Einführung
Die Sanierung der zentralen Fußgängerzone in Regensburg ist ein zentraler Baustein der städtebaulichen Entwicklung der Altstadt. Das 7,3 Hektar umfassende Sanierungsgebiet zwischen Drei-Helm-Gasse, Pfauengasse, Schwarze-Bären-Straße, Drei-Kronen-Gasse, Maximilianstraße, St.-Peters-Weg, Fröhliche-Türken-Straße, Viereimergasse, St.-Kassiansplatz und der Ostseite des Neupfarrplatzes wurde am 3. Februar 2023 förmlich als Sanierungsgebiet festgelegt. Ziel ist es, die städtebaulichen Missstände im Herzen der Altstadt zu beheben und den Stadtraum für Bürger, Besucher, Einzelhändler und Gastronomen attraktiver zu gestalten.
Die Sanierungsmaßnahmen umfassen unter anderem die Erneuerung der technischen Infrastruktur, die Anpassung der Straßenbeläge an moderne Anforderungen und die Schaffung von mehr Grünflächen sowie Sitzecken. Gleichzeitig stehen die Herausforderungen für die betroffenen Geschäfte im Vordergrund, insbesondere während der Bauphase, wo Lärmbelästigungen, Schmutz und Verkehrsbehinderungen nicht zu vermeiden sind.
In diesem Artikel werden die Hintergründe, Planungsverläufe, Umsetzung, Kosten und zukünftige Perspektiven der Sanierung detailliert beschrieben, wobei ausschließlich auf verfügbare, offizielle Dokumente und Berichte zurückgegriffen wird.
Hintergrund und Zielsetzung
Förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets
Am 3. Februar 2023 erließ die Stadt Regensburg eine Satzung gemäß § 142 BauGB, um das Gebiet der zentralen Fußgängerzone förmlich als Sanierungsgebiet festzulegen. Das Ziel ist es, städtebauliche Missstände zu beseitigen und den Stadtraum nachhaltig zu verbessern. Die Satzung legt fest, dass die Sanierungsmaßnahmen im vereinfachten Verfahren durchgeführt werden, wobei die besonderen Vorschriften der §§ 152 bis 156 a BauGB nicht angewendet werden.
Die Festlegung erfolgte nach intensiven Planungs- und Beteiligungsprozessen, die bereits ab 2015 durchgeführt wurden. Zahlreiche Workshops, Bürgerveranstaltungen und Umfragen standen im Mittelpunkt der Planung. Ein solcher Prozess war notwendig, da die Fußgängerzone ein sensibles städtisches Areal ist, das sowohl touristische, als auch wirtschaftliche Funktionen erfüllt.
Funktion der Fußgängerzone
Die zentrale Fußgängerzone ist nicht nur ein zentraler Einkaufs- und Freizeitort, sondern auch ein kulturelles und historisches Areal. Sie ist charakterisiert durch schmale Gassen, historische Gebäude und eine hohe Dichte an Einzelhandelsgeschäften und Gastronomiebetrieben. Gleichzeitig präsentiert sich die Infrastruktur als veraltet, weshalb die Sanierung technisch wie ästhetisch notwendig ist.
Die Sanierungsarbeiten sind daher nicht nur eine Frage der Erneuerung, sondern auch der Zukunftsfähigkeit des Stadtraums. Ziel ist es, die Altstadt als attraktives Zentrum für Einkauf, Kultur und Freizeit weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Lebensqualität für Einwohner und Besucher zu steigern.
Planungsprozess und Beteiligung
Umfragen und Workshops
Der Planungsprozess begann bereits 2015 mit einer Umfrage zur Stadtmöbilierung, die in die Planungen einfließen sollte. Ziel war es, die Bedürfnisse der Nutzergruppen – Einwohner, Einzelhändler, Touristen – zu berücksichtigen. Zahlreiche Workshops und Bürgerveranstaltungen folgten, in denen Anlieger, Einzelhändler und Interessensgruppen ihre Anregungen einbrachten.
Diese Beteiligung ist ein zentraler Bestandteil des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) „Zentrale Altstadt“ und der Vorbereitenden Untersuchung (VU) „Zentrale Fußgängerzone“, die beide von der Stadt Regensburg erarbeitet wurden. Diese Konzepte bilden die Grundlage für die weiteren Maßnahmen und legen zukünftige Entwicklungen fest.
