Einführung
Die Grundsanierung der Chemiegebäude an der Freien Universität Berlin (FU Berlin) ist eines der größten und komplexesten Sanierungsprojekte in der Geschichte der Berliner Hochschulbaukunst. Die Gebäude, die ursprünglich in den 1960er und 1970er Jahren errichtet wurden, präsentierten sich aufgrund veralteter Bausubstanz, energieverbrauchlicher Anlagen, Brandschutzmängeln und Schadstoffbelastungen als dringend sanierungsbedürftig. Ziel der Sanierungsmaßnahmen ist es, das Institut für Chemie und Biochemie der FU Berlin auf den neuesten Stand zu bringen – sowohl hinsichtlich seiner baulichen Struktur als auch seiner technischen Ausrüstung.
Die Sanierungsarbeiten erfolgen in mehreren Bauabschnitten und umfassen die komplette Entkerung der Gebäude bis auf die Rohbaukonstruktion. Dabei werden moderne Laborbedingungen geschaffen, die Lehre und Forschung optimiert und die Energieeffizienz deutlich gesteigert. Die gesamte Baumaßnahme wird in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen durchgeführt und ist als langfristiges Vorhaben angelegt, das sowohl funktionale als auch ästhetische und ökologische Aspekte berücksichtigt.
Hintergrund und Notwendigkeit der Sanierung
Die Chemiegebäude der FU Berlin, insbesondere das Institut für Chemie an der Arnimallee 22 und Takustraße 3, stammen aus der Zeit der 1960er und 1970er Jahre. Diese Gebäude verfügten über eine Stahlbeton-Skelettkonstruktion, wodurch sie sich baulich klar von moderneren Bauweisen absetzen. Gleichzeitig trugen sie den städtebaulichen Gegebenheiten ihrer Zeit Rechnung – mit schlichter Architektur und einer klaren Raumordnung.
Allerdings wurden mit der Zeit Mängel offensichtlich:
- Veraltete Bausubstanz: Viele Materialien, die in den 1970er Jahren eingesetzt wurden, haben sich abgenutzt oder sind nicht mehr den aktuellen Sicherheits- und Komfortanforderungen entsprechend.
- Energieverbrauch: Aufgrund ineffizienter Heizungs- und Lüftungsanlagen war der Energieverbrauch der Gebäude hoch, was sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Nachteile hatte.
- Brandschutzmängel: Die Brandschutztechnik entsprach nicht mehr den aktuellen Vorschriften.
- Schadstoffbelastung: Asbest und andere Schadstoffe, die in der Vergangenheit oft im Baubereich verbreitet waren, erforderten eine sorgfältige Sanierung.
- Nutzungsoptimierung: Die räumliche Anordnung der Lehr- und Forschungsräume war nicht mehr zeitgemäß und behinderte die effektive Nutzung der Gebäudeflächen.
Die Notwendigkeit einer grundlegenden Sanierung wurde durch eine umfassende Wirtschaftlichkeitsuntersuchung unterstrichen, die ergab, dass eine Sanierung im Vergleich zu einem Abriss und Neubau kostengünstiger und nachhaltiger ist. Zudem ist die Sanierung ein Schritt, um den wachsenden Anforderungen an Forschung, Lehre und Studium an der FU Berlin gerecht zu werden.
Projektziele und -rahmen
Die Sanierungsmaßnahmen umfassen zwei Realisierungsabschnitte und insgesamt sieben Bauteile. Der erste Bauabschnitt ist bereits weitgehend abgeschlossen, während der zweite sich aktuell in der Planung und Ausführung befindet. Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 alle Gebäude auf dem Campus für Lehre und Forschung fit zu machen.
Projektziele
- Bauliche Modernisierung: Die Gebäude werden bis auf das Betonskelett entkernt und neu aufgebaut.
- Energieeffizienz: Die Sanierung beinhaltet den Einbau moderner Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlagen, die den Energieverbrauch reduzieren.
- Brandschutz: Alle Brandschutzmaßnahmen werden an aktuelle Normen angepasst.
- Schadstofffreiheit: Asbest und andere Schadstoffe werden fachgerecht entfernt.
- Optimierung der Nutzung: Die Nutzung der Räume wird neu strukturiert, sodass Lehr- und Forschungsräume effizienter genutzt werden können.
- Barrierefreiheit: Die Gebäude werden für alle Nutzer, einschließlich Menschen mit Behinderungen, zugänglich gestaltet.
- Ressourcenschonung: Bestandsmaterialien werden soweit möglich wiederverwendet, um den Ressourcenverbrauch zu minimieren.
