Einführung
Die Sanierung des Quartiers Duburg in Flensburg ist ein langfristiges Projekt, das seit 2005 im Fokus der städtischen Entwicklung steht. Ziel der Sanierungsmaßnahmen ist es, das Quartier hinsichtlich seiner sozialen, funktionalen und gestalterischen Aspekte zu revitalisieren, um den städtischen Wohnraum zu verbessern und langfristige Nachhaltigkeit zu sichern. Die Sanierung ist Teil des integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK), das im Zuge einer umfassenden öffentlichen Beteiligung erstellt wurde. Der städtische Sanierungsträger IHR San treibt das Vorhaben voran, unterstützt durch Mittel aus der Städtebauförderung des Bundes und des Landes.
Die Sanierung Duburg ist nicht nur ein Bauprozess, sondern ein Prozess der sozialen Integration und der Verbesserung der Lebensqualität für alle Bewohnerinnen. Zentrale Aspekte dabei sind die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, die Vermeidung von Gentrifizierung und die Schaffung von sozialen Einrichtungen im Quartier. Gleichzeitig müssen die Bauarbeiten – vor allem bei Erschließungsmaßnahmen – mit erheblichen Einschränkungen für die Anwohnerinnen verbunden sein. Die aktuelle Sanierung der Straßen wie der Burgstraße, Knappenstraße und Ritterstraße ist der letzte große Schritt in dieser langfristigen Entwicklung.
Im Folgenden wird detailliert auf die historische Entwicklung, die konkreten Baumaßnahmen, die Finanzierung, die Ziele und Herausforderungen sowie die Zukunftsperspektiven der Sanierung Duburg eingegangen.
Historische Entwicklung des Sanierungsgebiets
Das Sanierungsgebiet Duburg wurde 2005 offiziell festgelegt. Es handelt sich um ein eng bebautes, in der Innenstadt gelegenes Quartier mit typischer Gründerzeitbebauung. Die Blockrandbebauung reicht bis zu vier Geschosse hoch und prägt das Erscheinungsbild des Viertels. Die Satzung zur Sanierung wurde am 9. Dezember 2021 aufgehoben, wodurch das Sanierungsgebiet am 1. Januar 2022 offiziell entlassen wurde.
Trotz der offiziellen Entlassung des Sanierungsgebiets blieben die Baumaßnahmen im Quartier weiterhin relevant. So wurde beispielsweise die Sanierung der Straßen als letzte große Erschließungsmaßnahme fortgeführt. Ziel dabei ist es, den Straßenraum zu ordnen und die Aufenthaltsqualität sowie die Attraktivität des öffentlichen Raums zu steigern. Der Fokus liegt dabei auf der Verbindung zwischen den Straßen wie der Burgstraße, Knappenstraße, Ritterstraße und Königstraße.
Zielsetzung der Sanierung
Die Sanierung Duburg hat mehrere zentrale Ziele, die in enger Abstimmung mit den Bewohner*innen und der Politik formuliert wurden. Diese Ziele sind im integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) der Stadt Flensburg verankert, das unter großer öffentlicher Beteiligung erstellt wurde.
1. Schaffung von bezahlbarem Wohnraum
Ein zentrales Anliegen der Sanierung ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Vor dem Hintergrund des prognostizierten Bevölkerungswachstums von etwa 7 % bis zum Jahr 2030 wird von einem Wohnungsneubaubedarf von knapp 6.000 Wohneinheiten ausgegangen. Gleichzeitig wird der Trend zu kleineren Wohneinheiten und eine zunehmende Nachfrage nach Wohnraum in der Innenstadt beobachtet. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum durch Wohnraumförderung ein Schwerpunkt der Sanierungsmaßnahmen.
2. Vermeidung von Gentrifizierung
Ein weiteres Ziel der Sanierung ist es, Gentrifizierung zu vermeiden. Dieser Prozess, bei dem die Miet- und Kaufpreise durch die Aufwertung des Quartiers stark ansteigen und geringere Einkommensgruppen verdrängt werden, ist in vielen Städten ein Problem. In Duburg soll der Fokus auf soziale Durchmischung liegen, um ein Quartier zu schaffen, das für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich bleibt. Dies ist auch in den zahlreichen Sanierungstreffen und Entscheidungen des Fachausschusses sowie der Ratsversammlung deutlich geworden.
3. Integration sozialer Einrichtungen
Die Sanierung zielt nicht nur auf die materielle Aufwertung ab, sondern auch auf die Schaffung von sozialen Einrichtungen, die den Menschen im Quartier dienen. Dazu zählen beispielsweise Gemeinschafts- und Freizeiträume, Tagesstätten oder andere soziale Infrastrukturen. Diese Einrichtungen sollen den Bewohner*innen ein starkes soziales Netzwerk bieten und die Lebensqualität im Quartier langfransig steigern.
