Der Forggensee, ein zentraler Wasserspiegel in der Region Füssen im Allgäu, hat sich im Laufe der Jahre zu einem zentralen Element im lokalen Hochwasserschutz und zur Energiegewinnung entwickelt. Im Jahr 2018 standen umfangreiche Sanierungsarbeiten im Mittelpunkt, die sowohl technische als auch organisatorische Herausforderungen mit sich brachten. Diese Maßnahmen wurden notwendig, um die Stabilität des Staudamms zu gewährleisten und den sicheren Betrieb der angrenzenden Wasserkraftanlagen zu ermöglichen. In diesem Artikel wird die Entwicklung der Sanierung, die dazugehörigen Hintergründe und Auswirkungen auf die Region detailliert beschrieben.
Einführung: Der Forggensee und seine Bedeutung
Der Forggensee ist ein künstlich angelegter Stausee, der sich im Zuge der Errichtung des Wasserkraftwerks Roßhaupten gebildet hat. Er dient nicht nur der Stromerzeugung, sondern auch als zentraler Bestandteil des Hochwasserschutzes in der Region. Durch seine regulierende Funktion kann er bei starken Niederschlägen und Schneeschmelze Wasser speichern und so Überschwemmungen im weiteren Flusslauf des Lechs verhindern oder zumindest mildern.
Im Winter ist es üblich, den Forggensee abzustauen, um den Wasserstand zu senken und im Frühjahr bei den typischen Schmelzwasserzuständen genügend Kapazität zur Verfügung zu haben. Dieses Verfahren ist auch unter der Bezeichnung „Mondlandschaft“ bekannt, bei der der See auf ein Minimum abgesenkt wird. Doch 2018 war dies nicht möglich, da Sanierungsarbeiten an der Drosselklappe und am Staudamm erforderlich waren.
Hintergrund der Sanierungsarbeiten
Im Jahr 2018 wurden erste Risse im Staudamm des Forggensees festgestellt. Dies führte dazu, dass die Betreiberfirma Uniper Kraftwerke (Kochel am See) dringend Sanierungsmaßnahmen einleitete. Die Schadstellen wurden im April 2018 mit Zement gefüllt, um die Stabilität des Dammes wiederherzustellen. Die Injektionen waren Teil einer umfassenden Stabilisierungsmaßnahme, die sich über mehrere Monate erstreckte.
Die Sanierung war nicht nur aus sicherheitstechnischen Gründen notwendig, sondern auch, um den Betrieb der Kraftwerke aufrechtzuerhalten. Die Drosselklappen im Kraftwerk Roßhaupten, über die normalerweise Wasser entnommen und reguliert wird, standen während der Sanierungsarbeiten nicht zur Verfügung. Dies führte zu erheblichen Einschränkungen bei der Wasserführung des Lechs und somit auch bei der regulären Abstauung des Forggensees.
Auswirkungen der Sanierungsarbeiten auf die Wasserführung
Die Sanierungsarbeiten im Kraftwerk Roßhaupten führten dazu, dass der Forggensee in diesem Winter nicht in der üblichen Weise abgestaut werden konnte. Stattdessen blieb der Wasserstand höher als gewöhnlich, was für Besucher und Einheimische ungewöhnliche Szenen schuf. Der See präsentierte sich in einem Winterkleid, ohne die typische „Mondlandschaft“ zu zeigen.
Ein entscheidender Grund für die eingeschränkte Abstauung war die Notwendigkeit, zwei Entleerungsmöglichkeiten für den Forggensee jederzeit zur Verfügung zu haben. Da die Turbinen aufgrund der Sanierung nicht genutzt werden konnten, blieben lediglich der Südstollen und die 2005 erweiterte Hochwasser-Entlastungsanlage als Optionen. Dies war notwendig, um im Falle starken Zuflusses Wasser ablassen zu können und so Überschwemmungen vorzubeugen.
Die Betreiberfirma Uniper stellte sicher, dass der Seepegel nicht unter einen kritischen Wert fiel, der die Funktion der Hochwasserschutzmaßnahmen beeinträchtigt hätte. Dieser kritische Pegel lag bei etwa 775 Metern über Normalnull, was deutlich über dem üblichen abgesenkten Pegel im Winter lag. Die Maßnahmen blieben bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten im Frühjahr 2025 in Kraft.
