Denkmalgerechte Sanierung der Schule an der Forsmannstraße in Hamburg: Herausforderungen und Chancen

Die Schule an der Forsmannstraße in Hamburg, errichtet 1910 nach Entwürfen des Architekten Albert Erbe, ist ein Beispiel für eine gelungene, denkmalgerechte Sanierung in der Hamburger Schulbaukultur. Das Gebäude, das als Reformschule geplant und reich ausgestattet wurde, erfuhr im Jahr 2017/2018 eine umfassende Renovierung unter der Leitung des Architekturbüros Winking · Froh. In diesem Artikel wird die Sanierungsmaßnahme im Detail betrachtet, mit Fokus auf denkmalpflegerische Aspekte, technische Herausforderungen und die langfristige Nachhaltigkeit solcher Projekte. Gleichzeitig werden die Sanierung als Teil einer größeren, regionalen Planung und die Bedeutung solcher Maßnahmen für die künftige Schulbauentwicklung in Hamburg skizziert.

Historischer Hintergrund und Bausubstanz

Die Forsmannschule ist ein repräsentativer Vertreter der Reformschularchitektur der frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland. Mit vier Vollgeschossen, einem Vollkeller und einem teilweise unterkellerten Tiefkeller ist das Gebäude in massiver Bauweise errichtet. Die ursprüngliche Ausstattung – darunter die reichhaltige Farbgestaltung der Flure und Treppen – ist in ihrer ursprünglichen Form im Laufe der Zeit weitgehend verschwunden. Dennoch konnten bei der Sanierung historische Fotos und Beschreibungen aus der Bauzeit rekonstruiert werden, wodurch ein genaues Bild der ursprünglichen Ausstattung gewonnen werden konnte.

Ein besonderes architektonisches Element des Gebäudes ist die so genannte Koenensche Deckenkonstruktion aus Flachstahl und Beton. Diese Technik, die in der Zeit der Ersten Republik verbreitet war, ermöglichte eine hohe Raumhöhe, was im Kontext der damaligen Bildungsideale – wie sie sich in der Reformpädagogik widerspiegeln – von großer Bedeutung war. Zudem war die Schule mit 24 Klassenzimmern, einer Turnhalle und einem integrierten Schulhof konzipiert, was damals als progressiv und modern galt.

Sanierungsziele und Konzept

Die Sanierung der Forsmannschule war nicht primär auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Bausubstanz ausgerichtet, sondern auf die Erhaltung der historischen Erscheinung unter Einbeziehung moderner Anforderungen an Wärme, Brandschutz und Akustik. Ein zentrales Ziel war es, die ehemalige Farbgestaltung der öffentlichen Bereiche wiederzubeleben. Die Flure, Treppenhäuser und Eingangsbereiche wurden daher nach historischem Befund neu gestaltet, wobei das ehemalige Wellenmotiv des Wandfrieses im Erdgeschoss eine besondere Rolle spielte.

Ein weiteres zentrales Anliegen war die Sanierung der Fassade, die als historisch wertvolles Element gilt. Sandsteinportale, Fassadendekore und die Holzfenster der Hoffassade wurden restauriert, wobei letztere nach Originalteilung als Holzfenster erneuert wurden. Die Fenstereinbauten wurden fachgerecht ersetzt, um die historische Authentizität zu bewahren, ohne dabei auf die Vorteile moderner Fensterkonstruktionen zu verzichten.

Technische Aspekte der Sanierung

Die Sanierung umfasste mehrere technische Disziplinen, darunter TGA (Technische Gebäudeausrüstung), Brandschutz, Schadstoffsanierung und Ertüchtigung der Gebäudehülle. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten wurden Schadstoffe, die sich über die Jahrzehnte angesammelt hatten, entfernt. Gleichzeitig wurden die Gebäudebereiche sorgfältig bezüglich ihrer Wärmedämmung und Brandsicherheit ertüchtigt.

Ein besonderes Augenmerk galt der Schadstoffsanierung, die aufgrund der langen Nutzungsdauer des Gebäudes von großer Bedeutung war. Dazu gehörten die Entfernung von Asbest sowie die Sanierung von Wänden und Decken, die aufgrund von Schimmelbefall oder Feuchtigkeitsschäden beeinträchtigt waren. Diese Maßnahmen stellten sicher, dass das Gebäude den heutigen Sicherheits- und Gesundheitsstandards entspricht.

Die Akustik der Räume wurde ebenfalls verbessert. Flure und Klassenräume erhielten Akustikdecken, die überdurchschnittliche Lärmpegel reduzieren und so die Lern- und Arbeitsbedingungen verbessern. Zudem wurden neue Leuchten eingebaut, die den modernen Anforderungen an Beleuchtung und Energieeffizienz entsprechen.

Denkmalschutz und Modernisierung im Einklang

Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung lag darin, denkmalpflegerische Anforderungen mit modernen Nutzungsbedürfnissen in Einklang zu bringen. So blieben historische Türen und Elemente weitgehend erhalten, wurden aber restauriert und in ihre ursprüngliche Farbigkeit zurückgeführt. Der Eingangsbereich, der im Laufe der Jahre verändert wurde, wurde entsprechend historischer Pläne wiederhergestellt.

Die Sanierung der Schule an der Forsmannstraße ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Gebäude in seiner Substanz erhalten werden kann, ohne dabei auf technische Modernisierungen zu verzichten. Die Architekten Winking · Froh betonten in diesem Zusammenhang, dass es nicht darum ging, das Gebäude in eine zeitgenössische Form zu zwängen, sondern es in seiner historischen Erscheinung zu bewahren und gleichzeitig funktional zu modernisieren.

