Die Generalsanierung der Münchner Hauptfeuerwache 1 ist eines der bedeutendsten und aufwendigsten städtischen Bauprojekte der letzten Jahre. Als Herzstück der Münchner Berufsfeuerwehr und historische Gebäudeanlage aus dem Jahr 1904, die bis heute als zentraler Einsatzort genutzt wird, verlangt die Sanierung nicht nur technische und konstruktive Kompetenz, sondern auch ein hohes Maß an Sensibilität gegenüber dem Denkmalschutz. Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt ca. 110 Millionen Euro und drei Bauabschnitten bis 2025 wird die Hauptfeuerwache generalsaniert, erweitert und auf moderne Sicherheits- und Funktionsstandards gebracht. Im Folgenden werden die historischen Hintergründe, die konkreten Sanierungsmaßnahmen, die Herausforderungen und die konstruktiven Lösungen detailliert erläutert.
Historische Entwicklung und Funktion der Hauptfeuerwache
Die Hauptfeuerwache München wurde zwischen 1902 und 1904 von den Architekten Carl Hocheder und Robert Rehlen errichtet. Sie ersetzte das bis dahin genutzte „Zentralfeuerhaus“, das als veraltet und zu klein für die damaligen Anforderungen angesehen wurde. Der Bau verbindet architektonische Eleganz mit technischer Pionierleistung. So war es zu seiner Zeit revolutionär, dass die Pferdegespanne der Feuerwehr bereits nach 40 Sekunden nach Alarmierung aus den Ställen starten konnten. Die elektrisch entriegelten Tore und die innovative Aufhängevorrichtung der Pferdegeschirre ermöglichten eine schnelle Ausrückzeit, die bis heute als beeindruckendes technisches Denkmal gilt.
Die Hauptfeuerwache selbst ist ein stolzes Beispiel für den Neorenaissance-Stil mit markanten Erdgeschossarkaden, die die Torausfahrten der Feuerwehrautos überspannen. Der viergeschossige Bau am Altstadtring ist nicht nur eine historische Stätte, sondern auch ein lebendiges, funktionales Gebäude, das bis heute als zentraler Einsatzort der Berufsfeuerwehr dient. Im Jahr 1907 wurde ein Erweiterungsgebäude am Unteren Anger errichtet, das bis heute als Rückgebäude genutzt wird.
Notwendigkeit der Generalsanierung
Die Hauptfeuerwache, obwohl in ständiger Nutzung, war bis zur aktuellen Sanierung nicht mehr auf den heutigen technischen und Sicherheitsstandards. Bereits in den 1970er Jahren erfolgten Renovierungen, doch diese reichten nicht aus, um die Anforderungen der heutigen Zeit zu erfüllen. Der Stadtrat München hatte 2017 den Beschluss gefasst, die Sanierungsarbeiten in drei Bauabschnitten bis 2025 durchzuführen, wobei der erste Abschnitt im Jahr 2019 begann.
Die Hauptgründe für die Sanierung lassen sich in mehreren Kategorien zusammenfassen:
- Standsicherheit: Nach langjähriger Nutzung und altersbedingten Mängeln war die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet.
- Brandschutz: Zahlreiche Mängel im Brandschutzbereich wurden festgestellt, darunter die Verlegung wichtiger elektrischer Leitungen in Fluren, die als Rettungswege genutzt werden. Hohlräume und Leitungsschächte könnten Rauch und Qualm verbreiten.
- Schallschutz und Arbeitsschutz: Die Gebäudeanlage war nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Schallschutz- und Arbeitsschutzverordnungen.
- Wärmeschutz und Energieeffizienz: Die alten Fassaden und Fenster konnten nicht mehr den heutigen Wärmeschutz- und Energieeffizienzanforderungen genügen.
Diese Mängel machten eine umfassende Sanierung notwendig, um die Sicherheit der Einsatzkräfte und der Bevölkerung zu gewährleisten, sowie den Betrieb der Feuerwehr auch in den nächsten Jahrzehnten aufrechtzuerhalten.