4. Erschließung und Aufwertung des öffentlichen Raums
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung liegt auf der Erschließung und Aufwertung des öffentlichen Raums. So wurden beispielsweise die Straßen Burgstraße, Knappenstraße und Ritterstraße als Teil der letzten großen Erschließungsmaßnahmen umgestaltet. Ziel dabei ist es, den Straßenraum so zu gestalten, dass er nicht nur für den Verkehr, sondern auch für Aufenthalte und soziale Interaktionen geeignet ist. Die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums soll verbessert werden, um das Quartier attraktiver zu machen.
Finanzierung und Beteiligte
Die Sanierungsmaßnahmen in Duburg werden durch eine Kombination aus staatlichen, kommunalen und privaten Mitteln finanziert. Die Städtebauförderung von Bund und Land trägt einen Großteil der Kosten. Darüber hinaus investiert die Stadt Flensburg selbst in die Sanierungsmaßnahmen, und private Investoren sind in vielen Projekten beteiligt. Die Finanzierung erfolgt vor allem durch das Programm „Sozialer Zusammenhalt“, das von der Städtebauförderung getragen wird.
Ein weiteres Finanzierungsinstrument ist der Ausgleichsbetrag, der nach § 154 Abs. 1 des Bundesbaupreisgesetzes (BauGB) gezahlt werden muss. Dieser Betrag spiegelt die Erhöhung des Bodenwertes wider, die durch die Sanierungsmaßnahmen entstanden ist. Der Ausgleichsbetrag ist für die Kommune ein wichtiger Finanzierungsspielraum, der wiederum in die Sanierung investiert wird.
Die Sanierungsmaßnahmen werden von der Flensburger Gesellschaft für Stadterneuerung mbH (FGS), auch bekannt als IHR Sanierungsträger, betreut. Die FGS ist ein treuhänderischer Sanierungsträger, der für die Entwicklung und Umsetzung von Konzepten zur Revitalisierung von Quartieren zuständig ist. Die FGS kooperiert eng mit den Bewohner*innen und den zuständigen Behörden, um die Sanierungsmaßnahmen sozial verträglich und nachhaltig umzusetzen.
Konkrete Baumaßnahmen und Zeitplan
Die Sanierungsmaßnahmen im Quartier Duburg fanden in mehreren Phasen statt, wobei die Straßenerschließung eine zentrale Rolle spielte. Die letzte große Erschließungsmaßnahme betraf die Straßen wie die Burgstraße, Knappenstraße, Ritterstraße und Königstraße. Die Baumaßnahmen begannen am 2. Mai 2019 und sollten bis 2021 abgeschlossen sein.
1. Burgstraße
Die Sanierung der Burgstraße wurde in zwei Teilen durchgeführt. Zunächst wurde der südliche Teil der Straße – von der Kreuzung Am Burgfried bis zur Ritterstraße – saniert. In den folgenden Monaten wurde der nördliche Teil der Straße bearbeitet. Die Arbeiten in der Burgstraße umfassten die Sanierung der Straßenbeläge, der Kanalisation sowie der Aufenthaltsqualität.
2. Knappenstraße
Die Knappenstraße wurde im Jahr 2019 umfassend saniert. Dabei standen die Erneuerung der Straßenbeläge, der Kanalisation und der Beleuchtung im Vordergrund. Gleichzeitig wurde der öffentliche Raum durch die Schaffung von Aufenthaltsflächen und die Neugestaltung von Gehwegen verbessert.
3. Ritterstraße
Die Ritterstraße war in zwei Abschnitten, Ost und West, saniert worden. Die Arbeiten begannen im Januar 2020 und standen unter dem Ziel, die Erschließung zu verbessern und die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums zu erhöhen. Gleichzeitig wurden die Verkehrsflächen so gestaltet, dass sie auch für Radfahrer und Fußgänger nutzbar waren.
4. Königstraße
Die Sanierung der Königstraße wurde im Jahr 2021 begonnen. Ziel war es, die Straße in den städtischen Erschließungsnetz zu integrieren und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums zu verbessern. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung der Straßenbeläge, der Kanalisation und der Beleuchtung.
5. Bergstraße
Die Bergstraße wurde ebenfalls in zwei Teilen saniert. Der nördliche Teil wurde Mitte 2019 begonnen, gefolgt vom südlichen Teil. Die Arbeiten standen unter dem Ziel, die Erschließung und die Aufenthaltsqualität der Straße zu verbessern.
Auswirkungen der Baumaßnahmen
Die Baumaßnahmen in Duburg führten zu erheblichen Einschränkungen für die Anwohnerinnen. So war während der Bauphase die Befahrbarkeit sowie das Parken in den jeweiligen Straßenzügen nicht möglich. In der Duburger Straße wurde die ehemalige Bushaltestelle für Anwohnerinnen mit Parkausweis sowie der Parkplatz Neustadt 26 als Ausweichfläche geschaffen.
