Einleitung
Sanierung und Renovation von Gebäuden sind nicht nur technische Herausforderungen, sondern auch zentrale Themen in der modernen Baupolitik. Sie tragen zur Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und baulichen Qualität bei, wobei sie oft die Balance zwischen Schutz historischer Bausubstanz und Anforderungen an die heutige und zukünftige Nutzung finden müssen. An der Fachhochschule (FH) Erfurt sind mehrere Sanierungs- und Umbauprojekte in unterschiedlichen Phasen, die sowohl als Praxisbeispiele als auch als Forschungsfelder dienen. Diese Projekte spiegeln nicht nur den technischen Fortschritt wider, sondern auch die gesellschaftliche und ökologische Relevanz der Baubranche im Kontext der sogenannten Bauwende.
In diesem Artikel werden die aktuellsten und bedeutendsten Sanierungsprojekte an der FH Erfurt vorgestellt, mit Fokus auf die methodischen Ansätze, die verwendeten Materialien, die Beteiligung von Studierenden und das Zusammenspiel mit der lokalen Baukultur. Zudem wird der Beitrag der FH Erfurt an der Weiterentwicklung von Bauingenieurwesen, insbesondere im Bereich Building Information Modeling (BIM), besprochen.
Sanierung und Umbau statt Abriss – Prinzipien der Baukultur
Die FH Erfurt setzt sich aktiv für den Gedanken „Umbau statt Abriss“ ein, der im Zentrum der Ausstellung FIX IT! – Umbau statt Abriss steht, die 2025 im Bahnhallenareal der Stadt gezeigt wird. Diese Ausstellung, initiiert von Architects4Future und der EU-Bürger:inneninitiative HouseEurope!, unterstreicht die ökologische Notwendigkeit der Sanierung und Renovation bestehender Gebäude. Der Bausektor gilt weltweit als einer der größten CO₂-Emittenten, weshalb der Umbau statt der Zerstörung eine entscheidende Rolle in der Reduktion des ökologischen Fußabdrucks spielt.
In der FH Erfurt wird dieser Gedanke in mehreren Projekten praktisch umgesetzt. Beispielsweise wurde ursprünglich eine Sanierung der bestehenden Mensa geprüft, was aber später zugunsten eines Neubaus verworfen wurde. Dieser Entscheidung lag nicht nur der technische Zustand der Mensa zugrunde, sondern auch der Flächenbedarf der heutigen Anforderungen. Der Neubau der Mensa (zukünftig Gebäude C17) wird im Wintersemester 2028/2029 fertiggestellt und soll flexibel genutzte Räume bieten, die den Bedürfnissen der 6.000 Studierenden und Beschäftigten gerecht werden.
Ein weiteres Beispiel ist die Sanierung des Studienwohnheims in der Donaustraße. Dieses Plattenbau-Ensemble wird bis Ende 2027 grundhaft renoviert. Nach Abschluss der Arbeiten werden die Studierenden Einzelappartments mit eigener Küchenzeile und Bad beziehen können. Die Sanierung beinhaltet nicht nur die Erneuerung von Technik und Infrastruktur, sondern auch die Verbesserung der Energieeffizienz und des Wohnkomforts.
Das Institut für Bauphysikalische Qualitätssicherung (IBQS)
Die FH Erfurt betreibt mit dem Institut für Bauphysikalische Qualitätssicherung (IBQS) eine wissenschaftliche Einrichtung, die sich der Forschung in den Bereichen Gebäude- und Energietechnik, Bauphysik, Bauklimatik und Building Information Modeling (BIM) widmet. Das IBQS verfolgt das Ziel, Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen und in das Lehrangebot der FH zu integrieren. Zudem ist das Institut für Wissenstransfer zuständig, was bedeutet, dass es nicht nur theoretische Kenntnisse vermittelt, sondern auch praktische Anwendungen der Forschung demonstriert.
Ein Schwerpunkt des IBQS liegt auf der Qualitätssicherung im Bauwesen. Dies bezieht sich auf die präzise Planung, Ausführung und Nachkontrolle von Baumaßnahmen, um Fehler und Mängel frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Diese Methodik ist insbesondere bei Sanierungsprojekten wichtig, da sie sicherstellt, dass die ursprüngliche Struktur des Gebäudes erhalten bleibt, während gleichzeitig neue Anforderungen hinsichtlich Energieeffizienz, Nutzbarkeit und Sicherheit erfüllt werden.