Beteiligung der Bevölkerung
Die Stadt Regensburg betont, dass sie sich bewusst ist, in einem sensiblen Stadtraum zu arbeiten, in dem zahlreiche Geschäfte, Büros, Praxen und Anwohner beheimatet sind. Um die Belastungen durch die Baumaßnahmen zu minimieren, wurden flexible Planungen angestrebt. Christine Schimpfermann, Planungs- und Baureferentin der Stadt Regensburg, erklärte in Interviews, dass alle Geschäfts- und Hauseingänge stets erreichbar bleiben und dass die Baumaßnahme effizient und flexibel geplant ist, um Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherstellung, dass die Fußgängerzone in der Vorweihnachtszeit vollständig frei von Baustellenbetrieb ist, da dies ein kritischer Zeitpunkt für den Einzelhandel ist. Dies zeigt, dass die Stadt nicht nur bautechnische, sondern auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.
Maßnahmen und Ausgestaltung
Straßenbeläge und Gestaltung
Die Sanierungsmaßnahmen beinhalten unter anderem die Erneuerung der Straßenbeläge. Die Gassen erhalten einen fußgängerfreundlichen Belag aus kleinformatigem Pflaster, wobei stellenweise ein Belagswechsel mit großformatigem Pflaster erfolgt. Diese Flächen eignen sich ideal für Sitzecken und Grünflächen, die in der dicht bebauten Altstadt besonders willkommen sind.
Zudem sind neue Spielpunkte für Kinder in der Königsstraße und der Viereimergasse geplant. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, den Stadtraum familienfreundlicher zu gestalten und den Aufenthalt in der Altstadt attraktiver zu machen.
Grünflächen und Kleinklima
Ein weiteres Ziel der Sanierungsmaßnahmen ist die Verbesserung der Raumqualität und des Kleinklimas in der Altstadt. Dazu sind neue Bäume vorgesehen, die an sinnvollen Standorten gepflanzt werden. Die Bäume sollen langfristig in ihrer Entwicklung gesichert sein, um auch in der Zukunft einen positiven Einfluss auf das Mikroklima zu haben.
Diese Maßnahmen sind im Einklang mit den Zielen des Städtebaulichen Rahmenkonzepts für die Regensburger Innenstadt 2025, das die Gestaltung der Altstadt als lebendigen Begegnungs- und Arbeitsort betont.
Technische Infrastruktur
Die Sanierung umfasst auch die Erneuerung der technischen Infrastruktur unter den Straßen. Die Kanäle, die in Teilen mehr als 100 Jahre alt sind, werden erneuert. Diese Arbeiten sind notwendig, um die langfristige Funktionalität und Sicherheit der Infrastruktur zu gewährleisten.
Die technischen Arbeiten sind zeit- und kostenintensiv. Die Sanierungsarbeiten insgesamt werden mit rund sechs Millionen Euro veranschlagt. Die genaue Kostenaufteilung wird im Zuge der weiteren Planung erarbeitet. Sofern die Maßnahmen nach dem Kommunalabgabengesetz beitragspflichtig sind, werden die Anlieger mit dem in der städtischen Straßenausbaubeitragssatzung vorgesehenen Beitragssatz an den Kosten beteiligt.
Zeitplan und Umsetzung
Phasen der Sanierung
Die Sanierungsarbeiten sind in mehreren Phasen geplant. In der Pfauengasse und der Weißen-Lilien Straße begannen die Arbeiten bereits. Bis 2020 sind die Sanierungen in der Drei-Helm-Gasse, der Viereimergasse, der Königsstraße sowie der Schwarze-Bären-Straße geplant.
Die Stadt Regensburg weist darauf hin, dass Verschiebungen und Verzögerungen aufgrund von archäologischen Funden, bautechnischen Problemen oder Wetterbedingungen nicht auszuschließen sind. Gleichzeitig ist es Ziel, die Vorweihnachtszeit von Baustellenarbeiten zu befreien, um den Einzelhandel nicht weiter zu belasten.
Langfristige Perspektiven
Gemäß § 142 Abs. 3 BauGB müssen die Maßnahmen in Sanierungsgebieten innerhalb von bis zu 15 Jahren umgesetzt werden. Die langfristige Geltung der Satzung ist daher sinnvoll, da sie es ermöglicht, die Zielsetzungen im Laufe der Zeit zu konkretisieren und an veränderte Bedingungen anzupassen.