Klimaschutz und nachhaltige Nutzung

Ein weiterer Aspekt der Sanierungsmaßnahme lag in der Berücksichtigung der Klimaziele der Stadt Hamburg. So wurden die Außenanlagen der Schule im Rahmen der Sanierung neu gestaltet, wobei naturnahe Elemente wie Regenrückhaltebecken und offene Versickerungsflächen integriert wurden. Diese Maßnahmen trugen zur lokalen Klimaanpassung bei und reduzierten das Risiko von Überschwemmungen im städtischen Raum. Zudem wurde die Nutzung des Areals optimiert, um die Lernbedingungen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern.

Kontextuelle Einordnung: Schulbau in Hamburg

Die Sanierung der Forsmannschule ist nicht isoliert zu betrachten, sondern muss in den größeren Rahmen der aktuellen Schulbau- und Sanierungsinitiativen der Stadt Hamburg eingeordnet werden. Laut einer Pressemitteilung der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) investierte Hamburg zwischen 2022 und 2024 insgesamt rund 78 Millionen Euro in 35 verschiedene Schulbauvorhaben. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den wachsenden Bedarf an Bildungsplätzen abzudecken und gleichzeitig die bestehende Bausubstanz in Schuleinrichtungen zu sichern.

Ein weiteres Beispiel für eine umfassende Sanierung ist die Wolfgang-Borchert-Schule in Eimsbüttel, die in das Gebäude der ehemaligen beruflichen Schule in der Schwenckestraße eingezogen ist. Hierbei wurde ein Gebäude von insgesamt 3.760 m² umfassend saniert, wobei der Rohbau und Estrich als einzige Elemente erhalten blieben. Die Fassaden, der Innenausbau sowie die Schadstoffsanierung standen im Vordergrund. Zudem wurden Brand- und Wärmeisoliermaßnahmen durchgeführt, wodurch das Gebäude in den heutigen Sicherheits- und Energieeffizienzstandards gebracht wurde.

Auch das Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium in Eimsbüttel erfuhr eine umfassende Sanierung. In diesem Fall lag der Fokus auf schadstofffreien Oberflächen, Brandschutzmaßnahmen und der Errichtung eines Aufzugs. Gleichzeitig wurden die Außenhülle teilweise saniert und die Schulhofflächen neu gestaltet. Diese Maßnahmen unterstreichen die Bedeutung von Sanierungen als nachhaltige Alternative zum Neubau, insbesondere wenn historische Gebäude in den Fokus geraten.

Vorbilder für zukünftige Sanierungsprojekte

Neben den konkreten Maßnahmen an bestehenden Standorten ist auch die Planung neuer Schulen ein zentrales Element der städtischen Bildungsstrategie. So wurden beispielsweise die Neugründungen der Wolfgang-Borchert-Schule (2019) und des Gymnasiums Rotherbaum (2021) als Teil des Programms „Hamburg wächst mit seinen Schulen“ umgesetzt. Dieses Programm ist darauf ausgerichtet, die Ausbauplanung an bestehenden und neuen Standorten zu koordinieren und dabei sowohl die pädagogischen als auch die baulichen Anforderungen zu berücksichtigen.

Zudem ist die Sanierung der Forsmannschule ein gutes Beispiel dafür, wie moderne Architektur- und Bautechniken in historische Gebäude integriert werden können. So standen in der Sanierung von Gymnasien in anderen Städten wie Neustadt an der Waldnaab oder Essenheim ähnliche Herausforderungen im Vordergrund, bei denen es darum ging, Bestandsbauten zu erhalten, ohne sie durch Neubauten zu ersetzen. In diesen Fällen wurden ebenfalls Sanierungen durchgeführt, die sich an denkmalpflegerischen Prinzipien orientierten, aber gleichzeitig technisch und pädagogisch modernisierten.

Fazit

Die Sanierung der Schule an der Forsmannstraße in Hamburg ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie historische Gebäude in ihrer Authentizität erhalten werden können, ohne dabei auf moderne Anforderungen an Sicherheit, Energieeffizienz und pädagogische Flexibilität zu verzichten. Die umfassende Renovierung unter der Leitung des Architekturbüros Winking · Froh hat gezeigt, dass es möglich ist, Bestandsbauten in den heutigen Bildungs- und Klimadiskurs einzubinden.

Zudem ist die Forsmannschule in den Kontext eines breiteren Sanierungsprogramms der Stadt Hamburg eingebettet, das nicht nur die Erhaltung historischer Schulbauten betont, sondern auch neue Bauvorhaben als Teil einer nachhaltigen Schulentwicklung plant. Die Erfahrungen aus diesem Projekt können für andere städtische und kommunale Sanierungsmaßnahmen wertvoll sein, insbesondere da sie zeigen, wie Denkmalschutz, technische Modernisierung und pädagogische Anforderungen miteinander in Einklang gebracht werden können.

Quellen

  1. Schule Forsmannstraße – Denkmalgerechte Sanierung
  2. Schule Forsmannstraße – Einträge und Kontaktdaten
  3. Innovativer und nachhaltiger Schulbau in Hamburg
  4. Sanierung einer denkmalgeschützten Grundschule in Hamburg
  5. Sanierung von Schulen – Kriterien und Beispiele
  6. Sanierung von Schulen als Chance für flexible Unterrichtsformen

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