BIM und digitales Bauen: Die Zukunft der Bauwirtschaft
Ein weiterer Schwerpunkt der FH Erfurt ist das Thema Building Information Modeling (BIM). BIM ist ein digitales Planungskonzept, das es ermöglicht, Gebäude virtuell zu erstellen, zu testen und zu optimieren, bevor sie real gebaut werden. Der Ansatz „Erst digital, dann real bauen“ hat sich in der Baubranche etabliert und wird von der FH Erfurt aktiv weiterentwickelt.
Die FH bietet daher berufsbegleitende Kurse und Workshops an, in denen Studierende und Praktiker in das BIM-Konzept eingeführt werden. So startete im Jahr 2023 eine dreiteilige Workshopreihe an der FH, geleitet von Prof. Dr.-Ing. Habeb Astour. Diese Workshops sind bei der Architektenkammer Thüringen und der Ingenieurkammer Thüringen anerkannt und tragen somit zu der Weiterbildung von Fachleuten im Bereich der Bauwirtschaft bei.
BIM wird insbesondere in Sanierungsprojekten vorteilhaft eingesetzt, da es ermöglicht, die bestehende Bausubstanz digital zu erfassen und zu analysieren. Dies hilft, die Planung von Umbaumaßnahmen präziser zu gestalten und Risiken sowie Kosten einzuschränken. An der FH Erfurt wird BIM nicht nur als reines Techniktool betrachtet, sondern auch als Teil eines umfassenden Prozesses, der Planung, Ausführung und Pflege von Gebäuden vernetzt.
Praxisnähe und Studiengänge: Der Beitrag der FH Erfurt zum Bauingenieurwesen
Die FH Erfurt hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1991 als Bildungseinrichtung mit stark praxisorientierter Ausbildung positioniert. Insbesondere in den Studiengängen des Bauingenieurwesens und der Architektur ist das Zusammenspiel von Theorie und Praxis ein zentraler Bestandteil. Die hohen Vermittlungsquoten bei Absolventen sprechen für die Qualität der Ausbildung, wobei die FH Erfurt ihre Absolventen in der Region Thüringen als unverzichtbare Akteure in der Bauwirtschaft etablieren konnte.
Die FH betreibt das Dezernat Bau und Liegenschaften, das für die Verwaltung der Immobilien der Hochschule verantwortlich ist. Dieses Dezernat kümmert sich um Raumreservierungen, Stellplatzverwaltung, Arbeitssicherheit, Technische Gebäudeausrüstung und die Bearbeitung von Schadens- und Reparaturmeldungen. Es ist somit ein zentraler Ansprechpartner für alle baulichen Anliegen innerhalb der FH.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Lehre und Praxis spiegelt sich auch in den Sanierungsprojekten wider. So ist es möglich, dass Studierende nicht nur theoretisch mit BIM oder Sanierungsstrategien vertraut gemacht werden, sondern auch praktisch an Projekten wie der Sanierung des Wohnheims in der Donaustraße oder am Neubau der Mensa beteiligt sind. Dies ermöglicht eine tiefere Einblicke in die Realitäten der Bauwirtschaft und stärkt die Kompetenzen der zukünftigen Bauingenieure.
Das Projekt der neuen Mensa: Sanierung oder Neubau?
Die Entscheidung, eine Sanierung der bestehenden Mensa zugunsten eines Neubaus zu verwerfen, war nach einer sorgfältigen Abwägung getroffen worden. Laut Angaben des Studierendenwerks Thüringen war die aktuelle Mensa im technischen Zustand nicht mehr ausreichend für die heutigen Anforderungen. Zudem war der Flächenbedarf für die Versorgung der rund 6.000 Studierenden und Beschäftigten nicht mehr lückenlos zu decken. Eine Sanierung war zwar geprüft, aber letztendlich nicht als ausreichende Lösung angesehen worden.
Der Neubau der Mensa wird an der Max-Weber-Allee errichtet und soll bis 2028 fertiggestellt sein. Die Planung legt Wert auf Flexibilität und Funktionalität, wobei die Räume so gestaltet werden sollen, dass sie unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten geöffnet sind. Dies spiegelt die modernen Anforderungen an bauliche Lösungen wider, die sich nicht nur auf eine reinen Speisesaal beschränken, sondern auch Raum für Veranstaltungen, Lernen und soziale Interaktionen bieten.
Sanierungsstau bei Studierendenwohnheimen – Eine Herausforderung mit Lösung
Auch in Bezug auf die Studierendenwohnanlagen hat die FH Erfurt und das Studierendenwerk Thüringen in den letzten Jahren aktiv Maßnahmen eingeleitet, um den Sanierungsstau aufzuarbeiten. Ein Beispiel ist das Wohnheim in der Donaustraße, das bis Ende 2027 grundhaft renoviert wird. Nach Abschluss der Sanierung werden die Studierenden in Einzelappartments mit eigener Küchenzeile und Bad wohnen können. Dieses Projekt ist Teil der Bemühungen, moderne Studierendenunterkünfte zu schaffen, die sowohl bezahlbar als auch funktional sind.