Ein aktueller Faktor ist die Schließung der Galeria Kaufhof im August 2024, was einen massiven Leerstand in der Altstadt ausgelöst hat. Die Schließung des ehemaligen Kaufhauskomplexes am Neupfarrplatz hat ein Problem geschaffen, das über die reinen Baumaßnahmen hinausgeht. Die Verwaltung wurde beauftragt, die in den Vorbereitenden Untersuchungen und im ISEK erarbeiteten Ziele sukzessive umzusetzen und den Stadtrat sowie die Öffentlichkeit regelmäßig über den Fortschritt zu informieren.
Auswirkungen auf den Einzelhandel
Kritische Stimmen aus der Wirtschaft
Die Sanierungsarbeiten haben – wie jede Bauphase – auch negative Auswirkungen auf die Geschäftsflächen in der Fußgängerzone. Viele Geschäfte sind durch Baustellen und Verkehrsbehinderungen schwer zugänglich. Kunden meiden die Altstadt, was sich negativ auf die Umsätze auswirkt.
Einzelhändler in der Pfauengasse und Weißen-Lilien Straße, die von den Baumaßnahmen besonders betroffen sind, stehen der Sanierung kritisch gegenüber. Sie befürchten, dass der Verlust von Kunden sich langfristig auf die wirtschaftliche Zukunft ihres Geschäfts auswirken könnte.
Die Stadt Regensburg betont jedoch, dass die Sanierungsarbeiten notwendig sind und langfristig positive Effekte erwarten. Die Verwaltung arbeitet eng mit den betroffenen Händlern zusammen, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.
Wirtschaftliche Bedeutung der Altstadt
Die Regensburger Altstadt ist ein bedeutender Einkaufsstandort. Der Einzelhandel ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in der Region. Ziel des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts 2030 ist es, die Altstadt als Einkaufsstandort Nummer Eins zu sichern und sicherzustellen, dass die Verkaufsfläche der Altstadt größer ist als die der anderen zentralen Standorte wie Arcaden oder Donau-Einkaufszentrum.
Die Schließung des Kaufhauses hat dieses Ziel gefährdet, da 20 Prozent der Gesamtverkaufsfläche in der Altstadt betroffen sind. Die Wiederbelebung des ehemaligen Kaufhausgebäudes am Neupfarrplatz ist daher ein zentraler Schwerpunkt der Sanierungsmaßnahmen.
Fazit
Die Sanierung der zentralen Fußgängerzone in Regensburg ist ein komplexes und langfristiges Projekt, das sowohl technische als auch soziale und wirtschaftliche Herausforderungen beinhaltet. Mit der förmlichen Festlegung des Sanierungsgebiets im Jahr 2023 hat die Stadt Regensburg einen klaren Rahmen für die Umsetzung geschaffen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, den Stadtraum für alle Nutzergruppen attraktiver zu gestalten, die technische Infrastruktur zu modernisieren und die Altstadt als zentralen Begegnungs- und Einkaufsraum weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig ist die Sanierung mit erheblichen Herausforderungen verbunden, insbesondere für den Einzelhandel. Die Baumaßnahmen führen zu Lärmbelästigungen, Verkehrsbehinderungen und einem vorübergehenden Rückgang der Kundenströme. Die Stadt arbeitet jedoch eng mit den betroffenen Akteuren zusammen, um die Auswirkungen zu minimieren und den Handel so gut wie möglich zu unterstützen.
Insgesamt ist die Sanierung der zentralen Fußgängerzone ein Schritt hin zu einer lebendigen, nachhaltigen und zukunftsfähigen Altstadt. Sie unterstreicht die Bedeutung der integrierten Stadtentwicklung und zeigt, dass die Gestaltung von Stadträumen nicht nur bautechnisch, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich betrachtet werden muss.
Quellen
- Satzung der Stadt Regensburg über die förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets „Zentrale Fußgängerzone“ vom 03.02.2023
- Behinderungen in der Fußgängerzone: Einzelhändler und Passanten zu den Sanierungsarbeiten
- ISEK Regensburg – Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept „Zentrale Altstadt“ und Vorbereitende Untersuchung „Zentrale Fußgängerzone“
- Die Neugestaltung der zentralen Fußgängerzone in Regensburg
- Innovative Planung: Neubaugebiet in Regensburg bekommt eine Fußgängerzone
- Fortschreibung und Konkretisierung der Sanierungsziele im Sanierungsgebiet "Zentrale Fußgängerzone" und Erlass einer Änderungssatzung