Die Sanierungsarbeiten am Staudamm
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierungsarbeiten lag auf dem Staudamm selbst. Die Risse, die im Winter 2018 entdeckt wurden, erforderten eine umfassende Inspektion und Stabilisierung. Die Uniper Kraftwerke begannen im April mit der Reparatur, wobei die schadhaften Stellen mit Zement gefüllt wurden. Diese Injektionen sollten die Struktur des Dammes langfristig stabilisieren.
Die jüngsten Messungen zur Belastbarkeit des Staudamms zeigten, dass die Sanierung erfolgreich war. Die Zementinjektionen hatten die gewünschte Stabilität des Jahrzehnte alten Bauwerks erbracht. Somit konnten die Uniper Kraftwerke den Aufstau des Forggensees fortsetzen. Ob der See seinen normalen Sommerpegel erreichen konnte, blieb jedoch weiterhin unklar, da die Sanierungsarbeiten zu Verzögerungen führten.
Der Aufstau und die Schifffahrt
Der reguläre Aufstau des Forggensees hat auch direkte Auswirkungen auf die Schifffahrt. Normalerweise beginnt die Schifffahrtssaison am 1. Juni. Aufgrund der Sanierungsarbeiten und der Instabilität des Dammes verzögerte sich der Aufstau jedoch länger als geplant. Die Betreiberfirma Uniper gab an, dass der Aufstau in den nächsten Tagen begonnen werden sollte. Ob und wann dies tatsächlich möglich war, blieb jedoch unklar.
Die Verzögerungen beim Aufstau führten zu Unsicherheiten für den Schifffahrtbetrieb. Die Uniper Kraftwerke betonten, dass das Ziel darin bestand, den See so bald wie möglich aufzustauen, um die regulären Betriebszeiten wieder aufnehmen zu können. Allerdings standen die Arbeiten am Staudamm und die Sanierung der Drosselklappen im Weg.
Kommunikation und Transparenz
Die Sanierungsarbeiten und ihre Auswirkungen auf den Forggensee und die Region wurden durch verschiedene Kommunikationskanäle an die Öffentlichkeit weitergegeben. Die Uniper Kraftwerke teilten regelmäßig über den aktuellen Status der Arbeiten und die geplanten Maßnahmen mit. Zudem wurden die Maßnahmen mit den Wasserwirtschaftsämtern Weilheim und Kempten abgestimmt, um die Vorgaben des Hochwasserschutzes einzuhalten.
Die Transparenz war insbesondere bei den Besuchern des Forggensees wichtig, da der See in diesem Winter anders aussah als gewöhnlich. Die Betreiberfirma betonte, dass die Maßnahmen notwendig waren, um die Sicherheit des Dammes und die Funktion des Hochwasserschutzes zu gewährleisten. Zudem wurde betont, dass die Sanierungsarbeiten keine dauerhaften Veränderungen an der Struktur oder Funktion des Sees bedeuten würden.
Fazit
Die Sanierungsarbeiten am Forggensee 2018 waren notwendig, um die Stabilität des Staudamms und die Funktion der angrenzenden Wasserkraftanlagen zu gewährleisten. Die Maßnahmen führten zwar zu erheblichen Einschränkungen in der Wasserführung und zum Verzicht auf die übliche Winterabstauung, waren aber aus sicherheitstechnischen Gründen unumgänglich. Die Uniper Kraftwerke konnten die Sanierungsarbeiten erfolgreich abschließen, und die Stabilität des Staudamms wurde wiederhergestellt.
Die Erfahrungen aus der Sanierung zeigen die Bedeutung von laufenden Wartungs- und Sanierungsmaßnahmen an kritischen Infrastrukturen. Sie verdeutlichen auch, wie eng die Funktionen von Wasserkraftwerken, Hochwasserschutz und Naturschutz miteinander verbunden sind. Die Region und ihre Bewohner konnten den ungewöhnlichen Anblick des Forggensees im Winter genießen, während gleichzeitig wichtige Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden.