Die Friedrich-List-Schule in Ulm ist nicht nur eine der größten Berufsschulen im Raum Ulm, sondern auch ein städtisches Baukunstwerk mit historischer Bedeutung. Die aktuelle Sanierung dieses Gebäudekomplexes – die bis zu einem Rohbauniveau zurückging und inzwischen abgeschlossen ist – stellt eines der umfassendsten und bedeutungsvollsten Sanierungsprojekte der Stadt dar. Mit einem Volumen von über 41,5 Millionen Euro, davon rund 8 Millionen Euro Zuschuss aus Landesmitteln, ist dieses Vorhaben nicht nur eine technisch-challengebare Baumaßnahme, sondern auch ein Aushängeschild für zukunftsfähige Schulentwicklung, Brandschutz, Energieeffizienz und nachhaltige Architektur.
In diesem Artikel werden die Hintergründe, die Planung, die Bauausführung sowie die technischen und ökologischen Aspekte der Sanierung der Friedrich-List-Schule (FLS) detailliert vorgestellt. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über dieses Sanierungsprojekt zu geben, der sowohl für Interessierte im Bereich Bildung als auch für Architekten, Bauunternehmen und Kommunen in der Sanierungs- und Baubranche relevant ist.
Die historische Grundlage
Die Friedrich-List-Schule wurde in mehreren Bauphasen zwischen 1952 und 1974 errichtet und später umfangreich erweitert. Der historische Gebäudekomplex – mit Teilen, die bis zu 70 Jahre alt sind – ist ein Baudenkmal, das aufgrund seiner langen Nutzung und der stetigen Veränderungen bis in die 2010er Jahre hinein eine umfangreiche Sanierung erforderte.
Die FLS ist ein komplexes Ensemble aus mehreren Gebäuden unterschiedlicher Bautechniken und Materialien. Die Sanierung musste deshalb nicht nur funktional, sondern auch architektonisch mit Bedacht geplant werden, um die historischen Qualitäten zu bewahren und gleichzeitig die baulichen Anforderungen der Gegenwart zu erfüllen.
Planung und Finanzierung
Die Planung der Sanierung begann im Januar 2019, und die Baumaßnahme war ursprünglich für 2021 geplant. Die Sanierung wurde im Rahmen eines Vergabeverfahrens (VgV-Verfahren) durchgeführt, bei dem das Projekt den ersten Platz belegte. Das bedeutet, dass die Stadt Ulm bei der Vergabe der Bauaufgabe nicht nur technische, sondern auch kreative und gestalterische Kriterien berücksichtigte.
Die Gesamtkosten für die Sanierung beliefen sich auf etwa 41,5 Millionen Euro (Stand: 2022). Davon trugen rund 8 Millionen Euro das Land Baden-Württemberg als Fördermittel. Der restliche Betrag wurde durch die Stadt Ulm finanziert. Diese Finanzierungsstruktur ist in der Kommunalbauwirtschaft typisch, insbesondere für Projekte, die sowohl städtische als auch staatliche Interessen berühren.
Die Planung beinhaltete eine umfassende Analyse der bestehenden Bausubstanz. Es stellte sich heraus, dass aufgrund der unterschiedlichen Bauzeiten und Materialien – einige Bereiche enthielten schadstoffhaltige Materialien – der Großteil der Gebäude auf den Rohbauzustand zurückgebaut werden musste. Dies ist ein entscheidender Faktor für die hohen Kosten und die langen Bauzeiten, die von 2021 bis 2024 andauerten.
Umfang der Sanierungsarbeiten
Die Sanierung der Friedrich-List-Schule umfasste mehrere Bereiche, die sowohl technische als auch gestalterische Anforderungen erfüllen mussten. Die Maßnahmen können in folgende Kategorien eingeteilt werden:
1. Umfassende Fassadensanierung
Die Fassade wurde nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus funktionalen Gründen grundlegend erneuert. Ziel war es, das Gebäude optisch neu zu definieren und gleichzeitig seine Energieeffizienz zu verbessern. Die Fassadensanierung beinhaltete die Erneuerung des Isolierungssystems, die Anbringung von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) sowie die Renovierung von Fensterfronten. Zudem wurden Dachbegrünungen vorgenommen, um das Stadtklima positiv zu beeinflussen.
2. Brandschutzmaßnahmen
Ein weiterer zentraler Aspekt der Sanierung war die Ertüchtigung des Brandschutzes. Die Gebäude wurden auf die neuesten Brandschutzvorschriften überprüft und bei Bedarf modernisiert. Dazu gehörten die Installation neuer Rauchabzugsanlagen, Brandschutzschächte, Türen mit entsprechenden Brandschutzklassen (z. B. F30) sowie Feuerlösch- und Alarmsysteme. Zudem wurden Fluchtwegplanung und -beleuchtung überarbeitet, um die Sicherheit der Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte im Brandfall zu gewährleisten.
3. Generalsanierung im Gebäudeinneren
Der Innenraum der Schule wurde vollständig saniert. Dazu gehörte die Erneuerung aller haustechnischen Anlagen, darunter Heizungsanlagen, Lüftungsanlagen, elektrische Verkabelung und Sanitäranlagen. Die Klassenzimmer wurden mit bodentiefen Fenstern ausgestattet, um mehr Tageslicht hineinzulassen und die Raumatmosphäre zu verbessern. Zudem wurde die Akustik der Räume optimiert, was insbesondere für den Unterricht von großer Bedeutung ist.