Die Sanierungspläne und Bauphasen
Die Sanierung der Hauptfeuerwache ist in drei Bauabschnitten (BA) organisiert:
1. Bauabschnitt: Unteres Anger 8 und 9
Der erste Bauabschnitt umfasst das Gebäude am Unteren Anger 8 und 9, das als Dienstgebäude mit Stallungen, Dienstzimmern und Wohnungen errichtet wurde und als Baudenkmal in der Denkmalliste geführt wird. Die Sanierung dieses Abschnitts begann Mitte 2019 und kostete etwa 21 Millionen Euro. Ziel ist es, die Verwaltungseinheiten vorübergehend auszulagern und die Gebäudestruktur so zu sanieren, dass sie den heutigen Sicherheits- und Funktionanforderungen entsprechen.
2. Bauabschnitt: Rückgebäude und Innenhof
Im zweiten Bauabschnitt wird das Rückgebäude generalsaniert und um ein Geschoss aufgestockt. Die Klinkerfassade wird rückgebaut und durch eine vorgehängte Fassade ersetzt, um die Energieeffizienz zu verbessern. Der Innenhof, der sich über mehrere Ebenen erstreckt, wird neu gestaltet. Im Zuge der Baumaßnahme entstehen neue Innenhofnutzungen sowie Bereiche mit extensiver und intensiver Dachbegrünung und Dachterrassen. Zudem wird die bestehende Tiefgarage größtenteils neu erstellt. Der Zugang zum Innenhof erfolgt über eine neu geschaffene Durchfahrt, die den Fluchtweg und den Ausrückverkehr der Einsatzfahrzeuge nicht behindert.
3. Bauabschnitt: Hauptgebäude und Gerätehalle
Der dritte Bauabschnitt beinhaltet die Generalsanierung des Hauptgebäudes, einschließlich der Gerätehalle, die als größter Innenraum und zentraler Ausrückort der Einsatzfahrzeuge dient. Das Hauptgebäude soll bis 2025 saniert und aufgestockt werden. Die alten Fassaden, die bereits in der Zeit des Bauabschnitts 2 ersetzt wurden, sollen ergänzt werden, und die Gerätehalle soll technisch modernisiert werden. Provisorien für den Betrieb der Feuerwehr während der Sanierungsarbeiten werden im Rückgebäude eingerichtet und nach Abschluss der Arbeiten wieder abgebaut.
Konzeptionelle Lösungen und nachhaltige Baupraktiken
Die Sanierung der Hauptfeuerwache ist nicht nur ein Projekt zur Sicherstellung der Funktionstauglichkeit, sondern auch ein Modellbeispiel für nachhaltige Baupraktiken in der Sanierung historischer Gebäude.
Denkmalschutz und Moderne im Einklang
Da Teile der Gebäudeanlage als Baudenkmal geschützt sind, war es notwendig, die Sanierungsmaßnahmen mit besonderer Sensibilität durchzuführen. So wurden historische Elemente wie die Erdgeschossarkaden bewahrt, während gleichzeitig moderne Materialien und Techniken eingesetzt wurden, um die Energieeffizienz und Sicherheit zu verbessern. Die Klinkerfassaden wurden beispielsweise durch vorgehängte Fassaden ersetzt, die thermisch besser isolieren und gleichzeitig optisch den Charakter des Gebäudes bewahren.
Grüne Dächer und nachhaltige Infrastruktur
Ein weiteres Schwerpunktthema der Sanierung ist die Integration von nachhaltiger Infrastruktur. So sind in den Bauabschnitten 2 und 3 extensiv und intensiv begrünte Dächer vorgesehen. Die Dachbegrünung verbessert nicht nur das Klima in der Innenstadt, sondern reduziert auch Schadstoffe und trägt zur Schallabsorption bei. Zudem sind Dachterrassen geplant, die als zusätzliche Aufenthaltsflächen für die Einsatzkräfte dienen.
