Einführung
Im Jahr 2017 standen mehrere Flughafensanierungen im Fokus der Öffentlichkeit. Insbesondere die Sanierungsprojekte am ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof, am Flughafen Hahn im Hunsrück sowie am Flughafen Bremen zeigten, wie komplex und herausfordernd solche Projekte sein können. Die Sanierung von Flughäfen geht weit über die reinen baulichen Aspekte hinaus und berührt Themen wie Umweltbelastungen, Finanzierungsmodelle, Arbeitswelt und politische Entscheidungsprozesse. Dieser Artikel beleuchtet die Vorgehensweisen, die Herausforderungen und die finanziellen Aspekte von Flughafensanierungen anhand konkreter Beispiele, die im Jahr 2017 aktuell waren.
Sanierungsmaßnahmen am Berliner Flughafen Tempelhof
Projektumfang und Zielsetzung
Der ehemalige Berliner Flughafen Tempelhof war und ist bis heute eine architektonische sowie historische Besonderheit. Mit einer Bruttogeschossfläche von rund 300.000 m² und einer Fläche von 302 Hektar zählt das Gelände zu den größten Baudenkmälern Europas. Nach der Schließung im Jahr 2008 und der sukzessiven Nutzung als „Tempelhofer Feld“ und Veranstaltungsort standen in den Jahren 2010 bis 2017 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an.
Ziel war es, den historischen Baubestand zu erhalten und gleichzeitig für zukünftige Nutzungsmöglichkeiten fitzumachen. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den Dächern der sieben Hangars und den Flugsteigen A1 und A2, die in mehreren Bauabschnitten saniert wurden. Die Arbeiten erfolgten unter der Herausforderung, dass die Hangars und Flugsteige weiterhin als Veranstaltungs- und Messehallen genutzt wurden. Somit mussten die Sanierungsarbeiten in eng vorgegebenen Zeitfenstern durchgeführt werden, um den Interimsbetrieb nicht zu stören.
Zeitplan und Vorgehensweise
Der Sanierungszeitplan war in mehrere Abschnitte unterteilt:
- 2012–2013: Saniert wurden die Dächer der Hangars 5 bis 7.
- 2014–2015: Der Hangar 4 folgte.
- 2015: Drei Abschnitte standen unter anderem für den Dachbelagsaufbau, Rückbau der Altbeläge und Schadstoffsanierung im Zusammenhang mit den Hangars 2 und 3.
- 2016–2017: Geplant war die Sanierung des Hangars 1 sowie der Flugsteige A1 und A2.
Die Arbeiten umfassten nicht nur die Erneuerung der Dachkonstruktionen, sondern auch die Schadstoffsanierung, da in einigen Bereichen Rückstände von früheren Materialien und Lackierungen aufgefunden wurden. Diese Maßnahmen erforderten sorgfältige Planung und koordinierte Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren, Umweltbehörden und Veranstaltungsplanern.
Besondere Herausforderungen
Die Sanierungsarbeiten am Tempelhof-Flughafengebäude standen vor mehreren besonderen Herausforderungen:
- Laufender Interimsbetrieb: Da die Hangars weiterhin als Veranstaltungshallen genutzt wurden, mussten die Sanierungsarbeiten in zeitlich eng begrenzten Fenstern geplant werden. Dies führte zu einer erhöhten Komplexität in der Projektplanung und -umsetzung.
- Schadstoffsanierung: Bei den Dacharbeiten wurden Schadstoffe in den Altbelägen festgestellt, die eine sorgfältige Beseitigung erforderten, um die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter zu schützen.
- Konservatorische Anforderungen: Da das Flughafengebäude als Baudenkmal gilt, mussten die Sanierungsmaßnahmen historische und konservatorische Vorgaben berücksichtigen. Dies führte zu zusätzlichen Planungsschritten und der Einbindung von Experten aus dem Denkmalschutz.
Auswirkungen auf die Nutzung
Die Sanierungsmaßnahmen ermöglichten es, die Hangars und Flugsteige für weitere Jahrzehnte als Veranstaltungshallen zu nutzen. Zudem trugen sie dazu bei, den kulturellen und sozialen Stellenwert des Tempelhofer Feldes zu sichern. Die Investitionen in die Sanierung waren ein Meilenstein für die Nachhaltigkeit der Nutzung und die Erhaltung des historischen Ensembles.
Sanierungsprojekte am Flughafen Hahn
Hintergrund und Motivation
Der Flughafen Hahn im Hunsrück war in den Jahren 2010 bis 2017 in einer finanziell und organisatorisch angespannten Situation. Chronische Betriebsdefizite von jährlich etwa 20 Millionen Euro führten dazu, dass ein umfassendes Sanierungskonzept notwendig wurde. Im Jahr 2013 legte der Aufsichtsrat ein Sanierungspaket vor, das unter anderem einen Stellenabbau von rund 100 Beschäftigten beinhaltete. Zudem wurden personelle und organisatorische Anpassungen angestrebt, um die langfristige Rentabilität des Flughafens zu sichern.
Vorgehensweise und Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierung am Hahn-Flughafen war ein Prozess, der politisch, wirtschaftlich und juristisch mehrfach diskutiert wurde. Der ehemalige Geschäftsführer Heinz Rethage setzte sich für einen radikalen Kursbruch ein, der unter anderem die Kürzung von Tantiemen, Personalkosten und Dienstwagen vorsah. Er kritisierte scharf, dass die Politik und der damalige Aufsichtsrat versucht hätten, durch finanzielle „Ruhekauf“ Entscheidungen zu vermeiden, die notwendig waren, um die finanzielle Stabilität herzustellen.