4. Barrierefreiheit
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung lag auf der Umsetzung der Barrierefreiheit. Dazu gehörten die Erneuerung oder Neubau von Aufzügen, die Anpassung von Treppenhäusern und Fluren an die Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) sowie die Schaffung von barrierefreien Zugängen zu allen Gebäudeteilen. Zudem wurden Taktile Orientierungshilfen und farbliche Abstimmungen vorgenommen, um auch Menschen mit Behinderung eine bessere Orientierung und Nutzung der Räume zu ermöglichen.
5. Neustrukturierung des Verwaltungsbereichs
Der Verwaltungsbereich der Schule wurde neu gestaltet, um die Abläufe in der Schule zu optimieren. Dazu gehörten die Schaffung von neuen Räumen für das Sekretariat, die Personalverwaltung und den Lehrerbereich sowie die Neugestaltung von Kommunikations- und Sitzungsräumen. Die Zielsetzung war es, die Verwaltungsabläufe effizienter zu gestalten und die Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Verwaltung und Eltern zu verbessern.
6. Energetische Sanierung
Die Energetische Sanierung war ein zentraler Aspekt des Projekts. Die Schule wurde in den Bereichen Isolierung, Heizung, Lüftung und Dämmung auf den neuesten Stand gebracht. Dazu gehörte auch die Installation neuer, energieeffizienter Technologien, wie z. B. Wärmepumpen oder solarthermische Anlagen, die den Energieverbrauch reduzieren und langfristig zu niedrigeren Betriebskosten führen.
Bauzeit und provisorische Unterkunft
Die Sanierungsarbeiten begannen im Sommer 2021 und dauerten bis in den Sommer 2024 an. Aufgrund der umfassenden Rückbauarbeiten, die in manchen Bereichen einem Neubau gleichkamen, war es erforderlich, Teile der Schülerschaft in eine provisorische Unterkunft zu verlegen. Diese Unterkunft lag in der Pionierkaserne, einer ehemaligen militärischen Anlage, die dafür umfassend modernisiert und eingerichtet wurde.
Die Unterrichtsorganisation wurde so gestaltet, dass die Unterrichtsqualität auch während der Sanierungsphase nicht beeinträchtigt wurde. Die Schule nutzte moderne digitale Kommunikationsmittel, um die Organisation der Unterrichtszeiten zu optimieren, und stellte sicher, dass alle Klassen in angemessenen Räumen unterrichtet wurden.
Nachhaltigkeit und Materialwahl
Eine besondere Stärke des Sanierungsprojekts ist die konsequente Nutzung von natürlichen, langlebigen und nachhaltigen Baumaterialien. Die Planung betonte die Bedeutung von Substanzschutz und die Vermeidung von kurzlebigen, synthetischen Materialien. So wurden z. B. Holz, Naturstein und mineralische Dämmstoffe bevorzugt eingesetzt. Diese Materialien sind nicht nur umweltfreundlich, sondern auch in ihrer Haltbarkeit und Ästhetik den Anforderungen einer modernen Bildungslandschaft gerecht.
Architektonische Konzeption
Die Gesamtgestaltung der Sanierung orientierte sich an den architektonischen Gegebenheiten des historischen Stadtkontextes. Die FLS sollte nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch in das Umfeld integriert werden. Der Schwerpunkt lag dabei auf einer zurückhaltenden, aber hochwertigen Umsetzung, die dem Ulmer Prinzip von „Form und Funktion“ entspricht. Die neuen Fassaden, die Dachbegrünungen und die klare Raumplanung verleihen der Schule ein neues, aber stimmiges Erscheinungsbild.
Soziale und pädagogische Auswirkungen
Die Sanierung der Friedrich-List-Schule war nicht nur eine bauliche Maßnahme, sondern auch eine Investition in die Zukunft der Schule. Durch die verbesserten Unterrichtsbedingungen, die modernen Lernumgebungen und die besseren Arbeitsbedingungen für das Lehrerkollegium wird das Lernklima nachhaltig verbessert. Zudem ist die Schule nun besser auf zukünftige pädagogische Entwicklungen wie digitales Lernen, inklusive Bildung und Projektarbeit vorbereitet.
Fazit
Die Sanierung der Friedrich-List-Schule in Ulm ist ein herausragendes Beispiel für eine umfassende, nachhaltige und kreative Schulsanierung. Mit einer Investition von über 41,5 Millionen Euro, davon 8 Millionen Euro Landesförderung, hat die Stadt Ulm ein Projekt realisiert, das nicht nur den baulichen Anforderungen der Gegenwart entspricht, sondern auch die Zukunft der Schule sichert. Die Sanierung war ein langfristiges Projekt, das auf breiter Planung, technischer Kompetenz und gestalterischer Sensibilität beruhte. Die Ergebnisse sind beeindruckend: eine moderne, sichere, barrierefreie und leistungsstarke Schule, die in das historische Stadtbild eingebettet ist und zugleich als Vorzeigeobjekt für zukünftige Sanierungsprojekte in der Region dienen kann.
Quellen
- Zweixm.de – Sanierung Friedrich-List-Schule
- Ulm-news.de – Friedrich-List-Schule in Ulm wird für 40 Millionen Euro saniert
- Campus-Architektur.de – Sanierung Friedrich-List-Schule Ulm
- Ulm.de – Renovierte Friedrich List Schule feierlich wiedereröffnet
- Augsburger-allgemeine.de – Friedrich-List-Schule in Ulm wird für 41,5 Millionen Euro saniert
- SWP.de – Neue Schule im alten Haus
- Fls-ulm.de – Feierliche Einweihung der neuen Friedrich-List-Schule
- Ulm.de – Sanierung List-Schule mit Förderung
- Fls-ulm.de – Die Friedrich-List-Schule erneuert sich