtliche Arbeit und Eigenleistungen erhebliche Kosten sparen.
Um die Finanzierung weiter voranzutreiben, setzte der FC Wolterdingen auch auf Crowdfunding. In Zusammenarbeit mit der Volksbank wurde eine Aktion ins Leben gerufen, bei der Spenden verdoppelt werden konnten. Dies ermöglichte es vielen Mitgliedern und Unterstützern, direkt zum Projekt beizutragen. Zudem ist der Verein weiterhin auf Spenden angewiesen, um den langfristigen Betrieb des Platzes sicherzustellen.
Der Nutzen des neuen Kunstrasenplatzes
Der neue Kunstrasenplatz ist nicht nur eine Investition in die Zukunft des FC Wolterdingen, sondern auch ein Gewinn für die gesamte Region. Der Platz wird von der Herrenmannschaft genutzt, die sich unter der Leitung von Trainer Massimo Guaglianone intensiv auf die neue Saison vorbereitet. Zudem sind mehrere Freundschaftsspiele auf dem Gelände geplant, was den lokalen Begeisterungsfaktor steigert und weitere Zuschauer anzieht.
Auch für die Jugendabteilung ist der neue Kunstrasenplatz ein Meilenstein. Die Jungen und Mädchen können nun auf einer sicheren, gut ausgestatteten Fläche trainieren und spielen. Der Verein hat zudem einen Förderverein gegründet, der unter anderem den Betrieb der Vereinsgaststätte sichern und weitere Projekte finanzieren will. Der symbolische Mitgliedsbeitrag von 19,20 Euro, der sich an das Gründungsjahr des Vereins anlehnt, soll dabei helfen, die Struktur des Vereins langfristig zu stabilisieren.
Fazit
Der Umbau des Tennenplatzes zum Kunstrasenplatz des FC Wolterdingen ist ein Beispiel für zukunftsorientiertes Denken und Engagement. Der Verein hat sich bewusst für eine Investition entschieden, die nicht nur die sportliche Qualität verbessert, sondern auch die Sicherheit der Spieler erhöht und die Pflegekosten langfristig reduziert. Mit einer Kombination aus öffentlichen Mitteln, Eigenleistungen und Spenden ist es gelungen, ein Projekt umzusetzen, das für die gesamte Region von Bedeutung ist.
Die Erfahrung des FC Wolterdingen zeigt, dass der Umbau von Sportplätzen eine Herausforderung, aber auch eine Chance ist. Mit guter Planung, finanzieller Unterstützung und ehrenamtlichem Engagement kann eine alte Fläche zu einem modernen, attraktiven Spielgelände werden. Der FC Wolterdingen hat bewiesen, dass es möglich ist – und der neue Kunstrasenplatz ist ein Beweis dafür.
Quellen
- Südkurier – Adios Hartplatz, Hallo Kunstrasenplatz
- Schwarzwälder Bote – Donaueschingen: Fussballclub dankt für die Umbauhilfe
- FC Wolterdingen – Verein
- Eurogreen – Sportplatzsanierung
- Büro Hoppe – Naturrasen, Tennenflächen und Kunstrasen im Vergleich
- FC Wolterdingen – News Detailanzeige
- Schwarzwälder Bote – Vereine in Donaueschingen