Weißfrauenkirche in Frankfurt: Sanierung, Denkmalpflege und barrierefreier Kirchenbau

Die Weißfrauenkirche in Frankfurt am Main, ein architektonisch und kulturell bedeutender Kirchenbau aus dem Jahr 1956, hat in den letzten Jahren umfassende Sanierungsmaßnahmen durchlaufen. Die Renovierung, die sowohl die Innen- als auch die Außenfassade einschloss, folgte den Vorgaben der Denkmalpflege und berücksichtigte gleichzeitig den heutigen Bedarf an barrierefreier Architektur und verbesserter Akustik im Kirchenraum. In diesem Artikel werden die verschiedenen Aspekte der Sanierung, die konzeptionellen Grundlagen, technischen Umsetzungen und die kulturellen Impulse aus der Weißfrauen Diakoniekirche in den Fokus gestellt.

Die Weißfrauenkirche: Historischer Hintergrund und aktuelle Nutzung

Die heutige Weißfrauen Diakoniekirche entstand in der Nachkriegszeit, genauer gesagt im Jahr 1956, als Reaktion auf den Bedarf der evangelischen Gemeinden im Frankfurter Bahnhofsviertel. Der Architekt Werner W. Neumann, ein Maler und Architekt, entwarf die Kirche nach dem Prinzip der „Parabelkirche“ – eine Form, die mit kreisrunden Fenstern und unregelmäßig geformten Bodensteinen modernen Architekturansätzen folgte. Diese Kirche ersetzte die ursprüngliche Weißfrauenkirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war und nicht wiederaufgebaut wurde.

Im Jahr 2005 übernahm die Diakonie Frankfurt und Offenbach die Kirche, um sie als Diakoniekirche zu nutzen. Seither dient die Kirche nicht nur als Gottesdienststätte, sondern auch als Kunst- und Kulturzentrum. Die Weißfrauen Diakoniekirche ist heute ein Ort, an dem klassische diakonische Arbeit, kulturelle Veranstaltungen und soziale Integration zusammenfließen. Die Kirche ist auf Anfrage geöffnet, und Interessierte können sich über E-Mail mit der Pforte in Verbindung setzen.

Innen- und Außensanierung: Denkmalschutz und Modernisierung

Die Sanierung der Weißfrauen Diakoniekirche war ein langfristiges Projekt, das verschiedene Phasen umfasste. Zunächst erfolgten Arbeiten an der Fassade und am Kirchturm, gefolgt von der Innenrenovierung, die von 2021 bis Ende 2021 durchgeführt wurde. Die Kosten für die Sanierung beliefen sich insgesamt auf 270.000 Euro.

Die Renovierung folgte strengen Vorgaben des Denkmalamts, insbesondere hinsichtlich der Farbgebung. Die Innenwände und Vorhänge wurden farblich so gestaltet, dass sie der ursprünglichen Farbgebung aus dem Baujahr 1956 entsprechen. Die Rückwand gegenüber dem Altar wurde in einem seltenen bläulich-lilafarbenen Ton gestrichen, der den Kirchenraum optisch vergrößert und die Architektur betont.

Zur Verbesserung der Akustik wurden schallabsorbierende Elemente in die Decke und Rückwand integriert. Zudem wurde ein dezent grauer Vorhang installiert, der den Eingangsbereich vom Kirchenraum trennen kann. Dieser Vorhang ist nicht nur optisch ansprechend, sondern auch funktionell: Er dient der Verbesserung der Sprachverständlichkeit bei Podiumsdiskussionen oder Andachten. Laut Kurator Thomas Kober war bereits in den 1950er Jahren ein ähnlicher Vorhang vorhanden – die Originalschiene wurde sogar wiederverwendet.

Barrierefreier Zugang und Platzgestaltung

Ein weiteres zentrales Projekt war die Schaffung eines barrierefreien Zugangs zum Kirchenraum. Um den höher gelegenen Kirchenteil zu erreichen, wurde ein Außenliegender Aufzug angebaut. Dieser ermöglicht es Menschen mit eingeschränkter Mobilität, den Kirchenraum problemlos zu betreten und nutzt.

Die Umgestaltung des Vorplatzes war ein weiteres Puzzlestück im Gesamtprojekt. Breite Gehwege, ein einheitlicher Bodenbelag und eine offene Freifläche tragen dazu bei, dass der Platz zugänglicher und einladender wirkt. Die ehemals abweisenden Barrieren wie Zäune und Mauern wurden entfernt, und der Platz spiegelt nun die Offenheit der Einrichtung wider. Die Kosten für die Platzgestaltung beliefen sich auf 400.000 Euro, die Turmsanierung kostete 150.000 Euro, und die Sanierung der beiden anliegenden Häuser betrug 2,73 Millionen Euro.

Die Platzgestaltung war laut Planungsdezernent Olaf Cunitz ein „Mosaikstein auf dem Weg zur Aufwertung des Quartiers“. Der abweisende Charakter des Ortes sei nun Geschichte. Insgesamt war die Sanierung ein gemeinsames Projekt von Stadt, Evangelischem Regionalverband und Diakonie, das zum Wohl der Menschen gestaltet wurde.

