Die Stadt Dortmund, als ein bedeutender Wirtschafts- und Kulturstandort in Nordrhein-Westfalen, steht vor zahlreichen Herausforderungen im Bereich Flächenentwicklung, städtebaulicher Sanierung sowie der Sicherstellung einer gesunden Luft- und Bodenqualität. In den letzten Jahren hat sich das Thema nachhaltige Stadtentwicklung immer mehr in den Fokus gestellt – sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Perspektive. In diesem Artikel werden die aktuelle Situation, bestehende Probleme und die Strategien der Stadt Dortmund im Umgang mit Wirtschaftsflächen, Altlasten, städtebaulicher Sanierung sowie Luftreinhaltung detailliert analysiert.
Die Flächenentwicklung in Dortmund: Herausforderungen und Strategien
Die Flächenentwicklung in Dortmund ist von mehreren zentralen Herausforderungen geprägt, allen voran die Flächenknappheit. Laut den vorliegenden Zahlen liegt die Gesamtfläche Dortmunds bei 28.071 Hektar, wovon 2.545 Hektar als Gewerbeflächen ausgewiesen sind. Der Anteil an Grünflächen beträgt 63 %. Dieses Verhältnis unterstreicht die Notwendigkeit, bestehende Flächen effizienter zu nutzen, um den wirtschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.
Ein Großteil der verfügbaren Flächen ist in privatem Besitz, was die strategische Entwicklung erschwert. Die Stadt Dortmund ist daher auf Kooperationen mit den Flächeneigentümern angewiesen, um wirtschaftlich strategisch relevante Areale zu revitalisieren. Die aktuelle Flächenentwicklungsstrategie der Stadt greift diese Herausforderung auf und verfolgt mehrere zentrale Maßnahmen, um die Flächenknappheit zu überwinden.
Aktive Bodenpolitik und Flächenmanagement
Eine zentrale Maßnahme der Dortmunder Flächenentwicklungsstrategie ist die Entwicklung eines Handlungsleitfadens zur aktiven Bodenpolitik. Ziel ist es, die vorhandenen Flächenpotenziale systematisch zu analysieren und gezielt zu nutzen. Dabei spielt die Erarbeitung eines Ansiedlungskriterienkatalogs eine wichtige Rolle, um künftige Ansiedlungen nachhaltig und zukunftsorientiert zu planen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Analyse der Bestandsgebiete. Hierbei wird versucht, Flächenpotenziale zu identifizieren und auf Basis dieser Analyse eine Ankaufsstrategie zu entwickeln. Ein strukturiertes Partizipationsmodell, das alle Beteiligten – insbesondere die Eigentümer*innen – in den Prozess einbindet, soll sicherstellen, dass die Flächenentwicklung transparent und kooperativ abläuft.
Modellprojekte und langfristige Planung
Um die Strategien praktisch umzusetzen, ist die Entwicklung von Modellprojekten in der Bestandsqualifizierung vorgesehen. Solche Projekte dienen dazu, bewährte Methoden und Ansätze zu testen, um sie später auf andere Gebiete zu übertragen. Gleichzeitig wird ein Flächenentwicklungsmanagement etabliert, um den Prozess der Flächenentwicklung über die Zeit hinweg zu koordinieren.
Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie ist die langfristige Bereitstellung eines ausgewogenen Flächenangebots. Dabei ist nicht nur die quantitative, sondern auch die qualitative Ausrichtung entscheidend. Die Einführung eines sogenannten Flächenkreislaufs, bei dem Flächen nach deren Nutzung wieder in den Entwicklungsprozess einfließen, ist ein zentraler Bestandteil dieser Planung.
Städtebauliche Sanierung: Instrumente der Stadterneuerung
Neben der Flächenentwicklung spielt die städtebauliche Sanierung eine entscheidende Rolle in der Entwicklung Dortmunds. In einigen Quartieren der Stadt wird das Instrument der städtebaulichen Sanierungsmaßnahme nach dem Baugesetzbuch angewandt. Diese Maßnahme ist ein Sonderrecht, das räumlich, zeitlich und sachlich begrenzt ist und in den §§ 136 bis 164 und 180 bis 186 des Baugesetzbuches geregelt ist. Die Anwendung ist nur dann möglich, wenn in einem Gebiet erhebliche bauliche oder funktionale Mängel vorliegen, die durch sogenannte Vorbereitende Untersuchungen nachgewiesen werden.