Die Bauarbeiten waren zudem stark witterungsabhängig. Im Wintermonaten konnten die Arbeiten oft nicht in vollem Umfang durchgeführt werden, was zu Verzögerungen führte. Im Falle von Terminverschiebungen wurden die Anwohner*innen rechtzeitig informiert, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.
Soziale Integration und Beteiligung
Die Sanierung Duburg ist nicht nur eine technische Maßnahme, sondern auch ein Prozess der sozialen Integration. Die Stadt Flensburg betont, dass die Sanierung nicht primär auf die materielle Aufwertung der Immobilien abzielt, sondern auf die Schaffung eines Quartiers, das für alle Bewohnerinnen zugänglich ist. Gleichzeitig werden soziale Einrichtungen und Angebote in das Quartier integriert, um den Bewohnerinnen eine starke soziale Infrastruktur zu bieten.
Die Beteiligung der Bewohnerinnen ist ein zentrales Element der Sanierungsmaßnahmen. In zahlreichen Sanierungstreffen konnten sich die Anwohnerinnen über die Pläne informieren und ihre Meinung äußern. Die Sanierung ist somit ein Prozess der offenen Kommunikation und der Partizipation, in dem die Bewohner*innen nicht nur passiv betroffen sind, sondern aktiv Einfluss nehmen können.
Vorbildliche Sanierungen
In Duburg gibt es Beispiele von Eigeninitiativen, bei denen Anwohner*innen ihre Immobilien selbst saniert haben. Diese Maßnahmen wurden in regelmäßigen Abständen vom Sanierungsbeirat als „vorbildliche Sanierungsmaßnahmen“ gewürdigt. Positiv gestaltete Objekte erhalten eine Auszeichnung in Form einer Plakette, die direkt am Gebäude angebracht wird.
Diese Initiative dient dazu, die Qualität der Sanierungen zu fördern und gleichzeitig positive Beispiele im Quartier sichtbar zu machen. Die Auszeichnungen tragen dazu bei, dass die Sanierungsmaßnahmen nicht nur funktionell, sondern auch gestalterisch gelingen.
Ausblick und zukünftige Herausforderungen
Mit der offiziellen Entlassung des Sanierungsgebiets im Jahr 2022 standen neue Herausforderungen im Vordergrund. Die Sanierungsmaßnahmen, insbesondere die Erschließungsarbeiten, konnten jedoch weitergeführt werden. Gleichzeitig bleibt die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ein zentrales Anliegen der Stadt Flensburg.
Zukünftig wird es auch darum gehen, die Ergebnisse der Sanierungsmaßnahmen zu sichern und langfristig zu erhalten. Dazu gehören auch die Pflege des öffentlichen Raums, die Weiterentwicklung sozialer Einrichtungen und die Integration neuer Bewohner*innen in das Quartier.
Ein weiterer Aspekt ist die Flächenplanung. Aufgrund der Flächenknappheit in Flensburg entstehen bei der Suche nach geeigneten Flächen für den Wohnungsbau zunehmend Konflikte mit dem Landschaftsschutz. Ein Instrument zur Steuerung der Wohnbauentwicklung ist die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans. Wohnformen mit höherer Dichte genießen vor dem Hintergrund des Bedarfs Priorität.
Fazit
Die Sanierung des Quartiers Duburg in Flensburg ist ein langfristiges Projekt, das seit 2005 in die Wege geleitet wurde. Ziel ist es, das Quartier hinsichtlich seiner sozialen, funktionalen und gestalterischen Aspekte zu revitalisieren, um den städtischen Wohnraum zu verbessern und langfristige Nachhaltigkeit zu sichern. Die Sanierung ist ein Prozess der sozialen Integration und der Verbesserung der Lebensqualität für alle Bewohner*innen.
Die Baumaßnahmen, insbesondere die Erschließungsarbeiten, führten zu erheblichen Einschränkungen, wobei die Beteiligung der Bewohner*innen und die Transparenz der Planung entscheidende Faktoren für den Erfolg der Sanierung waren. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Vermeidung von Gentrifizierung und die Integration sozialer Einrichtungen standen im Vordergrund.
Zukünftig wird es darum gehen, die Ergebnisse der Sanierungsmaßnahmen zu sichern und langfristig zu erhalten. Die Planung und Entwicklung neuer Wohnformen, die Integration neuer Bewohner*innen und die Sicherung der Freiraumqualitäten werden weiterhin zentrale Themen sein. Die Sanierung Duburg ist somit nicht nur ein Bauprozess, sondern ein Prozess der städtischen Entwicklung, der für die Zukunft der Stadt Flensburg von großer Bedeutung ist.