Kunst im Dialog mit dem Kirchenraum

Die Weißfrauen Diakoniekirche ist nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Kultur- und Kunstzentrum. Seit 2005 wird die Kirche als Ausstellungsraum genutzt, in dem Künstler ihre Werke präsentieren können. Laut Thomas Kober, der seit 2011 Kurator vor Ort ist, müssen Künstler, die in der Kirche ausstellen, im Dialog mit dem Kirchenraum stehen. Dies bedeutet, dass die Kunstwerke nicht isoliert betrachtet werden können, sondern sich mit dem Raum, seiner Form und seiner Funktion auseinandersetzen müssen.

Ein Beispiel für diese künstlerische Auseinandersetzung ist die Leuchtbuchstabeninstallation „Mensch“ von Mirek Macke, die über dem Eingang angebracht ist. Sie entstand ursprünglich für die Leuchtreklame des Frankfurter Kaufhauses M. SCHNEIDER und wurde später in den Kirchenkontext integriert. Weitere künstlerische Impulse stammen von Andrea Büttner, die im Kirchturm ein sogenanntes Turmzimmer eingerichtet hat. Sie ersetzte das ursprüngliche Betongitterwerk durch Lärchenholz, wodurch der Kirchturm ein warmes, einladendes Ambiente erhielt.

Im Jahr 2021 war eine Ausstellung von Birgit Cauer zu sehen, gefolgt von Werken des französisch-fränkischen Bildhauers Ernst Stark. Für die Herbstausstellung plant der japanische Künstler Yasuaki Kitagawa, ein riesiges Schiff aus Lehm zu bauen. Die Kirche dient also nicht nur der Andacht, sondern auch der kulturellen Begegnung und künstlerischen Experimente.

Technische Aspekte der Sanierung

Die Sanierung der Weißfrauen Diakoniekirche war ein komplexes Projekt, das sowohl handwerkliche als auch planerische Kompetenzen erforderte. Die Arbeiten an der Decke und Wänden erforderten den Einbau von Schallschutzelementen, die den Nachhalleffekt reduzieren. Diese Elemente wurden in die Deckenkonstruktion eingearbeitet und trugen so dazu bei, die Sprachverständlichkeit im Kirchenraum zu verbessern.

Die Rückwand, die sich gegenüber dem Altar befindet, wurde mit unzähligen kleinen Löchern versehen, wodurch sie schallschluckend wirkt. Die Farbgebung dieser Wand folgte den Vorgaben des Denkmalamts und wurde bläulich-lilafarben gestaltet. Diese Farbe betont die Architektur des Kirchendachs, das leicht gewölbt ist.

Zur Zeit der Sanierung wurde der Kirchenraum komplett eingerüstet, um die Wände und Decke streichen zu können. Die Arbeiten wurden von Handwerkerinnen und Handwerkern durchgeführt, die den historischen Zustand der Kirche wiederherstellen konnten. Zudem wurden neue Möbel angeschafft, darunter Tische und Stühle, die den Nutzungszweck der Kirche als Veranstaltungsort unterstreichen.

Kooperationen und soziale Arbeit

Neben der kulturellen Nutzung der Weißfrauen Diakoniekirche ist sie auch ein Ort der sozialen Arbeit. Das Diakonische Werk Frankfurt und Offenbach nutzt die Kirche, um Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise Obdachlose oder Menschen, die auf soziale Begleitung angewiesen sind.

Ein Beispiel für diese diakonische Arbeit ist das Übergangswohnheim an der Weserstraße 3 und 5, das in der Nähe der Kirche liegt. In diesem Wohnheim leben Menschen ohne festen Wohnsitz, und die Kirche fungiert als Anlaufstelle für soziale und spirituelle Betreuung.

Zudem kooperiert die Diakoniekirche mit externen Gruppen, die sich in das kulturelle und soziale Leben des Frankfurter Bahnhofsviertels einbringen. Die Kirche wird regelmäßig für Tagungen, Podiumsdiskussionen und andere Veranstaltungen genutzt.

Fazit

Die Sanierung der Weißfrauen Diakoniekirche in Frankfurt ist ein beeindruckendes Beispiel für den verantwortungsvollen Umgang mit historischen Bauten. Durch die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbgebung, die Verbesserung der Akustik und die Schaffung eines barrierefreien Zugangs wurde die Kirche sowohl funktional als auch ästhetisch auf den neuesten Stand gebracht. Gleichzeitig blieb sie ein Ort, der sich kulturell und sozial engagiert.

Die Weißfrauen Diakoniekirche zeigt, wie Denkmalpflege, modernes Bauen und kulturelle Nutzung miteinander verbunden werden können. Sie ist nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen Frankfurts, sondern auch ein lebendiger Ort, der Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebensentwürfe zusammenbringt. Mit ihrer Kombination aus historischer Bedeutung, künstlerischer Vielfalt und sozialem Engagement bietet die Weißfrauen Diakoniekirche eine inspirierende Vision für die Zukunft der Kirchenbauten in der Stadt.

Quellen

  1. Weißfrauenkirche Innen und Aussensanierung
  2. Buntglas-Gestaltung mit Sonnenlicht und Reflexion
  3. Frankfurter Weißfrauenkirche erstrahlt in Originalfarben
  4. Sanierter Weißfrauenkirche trägt wieder ihre Originalfarben
  5. Kunst im Dialog mit dem Kirchenraum
  6. Barrieren vor der Weißfrauenkirche beseitigt
  7. Weißfrauen Diakoniekirche

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