Sanierung historischer Figuren und Fassaden: Techniken, Herausforderungen und Beispiele aus der Praxis

Einführung

Die Sanierung historischer Figuren und Fassaden ist ein komplexes und spezifisches Handlungsfeld im Bereich der Baupflege und Denkmalschutz. Obwohl die Techniken und Materialien in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert wurden, bleiben die Herausforderungen – insbesondere bei Sandstein- oder Natursteinarbeiten – hoch. Die Sanierungsarbeiten an historischen Gebäuden, insbesondere an Fassaden und Figuren, sind meist aufwendig und langfristig geplant, da sie nicht nur ästhetische, sondern auch strukturelle und klimatische Faktoren berücksichtigen müssen.

Im Rahmen der Sanierungsarbeiten werden häufig innovative Techniken angewandt, um die Substanz der Bausubstanz zu bewahren, ohne sie zu beschädigen. Gleichzeitig ist es wichtig, die historische Authentizität der Bauwerke so weit wie möglich zu bewahren. In diesem Artikel wird auf die Sanierungsarbeiten an historischen Figuren und Fassaden eingegangen, wobei insbesondere auf Beispiele aus der Praxis im November 2025 und früheren Jahren zurückgegriffen wird. Die beschriebenen Projekte beinhalten unter anderem die Sanierung der Statue Else in Fürth, die Sanierung der Südfassade des Berliner Doms sowie die allgemeinen Anforderungen an die Erhaltung von historischen Sandsteinfiguren.


Sanierung von Sandsteinfiguren: Herausforderungen und Methoden

Sandsteinfiguren, insbesondere solche, die im Freien stehen, sind besonders anfällig für Schäden durch Wetter, Umweltverschmutzung, biologischen Bewuchs und Feuchtigkeit. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Statue Else am Stadttheater in Fürth. Diese Kolossalstatue ist nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen, sondern auch ein kulturell bedeutendes Denkmal, das durch eine umfassende Sanierung bis 2027 wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden soll.

Die Sanierung der Statue Else wurde notwendig, nachdem sich 2023 ein dramatischer Vorfall ereignete: Die steinerne Fackel sowie die Hand der Statue lösten sich in rund 28 Metern Höhe und stürzten auf das Glasvordach des Eingangsbereichs des Theaters. Eine Gutachterprüfung ergab, dass die Schäden durch korrodierte Metallverbindungsstücke verursacht wurden. Diese Metallklammern, die die einzelnen Werkstücke der Sandsteinplastik zusammenhielten, hatten durch eindringende Feuchtigkeit Korrosion erfahren, was schließlich zu Rissbildungen und letztendlich zum Abbruch führte.

Die Sanierungsarbeiten beinhalten den Aufbau eines Fassadengerüsts und eine umfangreiche Restaurierung der Statue sowie der umliegenden Sandsteinfassade. Dabei ist entscheidend, ob die Statue in Originalsubstanz wiederhergestellt wird oder ob ein originalgetreuer Nachbau eingesetzt wird. Die Entscheidung hierzu hängt von der Machbarkeit, der Kosten und der künstlerischen Authentizität ab. Die Arbeiten sind geplant für das Jahr 2026 und sollen bis 2027 abgeschlossen sein.

Techniken der Sanierung von Sandsteinfiguren

Für die Sanierung von Sandsteinfiguren werden verschiedene Techniken eingesetzt, um die Substanz der Steinoberflächen zu schützen und gleichzeitig die historische Authentizität zu bewahren. Ein zentrales Verfahren ist die Niederdruckmikrotrockenstrahlreinigung, die in den Sanierungsarbeiten am Berliner Dom eingesetzt wurde. Diese Methode erlaubt eine schonende Reinigung der Steinoberflächen, ohne dass Substanzverluste auftreten.

Ein weiteres wichtiges Verfahren ist die Reinigung mit Ammoniumcarbonat-Kompressen, die zur Vorbehandlung stärker anhaftender Gipskrusten und Verschwärzungen eingesetzt wird. Dieses Verfahren ermöglicht es, die Krusten ohne stärkere Oberflächenverluste zu lösen und zu entfernen.

Zusätzlich ist eine Heißwasser-Hochdruckreinigung ein gängiges Verfahren, um biogenen Bewuchs, wie Moose oder Flechten, von Steinoberflächen zu entfernen. Diese Technik hat in der Sanierung der Südfassade des Berliner Doms bereits sichtbare Erfolge gezeigt.

Ertüchtigung und statische Sicherheit

Neben der ästhetischen Sanierung ist auch die statistische Ertüchtigung von großer Bedeutung. Bei der Statue Else ist beispielsweise eine detaillierte Ertüchtigung der Verbindungsstellen erforderlich, um zukünftige Schäden zu verhindern. Hierbei werden die korrodierten Metallteile entweder restauriert oder ersetzt, und neue, witterungsbeständige Materialien eingesetzt.

Ein weiterer Aspekt ist die Abdichtung der Fugen und Verbindungsstellen. Hierbei kommen Materialien wie Blei zum Einsatz, die eine gute Flexibilität und Abdichtung gewährleisten. Diese Materialien sind besonders bei Verbindungen zwischen Kupferblech und Naturstein von Vorteil, da sie Materialspannungen absorbieren können und so Schäden an den Fugen verhindern.


Sanierung von Fassaden: Techniken und Beispiele

Fassaden, insbesondere historische Fassaden aus Naturstein, sind besonders anfällig für Schäden durch Wetter, UV-Strahlung, Umweltverschmutzung und biologischen Bewuchs. Eine umfassende Sanierung solcher Fassaden erfordert nicht nur ästhetische, sondern auch funktionale und strukturelle Maßnahmen.