Aktuelle Sanierungsprojekte
Im Moment werden in Dortmund mehrere Sanierungsgebiete aktiv bearbeitet. Dazu gehören das "Südliche Nordmarktquartier" in der Nordstadt sowie das "Hörde Zentrum" in Hörde. Zudem laufen Vorbereitungen in der City sowie im nördlichen Hauptbahnhofsumfeld. In einigen Quartieren wie Unterdorstfeld und Union West sind die Vorbereitungen pausiert, aber sie bleiben weiterhin in der Planung.
Die städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen zielen darauf ab, die Lebensqualität in den betroffenen Quartieren zu verbessern. Dazu zählen beispielsweise die Umgestaltung von Straßenräumen, die Einführung von Stadtteilagenturen und die Förderung von Fassaden- und Hofprogrammen. In Huckarde beispielsweise wurde eine Spielachse geschaffen, die drei Spielplätze verbindet, und im Dorstfelder Bürgerhaus "Pulsschlag" entstand ein gemeinschaftlicher Treffpunkt mit Jugendbetreuung.
Sanierung und Modernisierung: Vorteile für Eigentümer*innen
Für private Eigentümer*innen bietet die städtebauliche Sanierung auch steuerliche Vorteile. So können sie beispielsweise von erhöhten Abschreibungsmöglichkeiten profitieren, wenn sie Gebäude sanieren oder modernisieren. Dies kann zu einer finanziellen Entlastung führen und gleichzeitig zur Verbesserung der baulichen Qualität beitragen.
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, an Förderprogrammen teilzunehmen. In der Werkssiedlung Oberdorstfeld gab es beispielsweise ein Fassadenprogramm, das private Immobilienentwicklungen unterstützte. Solche Programme tragen dazu bei, dass die Sanierungsmaßnahmen nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in der Bevölkerung ankommen und nachhaltig wirksam sind.
Altlasten und Flächenentwicklung: Herausforderungen im Umgang mit ehemaligen Industriearealen
Eine besondere Herausforderung bei der Flächenentwicklung in Dortmund ist die Anzahl an Altlasten. Viele Flächen wurden in der Vergangenheit industriell genutzt und sind daher mit Schadstoffen belastet. Solche Altlasten können nicht ohne weiteres in die Stadtentwicklung integriert werden, sondern erfordern aufwendige und kostspielige Sanierungsmaßnahmen.
Leistungsbuch Altlasten: Instrumente und Kostenermittlungen
Um mit diesen Herausforderungen umzugehen, hat das Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen das "Leistungsbuch Altlasten und Flächenentwicklung" entwickelt. Dieses Leistungsbuch enthält detaillierte Leistungsbeschreibungen und Instrumente zur Kostenermittlung für Altlastensanierungsmaßnahmen. Es wurde in den Jahren 2013 bis 2015 als Sonderprojekt im Rahmen des Länderfinanzierungsprogramms "Wasser, Boden und Abfall" weiterentwickelt und in 2017 aktualisiert.
Das Leistungsbuch umfasst Leistungsbereiche wie Bodenuntersuchungen, Sanierungsmethoden, Rechtsgrundlagen sowie Kostenpositionen. Die Kostendaten basieren auf Maßnahmen, die zwischen 2001 und 2017 durchgeführt wurden. Dieses Instrument ist daher ein wertvolles Handwerkszeug für die Planung und Durchführung von Altlastensanierungen.
Kombination von Altlastensanierung und städtebaulicher Entwicklung
Ein Beispiel für die Kombination von Altlastensanierung und städtebaulicher Entwicklung ist das Areal des PHOENIX Parks. Hier wurden nicht nur Altlasten beseitigt, sondern auch kulturelle Einrichtungen wie eine Brauerei und ein Kunstzentrum geschaffen. Der PHOENIX Park, der 59 Hektar groß ist, wurde in das städtische Grünflächenkonzept integriert und bietet zudem eine Anbindung an den Westfalenpark und den Botanischen Garten Rombergpark.