Umgang mit beengten Platzverhältnissen
Die Sanierungsarbeiten fanden in enger städtischer Umgebung statt, was besondere Herausforderungen hinsichtlich Platzverhältnissen und Logistik mit sich brachte. Es war notwendig, Pkw- und Fahrradstellplätze, Übungshöfe, Anlieferbereiche sowie ein Müllkonzept für verschiedene Nutzungsbereiche (Dienstwohnungen, Wache, Sondermüll) in das Gesamtprojekt zu integrieren, ohne dabei die Ausrückwege der Einsatzfahrzeuge zu behindern. Zudem wurde ein neuer Kinderspielplatz für die Dienstwohnungen eingerichtet, was die Nutzungskomfort für die dort lebenden Familien der Feuerwehr verbessert.
Herausforderungen und Lösungen im Betriebskontinuität
Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung war es, den Betrieb der Hauptfeuerwache trotz Bauarbeiten aufrechtzuerhalten. Die Hauptfeuerwache ist die wichtigste Wache der Münchner Berufsfeuerwehr und verzeichnet jährlich etwa 10.000 Einsätze. Um die Sicherheit nicht zu gefährden, wurden Teile der Verwaltungseinheiten in andere Gebäude ausgelagert, wie z. B. in die frühere Feuerwache an der Nordendstraße oder in die Feuerwache an der Heimeranstraße. Diese Maßnahme ermöglichte es, dass die Einsatzkräfte und die Leitung der Feuerwehr weiterhin ihren Dienst leisten konnten, ohne durch die Sanierungsarbeiten eingeschränkt zu werden.
Ein weiteres Problem lag in der Integration moderner Brandschutzmaßnahmen in den historischen Bau. So mussten veraltete elektrische Leitungen verlegt und durch die Büros geführt werden, um die Gefahr einer Rauch- und Qualmverbreitung durch Hohlräume und Leitungsschächte zu minimieren. Zudem wurden Brandabschottungen der Zwischendecken und Feuerschutztüren nachgerüstet, um den aktuellen Brandschutzanforderungen zu entsprechen.
Fazit
Die Generalsanierung der Hauptfeuerwache 1 in München ist ein komplexes Projekt, das die Herausforderungen der Sanierung historischer Gebäude mit den Anforderungen der modernen Zeit verbindet. Mit einem Investitionsvolumen von 110 Millionen Euro und drei Bauabschnitten bis 2025 wird die Hauptfeuerwache generalsaniert, erweitert und auf den neuesten Stand gebracht. Die Sanierung umfasst nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern auch die Sicherstellung der Brandschutz- und Arbeitsschutzanforderungen sowie die Integration nachhaltiger Elemente wie grüne Dächer und Energieeffizienzmaßnahmen.
Durch die sorgfältige Planung, die Einbindung von Architekten wie Schmidt-Schicketanz und die Zusammenarbeit mit der Münchner Berufsfeuerwehr konnte ein Projekt realisiert werden, das sowohl historische Werte bewahrt als auch modernen Anforderungen gerecht wird. Die Hauptfeuerwache wird nach Abschluss der Sanierung nicht nur als zentraler Einsatzort der Münchner Berufsfeuerwehr dienen, sondern auch als Vorbild für die Sanierung historischer Gebäude in städtischen Zentren gelten.
Quellen
- Sanierung der Hauptfeuerwache 1: Rückgebäude generalsaniert und aufgestockt
- München saniert Hauptfeuerwache – Brandschutzmängel und Denkmalschutz
- Architektur der Sanierung: Innenhöfe und Dachbegrünung
- Feuerwache 1: Geschichte und Funktion
- Stadtratsbeschluss zur Sanierung der Hauptfeuerwache
- München saniert Hauptfeuerwache – Brandschutzmängel und moderne Anforderungen
- Stadtratsvorlage zur Sanierung der Hauptfeuerwache 1