Die Forggensee-Staumauer bei Roßhaupten, ein zentraler Bestandteil der Wasserwirtschaft und Tourismusinfrastruktur in der Region Ostallgäu, stand in den letzten Jahren im Fokus von Planung und Sanierungsarbeiten. Nach fast 65 Jahren Betrieb wurde die Staumauer einer notwendigen Sanierung unterzogen, um die langfristige Sicherheit und Funktionstüchtigkeit des Stausees zu gewährleisten. In diesem Artikel wird detailliert auf die Hintergründe, Vorgehensweise, Kosten und Auswirkungen dieser Sanierungsmaßnahmen eingegangen, basierend auf den verfügbaren Informationen.
Die Notwendigkeit der Sanierung
Die Forggensee-Staumauer wurde 1954 in Betrieb genommen und dient seitdem als zentraler Rückhaltebehälter für das Lech-Wassermanagement. Sie ist nicht nur ein touristisches Wahrzeichen, sondern auch ein entscheidender Faktor im Hochwasserschutz und in der Stromproduktion. Nach einer langen Reihe von Inspektionen und Messungen wurde festgestellt, dass der Damm aufgrund von Felsrisse und Erosion nicht mehr sicher genutzt werden konnte.
Die Betreiberfirma Uniper Kraftwerke GmbH gab an, dass die Dichtung des Damms durch das abfließende Wasser in den vergangenen Jahren beschädigt wurde. Besonders kritisch seien die Felsrisse, die während des Bauprozesses mit Zement gefüllt worden waren. Durch die Jahrzehnte der Nutzung wurde jedoch ein Teil dieser Füllung herausgewaschen, was zu einer erhöhten Durchlässigkeit führte.
Planung und Durchführung der Sanierung
Die Sanierungsarbeiten gliederten sich in zwei Phasen, wobei beide auf Sicherheit und Funktionstüchtigkeit abzielten.
Phase 1: Injektionen und Vorbereitung zum Wiederaufstau
In der ersten Phase wurden die Felsrisse unterhalb der Staumauer erneut mit Zement verfüllt. Diese Vorabinjektionen sollten es ermöglichen, den Forggensee bereits vor Abschluss aller Sanierungsarbeiten aufzustauen. Ziel war es, die touristische Nutzung so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Dennoch war Uniper mitgeteilt worden, dass ein vollständiger Aufstau zum traditionellen Zeitpunkt (1. Juni) nicht garantiert werden könne. Es gingen Verzögerungen von mehreren Wochen bis hin zu einem Worst-Case-Szenario, in dem der See im Sommer sogar leer bleiben könnte.
Phase 2: Schlitzwand-Verfahren und Stabilisierung
Die zweite Phase beinhaltete das Einbringen einer sogenannten Betonschlitzwand. Diese Technik, bei der eine kerbenartige Betonstruktur über die gesamte Länge des Damms verlaufen wird, dient dazu, den Dammkern zu stabilisieren und den Durchfluss des Wassers durch die Dichtung zu minimieren. Die Schlitzwand reichte über 320 Meter Länge, 80 Zentimeter Dicke und maximal 75 Meter Tiefe. Sie ragte bis zu 40 Meter tief in den Untergrund, um langfristig die Funktionstüchtigkeit des Damms zu gewährleisten.
Diese Maßnahme war von großer Bedeutung, da sie die Stabilität des Damms für die nächsten Jahrzehnte sichern sollte. Die Uniper betonte, dass diese Technologie auf modernem Stand der Technik basiere und im Einklang mit den Sicherheitsvorgaben stehe.
Kosten und Zeitaufwand
Die Sanierung der Forggensee-Staumauer war mit erheblichen finanziellen Mitteln verbunden. Laut Angaben aus den Quellen beliefen sich die Gesamtkosten auf etwa 20 bis 30 Millionen Euro, je nach Bericht. Dies unterstreicht die Komplexität des Projekts und die Notwendigkeit, sowohl technische als auch organisatorische Herausforderungen zu meistern.
Die Bauzeit wurde mit einem Jahr eingeschätzt, wobei die Arbeiten in mehreren Abschnitten durchgeführt wurden. Während des gesamten Sanierungszeitraums war die Straße über die Dammkrone für Kraftfahrzeuge gesperrt. Für Radfahrer und Fußgänger wurde jedoch ein Durchgang eingerichtet, um die touristische Nutzung der Uferwege nicht vollständig zu unterbrechen.
