Sanierung des Forggensee-Staudamms: Ein Mammutprojekt im Zeichen von Sicherheit und Nachhaltigkeit

Der Forggensee-Staudamm bei Roßhaupten (Ostallgäu) steht nicht nur symbolisch für die Kraftwerke der Region, sondern auch für die technische Komplexität und die Verantwortung, die im Bereich der Wasserkraft und Infrastruktur entstehen. In den vergangenen Jahren hat Uniper Kraftwerke GmbH, der Betreiber des Staudamms, ein umfassendes Sanierungsprojekt durchgeführt, das sowohl aus finanzieller als auch aus baulicher Perspektive als Mammutprojekt bezeichnet werden kann. Mit Kosten in Höhe von 30 Millionen Euro war dieses Vorhaben nicht nur eine Herausforderung für die Bauteams, sondern auch für die Planung, Koordination und Sicherheit. Der Staudamm, der in den vergangenen Jahrzehnten bereits eine zentrale Rolle im Hochwasserschutz und in der Energieversorgung spielte, wurde in den Jahren 2018 bis 2025 saniert, um für die Zukunft fit zu machen.

Die Sanierung umfasste nicht nur die Erneuerung der Drosselklappen, die bis Ende 2025 abgeschlossen sein sollen, sondern auch die Stabilisierung der Dammstruktur selbst. Eine zentrale Maßnahme war die Errichtung einer Erdbetonschlitzwand mit insgesamt 77 Lamellen, die den Staudamm für mindestens 60 Jahre stabilisieren sollen. Zudem wurde ein Glasfaser-Kontrollsystem erweitert, um den Damm technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Insgesamt hat Uniper hierbei ein Projekt umgesetzt, das als Musterbeispiel für moderne Dammrenovierung und Hochwasserschutz gelten kann.

Hintergrund und Bedeutung des Forggensee-Staudamms

Der Forggensee-Staudamm ist nicht nur ein zentraler Punkt der regionalen Energieversorgung, sondern auch ein entscheidendes Element im Hochwasserschutz des Lech-Flusssystems. Der Staudamm wurde ursprünglich im 20. Jahrhundert errichtet und hat seither eine Schlüsselrolle in der Wasserkraftnutzung und im vorausschauenden Hochwasserschutz gespielt. Durch die Speicherung und kontrollierte Freisetzung von Wasser kann der Forggensee im Winter und Frühling die Flussführung regulieren, um Überschwemmungen entlang des Lech zu verhindern.

Zudem ist der Staudamm ein zentrales Element im Energiemix der Region. Er ermöglicht die Nutzung von Schwerkraftenergie durch die Turbinen im Kraftwerk Roßhaupten, wodurch erneuerbare Energie aus Wasser erzeugt wird. Diese Rolle macht die Sanierung des Staudamms nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht unverzichtbar.

Die Sanierungsmaßnahmen: Ausbau der Dammstruktur

Im Zentrum der Sanierungsarbeiten stand die Stabilisierung des Dammkörpers. Aufgrund der unterschiedlichen Härte und Stellung der Felsen, auf denen der Damm steht, war eine sorgfältige Planung erforderlich. Die Errichtung einer Erdbetonschlitzwand mit 77 Lamellen war ein entscheidender Schritt, um die Dammstruktur für die Zukunft zu sichern. Diese Schlitzwand dient als zusätzliche Stabilisierung und verhindert potenzielle Erosion oder Schwankungen der Dammkronen.

Zusätzlich wurde der Damm mit einem modernen Glasfaser-Kontrollsystem ausgestattet, das in Echtzeit auf Veränderungen reagieren kann. Dieses System ermöglicht es, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Die Erweiterung um drei zusätzliche Standrohrmessstellen auf der Dammkrone war daher ein weiterer Schritt in Richtung moderner Infrastruktur.

Die Sanierungsarbeiten wurden in zwei täglichen Schichten durchgeführt, wobei jeweils etwa 30 Personen beschäftigt waren. Der Betreiber Uniper betont, dass der Staudamm nach Abschluss der Arbeiten zu einem der modernsten Dämme Deutschlands zählt. Die Arbeiten an der Dammkrone selbst, die bis Ende Juli 2024 abgeschlossen sein sollen, beinhalten auch die Wiederherstellung der Straße und des Gehweges, die vorübergehend gesperrt waren.