Im Jahr 2017 wurde der Flughafen schließlich an die chinesische HNA-Gruppe verkauft, wobei der Kaufpreis bei etwa 9,66 Millionen Euro lag. Der Verkauf war Teil des Sanierungskonzepts und sollte die finanzielle Zukunft des Flughafens sichern.
Herausforderungen und Konflikte
Die Sanierungsmaßnahmen am Hahn-Flughafen waren nicht ohne Konflikte. Ex-Geschäftsführer Rethage warf dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Endler und anderen Mitgliedern vor, dass sie sich nicht konsequent für eine Sanierung engagiert hätten. Diese Spannungen führten zu Personalwechseln und gerichtlichen Auseinandersetzungen. So wurde beispielsweise der frühere Hahn-Prokuristen Stefan Maxeiner von einem Arbeitsgericht in Bad Kreuznach entschieden, dass seine fristlose Kündigung rechtens war.
Zudem gab es kritische Berichte über die Ausgaben des Flughafens für Beratungen und Veranstaltungen, die als „übertrieben“ oder „politisch motiviert“ bezeichnet wurden. So verzeichnete die Betriebsrätekonferenz am Hahn-Flughafen im Jahr 2015 eine Rechnung von mindestens 8.000 Euro für Getränke. Diese Vorfälle trugen dazu bei, die Transparenz und Glaubwürdigkeit des Sanierungsprozesses in Frage zu stellen.
Finanzierungsmodelle und externe Unterstützung
Der Sanierungsprozess am Hahn-Flughafen zeigte, dass Finanzierungsmodelle eine zentrale Rolle spielen. Der Verkauf an die HNA-Gruppe stellte nicht nur eine Quelle für Liquidität dar, sondern auch eine Chance, den Flughafen in den internationalen Luftverkehr zu integrieren. Zudem wurden interne Sparmaßnahmen angestrebt, wie beispielsweise die Kürzung von Tantiemen und Dienstwagen. Zudem gab es Berichte über steigende Ausgaben für Beratungsdienstleistungen, die von der Landesregierung finanziert wurden.
Sanierungsprojekte am Flughafen Bremen
Hintergrund und Umweltbelastungen
Der Flughafen Bremen stand im Jahr 2017 vor einer anderen, aber nicht weniger relevanten Herausforderung: der Sanierung von Umweltbelastungen, insbesondere von Perfluorierten Tensiden (PFT). Diese Chemikalien wurden in der Vergangenheit in Löschmitteln eingesetzt, die von der Flughafenfeuerwehr verwendet wurden. Die Verunreinigungen wurden im Feuerwehrübungsplatz und im südlichen Vorfeld festgestellt.
Die Ursache lag in den bis 2003 verwendeten Löschschäumen, die zur Stabilisierung der Schaumfestigkeit PFT enthielten. Diese Substanzen sind inzwischen als umweltgefährdend bekannt, und die Sanierung dieser Bereiche war notwendig, um die Umwelt und die Gesundheit zu schützen.
Sanierungsmaßnahmen und Kosten
Der Flughafen Bremen begann 2017 mit ergänzenden Erkundungen, um die Ausmaße der PFT-Verunreinigungen besser zu verstehen. Ein unabhängiger Fachgutachter analysierte rund 200 Boden- und Grundwasserproben. Die Sanierungsmaßnahmen wurden auf 2018 geplant, und der Flughafen stellte dafür rund 2 Millionen Euro aus eigenen Mitteln bereit.
Herausforderungen
Die Sanierung der PFT-Belastungen stellte mehrere Herausforderungen:
- Technische Umsetzung: Die Entfernung von PFT aus dem Boden und Grundwasser erfordert spezielle Verfahren, da die Chemikalien schwer abbaubar sind.
- Finanzierung: Die Kosten für die Erkundung und Sanierung beliefen sich bereits auf sechsstellige Beträge. Die Planung der endgültigen Sanierungsmaßnahmen erforderte eine sorgfältige Kalkulation.
- Umweltrechtliche Anforderungen: Die Sanierungsmaßnahmen mussten unter Einhaltung der geltenden Umweltgesetze durchgeführt werden, wobei der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr als Fachbehörde überwachte.
Ausblick
Die Sanierungsmaßnahmen am Flughafen Bremen zeigen, dass Flughafensanierungen nicht nur bauliche, sondern auch umwelttechnische Aspekte berücksichtigen müssen. Die Investitionen in die Sanierung der PFT-Belastungen trugen dazu bei, die langfristige Nutzbarkeit des Flughafengeländes zu sichern und die ökologischen Anforderungen zu erfüllen.
Fazit
Die Sanierungsprojekte an deutschen Flughäfen im Jahr 2017 zeigen, wie komplex und vielschichtig solche Maßnahmen sein können. Ob im historischen Umfeld des Berliner Flughafens Tempelhof, im wirtschaftlich angespannten Kontext des Flughafens Hahn oder im umwelttechnischen Rahmen des Flughafens Bremen – jede Sanierung war einzigartig und erforderte eine sorgfältige Planung. Die Herausforderungen reichten von organisatorischen und finanziellen Aspekten bis hin zu umweltrechtlichen Vorgaben. Zudem spielte die politische Dimension eine Rolle, da Entscheidungen über Sanierungen oft von politischen Interessen beeinflusst wurden.
Für Bauherren, Projektmanager und Planer in der Real Estate-, Renovations- und Baubranche sind diese Projekte lehrreiche Beispiele dafür, wie sich Sanierungen in komplexen Umfeldern planen und durchführen lassen. Sie zeigen, dass Transparenz, kooperative Zusammenarbeit und eine klare Zielsetzung entscheidend für den Erfolg solcher Projekte sind.