Projektrahmen
Die Sanierungsmaßnahme wird in zwei Realisierungsabschnitten (RA 1 und RA 2) durchgeführt. RA 1 umfasst die Bauteile 1 bis 4 und 7 (Hörsaalgebäude). RA 2 ist noch in Bearbeitung und wird die restlichen Bauteile abdecken. Die gesamte Sanierung wird bis 2030 abgeschlossen sein.
Die Gesamtfläche des Projekts beträgt 31.800 m² Bruttogeschossfläche (BGF), wobei die Nutzfläche bei 13.800 m² liegt. Der erste Bauabschnitt hat sich auf insgesamt 5.450 m² Hauptnutzfläche konzentriert.
Konzeptionelle und bauliche Maßnahmen
Die Sanierungsmaßnahmen folgen einem klaren konzeptionellen Plan, der sowohl funktionale als auch ästhetische Aspekte berücksichtigt. Die Grundidee ist es, die Gebäude so zu modernisieren, dass sie zukünftigen Anforderungen an Forschung, Lehre und Studium gerecht werden, ohne den ursprünglichen städtebaulichen Charakter der Gebäude zu verlieren.
Erschließung und Zugang
Der Zugang zum Institut für Chemie wurde deutlich verbessert. In den Bestandsgebäuden wurde ein zentraler Mittelflügel mit einem angemessenen Foyer gestaltet, das als zentrales Erschließungselement dient. Eine neue Brücke führt über den Senkgarten zu einer Terrasse, die dem Foyer vorgelagert ist. Diese baulichen Maßnahmen verbessern nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die Nutzbarkeit des Eingangsbereichs.
Innere Nutzungsbereiche
Die innere Nutzung der Gebäude wurde neu strukturiert. Lehrbereiche sind im Sockel- und Erdgeschoss untergebracht, während Forschungsbereiche in den ersten und zweiten Obergeschossen platziert wurden. Diese Aufteilung ermöglicht eine bessere Trennung zwischen Lehre und Forschung und erleichtert die Organisation der Räume.
Technische Anlagen
Die Sanierungsmaßnahmen beinhalten den Einbau moderner Technik in den Bereichen:
- Heizung, Klima und Lüftung (HKLS): Moderne Anlagen sorgen für eine bessere Energiebilanz und Verbesserung der Raumklima.
- Elektrotechnik: Aktuelle Elektroinstallationen ermöglichen die Nutzung moderner Geräte und Systeme.
- MSR-Technik (Mess-, Steuer- und Regeltechnik): Diese Technik ist besonders in Laborbereichen von großer Bedeutung und wurde auf den neuesten Stand gebracht.
- Labortechnik: Die Labore sind für Studierende der organischen und anorganischen Chemie ausgestattet und entsprechen den aktuellen Sicherheits- und Funktionierungsanforderungen.
Wiederverwendung und Nachhaltigkeit
Ein besonderer Fokus der Sanierungsmaßnahmen lag auf der Ressourcenschonung. So wurden Bestandsestrich und Fliesen in Treppenhäusern und Außenbereichen weitestgehend erhalten. Holz aus alten Fensterprofilen wurde als Wandbelag und Möbelmaterial wiederverwendet. Die vorhandene Bestuhlung im Hörsaal und die Hörsaaltafel wurden restauriert und wieder in Betrieb genommen. Diese Maßnahmen tragen zur Nachhaltigkeit des Projekts bei und reduzieren den Rohstoffverbrauch.
Brandschutzmaßnahmen
Brandschutz war ein zentrales Anliegen der Sanierungsmaßnahmen. Da die ursprünglichen Brandschutzsysteme veraltet waren, wurden alle relevanten Bereiche mit modernen Lösungen ausgestattet. Dies umfasst die Installation von Rauchabzügen, Brandschutztüren, Feuerlöschanlagen und Warnsystemen. Zudem wurde ein neues Technikgebäude errichtet, das für die zentrale Steuerung der Brandschutzanlagen genutzt wird.
Herausforderungen und Lösungen
Die Sanierung der Chemiegebäude der FU Berlin war nicht ohne Herausforderungen. Die größte Schwierigkeit lag in der Tatsache, dass die Sanierungsarbeiten bei laufendem Betrieb durchgeführt werden mussten. Dies erforderte eine sorgfältige Planung und Organisation, um die Studierenden und Mitarbeiter der Universität nicht in ihrer Arbeit zu stören.