Sanierung der Drosselklappen: Ein zentraler Punkt im Projekt

Ein weiteres zentrales Element der Sanierung war die Erneuerung der Drosselklappen im Kraftwerk Roßhaupten. Diese Drosselklappen sind entscheidend für die Regulierung der Wasserführung und ermöglichen die kontrollierte Freisetzung von Wasser in den Lech. Da die Turbinen während der Sanierungsarbeiten nicht eingesetzt werden konnten, blieb der Forggensee in diesem Winter nicht wie üblich abgestaut. Stattdessen wurde lediglich eine geringe Entleerung durchgeführt, um den Wasserspiegel so weit zu senken, dass die Hochwassersicherheit gewährleistet bleibt.

Die Sanierung der Drosselklappen war mit Kosten in Höhe von 5 Millionen Euro verbunden und war von großer Bedeutung, um die Effizienz und Sicherheit des Kraftwerks langfristig zu gewährleisten. Die Arbeiten an den Drosselklappen sollen bis Ende April 2025 abgeschlossen sein, was auch den regulären Wiederaufstau des Sees ermöglichen wird. In der Zwischenzeit musste das Unternehmen auf alternative Entleerungsmöglichkeiten zurückgreifen, etwa über den Südstollen und die erweiterte Hochwasser-Entlastungsanlage, die 2005 modernisiert wurde.

Auswirkungen auf die Region: Geringere Wasserführung im Winter

Die Sanierungsarbeiten hatten auch Auswirkungen auf die Wasserführung des Lech in der Region. In diesem Winter führte der Fluss beispielsweise deutlich weniger Wasser als üblich, was auf die begrenzte Entleerung des Forggensees zurückzuführen war. In Städten wie Mering, Kissing, Augsburg und Gersthofen war dies besonders spürbar. Uniper erklärte, dass die übliche „Aufbesserung“ der Wasserführung entfiel, da die Drosselklappen nicht einsatzbereit waren. Der Lech führte somit lediglich das Wasser, das von Süden her zufließt, ohne dass der Forggensee zusätzliche Mengen abgeben konnte.

In der Region Landsberg war die Situation vergleichbar. Der Lech blieb in diesem Winter in einem geringeren Maße gefüllt, was für einige Zeit ungewöhnlich wirkte. Uniper betonte jedoch, dass dies vor allem auf die Sanierungsarbeiten zurückzuführen sei und nicht auf natürliche Faktoren. Zudem war es wichtig, dass der Wasserspiegel nicht unter einen bestimmten Mindestpegel sank, um die Hochwassersicherheit zu gewährleisten.

Hochwasserschutz: Eine zentrale Herausforderung

Der Forggensee spielt eine zentrale Rolle im Hochwasserschutz der Region. Während der Sanierungsarbeiten war es daher unerlässlich, dass mindestens zwei Entleerungsmöglichkeiten zur Verfügung standen, um im Falle hoher Zuflüsse schnell und sicher abzusenken. Da die Turbinen nicht eingesetzt werden konnten, blieben der Südstollen und die Hochwasser-Entlastungsanlage die einzigen Optionen. Diese Sicherheitsvorkehrungen waren von großer Bedeutung, um mögliche Risiken für die umliegende Bevölkerung zu minimieren.

Der Forggensee dient in der kalten Jahreszeit traditionell als Speicherbecken für Überschusswasser, das in den Frühling hinein kontrolliert in den Lech geleitet wird. In diesem Jahr war dies jedoch nicht möglich, da der Staudamm nicht vollständig abgestaut werden konnte. Stattdessen wurde ein vordefinierter Wasserspiegel gewahrt, der deutlich über dem üblichen abgesenkten Niveau lag. Dieser Mindestpegel garantierte, dass im Bedarfsfall die Entlastungssysteme sofort einsatzbereit waren.