Ein aktuelles Beispiel ist die Sanierung der Südfassade des Berliner Doms, die im Oktober 2023 begonnen wurde. Die Sanierung umfasste die Reinigung der Natursteinoberflächen, die restauratorische Bearbeitung der Figuren Glaube, Liebe und Hoffnung sowie die Ertüchtigung der Fugen und Schutzmaßnahmen. Die Arbeiten an der Südfassade wurden im Juli 2024 abgeschlossen, wobei insbesondere das Niederdruckmikrotrockenstrahlverfahren und die Heißwasser-Hochdruckreinigung eingesetzt wurden.

Ein weiteres Beispiel ist die Sanierung der Lahnbrücke bei Solms-Burgsolms/Niederbiel, die ebenfalls im November 2025 abgeschlossen wurde. Hierbei wurden die Brückenkappen, die Dehnungsfugen und die Fahrbahndecke erneuert. Zudem wurden neue Schutzeinrichtungen montiert und die Entwässerung der Brücke verbessert. Die Sanierung der Lahnbrücke ist ein gutes Beispiel dafür, wie auch bei modernen Bauwerken traditionelle Sanierungsmethoden angewandt werden können, um die Lebensdauer der Bausubstanz zu verlängern.

Wichtige Aspekte bei der Fassadensanierung

Bei der Sanierung von Fassaden ist es entscheidend, die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

  1. Materialkompatibilität: Die eingesetzten Sanierungsmaterialien müssen mit der ursprünglichen Bausubstanz kompatibel sein, um keine neuen Schäden zu verursachen.
  2. Feuchtigkeitsmanagement: Eine gute Entwässerung und Abdichtung sind entscheidend, um Feuchtigkeitseindringen zu verhindern.
  3. Statik und Ertüchtigung: Bei Fassaden, die in schlechtem Zustand sind, ist eine statische Ertüchtigung notwendig, um Risse, Abbrüche oder Einstürze zu verhindern.
  4. Umweltbelastung: Sanierungsarbeiten müssen so geplant werden, dass sie keine Umweltbelastungen verursachen, insbesondere wenn giftige oder schädliche Materialien eingesetzt werden.
  5. Kosten- und Zeitmanagement: Sanierungsarbeiten an historischen Bausubstanzen sind oft langfristig geplant und kostenintensiv. Es ist daher wichtig, die Kosten transparent zu kommunizieren und den Zeitplan realistisch zu planen.

Sanierungsprojekte im November 2025

Im November 2025 wurden mehrere bedeutende Sanierungsprojekte abgeschlossen oder in die Planung genommen. Diese Projekte zeigen, wie unterschiedlich die Anforderungen an Sanierungsarbeiten sein können – von der Sanierung einer historischen Kirche bis hin zur Erneuerung einer Brücke.

Sanierung der Lahnbrücke bei Solms

Die Sanierung der Lahnbrücke bei Solms-Burgsolms/Niederbiel wurde im November 2025 abgeschlossen. Hierbei wurden die marode Dehnungsfuge ausgetauscht, die Brückenkappen erneuert und die Fahrbahn saniert. Zudem wurde die Entwässerung verbessert und neue Schutzeinrichtungen montiert. Die Arbeiten an der Brücke waren aufwendig, da sie aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse mehr Zeit in Anspruch nahmen als geplant. Die Vollsperrung der Brücke wurde am 28. November 2025 aufgehoben, und die restlichen Arbeiten wurden unter halbseitiger Sperrung mit Ampelregelung durchgeführt.

Sanierung des Stückerwegs in Heidelberg

In Heidelberg wurde die Sanierung des Stückerwegs im Stadtteil Kirchheim beschlossen. Der Stückerweg, der von der Speyerer Straße in Richtung Eppelheim führt, befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Die Fahrbahn hat massive Spurrillen, Frostschäden und Verformungen. Der Baubeginn ist für Mitte Juli 2026 vorgesehen, und das Projekt soll bis Ende August 2026 abgeschlossen sein. Die Sanierung des Stückerwegs ist notwendig, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten und die weitere Degradation der Straße zu verhindern.

Sanierung der Kirche St. Peter und Paul in Langenbrettach

Die Sanierung der Kirche St. Peter und Paul in Langenbrettach wurde als „komplex“ bezeichnet, da die Kirche seit Jahrhunderten auf einer leichten Anhöhe steht und sich die Bausubstanz entsprechend unterschiedlich entwickelt hat. Die Kirche ist ein bedeutendes kulturelles und kirchliches Denkmal, das durch die Sanierung in den nächsten Jahren für alle Generationen zugänglich bleiben soll.


Fazit

Die Sanierung historischer Figuren und Fassaden ist ein komplexes und vielschichtiges Thema, das sowohl fachliche als auch kulturelle Aspekte berücksichtigt. Ob es um die Erhaltung einer Sandsteinstatue geht oder um die Erneuerung einer historischen Brücke, die Techniken und Materialien müssen sorgfältig ausgewählt werden, um die Authentizität und die Stabilität der Bausubstanz zu gewährleisten.

Die Beispiele aus dem November 2025 zeigen, dass Sanierungsarbeiten nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich relevant sind. Sie tragen zur Erhaltung des kulturellen Erbes bei und sorgen dafür, dass historische Bauwerke auch für zukünftige Generationen zugänglich bleiben. Dabei ist es entscheidend, dass die Sanierungsmaßnahmen transparent, nachhaltig und fachlich korrekt durchgeführt werden.


Quellen

  1. Stiftung KiBa – Newsletter
  2. Stadt Heidelberg – Pressemitteilung
  3. Presseinfo Hessen-Mobil – Sanierung der Lahnbrücke
  4. Förth Aktuell – Statue Else wird restauriert
  5. Berliner Dom – Fassadensanierung

Ähnliche Beiträge