Logistik und Planung
Da die Sanierungsmaßnahme in zwei Abschnitten durchgeführt wird, war es notwendig, die Baumaßnahmen so zu planen, dass sie sich nicht gegenseitig behindern. Dies führte zu einer detaillierten Zeitplanung und einer engmaschigen Koordination zwischen den verschiedenen Gewerken. Zudem wurde ein Projektmanagement eingerichtet, das die gesamte Baumaßnahme koordinierte.
Brandschutz und Schadstoffe
Ein weiteres Problem war die Entfernung von Schadstoffen wie Asbest. Dies erforderte eine sorgfältige und fachgerechte Vorgehensweise, um Gesundheitsgefahren für die Arbeiter und das Umfeld zu vermeiden. Zudem mussten Brandschutzmaßnahmen eingebaut werden, die den aktuellen Vorschriften entsprechen. Hierbei war es notwendig, die alten Brandschutzsysteme zu entfernen und durch moderne Lösungen zu ersetzen.
Energieeffizienz
Die Energieeffizienz der Gebäude war ein weiteres zentrales Anliegen. Da die alten Heizungs- und Lüftungsanlagen ineffizient waren, war es notwendig, diese durch moderne Anlagen zu ersetzen. Zudem wurden Maßnahmen ergriffen, um die Wärmedämmung der Gebäude zu verbessern, was den Energieverbrauch weiter reduzierte.
Aktueller Baustand (Stand 02/2025)
Der aktuelle Baustand ist durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Projektsteuerern, der Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen und den verschiedenen Gewerken gekennzeichnet. Der erste Realisierungsabschnitt (RA 1) ist weitestgehend abgeschlossen, und der zweite Abschnitt (RA 2) ist in der Planung und Ausführung.
Bauteile 1 bis 4 und 7 (Hörsaalgebäude)
- Bauteile 3 und 4: Hochbaulich sind diese Bauteile zu mehr als 95 % fertiggestellt. Der technische Ausbau und der Laborbau liegen bei fast 70 %. Im August 2024 kam es zu einem Brand im Dachbereich von Bauteil 3, wodurch Wand- und Deckenbereiche geschädigt wurden. Diese mussten ausgetauscht werden. Dennoch ist mit der Fertigstellung dieser Bauteile im Sommer 2025 zu rechnen.
- Bauteile 1 und 2: Diese sind hochbaulich zu über 90 % fertiggestellt. Der technische Ausbau und der Laborbau schreiten zügig voran. Die Fertigstellung ist sukzessive bis zum Frühjahr 2026 geplant.
- Inbetriebnahme und Übergabe: Die Übergabe des ersten Realisierungsabschnitts an den Nutzer ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.
Finanzierung und Projektmanagement
Die Sanierungsmaßnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen durchgeführt. Die Finanzierung erfolgt über den Investitionspakt Wissenschaft, der mit dem Projekt verbunden ist. Bureau Veritas übernimmt die Projektsteuerung, wobei DGS Ingenieurgesellschaft für Projektmanagement als Partner fungiert. Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine effiziente Planung und Durchführung der Sanierungsarbeiten.
Fazit
Die Grundsanierung der Chemiegebäude der Freien Universität Berlin ist ein beeindruckendes Beispiel für die Modernisierung von Hochschulgebäuden. Mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Brandschutz und räumliche Optimierung wurden die Gebäude so umgestaltet, dass sie zukünftigen Anforderungen an Forschung, Lehre und Studium gerecht werden.
Die Sanierungsmaßnahmen folgten einem klaren Plan, der sowohl funktionale als auch ästhetische Aspekte berücksichtigte. Zudem wurden Ressourcen geschont, indem Bestandsmaterialien wiederverwendet wurden. Die Herausforderungen, die sich aus der Durchführung der Sanierungsarbeiten bei laufendem Betrieb ergaben, wurden durch eine sorgfältige Planung und Organisation meistern.
Die Sanierung der Chemiegebäude der FU Berlin ist nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte der Universität, sondern auch ein Vorbild für zukünftige Sanierungsprojekte in der Hochschulbaukunst. Sie zeigt, wie es möglich ist, alte Gebäude modern zu machen, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Quellen
- Institut der Chemie an der FU Berlin
- Grundsanierung des chemischen Instituts der FU Berlin
- Forschung und Lehre – Grundsanierung des chemischen Instituts der FU Berlin
- Chemie-Sanierung an der FU Berlin
- Erfolgsgeschichte: Einführung des neuen Institutsgebäudes
- Grundsanierung des Instituts für Chemie der FU Berlin
- Projekt FUC-1 an der FU Berlin
- Baufortschritt Stand 02/2025