Der Fortgang der Arbeiten: Von der Sanierung zur Wiedereröffnung

Die Sanierungsarbeiten an der Dammkrone und der Erdbetonschlitzwand sind inzwischen weit fortgeschritten. Nach Angaben von Uniper ist mit der Fertigstellung bis Ende Juli 2024 zu rechnen. Der Damm war während der Bauarbeiten für den öffentlichen Verkehr gesperrt, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Eine Behelfsumleitung für Fußgänger und Radfahrer wurde eingerichtet und stand ab dem 12. April 2024 wieder zur Verfügung. Die Wiedereröffnung der Straße über den Damm ist für Ende Juli geplant.

Die Sanierungsarbeiten an der Erdbetonschlitzwand wurden in zwei Schichten durchgeführt, wobei täglich rund 30 Arbeitnehmer beschäftigt waren. Der Bauleiter betonte, dass der Staudamm nach Abschluss der Arbeiten zu einem der modernsten Dämme Deutschlands zählen wird. Dieses Projekt unterstreicht die Notwendigkeit, bestehende Infrastruktur kontinuierlich zu prüfen und zu modernisieren, um sie für die Zukunft fit zu machen.

Ausblick: Der Forggensee nach der Sanierung

Mit Abschluss der Sanierungsarbeiten wird der Forggensee wieder seine gewohnte Rolle im Hochwasserschutz und in der Energieversorgung übernehmen können. Der reguläre Wiederaufstau des Sees auf die Zielmarke von 780,50 Metern über Normalnull (müNN) ist für Ende April 2025 geplant. Damit wird der Staudamm wieder in seine reguläre Funktion zurückkehren und die übliche Wasserführung im Lech wiederherstellen.

Für die Region bedeutet dies, dass die Sicherheit entlang des Flusslaufs gewährleistet bleibt und der Forggensee weiterhin als zentraler Punkt in der Wasserkraftnutzung fungiert. Zudem ist der Staudamm nach der Sanierung technisch auf dem neuesten Stand, was sowohl aus Sicherheits- als auch aus wirtschaftlicher Sicht von großer Bedeutung ist.

Fazit

Die Sanierung des Forggensee-Staudamms war ein komplexes und anspruchsvolles Projekt, das sowohl aus baulicher als auch aus organisatorischer Sicht als Mammutaufgabe gelten kann. Mit Kosten in Höhe von insgesamt 30 Millionen Euro und einer Bauzeit von mehreren Jahren wurde ein Staudamm saniert, der nicht nur eine zentrale Rolle in der regionalen Energieversorgung, sondern auch im Hochwasserschutz spielt. Die Errichtung einer Erdbetonschlitzwand mit 77 Lamellen, die Erneuerung der Drosselklappen und die Ausstattung mit einem modernen Glasfaser-Kontrollsystem sind Beispiele dafür, wie moderne Technik und Bauweise zur Sicherheit und Nachhaltigkeit beitragen können.

Die Arbeiten waren von großer Bedeutung, um den Staudamm für die Zukunft fit zu machen und die Funktionen im Hochwasserschutz sowie in der Energieerzeugung weiterhin gewährleisten zu können. Obwohl die Sanierungsarbeiten zu einer ungewöhnlichen Situation im Winter führten – etwa zu geringerer Wasserführung im Lech – blieb der Forggensee doch im Herzen der Region ein zentraler Punkt der Infrastruktur. Mit Abschluss der Arbeiten und der Wiedereröffnung des Dammes wird der Forggensee wieder zu einem der modernsten Staudämme Deutschlands gehören und seine Rolle in Sicherheit und Energieversorgung weiterhin übernehmen.

Quellen

  1. Allgäuer Zeitung – Sanierung des Forggensee-Staudamms
  2. Kreisbote – Forggensee soll heuer länger aufgestaut bleiben
  3. Merkur – Forggensee nach Sanierungsarbeiten wieder abgestaut
  4. Augsburger Allgemeine – Warum der Lech diesen Winter trockener ist
  5. Augsburger Allgemeine – Warum der Lech diesen Winter weniger Wasser führt
  6. Merkur – Wegen Sanierungsarbeiten: Forggensee wird nicht abgestaut

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