Die Bedeutung bezahlbarer Wohnraumangebote für Studierende ist besonders in der Hochschullandschaft Thüringens groß. Laut einer Erklärung von Feller ist die Verfügbarkeit solcher Unterkünfte ein entscheidender Faktor für den Standort Erfurt als attraktive Hochschulstadt. Insgesamt bietet das Studierendenwerk Thüringen in 11 Wohnheimen rund 1.300 Plätze an, wobei in den letzten Jahren auch andere Wohnanlagen wie die Nordhäuser Str. 78 (ehemalige Zahnklinik) umfassend saniert wurden.
Beteiligung von Studierenden: Praxiserfahrung durch Sanierungsprojekte
Die FH Erfurt betont in ihrem Profil, dass die Studierenden nicht nur Theorie lernen, sondern auch praktische Erfahrungen in der Baubranche sammeln können. Dies wird besonders deutlich anhand der Sanierungsprojekte, an denen Studierende direkt oder indirekt beteiligt sind. So konnten beispielsweise Studierende im Bereich Bauingenieurwesen oder Landschaftsarchitektur Projekte begleiten, die in enger Zusammenarbeit mit dem IBQS und dem Dezernat Bau und Liegenschaften durchgeführt werden.
Die FH bietet auch Studiengänge an, die direkt in die Praxis integriert sind, etwa der Bachelor Bauingenieurwesen Dual. In diesem Studiengang kombinieren die Studierenden Theorie und Praxis durch betriebliche Tätigkeiten, wodurch sie frühzeitig Einblicke in die Herausforderungen der Bauwirtschaft erhalten. Der Studiengang hat im CHE-Ranking 2025/2026 überdurchschnittlich mit 4,4 von 5 Sternen abgeschnitten, was die Qualität und Relevanz der Ausbildung unterstreicht.
Ökologische und soziale Verantwortung in der Baukultur
Neben den technischen Aspekten der Sanierung und Renovation spielt die FH Erfurt auch eine aktive Rolle in der Förderung einer nachhaltigen und sozial verantwortlichen Baukultur. Dies wird besonders deutlich durch die Unterstützung von Veranstaltungen wie der Ausstellung FIX IT! – Umbau statt Abriss, die in enger Zusammenarbeit mit Architects4Future, dem BDA Thüringen und der Stiftung Baukultur Thüringen realisiert wurde.
Diese Initiativen tragen nicht nur zur Sensibilisierung für bauliche Nachhaltigkeit bei, sondern auch zur Diskussion über die Rolle des Bauwesens in der Zukunftsgestaltung. Die FH Erfurt betont, dass es wichtig ist, die Bauwende nicht nur als technische Herausforderung, sondern auch als gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen. Dazu gehört es, die Beteiligung der Bürger:innen zu ermöglichen, neue bauliche Lösungen zu testen und bestehende Strukturen so zu sanieren, dass sie sowohl ökologisch als auch sozial tragfähig sind.
Fazit
Die Sanierungsprojekte an der FH Erfurt bilden ein breites Spektrum an baulichen und konzeptionellen Herausforderungen ab. Sie reichen von der Renovation bestehender Wohnheime über den Neubau einer modernen Mensa bis hin zu der Weiterentwicklung von Bauingenieurwesen durch digitale Methoden wie BIM. Gleichzeitig tragen diese Projekte zur Ausbildung der Studierenden bei und ermöglichen es, Theorie und Praxis in der Baubranche zu verknüpfen.
Die FH Erfurt zeigt, dass Sanierung nicht nur eine technische Aufgabe ist, sondern auch ein zentraler Bestandteil einer nachhaltigen, sozial gerechten und ökologisch verantwortlichen Baukultur. Durch die enge Verzahnung von Forschung, Lehre und Praxis wird die FH nicht nur als Bildungseinrichtung, sondern auch als aktiver Gestalter der baulichen Zukunft positioniert.
Quellen
- FH Erfurt – Dezernat Bau und Liegenschaften
- FH Erfurt – Building Information Modeling (BIM) Workshop
- Universität Erfurt – Neubau der Mensa
- FH Erfurt – Ausstellung „FIX IT! – Umbau statt Abriss“
- Studierendenwerk Thüringen – Sanierung des Wohnheims in der Donaustraße
- FH Erfurt – Institut für Bauphysikalische Qualitätssicherung (IBQS)
- FH Erfurt – Fachrichtung Bauingenieurwesen
- FH Erfurt