Ein weiteres Projekt, das in dieser Richtung verfolgt wird, ist der Energiecampus in Huckarde. Dieses Projekt ist Teil des Stadtentwicklungskorridors Emscher und soll sich auf Technologien in der Energiewirtschaft und im Wasserstoffbereich konzentrieren. Ziel ist, einen treibhausgasneutralen Betrieb zu ermöglichen, und der Campus ist klimafreundlich an das öffentliche Verkehrssystem angeschlossen.
Luftreinhaltung in Dortmund: Maßnahmen zur Reduktion von Schadstoffen
Neben der Flächenentwicklung und städtebaulichen Sanierung spielt die Luftreinhaltung eine zentrale Rolle in der Stadtplanung Dortmunds. In den vergangenen Jahren wurden an mehreren Stellen in Dortmund Grenzwertüberschreitungen für Stickstoffdioxid (NO₂) und Feinstaub (PM10) festgestellt. Um diesem Problem zu begegnen, wurde 2006 der erste Luftreinhalteplan für Dortmund erarbeitet.
Luftreinhalteplan Ruhrgebiet und Umweltzone
Ein wesentlicher Bestandteil der Luftreinhaltung ist der Luftreinhalteplan Ruhrgebiet 2011, der am 15.10.2011 in Kraft trat. Er sieht eine Vielzahl von Maßnahmen auf regionaler und lokaler Ebene vor, um die Belastung mit Stickstoffdioxid und Feinstaub zu reduzieren. Ein zentraler Schwerpunkt ist die Einführung der Umweltzone Ruhrgebiet, in der nur noch Fahrzeuge mit dem grünen Umweltplakettensystem fahren dürfen.
Die Maßnahmen zur Luftreinhaltung richten sich direkt an die Verursacher. Dazu gehören unter anderem Gewerbebetriebe, aber auch der Straßenverkehr. In der Verwaltung wird ein Monitoring eingerichtet, um die Wirkung der Maßnahmen zu bewerten und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.
Klimaschutz durch klimaneutrales Bauen
Ein weiterer Ansatz zur Luftreinhaltung und Klimaschutz ist das klimaneutrale Bauen. Die Städtische Immobilienwirtschaft hat dafür einen Leitfaden entwickelt, der praxistaugliche Prozesse für Neubauten und Komplettsanierungen definiert. Ziel ist es, Treibhausgase bis zur Klimaneutralität im Jahr 2035 zu reduzieren.
Ein zentraler Begriff im Leitfaden ist der Begriff der "grauen Energie". Damit wird der Energieaufwand für die Herstellung, Instandhaltung und den Abbruch von Materialien bezeichnet. Der Leitfaden legt fest, wie dieser Energieaufwand möglichst gering gehalten werden kann, beispielsweise durch die Wiederverwendung von Materialien.
Auch die Nutzung von Holz als nachwachsenden Rohstoff wird im Leitfaden hervorgehoben. Holz hat den Vorteil, CO₂ zu binden und ist zudem in vielen Fällen recycelbar. Dies trägt zur Reduktion des CO₂-Ausstoßes bei und unterstützt gleichzeitig die nachhaltige Nutzung von Ressourcen.
Fazit
Die Flächenentwicklung, städtebauliche Sanierung, Altlastensanierung und Luftreinhaltung sind eng miteinander verbunden und bilden die Grundlage für eine nachhaltige Stadtentwicklung in Dortmund. Die Stadt steht vor den Herausforderungen der Flächenknappheit, der Altlastenproblematik und der Schadstoffbelastung in der Luft. Gleichzeitig bietet sie aber auch zahlreiche Lösungsansätze an, die sich durch Kooperationen, innovative Planung und langfristige Strategien realisieren lassen.
Die aktuelle Flächenentwicklungsstrategie, die städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen, die Nutzung des Leistungsbuchs Altlasten und die Implementierung des Luftreinhalteplans sind Beispiele für eine proaktive Stadtplanung, die sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Aspekte berücksichtigt.
Die klimaneutrale Bausubstanzentwicklung und die Förderung klimafreundlicher Mobilitätsangebote runden das Bild einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung ab. Mit diesen Maßnahmen kann Dortmund nicht nur seine Wettbewerbsfähigkeit im nationalen und internationalen Raum stärken, sondern auch eine nachhaltige Lebensqualität für seine Bürger*innen sichern.