Auswirkungen auf Tourismus und lokale Wirtschaft
Der Forggensee ist ein bedeutender touristischer Anziehungspunkt, der jedes Jahr Tausende Besucher anzieht. Die Schifffahrt, Wander- und Radtouren sowie Freizeitaktivitäten im Umland sind stark von der Füllung des Sees abhängig. Die Sanierungsarbeiten führten daher zu erheblichen Einschränkungen, besonders wenn der See nicht wie gewohnt bis zum 1. Juni aufgestaut werden konnte.
Helmut Schauer, für Füssens städtische Flotte verantwortlich, betonte, dass ein leerer See die Einnahmen der Schifffahrt um mehr als eine Million Euro schmälern würde. Zudem wurden bereits geplante Reservierungen für Hochzeiten und andere Events geprüft und Alternativen gesucht. Der Ticketverkauf für kulturelle Angebote wie Musical-Fahrten wurde vorerst fortgeführt, aber unter Unsicherheiten.
Für die Anrainerorte und lokalen Betriebe war die kurzfristige Information über die Sanierungsarbeiten eine zusätzliche Herausforderung. Besonders das Personalmanagement im Tourismussektor war betroffen, da die Planung für die Saison stark von der Füllung des Sees abhängt.
Umwelt- und Hochwasserschutzaspekte
Die Sanierung der Staumauer hatte auch direkte Auswirkungen auf das Hochwasserschutzsystem der Region. Der Forggensee reguliert den Wasserstand des Lech und spielt eine zentrale Rolle bei der Aufhöhung von Niedrigwasser sowie der Kontrolle von Hochwasserereignissen. Während der Sanierungsarbeiten war es nicht möglich, den See wie üblich im Winter abzustauen, was den Hochwasserschutz beeinflusste.
Uniper stellte klar, dass die Entscheidung über den Abstau oder Aufstau immer an Sicherheitsaspekten orientiert war. Zudem wurden alternative Entlastungswege über den Südstollen und die erweiterte Hochwasser-Entlastungsanlage genutzt, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Kommunikation und Planung mit den Behörden
Die Sanierungsarbeiten wurden eng mit den zuständigen Wasserwirtschaftsämtern in Weilheim und Kempten abgestimmt. Ein Umleitungskonzept für den Verkehr wurde erarbeitet, um die Auswirkungen auf die Anlieger und Touristen zu minimieren. Uniper betonte, dass die Kommunikation mit den Behörden und den lokalen Behörden sowie der Öffentlichkeit transparent und umfassend gestaltet wurde.
Fazit
Die Sanierung der Forggensee-Staumauer war ein komplexes und kostspieliges Projekt, das notwendig war, um die Sicherheit und Funktionstüchtigkeit des Stausees zu gewährleisten. Mit einem Investitionsvolumen von bis zu 30 Millionen Euro und einer Bauzeit von etwa einem Jahr wurde ein langfristiges Sicherheitskonzept für die Region umgesetzt. Obwohl die Arbeiten zu Einschränkungen im Tourismus und der lokalen Wirtschaft führten, war das Projekt als notwendig erachtet, um die zukünftige Nutzung des Sees sicherzustellen.
Die Erfahrungen aus dem Sanierungsprozess zeigen, wie wichtig es ist, solche Projekte frühzeitig zu planen, um den Betreibern und den Anrainern genügend Zeit zur Anpassung zu lassen. Zudem verdeutlichen sie die zentralen Funktionen, die Stauseen in der Wasserwirtschaft und im Tourismus spielen, und warum deren Unterhalt und Sanierung nicht vernachlässigt werden dürfen.
Quellen
- Kreisbote – Schlimmsten Fall muss Forggensee Sommer trocken bleiben
- Allgäuer Zeitung – Sanierung des Forggensee-Staudamms erfolgreich abgeschlossen
- Merkur – Forggensee nach Sanierungsarbeiten wieder abgestaut
- Allgäuer Zeitung – Forggensee geht nicht mit 65 in Ruhestand
- Merkur – Wegen Sanierungsarbeiten: Forggensee wird nicht abgestaut
- Wandernundmehr.at – Warum wird der Forggensee nicht mehr abgelassen
- Allgäuer Zeitung – Sanierung des Forggensee-Staudamms erfolgreich abgeschlossen